Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

Breaking News oder Fake News? Teil 1: Die Quelle prüfen

Als der Postillon titelte “Zu teuer und zu ineffizient: Regierung stellt umstrittenes Chemtrail-Programm ein”, hätte der Verfasser wohl nicht erwartet, dass sein Artikel Verschwörungstheoretikern als glaubwürdiger Beleg dienen würde. Anders sah es bei Bundesinnenminister Thomas de Maizière aus, der im vergangenen Sommer Ärzten pauschal vorwarf, mit Attesten Abschiebungen zu verhindern, und den Vorwurf mit einer aus sehr dünnen Fakten frei interpolierten Statistik zu belegen versuchte.

Fake News sind überall: In den sozialen Netzwerken, in mehr oder weniger anonymen Blogs, im Mund von Politikern aller Couleur, und immer wieder finden sie auch den Weg in die Berichterstattung der etablierten Medien. Mal dienen sie der politischen Stimmungsmache (wie oben, aber zum Beispiel auch im Fall des angeblich vor dem Berliner Lageso gestorbenen Asylanwärters),

mal sollen sie religiöse Überzeugungen befeuern oder konterkarieren (wie die Meldung über den angeblichen Fund von Überresten einer altägyptischen Armee im Roten Meer),

manchmal entspringen sie wohl auch einfach nur einer überbordenden Fantasie (wie die Geschichte über einen jungen Mann, in der behauptet wird, er habe auf einer Poolparty ins Schwimmbecken ejakuliert und dabei 16 weibliche Teenager geschwängert).

Unglaubwürdige Quelle = unglaubwürdige Nachricht

Dass der Postillon keine seriöse Nachrichtenquelle ist, sollte jedem geistig gesunden Menschen klar werden, der sich länger als nur ein paar Sekunden auf der Website umsieht. Auch in den dortigen FAQ heißt es:

[aesop_quote type=”block” background=”#c0c0c0″ text=”#000000″ align=”center” size=”1″ quote=”… alles, was im Postillon steht, ist Satire und somit dreist zusammengelogen. Alle auftauchenden Charaktere sind fiktional, Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig…” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Dennoch gehen mitunter auch seriöse Medien wie der MDR der Spaß-Postille auf dem Leim.

Das selbe gilt auch für Worldnewsdailyreport.com, wo von der im Roten Meer entdeckten pharaonischen Armee zu lesen war. In dessen Disclaimer ist zu lesen:

[aesop_quote type=”block” background=”#c0c0c0″ text=”#000000″ align=”center” size=”1″ quote=”… WNDR assumes however all responsibility for the satirical nature of its articles and for the fictional nature of their content. All characters appearing in the articles in this website – even those based on real people – are entirely fictional and any resemblance between them and any persons, living, dead, or undead is purely a miracle…” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Zugegeben, die Seitenbetreiber haben sich große Mühe gegeben, die Tonalität echter Nachrichten zu treffen, und bei oberflächlicher Sichtung der Themen könnte ein Leser die Website für ein gewöhnliches Boulevard-Medium halten. Aber auch gewöhnliche Boulevard-Medien sind nicht per se glaubwürdige Quellen.

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Herausfinden, wer oder was hinter einer Website steckt

  • Hat die Website ein vollständiges, inhaltlich glaubwürdiges Impressum?
  • Wenn es sich um eine .de-Website handelt: Wen nennt Denic.de als Domaininhaber?
  • Welche Informationen liefert Google zum Domaininhaber/inhaltlich Verantwortlichen?
  • Was verrät Google Street View über die Adresse, die im Impressum genannt ist?
  • Welche Beiträge sind sonst noch in der Online-Publikation zu finden?
  • Weisen das Impressum, eine FAQ oder ähnliches auf einen fiktionalen Charakter hin?
  • Verweist die Website auf zugehörige Social Media-Auftritte? Was ist dort zu finden?
  • Ist eine telefonische Kontaktaufnahme möglich? Kann der Gesprächspartner Detailfragen glaubwürdig beantworten?

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Soziale Medien: Die besten Augenzeugen und die schlimmsten Lügner

Im Januar 2009 veränderte ein einzelner Tweet die Überzeugungen vieler Journalisten, was die Macht sozialer Medien und ihre Bedeutung für die Berichterstattung betrifft. Ein Mann namens Janis Krums twitterte dieses Foto:

http://twitpic.com/135xa

Das Foto zeigt den im Hudson River notgewasserten Airbus A 320 von US-Airways-Flug 1549 – in einer Unmittelbarkeit und zeitlichen Nähe zum Ereignis, die keines der etablierten Medien hätte leisten können. Das hinderte letztgenannte freilich nicht daran, obiges Foto in ihrer Berichterstattung zu verwenden.

So mancher verspürt seitdem das Bedürfnis, sich mit Hilfe mehr oder weniger spektakulärer Meldungen in sozialen Netzwerken seine persönlichen fünfzehn Minuten Ruhm zu sichern. Die spektakulären Bilder dazu sind nicht selten von anderen Websites geklaut, die dazu passenden Meldungen komplett ausgedacht. Manchem Verfasser gelingt es dabei, den bei Journalisten sehr ausgeprägten Mann-beißt-Hund-Reflex zu bedienen.

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Social Media-Nutzer unter der Lupe

  • Wie lange existiert das Twitter-/Facebook-Konto bereits? (Das Beitrittsdatum findet sich bei beiden Diensten im Profil, unterhalb des Nutzerfotos)
  • Handelt es sich um ein verifiziertes Nutzerkonto? (Erkannbar an einem weißen Häkchen auf blauem Grund neben dem Nutzernamen)
  • Entspricht die Meldung in Sprache und Stil den anderen Beiträgen des Nutzers? (Ein Wechsel zwischen sorgfältiger und nachlässiger Rechtschreibung zum Beispiel sollte aufmerken lassen)
  • Auf welchen anderen Social Media-Plattformen ist der Nutzer aktiv? Was schreibt er dort?
  • Und auch hier wieder:

  • Ist eine telefonische Kontaktaufnahme möglich? Kann der Gesprächspartner Detailfragen glaubwürdig beantworten?

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Ehrlichkeit: Für Politiker keine Schlüsselqualifikation

Wie sieht es aber aus, wenn die Quelle der Innenminister der Bundesrepublik Deutschland ist? Dass Spitzenpolitiker immer die Wahrheit sagen, widerspräche jeder Erfahrung: “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!”, wird Walter Ulbricht, 1961 DDR-Staats- und Parteichef, oft zitiert. Eine glatte Lüge war wohl auch die Behauptung des damaligen britischen Premiers Tony Blair im März 2002 gegenüber der Öffentlichkeit, er beabsichtige keine britische Beteiligung an einem möglichen Irak-Krieg. Dem US-Außenminister Colin Powell hatte er da bereits seine Unterstützung zugesagt. Gegen solche Lügen ist eine weitgehend erfundene Statistik zu ärztlichen Attesten in der Tat ein Kavaliersdelikt – und dennoch ein weiterer Beleg für die Regel “Ein Politiker ist keine glaubwürdige Quelle!”

Was also tun, wenn ein Politiker eine Tatsachenbehauptung aufstellt, die neu, wichtig und interessant zu sein scheint? Im Fall der vom Minister genannten Statistik haben die Redakteure von MDR aktuell das Naheliegendste getan: Sie haben im Ministerium nachgefragt, auf welche Datenbasis der Minister seine Aussage gestützt habe. So viel Enthüllungsjournalismus geht immer.

Eine Quelle ist eine Quelle zu wenig

So manche Fake News fällt schon bei einem genaueren Blick auf die Quelle in sich zusammen. Selbstverständlich sagen auch die notorischsten Lügner von Zeit zu Zeit die Wahrheit. Schon aus Gründen der Arbeitsökonomie stellt ein Journalist aber schnell die Arbeit ein, wenn sich seine einzige Quelle als extrem unzuverlässig herausstellt. Aber auch wenn die Quelle an sich einem kritischen Blick standhält, kann eine Geschichte weit entfernt von der Wahrheit sein. Lässt sich eine Geschichte nicht durch eine zweite, von der ersten völlig unabhängige Quelle bestätigen, bleibt sie zweifelhaft, wenn sie sich nicht auf anderem Weg – etwa durch persönliches In-Augenschein-Nehmen – belegen lässt.

Wie sich Inhalte – unabhängig von ihrer Quelle – verifizieren, oder eben falsifizieren lassen, darum wird es im nächsten Beitrag dieser Reihe gehen.

Themen finden per Kalender: Wichtige Termine 2017

Überraschungen gehören zum Wesen der journalistischen Arbeit, und machen zum Teil auch ihren Reiz aus. Aber längst nicht alles Berichtenswerte kommt überraschend: Auch etliche Termine 2017 sind jetzt schon planbar und gehören – abhängig von der thematischen Ausrichtung der Publikation – in den Redaktionskalender.

Jahrestage, Geburts- und Todestage

Eine Übersicht über die wichtigsten Ereignisse, und die Daten, zu denen sie sich jähren, liefert der kleine Kalender.

Am 15. Oktober 2017 jährt sich Mata Haris Todestag zum hundertsten Mal, John F. Kennedy wäre am 29. Mai hundert Jahre alt geworden. Solche historischen Geburts- und Todestage liefert Geboren.am.

Umfangreiche Fotodossiers zu Ereignissen und Personen, die im kommenden Jahr Jubiläum haben, liefert Ullstein Bild.

Wichtige Sportereignisse

Eine umfassende Übersicht über internationale Sportereignisse 2017 liefert Topend Sports. Die in Deutschland meistbeachteten Sportereignisse führt auch die Sportschau auf.

Politisches Geschehen

So manches ist noch offen, aber Wahltermine und Gipfeltreffen folgen einer festen Agenda. Eine Reihe politisch entscheidender Zeitpunkte im Jahr 2017 hat der Mirror zusammengestellt. Auch N-TV liefert eine Übersicht über vieles, was in 2017 in politischer Hinsicht wichtig wird.

Messen und Ausstellungen

Dass eine Messe ins Haus steht, erfährt der Fachredakteur in aller Regel aus der Flut an Pressemitteilungen, die kurz vor und während des Ereignisses sein E-Mail-Postfach verstopfen – jedenfalls, was die großen Messen betrifft. Wer gern länger im Voraus plant, findet anstehende Messen im Messekalender.

Film-Events, Preisverleihungen und Festivals

Eine umfassende Liste der Termine 2017 wichtiger Film-Events von der Verleihung der Golden Globes bis hin zu den SchulKinoWochen NRW liefert die Film und Medien Stiftung NRW.

Filmpremieren des kommenden Jahres listet unter anderem die Website Filmstarts.

Musik-Events und Konzerte

Die Termine nahezu aller Konzerte bekannter und weniger bekannter Künstler liefert der Festivalticker. Dort finden sich auch Übersichten nationaler und internationaler Festivals.

Und zur Vervollständigung: Die Grammys werden vergeben am 12. Februar 2017, die Echos am 6. April 2017.

Hier finden Sie einen beispielhaften Kalender mit einer Reihe wichtiger Medienthemen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

[calendar id=”2088″]

Live in 360 Grad: Jetzt zeigt auch Periscope Rundum-Videos

Nachdem erst kürzlich YouTube und Facebook diese Möglichkeit geschaffen haben, ermöglicht jetzt auch Twitter über seinen Live-Video-Dienst Periscope Rundum-Videos. Wie die Periscope-Entwickler in einem aktuellen Blog-Eintrag erläutern, sind 360-Grad-Videos mit der Markierung Live 360 gekennzeichnet. Ruft ein Nutzer ein solches Video über sein Smartphone auf, kann er während der Wiedergabe die gezeigte Umgebung erkunden, indem er sein Smartphone in verschiedene Richtungen schwenkt. Aber auch durch Wisch- oder, etwa auf Desktops, durch Mausbewegungen lässt sich die Blickrichtung ändern.

360-Grad-Videos ansehen können ab sofort alle Twitter- oder Periscope-Nutzer, selbst streamen dürfen aber bislang nur ausgewählte Partner. In den kommenden Wochen will Twitter diese Möglichkeit auf weitere Nutzer ausdehnen. Interessenten, die es eilig haben, können sich schon jetzt in eine Warteliste eintragen.

Informationsfreiheit: Wikimedia und Open Knowledge Foundation erstatten Gebühren für Auskünfte

Im Bund und den meisten Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland sollen Informationsfreiheitsgesetze den ungehinderten Zugang zu behördlichen Informationen sicherstellen. Die zur Auskunft verpflichteten Behörden dürfen für den damit verbundenen Aufwand jedoch Gebühren erheben – bis zu einer Höhe von 500 Euro, wie das Bundesverwaltungsgericht kürzlich entschieden hat. Die Wikimedia Deutschland hat gemeinsam mit der Open Knowledge Foundation einen Fördertopf – vorerst gefüllt mit 5.000 Euro – bereitgestellt, um Anfragern solche Gebühren zu erstatten.

Voraussetzung für eine solche Förderung ist, dass die gewonnenen Informationen den Wikimedia-Projekten zugute kommen – sie also öffentlich zugänglich gemacht werden. Die Initiatoren empfehlen, die Anfrage über FragDenStaat.de an die in Frage kommende Behörde zu richten. Antwortet die Behörde darauf mit einem Gebührenbescheid, kann sich der Antragsteller an die Wikimedia wenden (Link zu den genauen Förderrichtlinien). Kommt von dort grünes Licht, kann er seine Anfrage verbindlich stellen, und sich die entstandenen Kosten innerhalb eines Monats von Wikimedia Deutschland e. V. erstatten lassen.

Mehr als jeder zweite konsumiert Nachrichten mobil

Von fünf der zehn wichtigsten Nachrichtenportale Deutschlands rufen mehr als die Hälfte der Nutzer die Nachrichten mobil ab, nutzen dazu also ein Smartphone oder Tablet. Das geht aus einer Auswertung des Statistikportals Statista auf Basis aktueller IVW-Daten hervor.

Relativ zur Gesamtzahl der Abrufe führt N-TV.de die Liste der mobil genutzten Nachrichtenangebote an: Weniger als drei von zehn Nutzern greifen noch von stationären Geräten auf dieses Nachrichtenangebot zu. Das Schlusslicht unter den Top 10 der Nachrichtenangebote bildet N24.de, hier sind es weniger als drei von zehn Nutzern, die das Angebot von Mobilgeräten aus nutzen.

“Nachrichtenportale, die nicht zuallererst an ihre mobilen Leser denken, werden ihre Reichweite nicht ausbauen können beziehungsweise sogar Reichweite verlieren. Die klassische Homepage wird voraussichtlich weiter an Bedeutung verlieren”, heißt es in der Mitteilung des Statistikportals.

[aesop_image imgwidth=”content” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2016/12/nachrichten-mobil.jpg” credit=”Statista, CC BY-ND 3.0″ alt=”Nachrichten mobil” align=”center” lightbox=”on” caption=”Die Grafik bildet die Visits der Top 10 Nachrichtenportale in Deutschland ab.” captionposition=”center” revealfx=”inplace”]

Erst 3D-Fernsehen, dann Radio: Facebook startet Livestreaming von Audio-Inhalten

Es muss nicht immer Bewegtbild sein: Facebook führt Live Audio ein, die Möglichkeit also, einen rein akustischen Livestream zu starten. Wie es in der Mitteilung des Unternehmens heißt, wurde diese Möglichkeit schon in der Vergangenheit häufiger nachgefragt. Bislang haben sich Nutzer, die reine Audio-Livestreams senden wollten, mit Video-Livestreams beholfen, während derer sie Standbilder zeigten. Live Audio soll es Facebook-Nutzern ermöglichen, auch in Gegenden live zu gehen, in denen keine hohe Bandbreite zur Verfügung steht.

Wie bei Video-Livestreams werden Nutzer auch bei Live Audio die Möglichkeit erhalten, die Livestreams in Echtzeit zu kommentieren, zu bewerten und zu teilen. Da Audio-Inhalte oft nebenbei genutzt werden, werden Android-Anwender Livestreams auf ihren Geräten auch dann hören können, wenn sie andere Apps nutzen. iOS-Anwender sollen immerhin den Audio-Stream weiter hören können, während sie sich in der Facebook-App andere Inhalte ansehen.

Facebook startet Live Audio mit ausgewählten Partnern, zu denen der BBC World Service , LBC, Harper Collins, sowie die Autoren Adam Grant und Brit Bennett gehören. Im Laufe des nächsten Jahres sollen dann alle Facebook-Nutzer die Möglichkeit erhalten, Audio-Streams auf den Weg zu bringen.

Selbstlernender Sortier-Algorithmus: Twitter sortiert Suchergebnisse neu

Die Suchfunktion von Twitter liefert Resultate künftig nicht mehr in umgekehrt chronologischer Reihenfolge, sondern stellt die relevantesten Ergebnisse an den Anfang. Das hat Lisa Huang, Senior Software Engineer, im Blog des Unternehmens angekündigt. Über die Relevanz entscheidet ein selbstlernender Sortier-Algorithmus.

Die neue Ergebnisseite soll auch ein ausgewogeneres Verhältnis von zum Suchbegriff passenden Tweets und Nutzerkonten liefern, außerdem wurde an der Balance zwischen Tweets mit und ohne Medien-Inhalte gefeilt. Die Entwickler versprechen sich von der relevanz-basierten Auflistung der Suchergebnisse ein stärkeres Engagement der Nutzer, eine höhere Bereitschaft, selbst per Tweet in die Diskussion einzusteigen, und insgesamt eine höhere Verweildauer auf Twitter.

Journalisten gezielt ermordet

74 Journalisten haben im ablaufenden Jahr gewaltsam ihr Leben verloren. Das geht aus der Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016 hervor, die Reporter ohne Grenzen heute vorgestellt hat. Bei den Getöteten handelte es sich um 57 professionelle Journalisten, neun Bürgerjournalisten und acht Medienmitarbeiter. In Syrien, Afghanistan, Mexiko, im Irak und im Jemen wurden 2016 die meisten Journalisten ermordet.

“Besonders erschreckend ist, dass so viele Journalisten gezielt wegen ihrer Tätigkeit angegriffen und ermordet werden”, sagte ROG-Vorstandssprecherin Britta Hilpert. “Diese Zahlen zeigen, wie folgenlos bisher alle internationalen Bemühungen geblieben sind, Journalisten besser vor Gewalt zu schützen.”

Im Vergleich zu 2015 ist die Zahl der Getöteten zwar zurückgegangen – damals waren mindestens 101 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit getötet worden, darunter 67 professionelle Journalisten – von einer Entspannung der Lage kann jedoch keine Rede sein. Der deutliche Rückgang in diesem Jahr erklärt sich vor allem dadurch, dass viele Journalisten aus ihren Heimatländern geflohen sind, weil die Fortsetzung ihrer Arbeit dort zu gefährlich gewesen wäre.

[aesop_document type=”pdf” src=”https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/Redaktion/Presse/Downloads/Jahresbilanz/Jahresbilanz_der_Pressefreiheit_2016__Teil_2_.pdf” caption=”Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016, Teil 2″]

Die Plattform geht, die App bleibt: Aus Vine wird Vine Camera

Anders als ursprünglich angekündigt, nimmt Twitter die Kurz-Video-App Vine nicht komplett aus dem Netz: Ab Januar wird die App Vine Camera heißen. Das geht aus einem Blog-Eintrag der beteiligten Teams hervor. Unter der Adresse Vine.co soll der Zugriff auf alle bis dahin veröffentlichten Kurz-Videos erhalten bleiben – das soziale Netzwerk Vine wird dann allerdings Geschichte sein.

Mit Vine Camera haben Nutzer weiterhin die Möglichkeit, Videos von maximal sechs Sekunden Dauer aufzunehmen. Die lassen sich dann lokal auf dem Smartphone des Nutzers speichern oder direkt auf Twitter teilen. In der Mitteilung heißt es weiter, Vine-Nutzer würden in den nächsten Tagen eine einfache Möglichkeit erhalten, den Nutzern, denen sie bisher auf Vine folgen, künftig auf Twitter zu folgen. Ihre eigenen älteren Werke können Nutzer inzwischen via App oder Website auf ihre Geräte herunterladen.

Vine für iOS

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Vine für Android

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Fotojournalisten und Dokumentarfilmer fordern In-Kamera-Verschlüsselung

Hersteller sollen für eine In-Kamera-Verschlüsselung von Aufnahmen sorgen. Das fordert die Freedom of Press Foundation in einem offenen Brief, der annähernd wortgleich an Canon, Sony, Nikon, Fujifilm und Olympus gegangen ist. Mehr als 150 Fotojournalisten und Dokumentarfilmer haben den offenen Brief unterzeichnet.

Fotoreporter und Dokumentarfilmer sind bei ihrer Arbeit oft einem hohen Risiko ausgesetzt. Wird ihre Ausrüstung gestohlen oder beschlagnahmt, haben sie in der Regel keine Chance mehr, ihre Aufnahmen vor Missbrauch zu schützen. Nach Angaben des Committee to Protect Journalists ist die Praxis, Kameras zu konfiszieren, derart verbreitet, dass es schier unmöglich ist, allen derartigen Vorkommnissen nachzugehen.

Nach Auffassung der Freedom of Press Foundation sind Kamerahersteller nicht mehr auf der Höhe der Zeit, was den Schutz der Aufnahmen betrifft. Während bei Instant Messengern Verschlüsselung die Regel ist, und gängige PC- und Mobilbetriebssysteme ebenfalls umfassende Verschlüsselungsmöglichkeiten bieten, seien Aufnahmen auf den Speicherkarten moderner Kameras nach wie vor nicht vor fremdem Zugriff sicher. Die Initiatoren des offenen Briefes hoffen auf eine ebenso öffentliche Reaktion der angeschriebenen Kamerahersteller, und haben die Bereitschaft angekündigt, Herstellern bei der konkreten Umsetzung ihrer Forderung beratend zur Seite zu stehen.

Virtual Reality: WordPress.com-Blogs können jetzt 360-Grad-Fotos darstellen

Seitenbetreiber, die für ihre Websites das gehostete Angebot bei WordPress.com nutzen, können deren Besuchern ab sofort mit relativ geringem Aufwand VR-Inhalte, insbesondere 360-Grad-Fotos und eingeschränkt auch 360-Grad-Videos, zugänglich machen. Das geht aus einem aktuellen Blogeintrag des Dienstes hervor. Ziel sei es, das Veröffentlichen von VR-Inhalten so einfach zu machen wie das Veröffentlichen von Texten und Fotos.

Toni Schneider, der die Mitteilung verfasst hat, zeigt darin eine Reihe von Beispielen. Sieht sich ein Nutzer diese Beispiele am Desktop an, kann er sich darin mit Hilfe von Mausbewegungen in alle Richtungen umschauen. Betrachtet er sie auf einem Mobilgerät, kann er die Inhalte in vollem 3D für eine VR-Brille – zum Beispiel Cardboard, Gear, Daydream, Rift oder Vive – rendern lassen und darin betrachten.

Die VR-Inhalte lassen sich mit Hilfe von Shortcodes in die Beiträge einbinden. Auf WordPress.com findet sich bereits eine Hilfe-Seite mit detaillierteren Erklärungen dazu.