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Fotos auf Smartphones: Schnell geschossen, schnell vergessen

Nur gut jeder Zweite schaut Fotos auf Smartphones nach der Aufnahme noch regelmäßig an. Das ergab eine Umfrage von Bitkom Research. Noch einmal deutlich niedriger lag der Anteil der Nutzer, die ihre Fotos (und Videos) später bearbeiten – oder zumindest überschüssiges Bildmaterial löschen.

Auflösungen von über 100 Megapixeln sind auf modernen Smartphones keine Seltenheit mehr, die Geräte von der Mittelklasse an aufwärts sind immer gleich mit mehreren Kameras ausgestattet, bieten optische Bildstabilisierung und unterschiedlichste Aufnahmemodi. Der Siegeszug der Kamera im Smartphone hat den Markt für Standalone-Kompaktkameras in den vergangenen Jahren extrem ausgedünnt. Alles nur für Fotos, die sich nach dem Druck auf den Auslöser keiner mehr ansieht?

Der Eindruck drängt sich beim Lesen der Ergebnisse einer Umfrage auf, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. 44 Prozent der 1002 Befragten gaben an, sich später kaum noch mit ihren Aufnahmen zu beschäftigen. Lediglich 16 Prozent bearbeiten ihre Fotos oder Videos im Nachhinein. Aber: Nur 9 Prozent löschen Fotos oder Videos regelmäßig.

Den Smartphone-Herstellern dürften diese Ergebnisse ganz recht sein, führt ein sich stetig weiter füllender Smartphone-Speicher doch ganz natürlich zu immer träger reagierenden Geräten. Die wiederum lassen den Wunsch nach neuen Geräten reifen – mit mehr Speicher, aber, versteht sich, auch mit einer besseren und höher auflösenden Kamera.

Ein gewachsenes Bewusstsein für Nachhaltigkeit steht dem allerdings entgegen. Nach einer Studie von Euler Hermes ist die Nutzungsdauer von Smartphones in Europa auf rund 40 Monate gestiegen, das ist ein Anstieg von rund 24 Prozent gegenüber 2016. Dass viele Fotos auf Smartphones keines zweiten Blickes gewürdigt werden, ist trotzdem schade. Zumindest regelmäßiges Löschen könnte die Zeitspanne, bis sich ein Smartphone langsam anfühlt, noch einmal verlängern.

Smartphonestudie: Weniger Smartphone, bessere Laune

Dass die permanente Nutzung von Smartphones nicht nur positive Auswirkungen hat, ist keine neue Erkenntnis. In einer aktuellen Smartphonestudie wollten Forscher der Ruhr Universität Bochum herausfinden, wie viel Smartphone guttut.

Sie gewannen für die Untersuchung 619 Probanden. Die teilten sie in drei Gruppen auf: 200 verzichteten für eine Woche komplett auf ihr Smartphone. 226 reduzierten stattdessen die Nutzungsdauer pro Tag um eine Stunde. Und eine Kontrollgruppe von 193 Personen nutzten ihre Smartphones in diesem Zeitraum unverändert.

„Wir konnten zeigen, dass sowohl der komplette Verzicht auf das Smartphone, aber auch die einstündige Reduktion seiner täglichen Nutzung positive Effekte auf den Lebensstil und das Wohlbefinden der Teilnehmenden hatte“, fasst Privatdozentin Dr. Julia Brailovskaia zusammen, unter deren Leitung die Studie stattfand. Die Forscher hatten die Probanden unmittelbar nach der Maßnahme, sowie einen und vier Monate später zu ihren Lebensgewohnheiten und ihrem Wohlbefinden befragt.

Und wie lange nutzen Sie Ihr Smartphone pro Tag?

Den nachhaltigsten Effekt zeigte in der Studie nicht der Totalverzicht: Die Gruppe derer, die im Experiment täglich eine Stunde weniger mit dem Smartphone verbracht hatten, nutzten es nach vier Monaten 45 Minuten weniger pro Tag als zuvor. Sie berichteten von einer gesteigerten Lebenszufriedenheit und mehr Zeit körperlicher Aktivität. Depressions- und Angstsymptome sowie der Nikotinkonsum gingen zurück.

Die Smartphonestudie ist nicht repräsentativ. Die Ergebnisse legen jedoch die Vermutung nahe, dass es so etwas wie eine optimale tägliche Nutzungsdauer geben könnte – und dass Totalverzicht nicht immer die beste Lösung ist.

Suche nach Texten und Bildern gleichzeitig: Google stellt Multisearch vor

Bislang lässt Google seinen riesigen Datenbestand wahlweise mit Hilfe von Suchbegriffen in Schriftform oder mit Hilfe von Bildern (über die Rückwärtssuchfunktion in der Google-Bildersuche) durchforsten. Google Multisearch kombiniert jetzt die beiden Methoden.

Manches lässt sich besser zeigen als beschreiben. Über die mobile Google-App lässt sich deshalb nicht nur nach eingetippten Wörtern suchen, sondern auch nach gespeicherten oder über die Kamera erfassten Fotos.

In einem nächsten Schritt kombiniert Google diese Suchmöglichkeiten: Auf dem hauseigenen Blog stellt Produktmanagerin Belinda Zeng Google Multisearch vor. Bislang steht die Funktion nur Android- oder iOS-Nutzern in den USA, und auch nur als Beta-Version zur Verfügung, in dem o. g. Blogbeitrag lässt sich aber schon gut erkennen, wie nützlich diese Suchfunktion werden könnte:

In der mobilen Google-App tippt der Nutzer zunächst auf das Bild-Symbol im Suchfeld, und wählt anschließend ein Foto von seinem Smartphone oder richtet seine Kamera auf ein gesuchtes Motiv in seiner Umgebung. Nachdem er ein Bild ausgewählt oder aufgenommen hat, wischt er nach oben, tippt auf eine Schaltfläche “+ Add to your search”, und ergänzt die Aufnahme um eine Texteingabe.

Als Anwendungsbeispiele nennt Zeng unter anderem das Foto eines orangenfarbenen Kleides, begleitet von der Texteingabe “grün”, um ein ähnlich geschnittenes Kleid in grüner Farbe aufzuspüren, oder das Foto einer Zimmerpflanze, ergänzt um die Textsuche “Pflegeanleitung”. Wann die Funktion das Beta-Stadium verlässt und international bereitgestellt wird, war noch nicht in Erfahrung zu bringen.

Instagram: Der chronologische Feed ist wieder eine Option (oder zwei, um genau zu sein)

Der neueste Post ganz oben, dann der nächst ältere – und so weiter: Das war einmal. Inzwischen entscheidet ein Algorithmus, welche Posts ein Instagram-Nutzer in welcher Reihenfolge zu sehen bekommt. Wer will, dass Posts in Instagram chronologisch erscheinen, hat jetzt wieder die Wahl – sogar gleich aus zwei Optionen.

Soll weiterhin der Algorithmus festlegen, welche Posts im Instagram-Feed erscheinen, kann der Nutzer einfach alles so lassen, wie es ist. Die Reihung auf Basis des in steter Entwicklung begriffenen Algorithmus bleibt also Standard.

Wer die Beiträge derer, denen er auf Instagram folgt, in umgekehrt chronologischer Reihung zu sehen bekommen will, tippt, ausgehend von der Startseite, auf den Instagram-Schriftzug oben links in der App. Jetzt erscheinen die beiden Optionen “gefolgt” und “Favoriten”. Per Fingertipp auf “gefolgt” ändert sich die Ansicht: Hier entscheidet nicht mehr der Algorithmus, sondern nur noch der Veröffentlichungszeitpunkt über die Reihenfolge der gezeigten Posts.

Eine echte Neuerung stellt die Option “Favoriten” dar. Ein Nutzer kann bis zu 50 Instagram-Accounts zu Favoriten erklären. Deren Inhalte zeigt Instagram dann chronologisch an. Die Instagrammer, deren Konten in die Favoriten aufgenommen wurden, erfahren davon übrigens (zumindest derzeit) nichts.

Die neuen Funktionen sollen in den nächsten Tagen auf allen Smartphones verfügbar sein.

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Instagram Stories bekommen (endlich) eine echte Like-Funktion

Zum Valentinstag hat Instagram seinen Nutzern eine lang ersehnte Funktion beschert: Story Likes. Während die Nutzer zu Posts, Reels und Co. schon lange ihr Wohlgefallen mit einem Herzchen zum Ausdruck bringen konnten, war das bei Instagram Stories bislang nur über Umwege möglich. Seit gestern ist das nun anders, wie Adam Mosseri, Head of Instagram, auf Twitter bekannt gab.

Story Likes sind nach wie vor privat. Anders als bei den bisher möglichen “Quick Reactions” erfahren die Instagrammer davon nicht mehr in ihrer Inbox, sondern sehen in der Viewer-Übersicht zu ihren Stories, wer von den Betrachtern der auf das Herzchen getippt hat.

Die Funktion steht derzeit noch nicht allen Nutzern zur Verfügung. Wie Mosseri im oben gezeigten Tweet erklärt, wird das Herz-Symbol am Fuß der Story, zwischen dem Nachrichtenfeld und dem kleinen Papierflieger erscheinen, einfaches Antippen genügt. Einen genauen Zeitplan nennt Mosseri zwar nicht, bis die Funktion auf allen Geräten angekommen sein wird, aber ganz sicher wird das vor dem nächsten Valentinstag der Fall sein.

Deutsche entdecken Podcasts für sich

Mehr als jeder fünfte Bundesbürger hört Podcasts. Das hat eine repräsentative Umfrage des BITKOM ergeben, für die die Meinungsforscher des Verbandes 1006 Personen zu diesem Thema befragten.

Podcasts, per Feed abonnierbare Audio- oder audiovisuelle Medien, gibt es bereits seit dem Jahr 2000, diesen Namen (angelehnt an Apples Medienplayer iPod) tragen sie seit dem Jahr 2004. Während Podcasts in den USA bereits früh relativ populär wurden, sind sie in Deutschland erst in den letzten paar Jahren auf allgemeines Interesse gestoßen.

Ergebnisse einer Studie von Bitkom Research im Auftrag des Branchenverbandes BITKOM (Grafik: BITKOM)

So dürften sich viele Hörer erstmals näher mit Podcasts beschäftigt haben, nachdem die regelmäßige Radiosendung Sanft und Sorgfältig mit Olli Schulz und Jan Böhmermann eingestellt worden war, und unter dem Titel Fest und Flauschig ihre Fortsetzung als Podcast bei Spotify fand.

Breites Themenspektrum in Podcasts

Inzwischen betreiben etliche Online-Medien Podcasts als Teil ihres Angebots. So etwa die Zeit mit

und noch einigen Serien mehr.

Bei Spiegel Online sind die Titel

oder der Podcast von

als Hörstücke abonnierbar.

Eine von solchen Leitmedien unabhängige Podcastschmiede ist Viertausendhertz. Dort finden sich unter anderem

oder

  • Systemfehler

Der nach wie vor international wichtigste Katalog ist die Podcast-Rubrik im iTunes-Store. Wer nicht ausschließlich in Walled Gardens wie Spotify publiziert, kann über diesen Katalog ein riesiges Publikum erreichen.

Dass dieses Format hierzulande erst in den letzten Jahren den Durchbruch geschafft hat, könnte der Studie zufolge auch etwas mit der Verbreitung von Smartphones zu tun haben: Drei von vier Nutzern hören die Audio-on-Demand-Angebote auf ihren Mobiltelefonen.

Thematisch liegen Nachrichten und Politik ganz vorn in der Gunst der Podcast-Hörer. Mehr als jeder dritte hört Comedy als Podcasts, und immerhin noch fast jeder fünfte unter den Hörern informiert sich über damit über Technologie- und Gesundheitsthemen. Mit der wachsenden Zahl von Podcast-Hörern haben aber auch Nischenthemen – seit jeher bei Podcast-Machern beliebt – eine Chance, auf einige offene Ohren zu stoßen.

(Grafik: Statista, Daten: Bitkom Research)

Bessere Übersetzungen jetzt auch offline: Google Übersetzer bringt KI aufs Smartphone

Die mobile App für den Google Übersetzer (für iOS/Android) setzt künftig auch bei der Offline-Nutzung KI-Algorithmen ein. Das hat Produktmanagerin Julie Cattiau in einer aktuellen Mitteilung im Blog des Unternehmens angekündigt.

Das KI-gestützte Übersetzungswerkzeug übersetzt ganze Sätze auf einmal, statt wie früher Wort für Wort. Dabei berücksichtigt es den Kontext, und passt das Ergebnis anschließend noch einmal an, sodass die Übersetzung eher nach den Worten einer realen Person klingt, die mit korrekter Grammatik spricht. Bei der Online-Übersetzung nutzt Google bereits seit ungefähr zwei Jahren das “neural machine translation” (kurz NMT) genannte Verfahren.

Die schon länger in der mobilen App mögliche Offline-Übersetzung arbeitet künftig ebenfalls mit NMT. Damit das funktioniert, müssen Nutzer aus dem Google Übersetzer heraus aktualisierte Wörterbücher für die benötigten Sprachen herunterladen. Die ersten davon stehen bereit, in den nächsten Tagen will Google aktualisierte Wörterbücher für insgesamt 59 Sprachen zur Verfügung stellen. Nützlich ist die Funktion nicht zuletzt zur Verständigung auf Reisen, wo Datenverbindungen mitunter sehr teuer werden können.

Arbeiten in vollen Zügen: Gesichter einer Hassliebe

Als ich um viertel nach sechs das Haus verlasse, sind es noch mehr als zwei Stunden, bis ich mit dem Unterricht beginnen kann. Eine Zeit lang habe ich versucht, die erste halbe Stunde auf dem Weg zum Bahnhof produktiv zu nutzen, etwa mit Hörbüchern oder Podcasts. Aber um diese frühe Zeit verlangt mir das Autofahren noch so viel Konzentration ab, dass von den gehörten Inhalten immer nur Bruchstücke hängen bleiben. Heute berieselt mich deshalb Radio Lippe, bis ich den Smart in die äußerste rechte der Parkbuchten direkt gegenüber dem Bahnsteig rollen lasse und den Motor abstelle. Die regionale Bahnlinie nutze ich von hier an als Transportmittel und Arbeitsplatz gleichermaßen – mit variierenden Erfolgen auf beiden Gebieten.

Wie meist, bin ich auch heute fünf Minuten zu früh da. Zwei Frauen und ein Mann warten am Bahnsteig. Ich bleibe noch im Wagen – zum einen, weil sich der wartende Mann in eine Nikotinwolke hüllt. Hauptsächlich aber, um mit meinem Smartphone und der App Duolingo noch etwas Spanisch zu lernen. Fünf Minuten sind dafür keine lange Zeit, aber auch kleine Schritte führen irgendwann zum Ziel.

Zuverlässigkeit und Service – äh, na ja

“Sehr geehrte Fahrgäste”, leitet sich der Sprecher ein, dessen Stimme aus den Lautsprechern am Bahnhof ertönt. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie er jetzt fortfahren kann. Sagt er “Es fährt ein…”, ist alles, wie es sein soll. Sagt er “Aus betrieblichen Gründen”, dann hat er erneut zwei Möglichkeiten. Mit etwas Glück sagt er dann “verspätet sich…”, wenn es schlecht läuft, beginnt er die Fortsetzung mit “entfällt…”. Heute kündigt er eine Verspätung von “circa fünf Minuten” an. Ich habe auch schon erlebt, wie er seine Ansage im Laufe einer Viertelstunde von “verspätet sich um circa fünf Minuten” zu “entfällt” eskaliert hat. Heute läuft es besser: Noch bevor die versprochenen fünf Minuten ganz vorbei sind, rollt der in Weiß und Gelb gestrichene Zug am Bahnsteig ein. Ein schnauzbärtiger Fahrgast in Polizeiuniform steigt aus, gefolgt von einer mürrisch blickenden blonden Frau.

Ich steige ein und gehe zu meinem Stammplatz, einem Fensterplatz in Fahrtrichtung links, etwa in der Mitte des Wagens. Auf der Fensterseite ist ein kleiner Mülleimer angebracht, dessen hölzerne Abdeckung als Tisch dient. Ich starte die Hotspot-Funktion an meinem Smartphone, lege es auf den kleinen Tisch und ziehe mein Notebook aus der Tasche.

“Guten Morgen! Einmal die Fahrscheine bitte!” – die Stimme gehört einer brünetten, kräftigen Frau in den Vierzigern, deren Uniform sie unzweideutig als Mitarbeiterin der Bahnlinie ausweist. Sie gehört zum Stammpersonal, wie ich zu den Stamm-Fahrgästen gehöre, wir haben uns in den letzten zwei Jahren fast jede Woche ein, zwei Mal gesehen. Sie mustert mein Abo-Ticket, sieht mich an und sagt “Ich muss mal Ihren Personalausweis sehen.” Ich friemele das gewünschte Dokument aus dem Innenfach meiner Geldbörse. Ihre Blicke wandern zwischen Ticket, Ausweis und meinem Gesicht hin und her, bis sie endlich zufrieden nickt und sich anderen Fahrgästen widmet.

Arbeit mit Hindernissen

Einen Beitrag zu “Einsatzmöglichkeiten für Virtual Reality im geschäftlichen Kontext” wünscht sich ein Auftraggeber. In den letzten Tagen habe ich Fallbeispiele, Pressemitteilungen und Expertenkommentare gesammelt, und inzwischen einen, wie ich meine, recht guten Überblick über das Thema. Ich klappe mein Notebook auf, starte die Textverarbeitung und beginne, einen ersten Absatz zu schreiben.

“Nächster Halt: Lage!” verkündet eine Männerstimme aus dem Zuglautsprecher, kurz bevor der Zug an einem Bahnsteig zu stehen kommt. Hier hat der Zug um diese Zeit eine Viertelstunde Aufenthalt (nach Abzug der Anfangsverspätung bleiben davon heute noch zehn Minuten), und wenn es gut läuft, komme ich unterdessen derart in Fahrt, dass die Rohfassung meines Beitrags fertig ist, wenn ich vierzig Minuten später in Bielefeld aus dem Zug steige.

“Planmäßige Weiterfahrt sieben Uhr – ääääh – siebzehn”, ist aus dem Zuglautsprecher zu hören. Der Mann vom Ausgangsbahnhof ist ausgestiegen und steht jetzt, den Blick in die Ferne gerichtet, vor dem Zugfenster, wo er sich erneut in eine Nikotinwolke hüllt. Ich versuche, in den Tunnelblick-Modus zu gelangen, starre auf meine Tastatur und denke über einen möglichst interessanten Einstieg in meinen Beitrag nach. Ich kenne Kollegen, die sich erst ganz zuletzt um den Einstieg kümmern, aber für mich hat das nie funktioniert. Endlich meine ich, einen brauchbaren ersten Satz gefunden zu haben, und lege gerade meine Finger auf die Tasten, da erscheinen zwei junge Frauen, die sich auf die beiden freien Plätze mir gegenüber setzen, und ein Mann in den frühen Zwanzigern, dessen Körperfülle der meinen mindestens ebenbürtig ist, und der sich neben mich zwängt.

Mit an den Körper angelegtem rechten Arm beginne ich mit dem Schreiben, aber die Formulierungen verschwimmen auf dem Weg vom Gehirn in die Finger, und als der erste Absatz endlich Gestalt angenommen hat, weiß ich, da muss ich noch mal ran. Aber die innere Handbremse ist gelöst, nach und nach können jetzt weitere Sätze, Gedanken, Absätze folgen.

Der Mann neben mir ruckelt auf seinem Sitz vor und zurück. Zuerst vermute ich, er sei auf der Suche nach dem optimalen Kontakt zwischen Körper und Sitz, aber als er die Ruckelei in unregelmäßigen, kurzen Abständen wiederholt, wird eine Marotte wahrscheinlicher. Vermutlich ruckelt er auch, wenn er auf seiner Couch vor dem Fernseher sitzt. “Als Sozius auf einem Motorrad wäre er ein Sicherheitsrisiko”, denke ich und merke, dass meine Konzentration auf Wanderschaft gegangen ist. Zum Glück setzt sich der Zug jetzt ratternd in Bewegung, und die Unruhe meines Sitznachbarn geht in den Vibrationen unter, die die Fahrt auf den Gleisen mit sich bringt.

Die beiden jungen Frauen – ihren bunten Rucksäcken nach, aus denen Collegeblöcke ragen, wahrscheinlich Schülerinnen oder Studentinnen – unterhalten sich, die Blicke auf ihre Smartphones gerichtet, über Sinn und Unsinn von Snapchat, gelegentlich unterbrochen von gemeinsamem Kichern. Ich gehe am Notebook meine Notizen durch und entscheide mich, als erstes Fallbeispiel ein Virtual Reality-Reiseportal zu beschreiben. Dazu will ich noch schnell einen Blick auf das Pressematerial werfen und klicke auf den notierten Link. Hätte ich das mal früher getan: Von Lemgo bis Lage bekomme ich fast immer eine schnelle mobile Internetverbindung, jenseits von Lage und bis hinter Oerlinghausen reduziert sich die Datenrate aber auf Kriechgeschwindigkeit. Während nach und nach, quälend langsam die Rudimente einer Website auf dem Display erscheinen, zaubert mir die Erinnerung das Pfeifen und Sirren meines alten Modems aus CompuServe-Zeiten ins Ohr.

Minuten später fasse ich die gefundenen Informationen in einen mehr oder weniger wohlgesetzten Absatz. Mein Sitznachbar seufzt, ruckelt für ein paar Sekunden noch kräftiger als bisher, und, das fällt mir jetzt erst auf, starrt unverhohlen auf meinen Bildschirm. Mir fällt die Radiowerbung ein, in der ein Geldinstitut seinen Kunden empfiehlt, Fahrten in vollen Zügen für “ganz entspanntes” Online-Banking zu nutzen.

Mein heutiger Sitznachbar ist nicht der erste, der sich derart dreist dafür interessiert, was auf meinem Bildschirm vorgeht. Mitunter warte ich in solchen Situationen einen unbeobachteten Moment ab, rufe die Website Geektyper auf, und simuliere eine Interpol-Abfrage oder den Start einiger Nuklearraketen. Heute ziehe ich es vor, weiter an meinem Beitrag zu arbeiten – den Verfassungsschutz oder den BND alarmiert ja ohnehin wieder keiner.

Die Hölle, das sind die anderen

“Noch jemand zugestiegen?” – Die Mitarbeiterin der Bahnlinie ist wieder da, besieht sich die Fahrscheine meiner Mitreisenden. Als die junge Frau, die mir direkt gegenüber sitzt, ihr Ticket vorzeigt, steigt die Körperspannung der Kontrolleurin spürbar an, ihre Augenlider verengen sich und ihre Mundwinkel werden zu perfekten Waagerechten. “Sie wissen, dass das als Schwarzfahren gilt?”, sagt sie, halb als Frage, halb als Feststellung. Dann fordert sie “Zeigen Sie mal Ihren Personalausweis. Ich nehme Ihre Daten auf.” Die junge Frau, inzwischen leicht errötet, sitzt für einen Atemzug mit offenem Mund da, dann fragt sie

“Wieso, was ist los? Das ist mein Monatsticket! Das hat mir die Uni gegeben. Das ist doch gültig!”

“Das ist nicht gültig”, beharrt die Kontrolleurin, “Sie haben den Fahrschein laminiert, und damit wird er ungültig.”

Tatsächlich verbietet das Kleingedruckte in den Beförderungsbedingungen fast jeder Bahnlinie das Laminieren von Fahrscheinen, weil sie unter einer Folie deutlich schwerer als Fälschung zu erkennen sind. Die Chance, ein solches Verbot nicht zu kennen, ist dennoch relativ hoch. Die Studentin argumentiert, sie habe nichts davon gewusst, andere Kontrolleure hätten das eingeschweißte Ticket bislang nicht beanstandet, und außerdem sei es doch unnütz, ein Ticket zu fälschen, das sie ohnehin von der Uni bekomme. Die Kontrolleurin beharrt auf den Personalien, gibt aber einen Fußbreit nach: “Gehen Sie mit dem Fahrausweis in Bielefeld zum Bahnschalter und fragen Sie, ob man Ihnen dort einen Ersatzschein ausstellen kann! Vielleicht machen die das, dann haben Sie nochmal Glück. Aber tun Sie das heute noch!”

“Ich habe mal in Barcelona gelebt, drei Jahre lang!”, höre ich eine Männerstimme von schräg rechts hinter mir, “Wart ihr schon mal in Barcelona?” Offenbar sitzt der Barcelona-Kenner im Sichtfeld der beiden jungen Frauen, denn sie blicken in die Richtung, aus der Stimme zu kommen scheint, und beide verneinen zaghaft. “Müsst ihr mal hin”, setzt er seinen Monolog fort, “da gibt’s Schuhe. Also, Schuhe gibt’s hier ja auch, aber da gibt’s die Schuhe, die hier erst in ein, zwei Jahren auf den Markt kommen. Und billig. Sonst ist Barcelona ja nicht so billig, aber wenn ihr mal neue Schuhe kaufen wollt, unbedingt Barcelona.”

Am nächsten Halt steigen eine Frau und zwei Männer zu, die augenscheinlich zusammen gehören. Einer der Männer und die Frau schieben je ein Fahrrad in den Fahrgastraum, der andere Mann trägt in der rechten Hand eine Plastikeinkaufstasche, die dem Klimpern nach mit Glasflaschen gefüllt ist. Eine braune Glasflasche hält er auch in der linken Hand, und nimmt daraus einen kräftigen Schluck, nachdem sich die Türen hinter ihm geschlossen haben. Die Kontrolleurin, die noch im Gang steht, geht auf die drei zu und fragt nach den Fahrscheinen. Die drei präsentieren ihr ein Viererticket, das einen kleinen Schönheitsfehler aufweist: Es wurde bereits zwei Mal entwertet, einer der drei müsste also einen Fahrschein kaufen. “Geht nicht!”, sagt der Biertrinker mit Triumph in der Stimme, “Wir sind blank!”. Darauf angesprochen, dass ja auch für die Fahrräder Fahrscheine zu lösen seien, reagiert er leicht ungehalten: “Ich hab doch gesagt, wir sind blank!” Der Mann, der das Fahrrad schiebt, versucht sein Glück mit einschmeichelndem Tonfall “Ausnahme? Bitte, bitte!”

“Das wird mir hier zu bunt!”, schimpft die Kontrolleurin und geht mit festem Schritt in den hinteren Teil das Zuges, um kurz darauf mit einem hochgewachsenen Mann mit Streetworker-Outfit zurück zu kommen. “Polizei”, stellt sich der Mann vor und zeigt den drei Zugestiegenen eine Karte, vermutlich seinen Dienstausweis. Die Kontrolleurin will mit polizeilicher Unterstützung die Personalien der drei aufnehmen. Alle drei nennen Namen und Anschriften, aber der Mann mit der Bierflasche gibt an, keinen Personalausweis dabei zu haben.

“Macht nichts, irgendein anderes Dokument genügt mir auch”, sagt der Polizist freundlich, “eine Kreditkarte oder etwas in der Art?” Der gefragte gibt seinem Begleiter die Bierflasche und hängt den Beutel mit dem gläsernen Inhalt an einen der Fahrradlenker. Dann nestelt er eine Karte aus seiner Brieftasche.

“Hier, die ist von meiner Krankenkasse. So, wie da drauf steht, so heiße ich.”

“Also nicht so, wie Sie gerade angegeben haben?”

“Ach so, ne, so heißt mein Nachbar. Ich dachte, wegen der Post, da kommt ja bestimmt ein Einschreiben, und der ist immer zu Hause.”

Die Frau, die die beiden begleitet, hält sich die Hände vor das Gesicht und schüttelt den Kopf. Es ist nicht ganz klar, ob er sie meint, als der Biertrinker in leichter Überlautstärke intoniert “Ich bin nicht bescheuert! Ich bin nicht bescheuert!” Den Beweis dafür bleibt er schuldig, bis die drei am nächsten Halt den Zug verlassen müssen.

Viel weiter bin ich mit meinem Bericht über virtuelle Realität im Business-Kontext nicht gekommen. Ob speziell das Reisen in der virtuellen Realität je an das in der physischen Welt heranreichen wird? Mein Sitznachbar ruckelt noch einmal kräftig, dann hebt er sich mit einem letzten Ruck aus seinem Sitz und geht in Richtung Ausstieg. Ich folge ihm, die beiden jungen Frauen nesteln noch an ihren Rucksäcken, aber der Zug endet hier, und sicher werden sie ebenfalls gleich aussteigen. Hinter mir höre ich eine Männerstimme “Schuhe, unbedingt Barcelona!”

Automatischer Ton im Newsfeed und Apps fürs TV: Facebook forciert Videos

Mit einer ganzen Reihe von Neuerungen zum Thema Video wartet Facebook auf:

  • Bei Videos im Newsfeed startet und stoppt künftig auch die Tonwiedergabe automatisch;
  • vertikale Videos erhalten auf Smartphone-Displays mehr Platz;
  • Videos lassen sich verkleinern und als Bild-im-Bild in einer Ecke des Displays wiedergeben, während der Nutzer durch den Newsfeed scrollt (auf Android-Geräten kann der Nutzer Videos sogar weiter laufen lassen, nachdem er die Facebook-App verlassen hat);
  • für Apple TV, Amazon Fire TV und Samsung Smart TV werden demnächst eigene Facebook-Video-Apps verfügbar sein.

Die umstrittenste Neuerung dürfte die selbst startende Audiowiedergabe von Videos im Newsfeed sein. In den Einstellungen soll es aber möglich sein, dieses Verhalten zu ändern. Außerdem, so heißt es in der Mitteilung, werde natürlich kein Ton wiedergegeben, wenn der Nutzer sein Gerät stummgeschalten habe.

YouTube Live: YouTube schaltet Livestreams per Smartphone frei

YouTuber, deren Kanäle mindestens 10.000 Abonnenten aufweisen, können ab sofort Livestreams per Smartphone starten. Das teilt das Unternehmen im offiziellen YouTube-Blog mit. Die schon im Sommer 2016 angekündigte Funktion soll der Mitteilung zufolge demnächst auch allen anderen Nutzern zur Verfügung stehen.

Wie seinerzeit angekündigt, bieten die mobilen Livestreams alle von anderen YouTube-Videos bekannten Möglichkeiten, sind also über die YouTube-Suche und über Empfehlungen auffindbar, können in Playlists aufgenommen werden, die Ersteller können die Videos aber auch als privat oder nicht gelistet deklarieren und das Einbetten in andere Webangebote unterbinden.

Gleichzeitig startet YouTube in 20 Ländern (für Zuschauer sogar in mehr als 40 Ländern) sein Super Chat-Programm, mit dessen Hilfe YouTuber in Livestreams zusätzliche Einnahmen generieren können. Die Super Chat-Funktion ermöglicht es Zuschauern, ihre Kommentare gegen eine Gebühr hervorgehoben darzustellen und oberhalb des allgemeinen Kommentarstroms anzeigen zu lassen.

Bei wackliger Verbindung: Google-Suche für Android liefert Resultate nach

Die Google-App für Android bietet ab sofort eine Art Offline-Suche.

[aesop_image imgwidth=”30%” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/01/offline-suche.png” alt=”Offline-Suche unter Android” align=”right” lightbox=”on” captionposition=”left” revealfx=”fromright”]

Bricht die Internetverbindung ab, bevor der Nutzer eine Suche abschließen konnte, liefert die App die Resultate nach, sobald die Daten wieder fließen. Bis es soweit ist, kann der Nutzer sein Smartphone anderweitig verwenden. Sobald die Suchergebnisse angekommen sind, informiert die App den Nutzer per Benachrichtigung davon, er kann die Resultate dann über die Benachrichtigungsleiste aufrufen.

Praktisch: Über die Android-App kann der Nutzer bei unterbrochener Internetverbindung gleich mehrere Suchvorgänge anstoßen. Steht dann die Verbindung wieder, liefert die App eine Liste “Abgeschlossene Suchen”, deren Resultate der Nutzer einzeln aufrufen kann. Über das Hamburger-Menü und dort den Menüpunkt “Suchen verwalten” zeigt die App alle abgeschlossenen, aber noch nicht angesehen Suchvorgänge.

Live in 360 Grad: Jetzt zeigt auch Periscope Rundum-Videos

Nachdem erst kürzlich YouTube und Facebook diese Möglichkeit geschaffen haben, ermöglicht jetzt auch Twitter über seinen Live-Video-Dienst Periscope Rundum-Videos. Wie die Periscope-Entwickler in einem aktuellen Blog-Eintrag erläutern, sind 360-Grad-Videos mit der Markierung Live 360 gekennzeichnet. Ruft ein Nutzer ein solches Video über sein Smartphone auf, kann er während der Wiedergabe die gezeigte Umgebung erkunden, indem er sein Smartphone in verschiedene Richtungen schwenkt. Aber auch durch Wisch- oder, etwa auf Desktops, durch Mausbewegungen lässt sich die Blickrichtung ändern.

360-Grad-Videos ansehen können ab sofort alle Twitter- oder Periscope-Nutzer, selbst streamen dürfen aber bislang nur ausgewählte Partner. In den kommenden Wochen will Twitter diese Möglichkeit auf weitere Nutzer ausdehnen. Interessenten, die es eilig haben, können sich schon jetzt in eine Warteliste eintragen.