Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

Facebook will auch im Messenger Werbung zeigen

Facebook testet derzeit Möglichkeiten, in seinem Messenger Werbung zu platzieren.

[aesop_image imgwidth=”30%” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/01/messenger-werbung.png” credit=”Foto: Facebook” alt=”Zeigt Facebook bald im Messenger Werbung?” align=”right” lightbox=”on” captionposition=”left” revealfx=”inplace”]

Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich vorerst um einen eng begrenzten Test in Australien und Thailand. Die Werbeanzeigen sollen auf dem Homescreen des Messengers, unterhalb der letzten Konversation, erscheinen, nicht aber innerhalb von Konversationen selbst. Werbetreibende haben auch nicht die Möglichkeit, von sich aus einen Chat mit einem Nutzer zu startet – Konversationen zwischen Nutzern und werbenden Unternehmen sollen nur auf Initiative der Nutzer hin möglich sein.

Bei Facebook sieht man Potential in dieser Werbeform. Schon jetzt nehmen Nutzer nach Angaben des Unternehmens monatlich eine Milliarde mal per Messenger Kontakt zu Unternehmen auf. Wie es in der Mitteilung heißt, will man sich bei Facebook Zeit lassen, um zu entscheiden, ob und in welcher Form künftig in weiteren Ländern im Messenger Werbung zu sehen sein wird.

Jugendangebot Funk: Chatbot für den Facebook Messenger

Der Chatbot Novi ergänzt künftig das redaktionelle Angebot Funk, mit dem ARD und ZDF speziell Jugendliche erreichen wollen.

[aesop_image imgwidth=”30%” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/01/chatbot-novi.jpg” align=”right” lightbox=”on” caption=”Chatbot Novi: Noch in einer geschlossenen Beta” captionposition=”center” revealfx=”inplaceslow”]

Aktuell befindet sich Novi noch in einer geschlossenen Beta-Phase, wer ihn über oben genannten Link aufruft, gelangt dadurch deshalb zunächst auf eine Warteliste.

Novi soll sich zwei mal täglich per Facebook Messenger mit aktuellen Nachrichten im Chatformat melden. Neben knappen Texten wird der Bot zu den Nachrichten auch Fotos, animierte GIFs und kurze Videos liefern. Nutzer können sich dann entscheiden, ob sie den zu einer Nachricht veröffentlichten Links folgen, um sich näher zu informieren, oder gleich zur nächsten Nachricht wechseln.

Entwickelt wurde Novi von tagesschau und NDR. In Zukunft sollen die News neben dem Facebook-Messenger auch über weitere Messenger-Apps angeboten werden.

Alternative Fakten: Regierung Trump löst globales Umdenken aus

Bei der harschen Kritik an der Berichterstattung zur Amtsübernahme des US-Präsidenten Donald Trump hat Trumps Sprecher Sean Spicer nicht gelogen, und auch keine falschen Tatsachenbehauptungen aufgestellt. Stattdessen hat er, wie Trumps Beraterin Kellyanne Conway erläuterte, “alternative Fakten” präsentiert. Inzwischen hat diese Sicht der Dinge global – nicht zuletzt auch in Deutschland – zu einer radikalen Neubewertung der Faktenlage geführt:

Zu den ersten, die das neue Denken hierzulande verinnerlicht haben, gehörten die Social Media-Beauftragten der viel gescholtenen Deutschen Bahn:

Was die Bahn zu Julian SBs Idee meint, seine persönlichen Transportkosten mit Hilfe alternativer Fakten zu reduzieren, war indes nicht zu erfahren:

Marco Arni nutzt die Trumpsche Denkschule, um das aktuelle Klima für alle unter der Kälte leidenden erträglicher zu gestalten:

Netflix hat sein Bild von seinen als Binge-Watchern verschrienen Zuschauern mit dieser Methode ebenfalls revidieren können:

Frank Überall entledigt sich indessen dauerhaft aller finanziellen Sorgen:

Und Broccolialternative startet dank des neuen Denkens in den Tag wie nie zuvor:

https://twitter.com/SaschaTee/status/823766307778756609

Eines steht in jedem Fall fest: Für Journalisten wird die Recherche in Zukunft erheblich einfacher werden. Von Trump lernen heißt siegen lernen.

China: Erster Roboter-Journalist tritt seinen Job an

In der im chinesischen Kanton beheimateten Southern Metropolis Daily hat ein Roboter-Journalist mit dem Namen Xiao Nan seinen ersten Beitrag veröffentlicht, wie die international erscheinende China Daily berichtet. Die Publikation zitiert Professor Wan Xiaojun, der an der Universität Peking ein Team leitet, das solche Roboter erforscht und entwickelt: “Verglichen mit den menschlichen Reportern, hat Xiao Nan eine größere Kapazität zur Analyse von Daten und schreibt auch schneller.” Seinen ersten veröffentlichen Beitrag – eine 300-Zeichen-Meldung zur Verkehrssituation beim chinesischen Frühlingsfest – hat Xiao Nan innerhalb von rund einer Sekunde verfasst.

“Das bedeutet allerdings nicht, intelligente Roboter seien schon bald in der Lage, menschliche Reporter komplett zu ersetzen”, beschwichtigt der Professor. So seien sie derzeit noch nicht in der Lage, Interviews zu führen. Sie könnten auch nicht intuitiv nachfragen oder den Blickwinkel der Nachricht aus einem Interview oder einer Konversation auswählen. Professor Wan Xiaojun rechnet dennoch damit, dass Roboter-Journalisten schon bald menschliche Redakteure und Reporter bei ihrer Arbeit unterstützen werden.

TAZ: Einnahmenrekord bei freiwilligen Zahlungen

Das TAZ.zahl ich-Team zieht Bilanz: Das freiwillige Bezahlmodell hat der TAZ 2016, in seinem fünften Jahr, die Kassen mit Einnahmen in Höhe von 612.622,41 Euro gefüllt. Im Jahr 2012 – dem ersten Jahr, in dem das Bezahlmodell über das ganze Jahr bestand – lagen die Einnahmen bei gerade einmal 56.302,61 Euro.

Die Zahl der freiwilligen Unterstützer ist im abgelaufenen Jahr auf 8.960 Personen angestiegen, von denen jeder also im Schnitt knapp 70 Euro beigetragen hat. “Mittlerweile unterstützen uns 93 Prozent der UnterstützerInnen unbefristet”, hält Nicolai Kühling fest.

Anders als andere Online-Medien bietet die TAZ sämtliche ihrer Online-Inhalte kostenlos und unlimitiert an.

[aesop_quote type=”block” background=”#c0c0c0″ text=”#000000″ width=”content” align=”left” size=”1″ quote=”Wenn man den öffentlichen Auftrag wegdenkt und Journalismus lediglich als Ware behandelt, mag dies (eine Bezahlschranke auf nicht-freiwilliger Basis, Anm. d. Red.) die richtige Strategie sein. Für die taz kommt sie nicht in Frage. Die taz will kritische Blickwinkel auf Zustände der Gesellschaft ermöglichen – für so viele Leute wie möglich.” cite=”Ilija Matusko, Sitemanagement taz.de” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Die TAZ beschränkt sich auf gelegentliche, leicht wegklickbare Hinweise auf die Möglichkeit freiwilliger Zahlungen. Im vergangenen Jahr konnten so im Durchschnitt jeden Tag 5,3 freiwillige Zahler hinzu gewonnen werden.

Bei wackliger Verbindung: Google-Suche für Android liefert Resultate nach

Die Google-App für Android bietet ab sofort eine Art Offline-Suche.

[aesop_image imgwidth=”30%” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/01/offline-suche.png” alt=”Offline-Suche unter Android” align=”right” lightbox=”on” captionposition=”left” revealfx=”fromright”]

Bricht die Internetverbindung ab, bevor der Nutzer eine Suche abschließen konnte, liefert die App die Resultate nach, sobald die Daten wieder fließen. Bis es soweit ist, kann der Nutzer sein Smartphone anderweitig verwenden. Sobald die Suchergebnisse angekommen sind, informiert die App den Nutzer per Benachrichtigung davon, er kann die Resultate dann über die Benachrichtigungsleiste aufrufen.

Praktisch: Über die Android-App kann der Nutzer bei unterbrochener Internetverbindung gleich mehrere Suchvorgänge anstoßen. Steht dann die Verbindung wieder, liefert die App eine Liste “Abgeschlossene Suchen”, deren Resultate der Nutzer einzeln aufrufen kann. Über das Hamburger-Menü und dort den Menüpunkt “Suchen verwalten” zeigt die App alle abgeschlossenen, aber noch nicht angesehen Suchvorgänge.

Klage eingereicht: BILD wirft Focus Online systematischen Inhalteklau vor

Eine wettbewerbs- und urheberrechtliche Klage hat die BILD beim Landgericht Köln gegen Wettbewerber Focus Online eingereicht. Die BILD-Verantwortlichen werfen dem Wettbewerber vor, systematisch Inhalte aus ihrem kostenpflichtigen Angebot abzuschreiben und in das eigene, kostenlose, Angebot zu integrieren. Grundlage der Klage sei die gezielte Behinderung des Geschäftsmodells von BILDplus sowie eine Verletzung des Datenbankrechts. Mit der Klage verlangt BILD Unterlassung, Auskunft und Schadensersatzfeststellung.

Nach eigener Darstellung hat BILD über mehrere Monate sämtliche BILDplus-Artikel und deren exklusive Inhalte mit den kostenlosen Inhalten von Focus Online abgeglichen. “Leider mussten wir … feststellen, dass Focus Online systematisch vorgeht und unsere exklusiven Geschichten stiehlt und verwertet”, resümiert BILD Digital-Chefredakteur Julian Reichelt seine Schlussfolgerung aus diesem Abgleich.

Keylogger-Affäre bei der TAZ: Strafbefehl über 6.400 € gegen Ex-Redakteur

Der Prozess zur Keylogger-Affäre bei der TAZ ist heute nach nur rund fünf Minuten mit einem Strafbefehl gegen den Beschuldigten, den Journalisten und ehemaligen TAZ-Mitarbeiter Sebastian Heiser, zu Ende gegangen. Das hat TAZ-Redakteur Martin Kaul per Twitter mitgeteilt:

Heiser war beschuldigt worden, über etwa ein Jahr seine Redaktionskollegen und -Kolleginnen bei der TAZ mit Hilfe eines Keyloggers ausgespäht zu haben. Entdeckt worden war der Keylogger im Februar 2015, als einem EDV-Mitarbeiter ein Adapter zwischen der USB-Buchse und dem Tastaturkabel am Rechner einer Praktikantin aufgefallen war. Nur wenige Tage nach der Entdeckung hatte sich Sebastian Heiser ins Ausland abgesetzt. Die Redaktion der TAZ hat den Fall, so weit möglich, inzwischen journalistisch aufbereitet.

Neue Erkenntnisse – etwa zur Motivation des Beschuldigten – brachte der in Abwesenheit geführte Prozess nicht.

Correctiv unterstützt Facebook im Kampf gegen Fake News – vorerst gratis

Facebook gibt dem internationalen Druck nach und forciert Bemühungen, Fake News – also bewusst lancierte Falschmeldungen – auf seiner Plattform kenntlich zu machen. In den USA kooperiert Facebook dazu mit Organisationen wie ABC News, FactCheck.org, Associated Press, Snopes und Politifact, in Deutschland hat sich das soziale Netzwerk die Unterstützung des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv gesichert. Dessen Geschäftsführer David Schraven hat sich zur Art der Kooperation bereits auf Facebook geäußert:

Nutzer erhalten künftig die Möglichkeit, Beiträge als Falschmeldung zu kennzeichnen. Correctiv hat die Aufgabe, oft geteilte, aber mehrfach als Falschmeldung gekennzeichnete Beiträge zu prüfen. Handelt es sich nach Überzeugung der Faktenchecker um Fake News, werden die Beiträge mit einem Warnhinweis gekennzeichnet und um einen Link ergänzt, unter dem die Behauptungen den recherchierten Tatsachen gegenüber gestellt werden – die Fake News verschwinden also nicht, unvoreingenommene Leser werden aber auf deren zweifelhafte Glaubwürdigkeit aufmerksam.

Schon kurz nach der Bekanntgabe finden sich zu Hauf Zensurvorwürfe als Kommentare unter den Ankündigung. Das sieht man bei Correctiv, deren Rechercheergebnisse in mehr als einem politischen Lager für Ärger gesorgt haben, allerdings entspannt:

[aesop_quote type=”block” background=”#a0a0a0″ text=”#000000″ width=”content” align=”left” size=”1″ quote=”Zensur ist, wenn der Staat Deine Meinung unterdrückt. Keine Zensur ist es, wenn wir Dir sagen, dass Du Unsinn erzählst, wenn Du Unsinn erzählst. ” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Kein Geld für den Faktencheck

Aber auch nicht jeder, der grundsätzlich mit den Zielen von Correctiv sympathisiert, betrachtet die Kooperation mit Facebook als Adelung für das Recherchenetzwerk. Einen schalen Beigeschmack hat insbesondere eine Passage in Schravens Ankündigung;

[aesop_quote type=”block” background=”#a0a0a0″ text=”#000000″ width=”content” align=”left” size=”1″ quote=”In dieser Phase fließt kein Geld für das FactChecking. Auch hier müssen wir langfristig sehen, welche Finanzierungsformen es gibt. Es wird schwer werden, das Geld unserer Spender dafür auszugeben, Facebook zu heilen. ” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Correctiv finanziert sich vor allem durch Spenden von Bürgern und Zuwendungen von Stiftungen. Die Unterstützer des Recherchenetzwerks bezahlen also dafür, die Probleme zu lösen, die auf der Plattform eines der reichsten Konzerne der Welt aufgetreten sind (allein im dritten Quartal 2016 hat Facebook einen Gewinn von 2,38 Milliarden Dollar erwirtschaftet).

Das mag dem Selbstverständnis der Initiatoren von Correctiv entsprechen, die so die wirtschaftliche – und damit letztlich auch ihre journalistische – Unabhängigkeit des Recherchenetzwerks wahren. Nicht alle Förderer dürften damit einig gehen.

So findet sich unter Schravens Beitrag auch Kommentare wie der folgende:

[aesop_quote type=”block” background=”#a0a0a0″ text=”#000000″ width=”content” align=”left” size=”1″ quote=”Leute, wenn ihr euer Geld in FB steckt, dann bin ich nicht länger Mitglied bei euch.” cite=”Facebook-Nutzerin ‘Miri Te'” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Geschäftsführer Schraven bezeichnet die zunächst unentgeltliche Arbeit für Facebook denn auch als “Betatest”, in einigen Wochen werde entschieden, wie es mit dieser Arbeit weitergeht.

Super Chat: YouTube macht Kommentare in Livestreams zu Geld

YouTube führt einen neuen Typ von Kommentaren ein, den Super Chat. So nennt der Dienst hervorgehobene Kommentare, die für bis zu fünf Stunden oben gehalten werden. Künftig soll jeder Zuschauer eines Livestreams die Möglichkeit erhalten, gegen Bezahlung solche Kommentare zu verfassen. Den Video-Ersteller will Youtube an den so erzielten Einnahmen beteiligen.

Vorerst bietet YouTube die Möglichkeit, Super Chats zu erstellen, in einer Beta-Phase für eine kleine Gruppe ausgewählter Videoproduzenten an. Schon vom 31. Januar an sollen aber Videoproduzenten in 20 Ländern und Zuschauer in mehr als 40 Ländern den Kommentartyp Super Chat nutzen können.

Gleichzeitig kündigt Produktmanagerin Barbara Macdonald das Ende eines anderen Monetarisierungsmodells an: Für das “Fan Funding”, über das Zuschauer direkt Geld an die Videoproduzenten senden konnten, sind keine Anmeldungen mehr möglich, auf angemeldeten Kanälen kann die Option nur noch bis zum 28. Februar genutzt werden.

Facebook verspricht Kompetenz für Medienmacher, Medienkompetenz für alle

Facebook hat mit dem Facebook Journalism Project ein neues Projekt angestoßen, das auf drei Säulen fußt: Der kollaborativen Entwicklung neuer Produkte, auf Werkzeugen und Trainings für Journalisten sowie auf Werkzeugen und Trainings für alle übrigen Nutzer.

So will Facebook zusammen mit Medienpartnern neue Storytelling-Formate entwickeln und die bestehenden Formate – so etwa die Instant Articles, Live oder 360 – weiter entwickeln. Unter anderem arbeitet Facebook derzeit an einer Möglichkeit, eine Vielzahl von Instant Articles in einem einzigen Post zu teilen.

Mit einer neuen Initiative will Facebook außerdem die Bedeutung lokaler Nachrichten im sozialen Netzwerk stärken. Wie lokale Nachrichten auf Facebook aussehen können, wollen die Entwickler auf Basis des Inputs von Medien und Journalisten entscheiden.

Für die Medien von enormer Bedeutung sind auch Facebooks Bestrebungen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Gemeinsam mit BILD Online experimentiert Facebook derzeit mit der Möglichkeit, Instant Articles mit Bezahlangeboten – hier also speziell Bild plus – zu kombinieren.

Werkzeuge und Training – auch zur Entwicklung von Medienkompetenz

Schon seit einiger Zeit bietet Facebook eine Reihe von Online-Kursen für Journalisten. Die Kurse vermitteln Vorgehensweisen, um mit den Werkzeugen des Netzwerks ein Publikum zu gewinnen, Geschichten zu erzählen und nicht zuletzt interessante Themen und Geschichten aus der Fülle der Inhalte zu schöpfen. Dazu gehören auch Handreichungen zum Umgang mit Inhalten und Medien, die von Augenzeugen aktueller Geschehnisse beigesteuert wurden.

Zu den neuesten Werkzeugen, gehört übrigens der erst kürzlich ins Facebook-Imperium übernommene Dienst CrowdTangle.

Eines der Ziele, die Facebook in der Mitteilung zu seinem Journalism Project nennt, ist auch das Vermitteln von “news literacy”, Medienkompetenz. Nutzer sollen die Informationen erhalten, die sie benötigen, um zu entscheiden, welchen Quellen sie vertrauen können. Kurzfristig will Facebook dem Thema mit Hilfe von öffentlichen Anzeigen begegnen. Langfristig sollen aus der Initiative Projekte und Ideen erwachsen, mit deren Hilfe Nachrichtenorganisationen Medienkompetenz vermitteln können. Wenn nötig, will Facebook dazu auch finanzielle Unterstützung bieten – konkrete Summen enthält die Mitteilung allerdings nicht.

Datenjournalismus für Einsteiger – Teil 2

Wer lügen will, ohne die Unwahrheit zu sagen, greift gern zu einer Infografik. Der Anblick von Balken, Kurven oder anderen Bildstatistiken verführt aber auch manchen mit lauteren Absichten zu falschen Schlussfolgerungen. Das folgende Beispiel zeigt die Problematik recht anschaulich auf:

[infogram id=”7e3f60e3-ab98-47a0-97d7-c367c98bdc91″ prefix=”wGs” format=”interactive” title=”Tötet TV-Konsum Kinder?”]

Die Infografik basiert auf echten Zahlen des Statistischen Bundesamts. Die grafische Gestaltung ist aber in mehr als einer Hinsicht irreführend:

Die Y-Achse der Todesfälle beginnt nicht bei Null

Bei dieser Grafik veranschaulichen Säulen die Zahl der Todesfälle. Die Säule für das Jahr 2011 ist mehr als vier Mal so hoch wie die Säule für das Jahr 2014. Auf den ersten Blick scheint die Zahl der Todesfälle um drei Viertel zurückgegangen zu sein. Tatsächlich ist sie aber nur um rund ein Sechstel gesunken.

Dass auch die Y-Achse des TV-Konsums nicht bei Null ansetzt, ist weniger problematisch: Eine Linie soll hier die Entwicklung des TV-Konsums anschaulich machen, einen Größenvergleich stellt der Betrachter weder bewusst noch unbewusst an. Die gewählten Extremwerte lassen die Kurve allerdings steiler erscheinen, als sie es tatsächlich ist – de facto ist der TV-Konsum pro Tag von 2011 bis 2014 ja gerade mal um fünf Minuten gesunken (um gut ein Zwanzigstel also).

Die Daten stellen eine willkürliche Auswahl dar

Dass der Ersteller gezielt Daten ausgewählt hat, die die These “Fernsehkonsum tötet Kinder” stützen, ist der Grafik nicht auf den ersten Blick anzusehen. Tatsächlich reichen die beim Statistischen Bundesamt zu bekommenden Daten für den TV-Konsum von 1995 bis ins Jahr 2015, die Todesfalldaten gehen sogar noch weiter zurück. Wären die Daten von 1995 bis 2015 in die Grafik eingeflossen, wäre es wesentlich schwerer geworden, einen Zusammenhang zwischen TV-Konsum und Todesfällen bei Kindern zwischen 3 und 13 Jahren herzustellen. Eine faire – allerdings eben nicht mehr so eindeutig interpretierbare – Grafik sähe dann zum Beispiel so aus:

[infogram id=”f359760d-0c15-4ce7-97d0-1f2bc77ef9af” prefix=”5PE” format=”interactive” title=”TV-Konsum”]

Diese Infografik weist keine unlauteren Verzerrungen auf, und auch die Mengenverhältnisse der in den einzelnen Jahren gestorbenen Kinder sind klar abzulesen. Dennoch weist auch diese Infografik eine grundsätzliche (und im Journalismus recht verbreitete) Schwäche auf:

Die Infografik suggeriert einen Zusammenhang

Schon das Zusammenführen zweier Statistiken in eine Infografik legt dem Betrachter nahe, hier bestehe ein Zusammenhang. Ein echter Zusammenhang zwischen der Anzahl der Todesfälle unter Kindern und ihrem TV-Konsum lässt sich zumindest so jedoch nicht beweisen: Wer seinen Fernsehkonsum einschränkt, um sich dem U-Bahn-Surfen zu widmen, hat eher ein höheres Sterberisiko, wer von Kika zur Playstation wechselt, bleibt – rein körperlich gesehen – auf dem gleichen Aktivitätslevel. Dass weniger Kinder sterben, mag auch an einer immer besseren medizinischen Vorsorge, wirksameren Therapien oder einer steigenden Zahl von Impfungen liegen, und der sinkende Fernsehkonsum ein zufällig gleichzeitig auftretendes Phänomen sein. Merke: Eine Korrelation beweist keine Kausalität.