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Deutscher Reporterpreis 2017: Preisträger stehen fest

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Das Reporter-Forum hat am 11.12.2017 die diesjährigen Preisträger bekannt gegeben. Aus 1612 eingereichten Arbeiten haben die 95 Vorjuroren in den zwölf Kategorien insgesamt 112 Texte und Projekte für den Reporterpreis 2017 nominiert. Hier sind die Sieger.

Direkt zu den Reportagen:

Die Jury der jährlich vergebenen Preise ist zu gleichen Teilen mit preisgekrönten Reportern und prominenten Publizisten und Autoren besetzt; erklärtes Ziel der Initiative ist es, den Qualitätsjournalismus zu stärken.

Journalisten gezielt ermordet

74 Journalisten haben im ablaufenden Jahr gewaltsam ihr Leben verloren. Das geht aus der Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016 hervor, die Reporter ohne Grenzen heute vorgestellt hat. Bei den Getöteten handelte es sich um 57 professionelle Journalisten, neun Bürgerjournalisten und acht Medienmitarbeiter. In Syrien, Afghanistan, Mexiko, im Irak und im Jemen wurden 2016 die meisten Journalisten ermordet.

“Besonders erschreckend ist, dass so viele Journalisten gezielt wegen ihrer Tätigkeit angegriffen und ermordet werden”, sagte ROG-Vorstandssprecherin Britta Hilpert. “Diese Zahlen zeigen, wie folgenlos bisher alle internationalen Bemühungen geblieben sind, Journalisten besser vor Gewalt zu schützen.”

Im Vergleich zu 2015 ist die Zahl der Getöteten zwar zurückgegangen – damals waren mindestens 101 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit getötet worden, darunter 67 professionelle Journalisten – von einer Entspannung der Lage kann jedoch keine Rede sein. Der deutliche Rückgang in diesem Jahr erklärt sich vor allem dadurch, dass viele Journalisten aus ihren Heimatländern geflohen sind, weil die Fortsetzung ihrer Arbeit dort zu gefährlich gewesen wäre.

[aesop_document type=”pdf” src=”https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/Redaktion/Presse/Downloads/Jahresbilanz/Jahresbilanz_der_Pressefreiheit_2016__Teil_2_.pdf” caption=”Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016, Teil 2″]

Fotojournalisten und Dokumentarfilmer fordern In-Kamera-Verschlüsselung

Hersteller sollen für eine In-Kamera-Verschlüsselung von Aufnahmen sorgen. Das fordert die Freedom of Press Foundation in einem offenen Brief, der annähernd wortgleich an Canon, Sony, Nikon, Fujifilm und Olympus gegangen ist. Mehr als 150 Fotojournalisten und Dokumentarfilmer haben den offenen Brief unterzeichnet.

Fotoreporter und Dokumentarfilmer sind bei ihrer Arbeit oft einem hohen Risiko ausgesetzt. Wird ihre Ausrüstung gestohlen oder beschlagnahmt, haben sie in der Regel keine Chance mehr, ihre Aufnahmen vor Missbrauch zu schützen. Nach Angaben des Committee to Protect Journalists ist die Praxis, Kameras zu konfiszieren, derart verbreitet, dass es schier unmöglich ist, allen derartigen Vorkommnissen nachzugehen.

Nach Auffassung der Freedom of Press Foundation sind Kamerahersteller nicht mehr auf der Höhe der Zeit, was den Schutz der Aufnahmen betrifft. Während bei Instant Messengern Verschlüsselung die Regel ist, und gängige PC- und Mobilbetriebssysteme ebenfalls umfassende Verschlüsselungsmöglichkeiten bieten, seien Aufnahmen auf den Speicherkarten moderner Kameras nach wie vor nicht vor fremdem Zugriff sicher. Die Initiatoren des offenen Briefes hoffen auf eine ebenso öffentliche Reaktion der angeschriebenen Kamerahersteller, und haben die Bereitschaft angekündigt, Herstellern bei der konkreten Umsetzung ihrer Forderung beratend zur Seite zu stehen.

Druck auf Journalisten nimmt international zu

Weltweit sind derzeit mindestens 384 Journalisten im Gefängnis. Nach dem Putschversuch in der Türkei ist allein die Zahl der dort inhaftierten Journalisten auf mehr als 100 angestiegen. Das geht aus der Jahresbilanz der Pressefreiheit hervor, deren Reporter ohne Grenzen heute vorgestellt hat. “Die Hexenjagd gegen Journalisten in der Türkei sprengt alle bekannten Dimensionen”, kommentiert ROG-Vorstandssprecherin Britta Hilpert diese Zahlen.

Neben der Türkei ist China das Land weltweit mit den meisten Medienschaffenden, die wegen ihrer Arbeit im Gefängnis sitzen. Derzeit sind es mindestens 103, darunter 81 Blogger und Bürgerjournalisten.

Entführt sind weltweit derzeit 52 Medienschaffende – und zwar ausnahmslos in Syrien, im Jemen oder im Irak. 21 von ihnen befinden sich in der Gewalt der Dschihadistenmiliz “Islamischer Staat”. Im ostafrikanischen Burundi ist ein Journalist im Lauf des Jahres verschwunden. Als verschwunden zählt Reporter ohne Grenzen Journalisten, wenn es weder hinreichende Belege noch eine glaubwürdige Bekennererklärung für ihren Tod oder ihre Entführung gibt.

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App-Tipp Pocket Reporter: Fakten sammeln leicht gemacht

Relevante Fakten sammeln, Gespräche führen, Hintergründe ausleuchten und Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen – das sind die Arbeiten, die ein Reporter zu erledigen hat, bevor er seine Story aufschreiben kann. Speziell an Einsteiger und Bürgerjournalisten, die darin (noch) nicht all zu routiniert sind, richtet sich die Android-App Pocket Reporter der Organisation Code for South Africa.

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Die App bietet eine Reihe von Vorlagen, um die Fakten dreizehn unterschiedlicher Arten von Stories zusammen zu tragen. Dazu gehören Biographien, Nachrufe, Berichte über Verbrechen, Brände und Unfälle oder etwa Protestveranstaltungen. Mit Hilfe von passenden Checklisten können der (angehende) Reporter prüfen, ob er alle relevanten Fakten zusammengetragen und geprüft hat.

Mit der App erstellte Faktensammlungen lassen sich einfach per E-Mail übermitteln, beispielsweise, um sie anschließend am PC zu einer Story zu verarbeiten. Daneben liefert die App nützliche Tipps – etwa, zu Protestveranstaltungen, auf denen vielleicht Tränengas zum Einsatz kommt, stets einen Schal und ein Fläschchen Essig mitzunehmen.

Dank der app-internen Übersicht “My Stories” kann der Reporter beliebig viele Materialsammlungen parallel anlegen. Zwei kleine Wermutstropfen: Die App ist nur in englischer Sprache erhältlich, und sie eignet sich nicht, um zu den Stories Dateien von Fotos, Videos oder Tonaufnahmen zu speichern.

Pocket Reporter für Android

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Reporterpreis 2016: Reporter-Forum prämiert exzellenten Journalismus

Harte Arbeit für die Jury des Reporter-Forums: In diesem Jahr erhielt das Forum 1473 Beiträge für den Deutschen Reporterpreis, von denen schließlich 91 nominiert wurden. Hier die Preisträger:

Zwei Reportagen erhalten Reporterpreis für die beste Reportage

Die Auszeichnung als beste Reportage teilen sich gleich zwei Werke – eines aus Guantanamo, eines aus dem syrischen Dorf Tel Goran.

Beste Investigation

Ein Informant, 400 Journalisten: Ausgezeichnet als beste Investigation hat die Jury die Auswertung eines Datenpakets, die wohl noch lange nicht abgeschlossen ist.

Bester Essay

Macht es einen Unterschied, ob Männer oder Frauen im Wahlkampf gegeneinander antreten? In einem erstaunlichen Essay sucht Lara Fritzsche nach der Antwort auf diese Frage.

Beste Lokalreportage

Messer, Pistolen, Schlagstöcke: Ein örtlicher Waffenhändler, dessen Geschäfte immer besser laufen, ist Gegenstand dieser Reportage.

Beste Kulturkritik

Benjamin von Stuckrad-Barre und sein Werk Panikherz mussten sich dieser Kulturkritik stellen.

Zwei Werke erhalten Reporterpreis für die beste Wissenschaftsreportage

Ein Medikamentenhersteller, der ein vielleicht lebensrettendes Medikament nicht liefern will, und das, was sich in einem Körper abspielt, wenn er stirbt: Auch hier hat die Jury zwei Reportagen prämiert.

Bester freier Reporter

Herkunft contra Unterricht: Wie es um die Chancengleichheit im deutschen Schulsystem bestellt ist, beleuchtet Björn Stephan.

Bestes Interview

Die Eltern dreier Schülerinnen, die ihr Leben beim herbeigeführten Absturz der Germanwings-Flug 9525 im März 2015 haben mit Kerstin Herrnkind und Dominik Stawski vom Stern über die Tragödie gesprochen.

Innovation

Ausgezeichnet in dieser Kategorie wurde das erste gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum, Correctiv.

Datenjournalismus

An zwei von drei Tagen brannte 2015 ein Flüchtlingsheim. Gefasst oder gar verurteilt wurde kaum einer der Täter. Wie das sein kann, dem ist ein Team von Datenjournalisten auf den Grund gegangen.

Webreportage

Elisabeth Weydt, Jakob Fuhr und Christine Anas sind die Preisträger*innen dieser Kategorie. Ausgezeichnet wurden sie für ihre Reportage Ackerbunt.