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AI-Prompt der Woche, Folge 11: Faktencheck vorbereiten per KI

ChatGPT und andere große Sprachmodelle zeigen mitunter, was gemeinhin mit „sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit“ umschrieben wird. Um zu prüfen, ob die in einem Text genannten Zahlen und Fakten korrekt sind, bedarf es immer noch eines Menschen, der einen prüfenden Blick darauf wirft. Aber: Die KI kann Vorarbeit leisten und die in einem umfangreichen Text enthaltenen Daten in einer übersichtlichen Tabelle anordnen. Ein Prompt dazu könnte so aussehen:

Du bist Redakteur. Deine Aufgabe ist es, von Autoren erstellte Beiträge zur Veröffentlichung vorzubereiten. Trage alle Daten, Zahlen und sonstige konkrete Fakten aus [Beitrag] in einer Markdown-Tabelle zusammen. Markiere dabei alle fragwürdigen Einträge mit “prüfen”.

Aus einem Artikel zu Sicherheitstechnik im Smart Home, den ich vor einiger Zeit für eine IT-Zeitschrift schrieb, extrahierte ChatGPT mit diesem Prompt die folgende Tabelle:

ThemaWert / ZahlAnmerkung
Wohnungseinbrüche 2015167.136
Wohnungseinbrüche 202154.236
Rückgang Einbrüche seit 2015Mehr als dreifache Reduzierung
Einbrüche pro Tag 2021Ca. 150
Bekannte Marke für TürklingelkamerasRing (Amazon)
Datenschutzvorfall Ring2020: Mitarbeiter sahen private Videosprüfen
SmartlocksKönnen per App, Fingerabdruck, Stimme gesteuert werden
Risiko SmartlocksHackbarkeit, Sicherheitslücken möglich
Erhöhte Sicherheit durch VPNEmpfohlen für Smart-Home-Systeme
Rauchmelder PflichtIn vielen Bundesländernprüfen
Nutzen vernetzter RauchmelderAlarm auch in entfernten Räumen möglich
Bosch-SicherheitssystemeNutzen Rauchmelder als Sirenen
Wassermelder NutzenFrühwarnung bei Lecks, Notabschaltung möglich
Datenschutzwarnung VerbraucherzentraleKameras nur auf eigenem Grundstück erlaubt
DSGVO-Vorgaben für KamerasNur mildeste Mittel erlaubt

Mit einer solchen Tabelle lässt sich ein Faktencheck nicht nur erheblich systematischer abarbeiten, gleichzeitig hilft die Tabelle auch, einen Artikel auf inhaltliche Vollständigkeit abzuklopfen.

Mehr Kontext: Google führt ‘About this result’ auch in der deutschsprachigen Suche ein

Die bislang nur in den USA verfügbare Funktion ‘about this result’ kommt nach Europa. In den nächsten Wochen will Google auch Nutzern, die die Suchmaschine in Europa durchstöbern, mehr Kontext zu den Suchergebnissen liefern. Unterstützen wird Google zunächst die Sprachen Portugiesisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Spanisch und Deutsch.

Die Funktion ‘about this result’ wird an drei senkrecht übereinander stehenden Punkten rechts neben den Suchergebnissen zu erkennen sein. Über die lassen sich ergänzende Informationen zu den angezeigten Ergebnissen aufrufen, etwa Hintergrundinformationen zu der Quelle, von der die Information stammt. Der Nutzer erfährt dort auch, was über die Quelle im Web zu finden ist, und erhält weitere Informationen zu dem gesuchten Thema.

Mehr Kontext zu einem Suchergebnis zu erhalten, hilft, die gefundenen Informationen besser einzuordnen. So liegt es auf der Hand, dass ein Reiseveranstalter andere Informationen über ein Land in den Vordergrund rückt als ein Menschenrechtsaktivist oder ein Naturforscher. Während ein solcher Kontext meist auch ohne ‘about this result’ ersichtlich ist, kann der von Google gelieferte Kontext dabei helfen, auch subtilere Einflüsse auf die Informationen zu identifizieren. Der Wahrheitsgehalt eines Suchergebnisses lässt sich so zwar nicht quantifizieren – aber die grobe Richtung könnte erkennbar werden.

Wirklich neue Informationen wird Google damit nicht liefern. Die neue Funktion reduziert aber deutlich den Aufwand, sich mehr Kontext zu einem Ergebnis zu verschaffen.

Suche nach Texten und Bildern gleichzeitig: Google stellt Multisearch vor

Bislang lässt Google seinen riesigen Datenbestand wahlweise mit Hilfe von Suchbegriffen in Schriftform oder mit Hilfe von Bildern (über die Rückwärtssuchfunktion in der Google-Bildersuche) durchforsten. Google Multisearch kombiniert jetzt die beiden Methoden.

Manches lässt sich besser zeigen als beschreiben. Über die mobile Google-App lässt sich deshalb nicht nur nach eingetippten Wörtern suchen, sondern auch nach gespeicherten oder über die Kamera erfassten Fotos.

In einem nächsten Schritt kombiniert Google diese Suchmöglichkeiten: Auf dem hauseigenen Blog stellt Produktmanagerin Belinda Zeng Google Multisearch vor. Bislang steht die Funktion nur Android- oder iOS-Nutzern in den USA, und auch nur als Beta-Version zur Verfügung, in dem o. g. Blogbeitrag lässt sich aber schon gut erkennen, wie nützlich diese Suchfunktion werden könnte:

In der mobilen Google-App tippt der Nutzer zunächst auf das Bild-Symbol im Suchfeld, und wählt anschließend ein Foto von seinem Smartphone oder richtet seine Kamera auf ein gesuchtes Motiv in seiner Umgebung. Nachdem er ein Bild ausgewählt oder aufgenommen hat, wischt er nach oben, tippt auf eine Schaltfläche “+ Add to your search”, und ergänzt die Aufnahme um eine Texteingabe.

Als Anwendungsbeispiele nennt Zeng unter anderem das Foto eines orangenfarbenen Kleides, begleitet von der Texteingabe “grün”, um ein ähnlich geschnittenes Kleid in grüner Farbe aufzuspüren, oder das Foto einer Zimmerpflanze, ergänzt um die Textsuche “Pflegeanleitung”. Wann die Funktion das Beta-Stadium verlässt und international bereitgestellt wird, war noch nicht in Erfahrung zu bringen.

Bessere Übersetzungen jetzt auch offline: Google Übersetzer bringt KI aufs Smartphone

Die mobile App für den Google Übersetzer (für iOS/Android) setzt künftig auch bei der Offline-Nutzung KI-Algorithmen ein. Das hat Produktmanagerin Julie Cattiau in einer aktuellen Mitteilung im Blog des Unternehmens angekündigt.

Das KI-gestützte Übersetzungswerkzeug übersetzt ganze Sätze auf einmal, statt wie früher Wort für Wort. Dabei berücksichtigt es den Kontext, und passt das Ergebnis anschließend noch einmal an, sodass die Übersetzung eher nach den Worten einer realen Person klingt, die mit korrekter Grammatik spricht. Bei der Online-Übersetzung nutzt Google bereits seit ungefähr zwei Jahren das “neural machine translation” (kurz NMT) genannte Verfahren.

Die schon länger in der mobilen App mögliche Offline-Übersetzung arbeitet künftig ebenfalls mit NMT. Damit das funktioniert, müssen Nutzer aus dem Google Übersetzer heraus aktualisierte Wörterbücher für die benötigten Sprachen herunterladen. Die ersten davon stehen bereit, in den nächsten Tagen will Google aktualisierte Wörterbücher für insgesamt 59 Sprachen zur Verfügung stellen. Nützlich ist die Funktion nicht zuletzt zur Verständigung auf Reisen, wo Datenverbindungen mitunter sehr teuer werden können.

European Journalism Center erarbeitet Facebook Safety Guide für Journalisten

Das European Journalism Center hat gemeinsam mit Facebook einen “Safety Guide”, einen Sicherheitsleitfaden für Journalisten entwickelt. Neben schriftlichen Informationen umfasst der Leitfaden auch drei kurze Videos, die erläutern, wie Journalisten ihre Konten vor Missbrauch schützen, die Privatsphäre-Optionen nutzen oder sich gegen Verbalattacken und Hacks zur Wehr setzen können. Derzeit steht der Safety Guide nur in englischer Sprache zur Verfügung, weitere Sprachen – darunter auch deutsch – sollen folgen.

Obwohl der Sicherheitsleitfaden sich in erster Linie mit Risiken beschäftigt, die mit der Nutzung von Facebook verbunden sein können, lassen sich viele Informationen daraus auf andere Bereiche des Internet übertragen – etwa die Empfehlung, bei der Nutzung personalisierter Dienste auf eine Zwei-Faktor-Authentifizierung zu setzen, wo immer das möglich ist. Ein Report der Unesco aus 2015 listet zwölf Bedrohungen auf, denen sich Journalisten in der digitalen Sphäre ausgesetzt sehen, und hält fest, dass 54 Prozent der dafür befragten Journalisten kein entsprechendes Sicherheitstraining erhalten hätten.

Datenjournalismus für Einsteiger – Teil 2

Wer lügen will, ohne die Unwahrheit zu sagen, greift gern zu einer Infografik. Der Anblick von Balken, Kurven oder anderen Bildstatistiken verführt aber auch manchen mit lauteren Absichten zu falschen Schlussfolgerungen. Das folgende Beispiel zeigt die Problematik recht anschaulich auf:

[infogram id=”7e3f60e3-ab98-47a0-97d7-c367c98bdc91″ prefix=”wGs” format=”interactive” title=”Tötet TV-Konsum Kinder?”]

Die Infografik basiert auf echten Zahlen des Statistischen Bundesamts. Die grafische Gestaltung ist aber in mehr als einer Hinsicht irreführend:

Die Y-Achse der Todesfälle beginnt nicht bei Null

Bei dieser Grafik veranschaulichen Säulen die Zahl der Todesfälle. Die Säule für das Jahr 2011 ist mehr als vier Mal so hoch wie die Säule für das Jahr 2014. Auf den ersten Blick scheint die Zahl der Todesfälle um drei Viertel zurückgegangen zu sein. Tatsächlich ist sie aber nur um rund ein Sechstel gesunken.

Dass auch die Y-Achse des TV-Konsums nicht bei Null ansetzt, ist weniger problematisch: Eine Linie soll hier die Entwicklung des TV-Konsums anschaulich machen, einen Größenvergleich stellt der Betrachter weder bewusst noch unbewusst an. Die gewählten Extremwerte lassen die Kurve allerdings steiler erscheinen, als sie es tatsächlich ist – de facto ist der TV-Konsum pro Tag von 2011 bis 2014 ja gerade mal um fünf Minuten gesunken (um gut ein Zwanzigstel also).

Die Daten stellen eine willkürliche Auswahl dar

Dass der Ersteller gezielt Daten ausgewählt hat, die die These “Fernsehkonsum tötet Kinder” stützen, ist der Grafik nicht auf den ersten Blick anzusehen. Tatsächlich reichen die beim Statistischen Bundesamt zu bekommenden Daten für den TV-Konsum von 1995 bis ins Jahr 2015, die Todesfalldaten gehen sogar noch weiter zurück. Wären die Daten von 1995 bis 2015 in die Grafik eingeflossen, wäre es wesentlich schwerer geworden, einen Zusammenhang zwischen TV-Konsum und Todesfällen bei Kindern zwischen 3 und 13 Jahren herzustellen. Eine faire – allerdings eben nicht mehr so eindeutig interpretierbare – Grafik sähe dann zum Beispiel so aus:

[infogram id=”f359760d-0c15-4ce7-97d0-1f2bc77ef9af” prefix=”5PE” format=”interactive” title=”TV-Konsum”]

Diese Infografik weist keine unlauteren Verzerrungen auf, und auch die Mengenverhältnisse der in den einzelnen Jahren gestorbenen Kinder sind klar abzulesen. Dennoch weist auch diese Infografik eine grundsätzliche (und im Journalismus recht verbreitete) Schwäche auf:

Die Infografik suggeriert einen Zusammenhang

Schon das Zusammenführen zweier Statistiken in eine Infografik legt dem Betrachter nahe, hier bestehe ein Zusammenhang. Ein echter Zusammenhang zwischen der Anzahl der Todesfälle unter Kindern und ihrem TV-Konsum lässt sich zumindest so jedoch nicht beweisen: Wer seinen Fernsehkonsum einschränkt, um sich dem U-Bahn-Surfen zu widmen, hat eher ein höheres Sterberisiko, wer von Kika zur Playstation wechselt, bleibt – rein körperlich gesehen – auf dem gleichen Aktivitätslevel. Dass weniger Kinder sterben, mag auch an einer immer besseren medizinischen Vorsorge, wirksameren Therapien oder einer steigenden Zahl von Impfungen liegen, und der sinkende Fernsehkonsum ein zufällig gleichzeitig auftretendes Phänomen sein. Merke: Eine Korrelation beweist keine Kausalität.

Breaking News oder Fake News? Teil 1: Die Quelle prüfen

Als der Postillon titelte “Zu teuer und zu ineffizient: Regierung stellt umstrittenes Chemtrail-Programm ein”, hätte der Verfasser wohl nicht erwartet, dass sein Artikel Verschwörungstheoretikern als glaubwürdiger Beleg dienen würde. Anders sah es bei Bundesinnenminister Thomas de Maizière aus, der im vergangenen Sommer Ärzten pauschal vorwarf, mit Attesten Abschiebungen zu verhindern, und den Vorwurf mit einer aus sehr dünnen Fakten frei interpolierten Statistik zu belegen versuchte.

Fake News sind überall: In den sozialen Netzwerken, in mehr oder weniger anonymen Blogs, im Mund von Politikern aller Couleur, und immer wieder finden sie auch den Weg in die Berichterstattung der etablierten Medien. Mal dienen sie der politischen Stimmungsmache (wie oben, aber zum Beispiel auch im Fall des angeblich vor dem Berliner Lageso gestorbenen Asylanwärters),

mal sollen sie religiöse Überzeugungen befeuern oder konterkarieren (wie die Meldung über den angeblichen Fund von Überresten einer altägyptischen Armee im Roten Meer),

manchmal entspringen sie wohl auch einfach nur einer überbordenden Fantasie (wie die Geschichte über einen jungen Mann, in der behauptet wird, er habe auf einer Poolparty ins Schwimmbecken ejakuliert und dabei 16 weibliche Teenager geschwängert).

Unglaubwürdige Quelle = unglaubwürdige Nachricht

Dass der Postillon keine seriöse Nachrichtenquelle ist, sollte jedem geistig gesunden Menschen klar werden, der sich länger als nur ein paar Sekunden auf der Website umsieht. Auch in den dortigen FAQ heißt es:

[aesop_quote type=”block” background=”#c0c0c0″ text=”#000000″ align=”center” size=”1″ quote=”… alles, was im Postillon steht, ist Satire und somit dreist zusammengelogen. Alle auftauchenden Charaktere sind fiktional, Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig…” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Dennoch gehen mitunter auch seriöse Medien wie der MDR der Spaß-Postille auf dem Leim.

Das selbe gilt auch für Worldnewsdailyreport.com, wo von der im Roten Meer entdeckten pharaonischen Armee zu lesen war. In dessen Disclaimer ist zu lesen:

[aesop_quote type=”block” background=”#c0c0c0″ text=”#000000″ align=”center” size=”1″ quote=”… WNDR assumes however all responsibility for the satirical nature of its articles and for the fictional nature of their content. All characters appearing in the articles in this website – even those based on real people – are entirely fictional and any resemblance between them and any persons, living, dead, or undead is purely a miracle…” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Zugegeben, die Seitenbetreiber haben sich große Mühe gegeben, die Tonalität echter Nachrichten zu treffen, und bei oberflächlicher Sichtung der Themen könnte ein Leser die Website für ein gewöhnliches Boulevard-Medium halten. Aber auch gewöhnliche Boulevard-Medien sind nicht per se glaubwürdige Quellen.

[aesop_content color=”#000000″ background=”#f5f6ce” width=”content” columns=”1″ position=”none” imgrepeat=”no-repeat” floaterposition=”left” floaterdirection=”up” revealfx=”off”]

Herausfinden, wer oder was hinter einer Website steckt

  • Hat die Website ein vollständiges, inhaltlich glaubwürdiges Impressum?
  • Wenn es sich um eine .de-Website handelt: Wen nennt Denic.de als Domaininhaber?
  • Welche Informationen liefert Google zum Domaininhaber/inhaltlich Verantwortlichen?
  • Was verrät Google Street View über die Adresse, die im Impressum genannt ist?
  • Welche Beiträge sind sonst noch in der Online-Publikation zu finden?
  • Weisen das Impressum, eine FAQ oder ähnliches auf einen fiktionalen Charakter hin?
  • Verweist die Website auf zugehörige Social Media-Auftritte? Was ist dort zu finden?
  • Ist eine telefonische Kontaktaufnahme möglich? Kann der Gesprächspartner Detailfragen glaubwürdig beantworten?

[/aesop_content]

Soziale Medien: Die besten Augenzeugen und die schlimmsten Lügner

Im Januar 2009 veränderte ein einzelner Tweet die Überzeugungen vieler Journalisten, was die Macht sozialer Medien und ihre Bedeutung für die Berichterstattung betrifft. Ein Mann namens Janis Krums twitterte dieses Foto:

http://twitpic.com/135xa

Das Foto zeigt den im Hudson River notgewasserten Airbus A 320 von US-Airways-Flug 1549 – in einer Unmittelbarkeit und zeitlichen Nähe zum Ereignis, die keines der etablierten Medien hätte leisten können. Das hinderte letztgenannte freilich nicht daran, obiges Foto in ihrer Berichterstattung zu verwenden.

So mancher verspürt seitdem das Bedürfnis, sich mit Hilfe mehr oder weniger spektakulärer Meldungen in sozialen Netzwerken seine persönlichen fünfzehn Minuten Ruhm zu sichern. Die spektakulären Bilder dazu sind nicht selten von anderen Websites geklaut, die dazu passenden Meldungen komplett ausgedacht. Manchem Verfasser gelingt es dabei, den bei Journalisten sehr ausgeprägten Mann-beißt-Hund-Reflex zu bedienen.

[aesop_content color=”#000000″ background=”#f5f6ce” width=”content” columns=”1″ position=”none” imgrepeat=”no-repeat” floaterposition=”left” floaterdirection=”up” revealfx=”off”]

Social Media-Nutzer unter der Lupe

  • Wie lange existiert das Twitter-/Facebook-Konto bereits? (Das Beitrittsdatum findet sich bei beiden Diensten im Profil, unterhalb des Nutzerfotos)
  • Handelt es sich um ein verifiziertes Nutzerkonto? (Erkannbar an einem weißen Häkchen auf blauem Grund neben dem Nutzernamen)
  • Entspricht die Meldung in Sprache und Stil den anderen Beiträgen des Nutzers? (Ein Wechsel zwischen sorgfältiger und nachlässiger Rechtschreibung zum Beispiel sollte aufmerken lassen)
  • Auf welchen anderen Social Media-Plattformen ist der Nutzer aktiv? Was schreibt er dort?
  • Und auch hier wieder:

  • Ist eine telefonische Kontaktaufnahme möglich? Kann der Gesprächspartner Detailfragen glaubwürdig beantworten?

[/aesop_content]

Ehrlichkeit: Für Politiker keine Schlüsselqualifikation

Wie sieht es aber aus, wenn die Quelle der Innenminister der Bundesrepublik Deutschland ist? Dass Spitzenpolitiker immer die Wahrheit sagen, widerspräche jeder Erfahrung: “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!”, wird Walter Ulbricht, 1961 DDR-Staats- und Parteichef, oft zitiert. Eine glatte Lüge war wohl auch die Behauptung des damaligen britischen Premiers Tony Blair im März 2002 gegenüber der Öffentlichkeit, er beabsichtige keine britische Beteiligung an einem möglichen Irak-Krieg. Dem US-Außenminister Colin Powell hatte er da bereits seine Unterstützung zugesagt. Gegen solche Lügen ist eine weitgehend erfundene Statistik zu ärztlichen Attesten in der Tat ein Kavaliersdelikt – und dennoch ein weiterer Beleg für die Regel “Ein Politiker ist keine glaubwürdige Quelle!”

Was also tun, wenn ein Politiker eine Tatsachenbehauptung aufstellt, die neu, wichtig und interessant zu sein scheint? Im Fall der vom Minister genannten Statistik haben die Redakteure von MDR aktuell das Naheliegendste getan: Sie haben im Ministerium nachgefragt, auf welche Datenbasis der Minister seine Aussage gestützt habe. So viel Enthüllungsjournalismus geht immer.

Eine Quelle ist eine Quelle zu wenig

So manche Fake News fällt schon bei einem genaueren Blick auf die Quelle in sich zusammen. Selbstverständlich sagen auch die notorischsten Lügner von Zeit zu Zeit die Wahrheit. Schon aus Gründen der Arbeitsökonomie stellt ein Journalist aber schnell die Arbeit ein, wenn sich seine einzige Quelle als extrem unzuverlässig herausstellt. Aber auch wenn die Quelle an sich einem kritischen Blick standhält, kann eine Geschichte weit entfernt von der Wahrheit sein. Lässt sich eine Geschichte nicht durch eine zweite, von der ersten völlig unabhängige Quelle bestätigen, bleibt sie zweifelhaft, wenn sie sich nicht auf anderem Weg – etwa durch persönliches In-Augenschein-Nehmen – belegen lässt.

Wie sich Inhalte – unabhängig von ihrer Quelle – verifizieren, oder eben falsifizieren lassen, darum wird es im nächsten Beitrag dieser Reihe gehen.

Themen finden per Kalender: Wichtige Termine 2017

Überraschungen gehören zum Wesen der journalistischen Arbeit, und machen zum Teil auch ihren Reiz aus. Aber längst nicht alles Berichtenswerte kommt überraschend: Auch etliche Termine 2017 sind jetzt schon planbar und gehören – abhängig von der thematischen Ausrichtung der Publikation – in den Redaktionskalender.

Jahrestage, Geburts- und Todestage

Eine Übersicht über die wichtigsten Ereignisse, und die Daten, zu denen sie sich jähren, liefert der kleine Kalender.

Am 15. Oktober 2017 jährt sich Mata Haris Todestag zum hundertsten Mal, John F. Kennedy wäre am 29. Mai hundert Jahre alt geworden. Solche historischen Geburts- und Todestage liefert Geboren.am.

Umfangreiche Fotodossiers zu Ereignissen und Personen, die im kommenden Jahr Jubiläum haben, liefert Ullstein Bild.

Wichtige Sportereignisse

Eine umfassende Übersicht über internationale Sportereignisse 2017 liefert Topend Sports. Die in Deutschland meistbeachteten Sportereignisse führt auch die Sportschau auf.

Politisches Geschehen

So manches ist noch offen, aber Wahltermine und Gipfeltreffen folgen einer festen Agenda. Eine Reihe politisch entscheidender Zeitpunkte im Jahr 2017 hat der Mirror zusammengestellt. Auch N-TV liefert eine Übersicht über vieles, was in 2017 in politischer Hinsicht wichtig wird.

Messen und Ausstellungen

Dass eine Messe ins Haus steht, erfährt der Fachredakteur in aller Regel aus der Flut an Pressemitteilungen, die kurz vor und während des Ereignisses sein E-Mail-Postfach verstopfen – jedenfalls, was die großen Messen betrifft. Wer gern länger im Voraus plant, findet anstehende Messen im Messekalender.

Film-Events, Preisverleihungen und Festivals

Eine umfassende Liste der Termine 2017 wichtiger Film-Events von der Verleihung der Golden Globes bis hin zu den SchulKinoWochen NRW liefert die Film und Medien Stiftung NRW.

Filmpremieren des kommenden Jahres listet unter anderem die Website Filmstarts.

Musik-Events und Konzerte

Die Termine nahezu aller Konzerte bekannter und weniger bekannter Künstler liefert der Festivalticker. Dort finden sich auch Übersichten nationaler und internationaler Festivals.

Und zur Vervollständigung: Die Grammys werden vergeben am 12. Februar 2017, die Echos am 6. April 2017.

Hier finden Sie einen beispielhaften Kalender mit einer Reihe wichtiger Medienthemen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

[calendar id=”2088″]

Fotojournalisten und Dokumentarfilmer fordern In-Kamera-Verschlüsselung

Hersteller sollen für eine In-Kamera-Verschlüsselung von Aufnahmen sorgen. Das fordert die Freedom of Press Foundation in einem offenen Brief, der annähernd wortgleich an Canon, Sony, Nikon, Fujifilm und Olympus gegangen ist. Mehr als 150 Fotojournalisten und Dokumentarfilmer haben den offenen Brief unterzeichnet.

Fotoreporter und Dokumentarfilmer sind bei ihrer Arbeit oft einem hohen Risiko ausgesetzt. Wird ihre Ausrüstung gestohlen oder beschlagnahmt, haben sie in der Regel keine Chance mehr, ihre Aufnahmen vor Missbrauch zu schützen. Nach Angaben des Committee to Protect Journalists ist die Praxis, Kameras zu konfiszieren, derart verbreitet, dass es schier unmöglich ist, allen derartigen Vorkommnissen nachzugehen.

Nach Auffassung der Freedom of Press Foundation sind Kamerahersteller nicht mehr auf der Höhe der Zeit, was den Schutz der Aufnahmen betrifft. Während bei Instant Messengern Verschlüsselung die Regel ist, und gängige PC- und Mobilbetriebssysteme ebenfalls umfassende Verschlüsselungsmöglichkeiten bieten, seien Aufnahmen auf den Speicherkarten moderner Kameras nach wie vor nicht vor fremdem Zugriff sicher. Die Initiatoren des offenen Briefes hoffen auf eine ebenso öffentliche Reaktion der angeschriebenen Kamerahersteller, und haben die Bereitschaft angekündigt, Herstellern bei der konkreten Umsetzung ihrer Forderung beratend zur Seite zu stehen.

App-Tipp Pocket Reporter: Fakten sammeln leicht gemacht

Relevante Fakten sammeln, Gespräche führen, Hintergründe ausleuchten und Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen – das sind die Arbeiten, die ein Reporter zu erledigen hat, bevor er seine Story aufschreiben kann. Speziell an Einsteiger und Bürgerjournalisten, die darin (noch) nicht all zu routiniert sind, richtet sich die Android-App Pocket Reporter der Organisation Code for South Africa.

[aesop_image imgwidth=”30%” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2016/12/pocket-reporter.png” alt=”Pocket Reporter” align=”right” lightbox=”on” captionposition=”left” revealfx=”fromright”]

Die App bietet eine Reihe von Vorlagen, um die Fakten dreizehn unterschiedlicher Arten von Stories zusammen zu tragen. Dazu gehören Biographien, Nachrufe, Berichte über Verbrechen, Brände und Unfälle oder etwa Protestveranstaltungen. Mit Hilfe von passenden Checklisten können der (angehende) Reporter prüfen, ob er alle relevanten Fakten zusammengetragen und geprüft hat.

Mit der App erstellte Faktensammlungen lassen sich einfach per E-Mail übermitteln, beispielsweise, um sie anschließend am PC zu einer Story zu verarbeiten. Daneben liefert die App nützliche Tipps – etwa, zu Protestveranstaltungen, auf denen vielleicht Tränengas zum Einsatz kommt, stets einen Schal und ein Fläschchen Essig mitzunehmen.

Dank der app-internen Übersicht “My Stories” kann der Reporter beliebig viele Materialsammlungen parallel anlegen. Zwei kleine Wermutstropfen: Die App ist nur in englischer Sprache erhältlich, und sie eignet sich nicht, um zu den Stories Dateien von Fotos, Videos oder Tonaufnahmen zu speichern.

Pocket Reporter für Android

[qrcode content=”https://play.google.com/store/apps/details?id=com.phonegap.pocketreporter”]

App-Tipp Cogi: Für Sprachnotizen ohne Blabla

Bei Interviews, Hintergrundgesprächen, Pressekonferenzen und ähnlichen Ereignissen hat der Journalist oft die Wahl, mitzuschreiben oder – das Einverständnis seiner Gesprächspartner vorausgesetzt – Sprachnotizen aufzunehmen. So bequem das Mitschneiden während des Gesprächs ist, so umständlich ist es später, aus dem Mitschnitt die Highlights heraus zu schreiben. Eine enorme Arbeitserleichterung bietet die App Cogi, die sowohl für iOS als auch für Android zu bekommen ist.

[aesop_content color=”#000000″ background=”#c0c0c0″ width=”content” columns=”1″ position=”none” imgrepeat=”no-repeat” floaterposition=”left” floaterdirection=”up”]
Hinweis: Cogi bietet nach einer Registrierung die Möglichkeit, die Aufzeichnungen ‘in der Cloud’ zu sichern – also auf einem Server des Dienstanbieters in den USA. Ohne ausdrückliches Einverständnis aller jeweiligen Gesprächspartner ist das wahrscheinlich ein Verstoß gegen deutsche Datenschutzgesetze.

Auch wer die Sprachnotizen nur auf seinem persönlichen Gerät aufbewahrt, benötigt – bei nicht-öffentlichen Gesprächen – das Einverständnis seiner Gesprächspartner. Es hat sich bewährt, diese Zustimmung vor Beginn der Aufnahme einzuholen und das Okay bei laufender Aufnahme dann noch einmal bestätigen zu lassen.

[/aesop_content]

[aesop_image imgwidth=”25%” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2016/12/app-cogi.png” alt=”Sprachnotizen leicht gemacht” align=”left” lightbox=”on” captionposition=”left” revealfx=”fromleft”]

 

Hat der Reporter eine Session mit Cogi gestartet, hört die App dem Gespräch oder der Rede zunächst nur zu. Sagt einer der Gesprächspartner dann etwas Bedeutungsvolles, tippt der Reporter auf die Schaltfläche im Zentrum der App, um die Aufnahme zu starten. Cogi zeichnet dann das Gespräch auf – und zwar rückwirkend von einem Zeitpunkt an, der bis zu 45 Sekunden vor dem Moment liegen kann, an dem der Reporter die Schaltfläche angetippt hat (in den Settings lassen sich Zeiträume von 5, 15, 30 und 45 Sekunden auswählen). Durch erneutes Antippen hält er die Aufzeichnung wieder an.

Im Lauf eines Gesprächs kann der Reporter auf diese Art beliebig viele Highlights aufzeichnen. Wenn nötig, lassen sich die Highlights aus der App heraus dann auch noch mit schriftlichen Notizen und/oder einem Foto ergänzen – etwa, um die Schreibweise eines Namens zu notieren oder ein Schaubild festzuhalten, dass der Gesprächspartner zeigt. Solche Aufzeichnungen lassen sich später wesentlich einfacher verschriftlichen als ein vollständiger Mitschnitt.

Cogi für iOS

[qrcode content=”https://itunes.apple.com/us/app/cogi-beyond-notes/id804942087″]

Cogi für Android

[qrcode content=”https://play.google.com/store/apps/details?id=com.cogi.mobile”]

Internet-Archiv bekommt Backup: Archive.org rüstet sich für die Ära Trump

Die Betreiber des Internet-Archiv Archive.org wollen eine Kopie ihres gesamten Datenbestands nach Kanada auslagern. Das hat Gründer Brewster Kahle im offiziellen Blog des Archivs angekündigt. “Die Geschichte der Bibliotheken ist eine Geschichte des Verlusts”, leitet Kahle seine Ankündigung ein. Von der neuen US-Regierung erwartet Kahle radikale Änderungen – im Hinblick auf Trumps Ankündigungen im Wahlkampf sicher nicht ganz unbegründet.

Das Backup in Kanada erfordert allerdings immense Ressourcen: Die Wayback Machine hält die historischen Daten von 279 Milliarden Websites vor und speichert pro Woche 300 Millionen Seiten. Außerdem umfasst das Internet-Archiv Fotos, Videos, Bücher und Spiele. Seit Januar 2016 gehört zum Archiv außerdem ein Political TV Ad Archive, das unter anderem Journalisten hilft, die Wahlkampfaussagen von Politikern zu prüfen.