Zu Skandalen aufgepumpte Tweets, aus dem Zusammenhang gerissene Zitate – viele Nachrichtenmedien haben sich ihren schlechten Ruf hart erarbeitet. Wie solche Nachrichten entstehen, und warum die Leser daran nicht ganz schuldlos sind, nimmt der kanadische Youtuber Ryan George in diesem Video aufs Korn:
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Der blinde Fleck: Top Ten der vergessenen Nachrichten vorgestellt
Jährlich veröffentlicht die Inititative Nachrichtenaufklärung e. V. eine Top Ten der vergessenen Nachrichten. Am 8. Februar hat die Jury zusammen mit der Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks die aus ihrer Sicht unterrepräsentierten Themen 2017 vorgestellt. Vergessene Nachrichten im Sinne der Inititative sind “Sachverhalte, die für die deutsche Öffentlichkeit relevant sind, über die aber bislang in Presse, Funk, Fernsehen und Internet kaum Debatten geführt werden”.
Hier die von der Jury genannten vergessenen Themen des Jahres 2017:
- Bundesrichterwahl illegal?
- Die meisten Auslandseinsätze der Bundeswehr sind unbekannt
- Costa Rica und andere Länder ohne Militär
- Kann Hunger durch weniger Nahrungsmittelverschwendung verringert werden?
- Deregulierung von Au-Pair Agenturen in Deutschland durch EU-Recht
- Die Rolle des Westens im Jemen-Konflikt
- Unzuverlässiges Gütesiegel führt zu Gewalt bei der Pferdeausbildung
- Medikamentöse Ruhigstellung in Altenheimen
- Fehlender Schutz von Kulturgütern bei atomarem GAU
- Scheinselbstständigkeit unter freien Mitarbeitern
Warum diese Themen in den Medien stiefmütterlich behandelt werden, hat unterschiedliche Gründe: Aufwändige Recherche, hoher Erklärungsbedarf, ein mutmaßlich geringes Interesse der Leserschaft dürften die meisten “blinden Flecken” erklären. Zumindest das Thema Scheinselbständigkeit unter freien Mitarbeitern dürfte aber auch im Eigeninteresse der für die Publikumsmedien Verantwortlichen unter den Tisch gefallen sein: Vom unscheinbaren lokalen Anzeigenblatt bis zu den öffentlich-rechtlichen Medienanstalten beschäftigen Medien freie Mitarbeiter, oft zu umstrittenen Konditionen.
Mehr als jeder zweite konsumiert Nachrichten mobil
Von fünf der zehn wichtigsten Nachrichtenportale Deutschlands rufen mehr als die Hälfte der Nutzer die Nachrichten mobil ab, nutzen dazu also ein Smartphone oder Tablet. Das geht aus einer Auswertung des Statistikportals Statista auf Basis aktueller IVW-Daten hervor.
Relativ zur Gesamtzahl der Abrufe führt N-TV.de die Liste der mobil genutzten Nachrichtenangebote an: Weniger als drei von zehn Nutzern greifen noch von stationären Geräten auf dieses Nachrichtenangebot zu. Das Schlusslicht unter den Top 10 der Nachrichtenangebote bildet N24.de, hier sind es weniger als drei von zehn Nutzern, die das Angebot von Mobilgeräten aus nutzen.
“Nachrichtenportale, die nicht zuallererst an ihre mobilen Leser denken, werden ihre Reichweite nicht ausbauen können beziehungsweise sogar Reichweite verlieren. Die klassische Homepage wird voraussichtlich weiter an Bedeutung verlieren”, heißt es in der Mitteilung des Statistikportals.
[aesop_image imgwidth=”content” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2016/12/nachrichten-mobil.jpg” credit=”Statista, CC BY-ND 3.0″ alt=”Nachrichten mobil” align=”center” lightbox=”on” caption=”Die Grafik bildet die Visits der Top 10 Nachrichtenportale in Deutschland ab.” captionposition=”center” revealfx=”inplace”]
Falschmeldungen auf Facebook mit mehr Reichweite als Medienberichte
Dass frei erlogene Meldungen, freundlicher Fake-News genannt, auf Facebook den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl beeinflusst hätten, hat Mark Zuckerberg erst kürzlich rigoros bestritten. Eine jetzt von Buzzfeed veröffentlichte Studie scheint die These jedoch zu stützen: In den letzten drei Monaten vor der Wahl wurden die 20 erfolgreichsten erfundenen Wahlkampfmeldungen häufiger geteilt, kommentiert und oder bewertet als die 20 erfolgreichsten Artikel etablierter Nachrichtenmedien.
In Zahlen:
- 8,711,000 Kommentare, Likes und Shares für virale Fake-News zur Wahl (darunter die Meldung, der Papst habe empfohlen, Donald Trump zu wählen)
- 7,367,000 Kommentare, Likes und Shares für Wahlkampf-Berichterstattung etablierter Medien
Ein Sprecher von Facebook bemühte sich, diese Zahlen gegenüber Buzzfeed zu relativieren. Die Top-Meldungen machten, wie er sagte, nur einen Bruchteil dessen aus, was auf Facebook diskutiert werde.
Für gleich vier der zehn erfolgreichsten Falschmeldungen zeichnet übrigens die Website Ending The Fed verantwortlich. Die Website, die vordergründig wie eine herkömmliche Nachrichtenwebsite aufgemacht ist, verbreitet neben offensichtlichen Falschmeldungen auch eins zu eins kopierte “Nachrichten” von Satire-Websites. Bei etlichen Beiträgen dort fällt die Vermischung von Nachricht und Meinung ins Auge – bloß, wessen Meinung da zu lesen ist, erfährt der Leser nicht, denn Ending The Fed vermeidet jeden Hinweis auf die Personen, die hinter der Website stehen.
Wer wirklich scharf auf Nachrichtenvideos im Netz ist (die Nutzer schon mal nicht)
Das Angebot an Nachrichtenvideos im Netz ist explosionsartig gewachsen. Anders das Interesse der Konsumenten: Wie eine aktuelle Studie des Reuters Institute ergab, verbringen Nachrichtenkonsumenten im Netz rund 97,5 Prozent ihrer Zeit mit textbasierten Inhalten. Drei von vier Befragten gaben an, sich selten oder nie online mit Nachrichtenvideos zu beschäftigen. Das Interesse an Nachrichtenvideos steigt allerdings sprunghaft an bei erschütternden Ereignissen wie etwa den Terroranschlägen von Paris.
Wenn sich Nutzer dann doch einmal Videos ansehen, profitieren die Verlage davon nur eingeschränkt: Befragte Publisher gaben an, der größere Teil ihrer Videos werde nicht auf der eigenen Website, sondern auf Facebook und Co. konsumiert. Der Reuters-Studie zufolge haben die dort erfolgreichsten Videos einige Eigenschaften gemein:
- Sie nehmen weniger als eine Minute in Anspruch.
- Die Videos funktionieren (dank Untertiteln) auch ohne Ton.
- Die Videos enthalten ein starkes emotionales Element.
Selbst in seriösen Medien sorgen Tiervideos auf Facebook für die meisten Reaktionen.
Verlage wollen in Nachrichtenvideos investieren
Knapp acht von zehn Medienunternehmen, die der Reuters-Bericht als “senior digital news leaders” bezeichnet, wollen im laufenden Jahr 2016 mehr in ihr Video-Angebot investieren. Sorge bereiten den Verantwortlichen die möglicherweise hohen erforderlichen Investionen, die schwierige Skalierbarkeit und unsichere Erlösmodelle. Dennoch sehen sie in einem wachsenden Videoangebot einen möglichen Weg aus der bislang schwierigen Finanzierbarkeit von Online-Angeboten.
