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Reporterfabrik: Wolf Schneider doziert für Correctiv

[aesop_character img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/03/Wolf_Schneider-1.jpg” name=”Wolf Schneider” caption=”Foto: Sven Teschke, (CC BY-SA 3.0 DE)” align=”right” width=”200px” force_circle=”off”]

Die “Reporterfabrik”, die vom Recherchenetzwerk Correctiv initiierte Web-Akademie für Journalismus, konnte einen digitalen Dozenten ersten Ranges gewinnen: Der einstige Chefredakteur der Welt und ehemalige Leiter der Henri-Nannen-Schule, Sprachpapst Wolf Schneider wird in mehreren Videos elementare Fragen zum journalistischen Schreiben erläutern. Das verkünden Correctiv-Gründer David Schraven und “Reporterfabrik”-Leiter Cordt Schnibben in der Ausgabe 2-2017 des “medium magazin”.

Die Lehrvideos wurden bereits im Februar gedreht, der offizielle Startschuss für die Reporterfabrik soll im September fallen. Schraven formuliert in der Ankündigung seine Vision einer “redaktionellen Gesellschaft, in der Vierte und Fünfte Gewalt nicht gegeneinander arbeiten sondern miteinander recherchieren, kritisieren, aufklären.”

Die Reporterfabrik soll virtuelle Seminare und Präsenz-Workshops bieten. Videos wie die mit Wolf Schneider sollen Interessierten einen Einstieg bieten. Im digitalen Klassenraum soll es weitergehen. Wer sich besonders interessiert, kann Vor-Ort-Seminare besuchen, die – so versprechen es David Schraven und Cordt Schnibben – mit hochkarätigen Referenten besetzt sein werden.

Correctiv unterstützt Facebook im Kampf gegen Fake News – vorerst gratis

Facebook gibt dem internationalen Druck nach und forciert Bemühungen, Fake News – also bewusst lancierte Falschmeldungen – auf seiner Plattform kenntlich zu machen. In den USA kooperiert Facebook dazu mit Organisationen wie ABC News, FactCheck.org, Associated Press, Snopes und Politifact, in Deutschland hat sich das soziale Netzwerk die Unterstützung des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv gesichert. Dessen Geschäftsführer David Schraven hat sich zur Art der Kooperation bereits auf Facebook geäußert:

Nutzer erhalten künftig die Möglichkeit, Beiträge als Falschmeldung zu kennzeichnen. Correctiv hat die Aufgabe, oft geteilte, aber mehrfach als Falschmeldung gekennzeichnete Beiträge zu prüfen. Handelt es sich nach Überzeugung der Faktenchecker um Fake News, werden die Beiträge mit einem Warnhinweis gekennzeichnet und um einen Link ergänzt, unter dem die Behauptungen den recherchierten Tatsachen gegenüber gestellt werden – die Fake News verschwinden also nicht, unvoreingenommene Leser werden aber auf deren zweifelhafte Glaubwürdigkeit aufmerksam.

Schon kurz nach der Bekanntgabe finden sich zu Hauf Zensurvorwürfe als Kommentare unter den Ankündigung. Das sieht man bei Correctiv, deren Rechercheergebnisse in mehr als einem politischen Lager für Ärger gesorgt haben, allerdings entspannt:

[aesop_quote type=”block” background=”#a0a0a0″ text=”#000000″ width=”content” align=”left” size=”1″ quote=”Zensur ist, wenn der Staat Deine Meinung unterdrückt. Keine Zensur ist es, wenn wir Dir sagen, dass Du Unsinn erzählst, wenn Du Unsinn erzählst. ” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Kein Geld für den Faktencheck

Aber auch nicht jeder, der grundsätzlich mit den Zielen von Correctiv sympathisiert, betrachtet die Kooperation mit Facebook als Adelung für das Recherchenetzwerk. Einen schalen Beigeschmack hat insbesondere eine Passage in Schravens Ankündigung;

[aesop_quote type=”block” background=”#a0a0a0″ text=”#000000″ width=”content” align=”left” size=”1″ quote=”In dieser Phase fließt kein Geld für das FactChecking. Auch hier müssen wir langfristig sehen, welche Finanzierungsformen es gibt. Es wird schwer werden, das Geld unserer Spender dafür auszugeben, Facebook zu heilen. ” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Correctiv finanziert sich vor allem durch Spenden von Bürgern und Zuwendungen von Stiftungen. Die Unterstützer des Recherchenetzwerks bezahlen also dafür, die Probleme zu lösen, die auf der Plattform eines der reichsten Konzerne der Welt aufgetreten sind (allein im dritten Quartal 2016 hat Facebook einen Gewinn von 2,38 Milliarden Dollar erwirtschaftet).

Das mag dem Selbstverständnis der Initiatoren von Correctiv entsprechen, die so die wirtschaftliche – und damit letztlich auch ihre journalistische – Unabhängigkeit des Recherchenetzwerks wahren. Nicht alle Förderer dürften damit einig gehen.

So findet sich unter Schravens Beitrag auch Kommentare wie der folgende:

[aesop_quote type=”block” background=”#a0a0a0″ text=”#000000″ width=”content” align=”left” size=”1″ quote=”Leute, wenn ihr euer Geld in FB steckt, dann bin ich nicht länger Mitglied bei euch.” cite=”Facebook-Nutzerin ‘Miri Te'” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Geschäftsführer Schraven bezeichnet die zunächst unentgeltliche Arbeit für Facebook denn auch als “Betatest”, in einigen Wochen werde entschieden, wie es mit dieser Arbeit weitergeht.

Gemeinnütziger Journalismus bekommt ein Zuhause: CORRECTIV sucht Grundstück

5000 Quadratmeter Fläche, auf denen bis zu 400 Arbeitsplätze entstehen sollen: Das sind die Eckdaten eines – noch zu findenden – Ortes, an dem die Idee ‘Gemeinnütziger Journalismus’ in Deutschland wachsen kann. Gemeinsam mit einer deutschsprachigen Stiftung sucht das Recherchezentrum CORRECTIV nach einem Grundstück. Auf dem soll ein europäisches Medienzentrum, benannt Haus des gemeinnützigen Journalismus, errichtet werden. Eine Stiftung aus dem deutschsprachigen Raum hab nach Angaben von CORRECTIV Interesse gezeigt, die Finanzierung in Höhe von bis zu 25 Millionen Euro zu garantieren.

“Der gemeinnützige Journalismus existiert in Deutschland erst rudimentär. Wir wollen ihm zum Durchbruch verhelfen”, schreibt David Schraven in einem Beitrag auf CORRECTIV.org. Es solle ein Ort entstehen, “an dem die Fusion von Kreativen aus allen Sparten neue Perspektiven für den Journalismus eröffnet.”

Zu den Voraussetzungen, die ein möglichter Standort erfüllen müsste, zählen die räumliche Nähe zu Softwareunternehmen, Universitäten, Medienhäusern und Verlagen, ebenso wie zu Künstlern, Kreativen aus allen Bereichen und Branchen, von Theatern bis zu Museen. Das Haus des Journalismus verstehe sich als Arbeitshaus und Bildungseinrichtung. Das Haus solle deshalb an einem für Kreative attraktiven Ort entstehen. In Frage komme jeder Standort innerhalb Deutschlands, der diese Voraussetzungen bietet, heißt es in dem Beitrag. Hinweise auf geeignete Standorte erbittet CORRECTIV per E-Mail.