Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

App-Tipp Cogi: Für Sprachnotizen ohne Blabla

Bei Interviews, Hintergrundgesprächen, Pressekonferenzen und ähnlichen Ereignissen hat der Journalist oft die Wahl, mitzuschreiben oder – das Einverständnis seiner Gesprächspartner vorausgesetzt – Sprachnotizen aufzunehmen. So bequem das Mitschneiden während des Gesprächs ist, so umständlich ist es später, aus dem Mitschnitt die Highlights heraus zu schreiben. Eine enorme Arbeitserleichterung bietet die App Cogi, die sowohl für iOS als auch für Android zu bekommen ist.

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Hinweis: Cogi bietet nach einer Registrierung die Möglichkeit, die Aufzeichnungen ‘in der Cloud’ zu sichern – also auf einem Server des Dienstanbieters in den USA. Ohne ausdrückliches Einverständnis aller jeweiligen Gesprächspartner ist das wahrscheinlich ein Verstoß gegen deutsche Datenschutzgesetze.

Auch wer die Sprachnotizen nur auf seinem persönlichen Gerät aufbewahrt, benötigt – bei nicht-öffentlichen Gesprächen – das Einverständnis seiner Gesprächspartner. Es hat sich bewährt, diese Zustimmung vor Beginn der Aufnahme einzuholen und das Okay bei laufender Aufnahme dann noch einmal bestätigen zu lassen.

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Hat der Reporter eine Session mit Cogi gestartet, hört die App dem Gespräch oder der Rede zunächst nur zu. Sagt einer der Gesprächspartner dann etwas Bedeutungsvolles, tippt der Reporter auf die Schaltfläche im Zentrum der App, um die Aufnahme zu starten. Cogi zeichnet dann das Gespräch auf – und zwar rückwirkend von einem Zeitpunkt an, der bis zu 45 Sekunden vor dem Moment liegen kann, an dem der Reporter die Schaltfläche angetippt hat (in den Settings lassen sich Zeiträume von 5, 15, 30 und 45 Sekunden auswählen). Durch erneutes Antippen hält er die Aufzeichnung wieder an.

Im Lauf eines Gesprächs kann der Reporter auf diese Art beliebig viele Highlights aufzeichnen. Wenn nötig, lassen sich die Highlights aus der App heraus dann auch noch mit schriftlichen Notizen und/oder einem Foto ergänzen – etwa, um die Schreibweise eines Namens zu notieren oder ein Schaubild festzuhalten, dass der Gesprächspartner zeigt. Solche Aufzeichnungen lassen sich später wesentlich einfacher verschriftlichen als ein vollständiger Mitschnitt.

Cogi für iOS

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Cogi für Android

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YouTube erlaubt jetzt Livestreams in 4K-Auflösung

Maximal 3840 x 2160 Pixel, maximal 60 Bilder pro Sekunde, und auf Wunsch auch eine 360-Grad-Rundumsicht: Das sind die neuen Grenzen, die YouTube für Livestreams festgelegt hat. Aufgezeichnete Videos in 4K-Auflösung sind bereits seit 2010 möglich, seit 2015 auch mit einer Bildrate von 60 FPS. Wer Livestreams auf YouTube zeigen wollte, musste sich aber bislang mit einer Auflösung von höchstens 2560 x 1440 Pixeln bescheiden.

Sowohl Zuschauer als auch YouTuber, die selbst einen Livestream in 4K-Auflösung zeigen wollen, sind allerdings auf eine stabile Internetverbindung mit hoher Bandbreite angewiesen: YouTube nennt bei höchster Auflösung und Bildrate eine Datenrate von bis zu 51.000 Kilobit pro Sekunde. Dass zudem auch die verwendete Hardware 4K-tauglich sein muss, versteht sich von selbst.

Bundeseinheitlicher Presseausweis kommt 2018 zurück

Der seit 2008 abgeschaffte bundeseinheitliche Presseausweis wird im Jahr 2018 wieder aufleben. Darauf haben sich der deutsche Presserat und die Innenministerkonferenz geeinigt. Wie schon in der Vergangenheit werden die Verbände über die Ausgabe der journalistischen Identitätsnachweise wachen. Neu ist die Einführung einer „Ständigen Kommission“, die mit je zwei vom Deutschen Presserat und von der Innenministerkonferenz entsandten Mitgliedern besetzt ist. Sie wird unter anderem darüber entscheiden, welche Antrag stellenden Presseverbände die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Ausgabeberechtigung der bundeseinheitlichen Presseausweise erfüllen.

“Das schafft Sicherheit für alle Beteiligten und trägt damit auch zu höherer Akzeptanz journalistischer Arbeit bei“, kommentiert Cornelia Haß, Vorsitzende des Trägervereins des Deutschen Presserats, die neue Regelung. Ein schon beim alten Bundespresseausweis häufig geäußerter Kritikpunkt bleibt allerdings unangetastet: Blogger und nebenberufliche Journalisten sollen keinen solchen Identitätsnachweis erhalten, ihre Arbeit könnte damit unter Umständen erschwert werden.

Internet-Archiv bekommt Backup: Archive.org rüstet sich für die Ära Trump

Die Betreiber des Internet-Archiv Archive.org wollen eine Kopie ihres gesamten Datenbestands nach Kanada auslagern. Das hat Gründer Brewster Kahle im offiziellen Blog des Archivs angekündigt. “Die Geschichte der Bibliotheken ist eine Geschichte des Verlusts”, leitet Kahle seine Ankündigung ein. Von der neuen US-Regierung erwartet Kahle radikale Änderungen – im Hinblick auf Trumps Ankündigungen im Wahlkampf sicher nicht ganz unbegründet.

Das Backup in Kanada erfordert allerdings immense Ressourcen: Die Wayback Machine hält die historischen Daten von 279 Milliarden Websites vor und speichert pro Woche 300 Millionen Seiten. Außerdem umfasst das Internet-Archiv Fotos, Videos, Bücher und Spiele. Seit Januar 2016 gehört zum Archiv außerdem ein Political TV Ad Archive, das unter anderem Journalisten hilft, die Wahlkampfaussagen von Politikern zu prüfen.

Ungeschützter Datenverkehr: Firefox warnt demnächst noch deutlicher

Mozillas Webbrowser Firefox soll Nutzer demnächst noch deutlicher warnen, wenn diese im Begriff stehen, Daten über eine ungeschützte Verbindung zu übermitteln. Das kündigt Interface-Designer Ryan Feely in einem Tweet an:

Trägt der Nutzer ein Passwort oder andere persönliche Informationen in ein Formularfeld ein, die ohne https-Transportverschlüsselung übermittelt würden, weist Firefox ihn künftig direkt unterhalb dieses Eingabefeldes auf das Risiko hin. Seitenbetreiber, die persönliche Daten ihrer Nutzer verarbeiten, haben damit einen Grund mehr, sich um eine Transportverschlüsselung zu bemühen.

Bislang weist Firefox auf eine ungeschützte Verbindung lediglich per Ausrufezeichen in der Adresszeile hin. Ab wann die deutlicheren Warnhinweise zu sehen sein werden, steht noch nicht fest.

Deutschlandfunk: Tägliches Medienmagazin ab März 2017

Der Deutschlandfunk ersetzt sein wöchentliches Medienmagazin, das derzeit unter dem Titel “Markt und Medien” ausgestrahlt wird, im kommenden Jahr durch ein tägliches. Einen Titel hat das neue Magazin noch nicht, wohl aber einen Sendeplatz: Montag bis Freitag von 15:35 bis 16 Uhr.

“Medien stehen wie nie zuvor im Fokus der Öffentlichkeit. Daher braucht es mehr Orte wie diesen, um zu reflektieren, wie Medien funktionieren, um transparent zu machen, wie wir Journalisten arbeiten”, zitiert Ulrike Simon in ihrem Bericht für das Redaktionsnetzwerk Deutschland den Deutschlandfunk-Kulturchef Matthias Giert. Den Ausschlag dafür, von einem wöchentlichen auf ein wochentägliches Medienmagazin umzusteigen, gab das offenkundig große Interesse der Hörer: Die Hörerzahlen am Sonnabend zwischen 16 und 17 Uhr seien regelmäßig höher als die der Sendung davor und der danach, heißt es in dem Beitrag.

Bloggen ohne Anmeldung: Telegram startet Blogplattform Telegra.ph

Mit der Blogplattform Telegra.ph hat Telegram einen Dienst geschaffen, über den jedermann umfangreiche Blogposts verfassen kann, ohne sich zu registrieren oder anzumelden. Der sehr einfach gehaltene Editor steht direkt nach dem Aufruf der Website parat. Der Verfasser eines Blogposts muss zwar (s)einen Namen angeben, seine Identität aber sonst in keiner Weise verifizieren.

Das Bloggen ohne Anmeldung bietet bislang allerdings nur sehr rudimentäre Möglichkeiten. So kann der Blogger neben Überschrift und Text noch Bilder, Tweets und Videos in seinen Beitrag integrieren, eine Anbindung sozialer Medien fehlt aber ebenso wie eine Kommentarfunktion, über die Leser mit dem Verfasser in Kontakt treten könnten, oder ein RSS-Feed.

In seiner derzeitigen Form bietet Telegra.ph keinerlei Schutz vor Spambots (es gibt nicht einmal eine Capture-Funktion) und ließe sich mühelos nutzen, um Falschmeldungen, Hassbotschaften, jugendgefährdende oder anderweitig rechtswidrige Inhalte zu verbreiten.

Instagram forciert Echtzeit-Kommunikation

Live-Videos und flüchtige Nachrichten, die nach dem Ansehen verschwinden: Die Foto- und Videoplattform Instagram zielt mit neuen Aktualisierungen zugleich auf den Markenkern des Konkurrenten Snapchat und startet einen Angriff auf den zu Twitter gehörenden Dienst Periscope: Künftig können Nutzer in ihren Instagram Stories Live-Videos streamen. Die können bis zu einer Stunde dauern und verschwinden, sobald der Livestream endet. Während der Übertragung können Zuschauer den Stream kommentieren und liken. Von vielen angesehene Livestreams sollen auch im Explore-Bereich erscheinen.

Außerdem will Instagram künftig die Möglichkeit bieten, persönliche Nachrichten zu versenden, die wieder verschwinden, nachdem die Empfänger sie angesehen haben. Wie bei Snapchat erhält der Absender eine Benachrichtigung, wenn ein Empfänger eine solche flüchtige Nachricht per Screenshot gesichert hat.

Falschmeldungen auf Facebook mit mehr Reichweite als Medienberichte

Dass frei erlogene Meldungen, freundlicher Fake-News genannt, auf Facebook den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl beeinflusst hätten, hat Mark Zuckerberg erst kürzlich rigoros bestritten. Eine jetzt von Buzzfeed veröffentlichte Studie scheint die These jedoch zu stützen: In den letzten drei Monaten vor der Wahl wurden die 20 erfolgreichsten erfundenen Wahlkampfmeldungen häufiger geteilt, kommentiert und oder bewertet als die 20 erfolgreichsten Artikel etablierter Nachrichtenmedien.

In Zahlen:

  • 8,711,000 Kommentare, Likes und Shares für virale Fake-News zur Wahl (darunter die Meldung, der Papst habe empfohlen, Donald Trump zu wählen)
  • 7,367,000 Kommentare, Likes und Shares für Wahlkampf-Berichterstattung etablierter Medien

Ein Sprecher von Facebook bemühte sich, diese Zahlen gegenüber Buzzfeed zu relativieren. Die Top-Meldungen machten, wie er sagte, nur einen Bruchteil dessen aus, was auf Facebook diskutiert werde.

Für gleich vier der zehn erfolgreichsten Falschmeldungen zeichnet übrigens die Website Ending The Fed verantwortlich. Die Website, die vordergründig wie eine herkömmliche Nachrichtenwebsite aufgemacht ist, verbreitet neben offensichtlichen Falschmeldungen auch eins zu eins kopierte “Nachrichten” von Satire-Websites. Bei etlichen Beiträgen dort fällt die Vermischung von Nachricht und Meinung ins Auge – bloß, wessen Meinung da zu lesen ist, erfährt der Leser nicht, denn Ending The Fed vermeidet jeden Hinweis auf die Personen, die hinter der Website stehen.

Skype wird die öffentliche Telefonzelle der Internet-Ära

Wer den Messenger- oder Telefonie-Dienst Skype nutzen möchte, muss sich dazu ab sofort nicht mehr registrieren oder anmelden. Es genügt, im Browser Skype.com aufzurufen und auf “Unterhaltung starten” zu klicken. Der Nutzer wird gebeten, einen Namen anzugeben und erhält dann einen Gastzugang zur Webversion von Skype. Dort bekommt er einen Link, den er – mit irgendeinem Messenger oder per E-Mail – an seine Gesprächspartner weitergeben kann.

[aesop_image imgwidth=”content” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2016/11/skype-gast.jpg” alt=”Skype mit Gastzugang” align=”center” lightbox=”on” caption=”Der Gastzugang der Skype-Webanwendung” captionposition=”left” revealfx=”inplaceslow”]

Die Gesprächspartner müssen diesen Link dann nur noch aufrufen, um in die Konversation einzusteigen. Wer will, kann sich aber auch in Zukunft registrieren und anmelden, schon um Zugriff auf die Kontaktliste zu erhalten und selbst für Kontakte erreichbar zu bleiben.

https://www.youtube.com/watch?v=j7SxypblIlw

Endlich Links: Instagram Stories bekommen neue Funktionen

Bei der Veröffentlichung von Instagram Stories können Nutzer eine Reihe neuer Funktionen verwenden. Die optisch auffälligste Neuerung dürfte die Boomerang-Funktion sein: Mit ihr kann der Nutzer Mini-Videos aufzeichnen, die dann in Endlosschleife vorwärts und rückwärts laufen.

Für Medienverantwortliche wichtiger dürften aber zwei andere neue Möglichkeiten sein: Ab sofort ist es innerhalb von Instagram Stories möglich, per @[Benutzername] einzelne Nutzer namentlich zu erwähnen. Rezipienten der Story können dann per Antippen dessen Profil aufrufen.

Lang gewartet haben viele Medienverantwortliche aber wohl vor allem auf die Möglichkeit, von ihren Stories aus auf die eigene Publikation zu verlinken. Das ist jetzt – eingeschränkt – möglich. Bislang können Nutzer mit verifizierten Benutzerkonten Links in ihren Stories verwenden. Die verlinkten Inhalte öffnet Instagram dann allerdings (noch?) nicht im Standard-Browser des Mobilgeräts, sondern in einem App-internen Browser.

Superfans, exklusive Gruppen-Broadcasts und bessere Desktop-Unterstützung für Periscope

Während Twitters Kurz-Videoplattform Vine vor der Einstellung steht, bekommt Twitters Livestream-Plattform Periscope gleich eine ganze Reihe neuer Funktionen. Wie der Dienst bekanntgab, hilft Periscope seinen Broadcastern in Zukunft, ihre “Superfans” zu identifizieren. Ein Algorithmus zählt und gewichtet, wie oft sich die einzelnen Nutzer die Streams eines Broadcasters ansehen, bewerten und kommentieren. Die bis zu zehn engagiertesten Fans weist Periscope dann als Superfans aus.

Diese Superfans, wahlweise aber auch nach anderen Kriterien zusammengestellte Gruppen, können Periscope-Broadcaster künftig mit exklusiven Streams erreichen. Damit gibt Periscope Nutzern die Möglichkeit, Streams auf enge Freunde oder auf Follower mit speziellen Interessen zu beschränken.

Dritte Neuerung: Wer Streams lieber am Desktop verfolgt als auf seinem Mobilgerät, kann sich ab sofort mit seinen Zugangsdaten auf der Website Periscope.tv anmelden, und Livestreams dann nicht nur ansehen, sondern auch bewerten und kommentieren.