Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.
In den USA hat Facebook offenbar damit begonnen, strittige Meldungen mit einem Fake-News-Hinweis zu versehen. Das meldet unter anderem Gizmodo. Mutmaßlich unwahre Behauptungen sollen so von den Nutzern leichter zu identifizieren sein.
Der Hinweis besteht aus einem weißen Warndreieck auf rotem Grund, gefolgt vom Schriftzug “Disputed by” und den Namen der Fact-Checking-Organisationen, die die Meldung für unwahr halten. Nach den Richtlinien von Facebook erscheint der Fake-News-Hinweis nur unter Meldungen, die von mindestens zwei der beauftragten Faktenprüfer als falsch betrachtet werden.
In Aktion treten die Faktenprüfer im übrigen nicht von sich aus, sondern erst, nachdem entweder andere Nutzer einen Beitrag als Fake News gemeldet haben oder ein von Facebook entwickelter Algorithmus Unstimmigkeiten entdeckt hat. Bei den von Gizmodo entdeckten Meldungen dürfte der Faktencheck nicht all zu aufwändig gewesen sein: Beide stammen von Satire-Websites, die ohnehin ausschließlich fiktionale Inhalte veröffentlichen.
Google integriert sein Notizbuch Keep (hierzulande einfach als Google Notizen bekannt) in seine cloudbasierte Textverarbeitung Google Docs. Nutzer können ihre Notizen-Apps (erhältlich für iOS, Android und als Webanwendung) auch künftig unabhängig von Google Docs verwenden.
Beim Verfassen einen Textes mit der Webanwendung von Google Docs können Nutzer das unter dem selben Google-Konto geführte Notizbuch dann über den Menüpunkt “Tools/Notizblock” rechts neben die Textverarbeitung legen. Per Klicken und Ziehen können Nutzer dann einzelne Notizen direkt in das Dokument übernehmen, an dem sie gerade arbeiten. Sowohl Textnotizen und Stichpunktlisten als auch Bilder – einschließlich Handzeichnungen – lassen sich so unkompliziert in ein Textdokument übernehmen.
123 deutsche Zeitungen bieten zumindest einen Teil ihrer Online-Inhalte hinter einer Bezahlschranke an. Die Zahl ist damit gegenüber der letzten Zählung des BDZV vor rund einem Jahr nur leicht gestiegen. Das nach wie vor am häufigsten nutzen Zeitungen online das “Freemium”-Modell, bei dem sie einen Teil ihrer Inhalte kostenlos zur Verfügung stellen, einen Teil – meist in Inhalt und Aufmachung herausgehoben – aber nur gegen Bezahlung zugänglich machen.
[aesop_image imgwidth=”content” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/03/deutsche_zeitungen_mit_paywall.jpg” alt=”Inhalte hinter einer Bezahlschranke” align=”center” lightbox=”on” caption=”Grafik: Statista auf Basis einer Zählung des BDZV” captionposition=”left” revealfx=”inplace”]
Ein weiterer bedeutender Teil der im Netz vertretenen Zeitungen nutzt das “Metered Model”: Bei diesem Modell dürfen die Leser in einem bestimmten Zeitraum (meist innerhalb eines Monats) nur eine festgelegte Anzahl von Beiträgen kostenlos lesen. Weitere Beiträge sind dann bis zum Ablauf des Zeitraums nur noch gegen Bezahlung zugänglich.
Aus dem Rahmen fällt bei dieser Zählung das “PaidTime” genannte Abrechnungsmodell der Westdeutschen Zeitung: Leser können hier für die Dauer eines zuvor erworbenen Minutenpakets auf die Inhalte zugreifen.
Mit Hilfe einer auf maschinellem Lernen basierenden Technologie namens Perspective will Google dazu beitragen, das Diskussionsklima in Online-Foren, im Kommentarbereich von Publikationen und andernorts im Internet zu entgiften. Die Idee dahinter: Perspective soll Beleidigungen, Beschimpfungen und Verleumdungen, wie sie oft das Klima in Online-Diskussionen vergiften, als solche erkennen, und weist diesen jeweils einen Score, einen numerische Wert zu, der die “Toxizität” repräsentiert.
Was mit Nutzer-Beiträgen geschieht, die die API als “toxisch” erkannt hat, bleibt den Betreibern der jeweiligen Plattformen überlassen. Auf der Website zur API zeigen zwei Experimente die damit verbundenen Möglichkeiten auf:
Beim “Reading Experiment” kann der Leser über einen Schieberegler festlegen, bis zu welchem Grad er bereit ist, sich toxischen Kommentaren auszusetzen;
Beim “Writing Experiment” ermittelt die Technologie zu einem beliebigen geschriebenen Text, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit andere Nutzer ihn für “giftig” halten würden.
Trainiert wurde Perspective mit Hilfe mehrerer hunderttausend Kommentare, die zunächst von menschlichen Moderatoren bewertet wurden. Entwickler können schon jetzt einen API-Key anfordern. Vorerst wird Perspective allerdings nur englischsprachige Inhalte bewerten können.
[aesop_image imgwidth=”30%” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/02/whatsapp-stories.png” alt=”WhatsApp Stories: Der neue Status ist eine 1:1-Kopie der Snapchat Stories” align=”right” lightbox=”on” captionposition=”left” revealfx=”inplaceslow”]
Die erst am Montag angekündigte neue Status-Funktion für den Messenger WhatsApp ist bereits allgemein verfügbar. Trotz ihres offiziellen Namens “Status” handelt es sich bei ihr um einen Klon der Snapchat Stories. Genau wie Snapchat Stories setzen sich die WhatsApp Stories aus vom Nutzer aufgenommenen und mit Schriftzügen, Icons und Freihandmalerei aufgehübschten Fotos und Videos zusammen, die jeweils für 24 Stunden sichtbar bleiben. Grundsätzlich können nur die Kontakte eines Nutzers seine “Status”-Bilder und -Videos sehen. Er kann außerdem einzelne Kontakte davon ausschließen oder die Statusanzeige auf ausgewählte Kontakte beschränken.
Die WhatsApp Stories: Der dritte Klon einer Snapchat-Funktion aus dem Hause Facebook
Bereits Anfang August 2016 hat Facebook mit den Instagram Stories die beliebte Snapchat-Funktion nahezu deckungsgleich kopiert, Ende Januar folgte dann die Ankündigung einer identischen Funktion innerhalb der Facebook-Apps für iOS und Android. Snapchat ist damit schon jetzt nur noch ein Dienst unter vielen, der eine Stories-Funktion bietet.
Die European Space Agency (ESA) will ihre Fotos, Videos und Daten künftig unter der speziellen Creative Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 IGO öffentlich zugänglich machen. Nutzer können die Werke dann – auch zu kommerziellen Zwecken – bearbeiten, verbreiten und in eigenen Publikationen nutzen. Im Gegenzug verpflichten sie sich, bei jeder Nutzung Bildquelle und Lizenz anzugeben, und Bearbeitungen unter der gleichen Lizenz zugänglich zu machen.
[aesop_image imgwidth=”content” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/02/ESA_Phlegra_Montes_in_perspective.jpg” align=”center” lightbox=”on” caption=”Phlegra Montes, Mars, Foto: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum), CC BY-SA 3.0 IGO” captionposition=”left” revealfx=”inplaceslow”]
Viele der von der Behörde bereitgestellten Aufnahmen sind in Zusammenarbeit mit Partnern aus Forschung oder Industrie entstanden. Deshalb kann sie zunächst nur die Werke unter der genannten Creative Commons-Lizenz verfügbar machen, an der sie die alleinigen Rechte hält, oder für deren Nutzung sie mit den jeweiligen Partnern bereits entsprechende Vereinbarungen getroffen hat. Eine Reihe von unter oben genannter oder einer anderen offenen Lizenz nutzbaren Inhalten hat die ESA unter open.esa.int veröffentlicht.
Falschmeldungen, die bewusst gestreut werden, um die öffentliche Meinung zu manipulieren, stoßen in Deutschland auf wenig Gegenliebe: Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalbranchenverbands Bitkom unter 1.009 Personen ab 14 Jahren.
[aesop_image imgwidth=”content” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/02/umfrage-fake-news.jpg” align=”center” lightbox=”on” caption=”Grafik: Statista auf Basis einer Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom” captionposition=”left” revealfx=”off”]
Eine deutliche Mehrheit der Befragten spricht sich darin für ein hartes Durchgreifen aus: 88 Prozent wünschen sich eine Möglichkeit, Betreiber sozialer Netzwerke auf Falschmeldungen hinzuweisen, 87 Prozent erwarten von den Betreibern selbst strengere Prüfungen und bei Bedarf ein zeitnahes Löschen, und deutliche 91 Prozent schließen sich der Forderung an, notorische Verbreiter von Fake News zu sperren. Die Notwendigkeit, vor dem Löschen von Beiträgen einen richterlichen Beschluss einzuholen, sieht dagegen nicht einmal jeder vierte Umfrageteilnehmer, und gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer stimmt der Aussage zu, eine Demokratie müsse Falschmeldungen aushalten können.
Online-Publikationen mit klassischer Display-Werbung zu finanzieren, wird – nicht zuletzt in Deutschland – zunehmend schwieriger: Fast drei von zehn Internetnutzern hierzulande blenden Banner, Video-Ads und Co. mit Hilfe einer Adblocker-Software aus, heißt es im Global Adblock Report 2017 von Pagefair.
[aesop_image imgwidth=”content” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/02/adblocker-weltkarte.jpg” alt=”Einsatz von Adblocker-Software im internationalen Vergleich” align=”center” lightbox=”on” caption=”Einsatz von Adblocker-Software im internationalen Vergleich – Grafik: Statista auf Basis einer Studie von Pagefair” captionposition=”left” revealfx=”off”]
Damit reiht sich Deutschland in die Weltspitze ein: Nur in 5 der insgesamt 110 untersuchten Länder nutzt ein noch höherer Anteil an Nutzern Adblocker. Zu den Gründen, eine solche Software einzusetzen, gehören Sicherheitsbedenken, Unterbrechungen durch Werbung und längere Ladezeiten. Im mobilen Einsatz schonen Adblocker zudem das – meist durch den Mobilfunkvertrag begrenzte – monatliche Datenvolumen. Für die Betreiber werbefinanzierter Online-Angebote wird die Luft hingegen immer dünner.
Bei Videos im Newsfeed startet und stoppt künftig auch die Tonwiedergabe automatisch;
vertikale Videos erhalten auf Smartphone-Displays mehr Platz;
Videos lassen sich verkleinern und als Bild-im-Bild in einer Ecke des Displays wiedergeben, während der Nutzer durch den Newsfeed scrollt (auf Android-Geräten kann der Nutzer Videos sogar weiter laufen lassen, nachdem er die Facebook-App verlassen hat);
für Apple TV, Amazon Fire TV und Samsung Smart TV werden demnächst eigene Facebook-Video-Apps verfügbar sein.
Die umstrittenste Neuerung dürfte die selbst startende Audiowiedergabe von Videos im Newsfeed sein. In den Einstellungen soll es aber möglich sein, dieses Verhalten zu ändern. Außerdem, so heißt es in der Mitteilung, werde natürlich kein Ton wiedergegeben, wenn der Nutzer sein Gerät stummgeschalten habe.
In der Google Maps-App für Android und iOS können Nutzer jetzt individuelle Ortslisten zusammenstellen, etwa bevorzugte Restaurants, architektonisch interessante Gebäude, wichtige Anlaufstellen bei Behörden oder ähnliches. Wer eine solche Liste erstellen möchte, tippt in der Kartenansicht auf den Ort, und wählt im nächsten Schritt die Schaltfläche “Speichern”.
Neben den drei Listen “Favoriten”, “Möchte ich hin” und “Markierte Orte” kann der Nutzer auch eine “neue Liste” wählen, die er dann benennen, kommentieren und später um weitere Orte ergänzen kann. In seiner Mitteilung zu der neuen Maps-Funktion im offiziellen Google-Blog kündigt Maps-Produktmanager Zach Maier außerdem eine Möglichkeit an, solche Ortslisten unkompliziert mit anderen zu teilen. Diese Möglichkeit ist – zumindest in der deutschsprachigen Android-Version der App – noch nicht zu entdecken, das dürfte aber wohl nur eine Frage einiger Tage sein.
Die Daily Mail ist keine zuverlässige Quelle. Das ist das Ergebnis einer Diskussion, die die Autoren der englischsprachigen Wikipedia seit Anfang Januar geführt haben. Als Konsequenz daraus sollen in künftigen Artikeln Quellenhinweise oder Links zu Daily Mail-Inhalten nur noch in begründeten Ausnahmen erlaubt sein. Bereits existierende Artikel, in denen die Daily Mail als Quelle dient, wollen die Autoren überarbeiten und die Links durch Verweise zu verlässlicheren Quellen ersetzen.
Der Schritt, eine Publikation pauschal als unzuverlässig einzustufen, ist ein Novum in der Geschichte der Wikipedia. Eine Liste verbotener Quellen existiert bislang nicht. Entsprechend kontrovers wurde die Diskussion geführt. Letztlich trugen vor allem drei Faktoren zur Entscheidung der Wikipedia-Autoren bei: Die Daily Mail hat den Ruf, Fakten nur unzureichend zu prüfen, Tatsachen sensationsheischend zu überzeichnen und mitunter Geschichten komplett frei zu erfinden. Diskussionsteilnehmer konnten etliche Beispiele nennen, die diesen schlechten Ruf untermauern.
Die Daily Mail könnte neben dem Imageschaden dadurch auch einen Verlust an Reichweite erleiden. Backlinks – insbesondere solche aus Wikipedia-Artikeln – sind wertvolle Faktoren für das Suchmaschinen-Ranking. Deren Wegfall dürfte also durchaus zu einem Abrutschen der Daily-Mail-Artikel bei Google und Co. führen.
Jährlich veröffentlicht die Inititative Nachrichtenaufklärung e. V. eine Top Ten der vergessenen Nachrichten. Am 8. Februar hat die Jury zusammen mit der Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks die aus ihrer Sicht unterrepräsentierten Themen 2017 vorgestellt. Vergessene Nachrichten im Sinne der Inititative sind “Sachverhalte, die für die deutsche Öffentlichkeit relevant sind, über die aber bislang in Presse, Funk, Fernsehen und Internet kaum Debatten geführt werden”.
Hier die von der Jury genannten vergessenen Themen des Jahres 2017:
Bundesrichterwahl illegal?
Die meisten Auslandseinsätze der Bundeswehr sind unbekannt
Costa Rica und andere Länder ohne Militär
Kann Hunger durch weniger Nahrungsmittelverschwendung verringert werden?
Deregulierung von Au-Pair Agenturen in Deutschland durch EU-Recht
Die Rolle des Westens im Jemen-Konflikt
Unzuverlässiges Gütesiegel führt zu Gewalt bei der Pferdeausbildung
Medikamentöse Ruhigstellung in Altenheimen
Fehlender Schutz von Kulturgütern bei atomarem GAU
Scheinselbstständigkeit unter freien Mitarbeitern
Warum diese Themen in den Medien stiefmütterlich behandelt werden, hat unterschiedliche Gründe: Aufwändige Recherche, hoher Erklärungsbedarf, ein mutmaßlich geringes Interesse der Leserschaft dürften die meisten “blinden Flecken” erklären. Zumindest das Thema Scheinselbständigkeit unter freien Mitarbeitern dürfte aber auch im Eigeninteresse der für die Publikumsmedien Verantwortlichen unter den Tisch gefallen sein: Vom unscheinbaren lokalen Anzeigenblatt bis zu den öffentlich-rechtlichen Medienanstalten beschäftigen Medien freie Mitarbeiter, oft zu umstrittenen Konditionen.
Wissen und News zu KI, Social Media und Co.
Kekse?!
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