Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

European Journalism Center erarbeitet Facebook Safety Guide für Journalisten

Das European Journalism Center hat gemeinsam mit Facebook einen “Safety Guide”, einen Sicherheitsleitfaden für Journalisten entwickelt. Neben schriftlichen Informationen umfasst der Leitfaden auch drei kurze Videos, die erläutern, wie Journalisten ihre Konten vor Missbrauch schützen, die Privatsphäre-Optionen nutzen oder sich gegen Verbalattacken und Hacks zur Wehr setzen können. Derzeit steht der Safety Guide nur in englischer Sprache zur Verfügung, weitere Sprachen – darunter auch deutsch – sollen folgen.

Obwohl der Sicherheitsleitfaden sich in erster Linie mit Risiken beschäftigt, die mit der Nutzung von Facebook verbunden sein können, lassen sich viele Informationen daraus auf andere Bereiche des Internet übertragen – etwa die Empfehlung, bei der Nutzung personalisierter Dienste auf eine Zwei-Faktor-Authentifizierung zu setzen, wo immer das möglich ist. Ein Report der Unesco aus 2015 listet zwölf Bedrohungen auf, denen sich Journalisten in der digitalen Sphäre ausgesetzt sehen, und hält fest, dass 54 Prozent der dafür befragten Journalisten kein entsprechendes Sicherheitstraining erhalten hätten.

Instagram: Live-Videos können jetzt bis zu 24 Stunden online bleiben

Instagram-Nutzer, die ein Live-Video an ihre Freunde gesendet haben, können die Aufnahme jetzt nach dem Ende der Übertragung in eine Instagram-Story übernehmen und damit 24 Stunden online halten. Das hat das Unternehmen in einem aktuellen Blog-Beitrag mitgeteilt.

Bislang verschwanden Live-Videos auf dieser Plattform unmittelbar, nachdem der Livestream geendet hatte. Möglich ist das auch jetzt noch – wenn der Nutzer sich dazu entschließt, die Aufzeichnung nicht in eine Story zu übernehmen.

Bei der Wiedergabe eines aufgezeichneten Livestreams zeigt Instagram Kommentare und Likes, wie sie während der Übertragung geäußert wurden. Nutzer können in den Aufzeichnungen vor- und zurückspulen und per Nachricht mit dem Filmer Kontakt aufnehmen.

VR180: YouTubes neues Virtual Reality-Format verzichtet auf Rundumsicht

Youtube hat ein neues Videoformat für Virtual Reality-Darstellungen angekündigt, das im Vergleich zu den bisherigen 360-Grad-Videus nur noch die Hälfte des Sichtbereichs abdeckt. VR180-Videos sollen dem Betrachter ein ausreichend authentisches Virtual Reality-Erlebnis bieten, gleichzeitig aber wesentlich problemloser zu drehen sein. Neben der Datenmenge ist ein häufiges Problem bei 360-Grad-Videos etwa die Person, die die Kamera führt, und dabei fast zwangsläufig mit ins Bild gerät – in 180-Grad-Aufnahmen kann der Betrachter seine Blickrichtung hingegen nach wie vor nach links und rechts verändern, bekommt aber nichts mehr von dem zu sehen, was sich hinter der Kamera abspielt.

VR180-Videos sollen am Desktop, auf Mobilgeräten ebenso wie in den VR-Brillen vom Typ Cardboard, Daydream oder der Playstation VR nutzbar sein. Wie es in der Ankündigung heißt, arbeitet Googles Daydream-Team bereits mit einer Reihe von Kameraherstellern zusammen, deren Kameras das neue Format künftig ab Werk unterstützen können sollen.

Jetzt auch Vimeo: Die nächste Videoplattform bahnt den Weg für 360-Grad-Inhalte

Mit Vimeo ist eine weitere große Videoplattform auf den Trend zur 360-Grad-Darstellung eingeschwenkt. Ab sofort können Nutzer der Plattform dort 360-Grad-Videos veröffentlichen. Nutzer starten dazu die vertraute Upload-Funktion und setzen per Mausklick ein Häkchen vor die Option “This video was recorded in 360”. Danach legen sie den Quelltyp (monoscopic oder stereoscopic) fest, den Rest übernimmt die Vimeo-Plattform.

Für Videofilmer, die sich erst noch mit den Möglichkeiten der 360-Grad-Darstellung vertraut machen wollen, bietet Vimeo eine Reihe von Schulungsvideos. Außerdem bietet die Plattform einen Kanal mit einer redaktionellen Auswahl herausragender VR-Videos. 360-Grad-Videos sind auf auf Vimeo an einer Markierung mit der Beschriftung “360” zu erkennen. Bei der Wiedergabe hilft ein virtueller Kompass den Betrachter, sich über die Blickrichtung zu orientieren.

Facebook 360: Eigene Facebook-App für die Samsung Gear VR

Um auf Facebook veröffentlichte 360-Grad-Inhalte mit einer Samsung Gear VR betrachten zu können, können Besitzer des Headsets ab sofort die kostenlose App Facebook 360 auf ihrem Gerät installieren. Nach Angaben von Facebook wurden bislang 25 Millionen 360-Grad-Fotos und rund eine Million 360-Grad-Videos auf der Plattform veröffentlicht.

[aesop_video width=”content” align=”center” src=”self” hosted=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/03/Facebook-360-Hovering-Story-Cards.mp4″ disable_for_mobile=”on” loop=”on” autoplay=”on” controls=”on” viewstart=”on” viewend=”on” revealfx=”off”]

Die App bietet den Nutzern der Gear VR vier Sektionen:

  • Explore: Hier zeigt Facebook die interessantesten und beliebtesten öffentlichen 360-Grad-Inhalte – etwa von Medienunternehmen, Organisationen, aber auch von Einzelpersonen;
  • Following: In dieser Sektion findet der Nutzer VR-Inhalte seiner Freunde und solche von Facebook-Seiten, die er mit “gefällt mir” gekennzeichnet hat;
  • Saved: Hier finden sich die 360-Grad-Inhalte, die der Nutzer beim Stöbern auf Facebook via Mobilgerät oder am Desktop gespeichert hat;
  • Timeline: Diese Sektion bietet Zugriff auf die vom Nutzer selbst eingestellten 360-Grad-Fotos und -Videos.

Vorerst steht Facebook 360 ausschließlich Nutzern der Samsung Gear VR über die Oculus-Plattform zur Verfügung. Wann – und ob überhaupt – es die App auch für auch andere VR-Brillen geben wird, ist noch offen.

CNN gründet eigene Einheit für Virtual Reality Journalism

Der US-Fernsehsender CNN hat eine eigene Einheit gegründet, die sich mit der Produktion journalistischer VR-Inhalte beschäftigt. Das berichtet Techcrunch in einem aktuellen Beitrag.

Schon zuvor hat die Virtual Reality-Inhalte produziert und veröffentlicht. Die jetztige organisatorische Maßnahme schlägt sich für den Zuschauer in einer besseren Bündelung der VR-Inhalte wieder: Die lassen sich über die CNN-Apps für Android und iOS sowie im Web über www.cnn.com/vr durchstöbern und ansehen. Nach Angaben von CNN ist deren App damit jetzt die dritthäufigst genutzte mobile App für VR-Inhalte, nur übertroffen von den Apps für YouTube und Facebook.

Wie es in dem Bericht weiter heißt, sollen die Inhalte auch auf ausgewählten VR-Headsets nutzbar sein, darunter auf der Samsung Gear VR, Google Daydream und der Oculus Rift.

Reporterfabrik: Wolf Schneider doziert für Correctiv

[aesop_character img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/03/Wolf_Schneider-1.jpg” name=”Wolf Schneider” caption=”Foto: Sven Teschke, (CC BY-SA 3.0 DE)” align=”right” width=”200px” force_circle=”off”]

Die “Reporterfabrik”, die vom Recherchenetzwerk Correctiv initiierte Web-Akademie für Journalismus, konnte einen digitalen Dozenten ersten Ranges gewinnen: Der einstige Chefredakteur der Welt und ehemalige Leiter der Henri-Nannen-Schule, Sprachpapst Wolf Schneider wird in mehreren Videos elementare Fragen zum journalistischen Schreiben erläutern. Das verkünden Correctiv-Gründer David Schraven und “Reporterfabrik”-Leiter Cordt Schnibben in der Ausgabe 2-2017 des “medium magazin”.

Die Lehrvideos wurden bereits im Februar gedreht, der offizielle Startschuss für die Reporterfabrik soll im September fallen. Schraven formuliert in der Ankündigung seine Vision einer “redaktionellen Gesellschaft, in der Vierte und Fünfte Gewalt nicht gegeneinander arbeiten sondern miteinander recherchieren, kritisieren, aufklären.”

Die Reporterfabrik soll virtuelle Seminare und Präsenz-Workshops bieten. Videos wie die mit Wolf Schneider sollen Interessierten einen Einstieg bieten. Im digitalen Klassenraum soll es weitergehen. Wer sich besonders interessiert, kann Vor-Ort-Seminare besuchen, die – so versprechen es David Schraven und Cordt Schnibben – mit hochkarätigen Referenten besetzt sein werden.

Facebook beginnt, strittige Meldungen zu kennzeichnen

In den USA hat Facebook offenbar damit begonnen, strittige Meldungen mit einem Fake-News-Hinweis zu versehen. Das meldet unter anderem Gizmodo. Mutmaßlich unwahre Behauptungen sollen so von den Nutzern leichter zu identifizieren sein.

Der Hinweis besteht aus einem weißen Warndreieck auf rotem Grund, gefolgt vom Schriftzug “Disputed by” und den Namen der Fact-Checking-Organisationen, die die Meldung für unwahr halten. Nach den Richtlinien von Facebook erscheint der Fake-News-Hinweis nur unter Meldungen, die von mindestens zwei der beauftragten Faktenprüfer als falsch betrachtet werden.

In Aktion treten die Faktenprüfer im übrigen nicht von sich aus, sondern erst, nachdem entweder andere Nutzer einen Beitrag als Fake News gemeldet haben oder ein von Facebook entwickelter Algorithmus Unstimmigkeiten entdeckt hat. Bei den von Gizmodo entdeckten Meldungen dürfte der Faktencheck nicht all zu aufwändig gewesen sein: Beide stammen von Satire-Websites, die ohnehin ausschließlich fiktionale Inhalte veröffentlichen.

Google verzahnt Notizbuch und Textverarbeitung

Google integriert sein Notizbuch Keep (hierzulande einfach als Google Notizen bekannt) in seine cloudbasierte Textverarbeitung Google Docs. Nutzer können ihre Notizen-Apps (erhältlich für iOS, Android und als Webanwendung) auch künftig unabhängig von Google Docs verwenden.

Beim Verfassen einen Textes mit der Webanwendung von Google Docs können Nutzer das unter dem selben Google-Konto geführte Notizbuch dann über den Menüpunkt “Tools/Notizblock” rechts neben die Textverarbeitung legen. Per Klicken und Ziehen können Nutzer dann einzelne Notizen direkt in das Dokument übernehmen, an dem sie gerade arbeiten. Sowohl Textnotizen und Stichpunktlisten als auch Bilder – einschließlich Handzeichnungen – lassen sich so unkompliziert in ein Textdokument übernehmen.

Bezahlschranken: 123 deutsche Zeitungen bieten Online-Inhalte gegen Geld

123 deutsche Zeitungen bieten zumindest einen Teil ihrer Online-Inhalte hinter einer Bezahlschranke an. Die Zahl ist damit gegenüber der letzten Zählung des BDZV vor rund einem Jahr nur leicht gestiegen. Das nach wie vor am häufigsten nutzen Zeitungen online das “Freemium”-Modell, bei dem sie einen Teil ihrer Inhalte kostenlos zur Verfügung stellen, einen Teil – meist in Inhalt und Aufmachung herausgehoben – aber nur gegen Bezahlung zugänglich machen.

[aesop_image imgwidth=”content” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/03/deutsche_zeitungen_mit_paywall.jpg” alt=”Inhalte hinter einer Bezahlschranke” align=”center” lightbox=”on” caption=”Grafik: Statista auf Basis einer Zählung des BDZV” captionposition=”left” revealfx=”inplace”]

Ein weiterer bedeutender Teil der im Netz vertretenen Zeitungen nutzt das “Metered Model”: Bei diesem Modell dürfen die Leser in einem bestimmten Zeitraum (meist innerhalb eines Monats) nur eine festgelegte Anzahl von Beiträgen kostenlos lesen. Weitere Beiträge sind dann bis zum Ablauf des Zeitraums nur noch gegen Bezahlung zugänglich.

Aus dem Rahmen fällt bei dieser Zählung das “PaidTime” genannte Abrechnungsmodell der Westdeutschen Zeitung: Leser können hier für die Dauer eines zuvor erworbenen Minutenpakets auf die Inhalte zugreifen.

Künstliche Intelligenz gegen natürliche Psychopathen

Mit Hilfe einer auf maschinellem Lernen basierenden Technologie namens Perspective will Google dazu beitragen, das Diskussionsklima in Online-Foren, im Kommentarbereich von Publikationen und andernorts im Internet zu entgiften. Die Idee dahinter: Perspective soll Beleidigungen, Beschimpfungen und Verleumdungen, wie sie oft das Klima in Online-Diskussionen vergiften, als solche erkennen, und weist diesen jeweils einen Score, einen numerische Wert zu, der die “Toxizität” repräsentiert.

Was mit Nutzer-Beiträgen geschieht, die die API als “toxisch” erkannt hat, bleibt den Betreibern der jeweiligen Plattformen überlassen. Auf der Website zur API zeigen zwei Experimente die damit verbundenen Möglichkeiten auf:

  • Beim “Reading Experiment” kann der Leser über einen Schieberegler festlegen, bis zu welchem Grad er bereit ist, sich toxischen Kommentaren auszusetzen;
  • Beim “Writing Experiment” ermittelt die Technologie zu einem beliebigen geschriebenen Text, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit andere Nutzer ihn für “giftig” halten würden.

Trainiert wurde Perspective mit Hilfe mehrerer hunderttausend Kommentare, die zunächst von menschlichen Moderatoren bewertet wurden. Entwickler können schon jetzt einen API-Key anfordern. Vorerst wird Perspective allerdings nur englischsprachige Inhalte bewerten können.

Jetzt hat auch WhatsApp Stories: Noch ein Klon-Angriff auf Snapchat

[aesop_image imgwidth=”30%” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/02/whatsapp-stories.png” alt=”WhatsApp Stories: Der neue Status ist eine 1:1-Kopie der Snapchat Stories” align=”right” lightbox=”on” captionposition=”left” revealfx=”inplaceslow”]

Die erst am Montag angekündigte neue Status-Funktion für den Messenger WhatsApp ist bereits allgemein verfügbar. Trotz ihres offiziellen Namens “Status” handelt es sich bei ihr um einen Klon der Snapchat Stories. Genau wie Snapchat Stories setzen sich die WhatsApp Stories aus vom Nutzer aufgenommenen und mit Schriftzügen, Icons und Freihandmalerei aufgehübschten Fotos und Videos zusammen, die jeweils für 24 Stunden sichtbar bleiben. Grundsätzlich können nur die Kontakte eines Nutzers seine “Status”-Bilder und -Videos sehen. Er kann außerdem einzelne Kontakte davon ausschließen oder die Statusanzeige auf ausgewählte Kontakte beschränken.

Die WhatsApp Stories: Der dritte Klon einer Snapchat-Funktion aus dem Hause Facebook

Bereits Anfang August 2016 hat Facebook mit den Instagram Stories die beliebte Snapchat-Funktion nahezu deckungsgleich kopiert, Ende Januar folgte dann die Ankündigung einer identischen Funktion innerhalb der Facebook-Apps für iOS und Android. Snapchat ist damit schon jetzt nur noch ein Dienst unter vielen, der eine Stories-Funktion bietet.