Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

7 Gründe, warum die Zeit bis zur Deadline immer viel zu knapp ist (und wer daran Schuld ist)

Noch zwei Stunden, noch knapp 10.000 Zeichen, und mir fehlen auch noch zwei Fotos. Die bekomme ich sicher von der Pressestelle, aber wohl nur rechtzeitig, wenn ich dort anrufe. Zeitdruck hin oder her, telefonieren muss ich sowieso, mein Interviewpartner hat die Verschriftlichung unseres Gesprächs auch noch nicht autorisiert. Okay, dann zuerst der Interviewpartner.

Ich erreiche ihn beim ersten Versuch, und er versichert mir, er habe den Interviewtext soeben zurück geschickt – mit ein paar Änderungen, wirklich nur Marginalien, aber die seien ihm äußerst wichtig, und wenn ich die nicht akzeptieren könne, dann dürfe der Artikel eben nicht erscheinen. “Sie meinen, das Interview”, korrigiere ich besserwisserisch, obwohl mir für solche Klugscheißereien die Zeit fehlt. Nein, er meine schon den ganzen Artikel. Der stehe und falle schließlich mit seinen Worten. Als Mitwirkender habe er außerdem das Recht, das Erscheinen des Beitrags zu untersagen. Ich verabschiede mich mit ein paar beschwichtigenden Floskeln und sehe in den E-Mail-Eingang.

Was er als Marginalien beschrieben hat, ist nichts weniger als das komplette Interview. Er hat darin nicht nur seine Antworten geändert, sondern auch meine Fragen umgeschrieben. Als ich zum Telefon greife, fällt mein Blick auf meine Armbanduhr: Noch achtzig Minuten, immer noch 10.000 Zeichen, immer noch zwei fehlende Fotos. Gut, dann jetzt die Pressestelle.

Meine Publikation, sagt die Dame von der Pressestelle, sei ihr nicht bekannt, und bittet mich, ihr ein Exemplar zu schicken. “Sie haben am Erstverkaufstag eines auf ihrem Schreibtisch”, verspreche ich wider bisherige Erfahrungen mit dem Verlag. Sie ist gerade in Plauderlaune. Ob ich Blogger sei, will sie wissen, und ob ich andere Blogger kenne, ihr Chef habe sie zu einem Seminar zum Thema Blogrelations geschickt, und der erwarte jetzt natürlich, dass sie da etwas bewege. Ich verspreche ihr für später eine Liste mit den Influencer-Blogs zu den Themen ihres Unternehmens. Als das Gespräch endet, bleibt mir noch etwas mehr als eine Stunde. Für, immer noch, 10.000 Zeichen.

Jetzt klingelt mein Telefon. Der Redakteur ruft an, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Ich dürfe ihm meinen Artikel ruhig schon etwas früher schicken, meint er und schickt einen längeren Monolog hinterher. Von dem bekomme ich inhaltlich so gut wie nichts mit, weil ich mit zwischen Schulter und Kopf eingeklemmtem Hörer mit Höchstgeschwindigkeit tippe. Als er auflegt, stehe ich kurz vom Schreibtisch auf und ziehe den Telefonstecker aus der Wand. Dann schalte ich mein Smartphone aus, und nachdem ich einen letzten – auch wieder viel zu langen – Blick auf den Posteingang geworfen habe, schließe ich den E-Mail-Client. Vierzig Minuten, noch 8324 Zeichen – jetzt aber Vollgas!

Zeitdruck ist das Ergebnis von Entscheidungen

Es ist tatsächlich möglich, 8324 Zeichen innerhalb von vierzig Minuten in eine Textverarbeitung zu tippen, vorausgesetzt, der Aufbau des Beitrags steht bereits vorher fest, und alle Fakten sind recherchiert sowie ohne weiteres Suchen zugänglich. Allerdings bleibt bei diesem Zeitdruck weder Zeit zum Korrekturlesen, noch zum Nachdenken über die jeweils treffendste Formulierung. Ein Autor, der sich entscheidet, so zu arbeiten, wird deshalb wohl meist einige redaktionelle Bearbeitungen zu ertragen haben. Sich entscheidet? Ja, Zeitdruck ist eine Entscheidung – manchmal auch das Resultat einer Kette von Entscheidungen – , und mancher rechtfertigt sie damit, unter Druck besser und produktiver zu arbeiten.

1. Ich habe diesen Auftrag angenommen

Ich muss meine Miete bezahlen, Frau und Kinder schreien nach Brot, und das Auto fährt auch nicht mit Wasser – das sind alles gute Gründe dafür, dass ich diesen Auftrag angenommen habe. Auch die Sorge, mein Auftraggeber suche sich sonst andere Autoren, geht als guter Grund durch. Und trotzdem war es meine Entscheidung, diesen Auftrag anzunehmen, obwohl mir vielleicht klar war, dass es knapp werden könnte.

Die Honorare freier Journalisten stagnieren bei vielen Medien seit etlichen Jahren. Mancher meint, deshalb jeden Auftrag annehmen zu müssen, der gerade eben noch auskömmlich erscheint. In Wahrheit zementiert er damit die eigene Situation, und die anderer freier Journalisten gleich mit.

Die Konditionen dieses speziellen Auftrags schienen mir allerdings mehr als nur akzeptabel, versprach er doch ein um etwa 20 Prozent höheres Honorar pro Seite als üblich. Das grafiklastige Layout (um dessen genaue Ausgestaltung sich andere kümmern würden) ließ zudem nur eine um etwa ein Viertel geringere Textmenge pro Seite zu, als ich es gewohnt war. Aber, wie eigentlich immer, wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein…

2. Ich habe mich nicht über die Arbeitsweise der (für mich neuen) Redaktion informiert

Die meisten Redaktionen arbeiten mit freien Mitarbeitern nach ähnlichen Modi zusammen: Sie beauftragen einen Beitrag in vorgegebenem Umfang und einem mehr oder weniger detailreich festgelegten Aufbau. Wenn der Freie zum vereinbarten Termin geliefert hat, redigiert der zuständige Redakteur den Beitrag, hinterfragt Fakten, die ihm fragwürdig erscheinen und bittet den Freien eventuell auch noch einmal um eine Nachbesserung.

Aber nicht diese Redaktion: Von der bekam ich Thema und Umfang genannt, und sollte dann innerhalb von 24 Stunden in einem sehr formalisierten Exposée skizzieren, wie ich mir den Aufbau vorstellte. Zu diesem Exposée schickte mir die Redaktion dann Anmerkungen und Anregungen, die ich in einen nächsten Entwurf einzuarbeiten hätte. Den nächsten Entwurf bekam ich einen Tag später mit neuen Anmerkungen zurück, den übernächsten noch einen Tag später, und so fort, der fünfte Exposée-Entwurf fand schließlich das Wohlgefallen der Redaktion. Bis dahin hatte ich in das Erstellen des Exposées schon mehr Zeit investiert als sonst in einen kompletten Beitrag.

Später werde ich aus Gesprächen mit anderen Freien erfahren, dass diese Arbeitsweise weder als Schikane gemeint ist, noch etwas mit der Qualität der eigenen Arbeit zu tun hat. Sie entspricht schlicht dem Standard-Workflow dieser Redaktion. Tatsächlich wird mir der für meinen Beitrag verantwortliche Redakteur eine weitere Zusammenarbeit vorschlagen. Scheitern wird die an der Frage, wie hoch ein dem Aufwand angemessenes Honorar aussehen muss.

3. Ich habe die Aufgaben, die mit dem Auftrag verbunden waren, nicht priorisiert

Das klingt unprofessionell, passiert aber alten Hasen häufiger als Einsteigern: Weil ich Aufträge dieser Art schon gefühlte hundert Mal erledigt hatte, verließ ich mich auf meine Routine. Viel sinnvoller wäre es gewesen, diejenigen Teilaufgaben an den Anfang zu stellen, zu deren Erledigung ich auf andere angewiesen war. In diesem Fall also das Interview samt Autorisierung und die Bildbeschaffung bei der Pressestelle. Teilaufgaben in der optimalen Reihenfolge anzugehen, hätte natürlich ebenfalls Bestandteil meiner Routine sein sollen. Weil Nachlässigkeiten darin in der Vergangenheit ungestraft geblieben waren, hatte ich das nicht so wichtig genommen.

4. Ich habe Ablenkungen zugelassen

Irgendwas war immer: Ein Urteil aus Karlsruhe, ein entführter Supertanker, ein Raketentest oder die Wiederentdeckung eines für ausgestorben gehaltenen Molchs. Jede dieser News betrachtete irgendein Redakteur als “breaking”, weshalb mein Smartphone den ganzen Tag gongte, piepste oder eine Fanfare ertönen ließ. So lange ich ungelesene Benachrichtigungen hatte, blinkte über seinem Display außerdem eine kleine Leuchte.

Als Journalist bin ich gern möglichst umfassend informiert. Aber in Echtzeit? Bei jeder Benachrichtigung unterbrach ich kurz meine Arbeit, warf einen Blick auf mein Smartphone und wenn das Thema mich näher interessierte, las ich oft gleich den ganzen Beitrag. Und wenn ich dann meine Arbeit fortsetzen wollte, musste ich erst den verlorenen Faden wiederfinden.

Den Telefonstecker ziehen, das Smartphone abschalten, den E-Mail-Client schließen, das sind nicht bloß Notfallmaßnahmen. Regelmäßig ablenkungsfreie Zeiten zu schaffen, wird meiner Produktivität später einen gewaltigen Schub verschaffen.

5. Ich habe Pausen “nach Gefühl” gemacht

In welchen Intervallen und wie lange ich Pausen gemacht habe, hing von meiner Tagesform ab. Mitunter konnte ich über Stunden ohne echte Pause durcharbeiten. An anderen Tagen unterbrach ich meine Arbeit öfter als RTL seine Vorabendserien. Genauer betrachtet, arbeitete ich aber auch in Zeiten “ohne echte Pause” nicht ununterbrochen. Ich las nebenher die Benachrichtigungen auf meinem Smartphone, behielt meine Twitter-Timeline im Auge, warf einen Blick auf meine Lieblings-Webcomics oder überschlug im Kopf die Differenz zwischen meinen ausstehenden Honoraren und der nächsten Einkommensteuervorauszahlung. Auf Neudeutsch: Ich betrieb Multitasking. Und damit verschärfte ich den Zeitdruck.

Wer den Fokus fest auf seine Aufgabe gerichtet halten will, dem helfen feste Pausen. Eine innere Stimme, die Lust auf Comics hat, lässt sich leichter beschwichtigen, wenn die nächste Pause feststeht. Mehrere Dinge gleichzeitig zu bewältigen, nimmt stets mehr Zeit in Anspruch, als sie nacheinander abzuarbeiten. Wer das nicht glaubt, den mag folgendes Experiment überzeugen:

  • Aufgabe 1: Nennen Sie, so schnell Sie können, die Buchstaben von A bis J. Direkt danach zählen Sie ebenso schnell von eins bis zehn.
  • Aufgabe 2: Nun nennen Sie, wieder so schnell wie möglich, erst einen Buchstaben, dann eine Zahl, von “A Eins” bis “J 10”.

Sie werden keine Stoppuhr benötigen, um festzustellen, dass Aufgabe 2 mehr Zeit beansprucht. Und das bei zwei eigentlich sehr simplen Aufgaben.

6. Ich habe zu niedrige Honorare verlangt

Neben unzureichender Organisation und unvollständigen Informationen basiert Zeitdruck oft auch auf zu viel Arbeit. Um bei einem Seitenhonorar von 100 Euro auf monatliche Einnahmen von 4.000 Euro zu kommen, muss ich arbeitstäglich zwei Seiten füllen. Bei 130 Euro sinkt die Arbeitslast um eine halbe Seite täglich.

Das Rechenbeispiel ist natürlich eine grobe Vereinfachung. Ein freier Journalist, der konsequent auf angemessenen Honoraren besteht, wird wahrscheinlich viele Auftraggeber verlieren. Lange Zeit bin ich der Logik gefolgt, mit schlecht bezahlten Aufträgen könne ich immerhin mehr Geld verdienen als ganz ohne. Wer aber Niedrigsthonorare akzeptiert, wird so viel arbeiten müssen, dass ihm keine Zeit für die besseren Auftraggeber bleibt. Oder für Weiterbildung. Oder für eigene Projekte, die vielleicht irgendwann ebenfalls Gewinn abwerfen könnten.

7. Ich habe ein Leben

Wer freiberuflich arbeitet, ist nicht an Bürozeiten gebunden, ihn schützt kein Arbeitszeitgesetz vor der täglichen Doppelschicht, und niemand nötigt ihn, seinen Jahresurlaub zu nehmen. Er hat gar keinen, es sei denn, er gibt sich selbst ein paar Tage frei. Wann der Arbeitstag beginnt und wann er endet, ist also eine Sache der persönlichen Entscheidung. Nun bin ich persönlich ein so großer Fan meiner Frau, dass ich sie sogar geheiratet habe – und da sollte ich dann schon auch gelegentlich Zeit mit ihr verbringen. Außerdem koche – und esse – ich gern, mag Gäste, und habe auch sonst mehr Dinge, die ich gern tue, als es die Zeit eines Workaholic zuließe. Also habe ich entschieden, keiner zu sein.

Zu dieser Entscheidung zu kommen, war ein langer, mitunter schmerzhafter Prozess, aber irgendwann wissen meine Auftraggeber, dass sie ihre Rufnummer unterdrücken müssen, um mich nach 18:00 Uhr zu erreichen, und dass sie dann meist mit einem “Du, ist gerade schlecht, ich rufe dich morgen früh zurück”, abgewimmelt werden. Wenn ich davon für neue Auftraggeber eine Ausnahme machte, wäre es mit den geregelten Arbeitszeiten schnell wieder vorbei. Also ist in den vergangenen Tagen trotz Exposée-Terror um 18:00 Uhr Schicht gewesen, und die täglich mit Freizeit verbrachte Zeit von 18:00 Uhr bis Mitternacht fehlt dann natürlich kurz vor der Deadline.

Fazit: Arbeiten ohne Zeitdruck ist nicht nur eine Sache der Effizienz

Selbstorganisation – das Priorisieren der Aufgaben, feste Pausenzeiten und das Eliminieren von Ablenkungen – sind schon die halbe Miete. Aufträge abzulehnen, und die Zusammenarbeit mit Auftraggebern aufzukündigen, bei denen der Aufwand den Ertrag übersteigt, schaffen Freiräume. Und dann lässt sich auch die Entscheidung für ein Leben jenseits des Arbeitens erheblich leichter umsetzen. Situationen wie die eingangs geschilderte sollen auch später noch von Zeit zu Zeit auftreten – aber nur noch ein oder zwei Mal im Jahr. Denn es wird immer irgendetwas geben, mit dem niemand gerechnet hat. Es soll ja auch nicht langweilig werden.

Medien-Trendmonitor 2017: Journalisten sorgen sich um Glaubwürdigkeit und ignorante Pressesprecher

Die Haltung von Journalisten zu ihrer Arbeit stand im März 2017 im Mittelpunkt einer Online-Befragung, für die news aktuell und Faktenkontor insgesamt 1.740 Journalisten gewinnen konnten. Jetzt haben die Initiatoren die Ergebnisse im Medien-Trendmonitor 2017 vorgestellt.

Eine absolute Mehrheit von 57 Prozent zählte den Faktor Glaubwürdigkeit zu den drei größten Herausforderungen des gegenwärtigen Journalismus, gefolgt von Fake News und der Sorge um die journalistische Unabhängigkeit, die je 29 Prozent der Befragten nannten. Genervt sind Journalisten aber nicht nur von Lügenpresse-Rufen: Mehr als die Hälfte der befragten Medienmacher ärgern sich am meisten, wenn Kommunikationschefs auf Anfragen nicht reagieren. Deutlich weniger Kopfzerbrechen bereitet Journalisten gegenwärtig der Roboter-Journalismus: Von acht Prozent der Befragten genannt, nimmt er den vorletzten Platz unter den Herausforderungen ein.

Im guten Mittelfeld rangiert die Sorge um digitale Erlöse, die immerhin jeder vierte Journalist nannte. Rund 42 Prozent der Befragten favorisieren ein Freemium-Modell, bei dem die Leser nur für einen Teil der Beiträge zur Kasse gebeten werden. Allerdings sind 18 Prozent inzwischen der Meinung, mit Paid Content seien keine maßgeblichen Gewinne zu erwirtschaften.

Ein gespaltenes Verhältnis bescheinigt der Medien-Trendmonitor den Journalisten beim Einsatz von Social Media: Noch immer verzichten neun Prozent gänzlich auf soziale Netzwerke, 55 Prozent setzen sie hauptsächlich zur Recherche ein, und jeweils knapp die Hälfte der Befragten gab an, dort andere Journalisten (49 Prozent) und Politiker (48 Prozent) zu beobachten. Kaum eine Bedeutung für Journalisten hat Snapchat: Während nur zwei Prozent angaben, Snapchat regelmäßig bei der Arbeit zu nutzen, nannten satte 68 Prozent Facebook. Auch nur noch jeder vierte Journalist nutzt das Business-Netzwerk Xing regelmäßig.

European Journalism Center erarbeitet Facebook Safety Guide für Journalisten

Das European Journalism Center hat gemeinsam mit Facebook einen “Safety Guide”, einen Sicherheitsleitfaden für Journalisten entwickelt. Neben schriftlichen Informationen umfasst der Leitfaden auch drei kurze Videos, die erläutern, wie Journalisten ihre Konten vor Missbrauch schützen, die Privatsphäre-Optionen nutzen oder sich gegen Verbalattacken und Hacks zur Wehr setzen können. Derzeit steht der Safety Guide nur in englischer Sprache zur Verfügung, weitere Sprachen – darunter auch deutsch – sollen folgen.

Obwohl der Sicherheitsleitfaden sich in erster Linie mit Risiken beschäftigt, die mit der Nutzung von Facebook verbunden sein können, lassen sich viele Informationen daraus auf andere Bereiche des Internet übertragen – etwa die Empfehlung, bei der Nutzung personalisierter Dienste auf eine Zwei-Faktor-Authentifizierung zu setzen, wo immer das möglich ist. Ein Report der Unesco aus 2015 listet zwölf Bedrohungen auf, denen sich Journalisten in der digitalen Sphäre ausgesetzt sehen, und hält fest, dass 54 Prozent der dafür befragten Journalisten kein entsprechendes Sicherheitstraining erhalten hätten.

Instagram: Live-Videos können jetzt bis zu 24 Stunden online bleiben

Instagram-Nutzer, die ein Live-Video an ihre Freunde gesendet haben, können die Aufnahme jetzt nach dem Ende der Übertragung in eine Instagram-Story übernehmen und damit 24 Stunden online halten. Das hat das Unternehmen in einem aktuellen Blog-Beitrag mitgeteilt.

Bislang verschwanden Live-Videos auf dieser Plattform unmittelbar, nachdem der Livestream geendet hatte. Möglich ist das auch jetzt noch – wenn der Nutzer sich dazu entschließt, die Aufzeichnung nicht in eine Story zu übernehmen.

Bei der Wiedergabe eines aufgezeichneten Livestreams zeigt Instagram Kommentare und Likes, wie sie während der Übertragung geäußert wurden. Nutzer können in den Aufzeichnungen vor- und zurückspulen und per Nachricht mit dem Filmer Kontakt aufnehmen.

VR180: YouTubes neues Virtual Reality-Format verzichtet auf Rundumsicht

Youtube hat ein neues Videoformat für Virtual Reality-Darstellungen angekündigt, das im Vergleich zu den bisherigen 360-Grad-Videus nur noch die Hälfte des Sichtbereichs abdeckt. VR180-Videos sollen dem Betrachter ein ausreichend authentisches Virtual Reality-Erlebnis bieten, gleichzeitig aber wesentlich problemloser zu drehen sein. Neben der Datenmenge ist ein häufiges Problem bei 360-Grad-Videos etwa die Person, die die Kamera führt, und dabei fast zwangsläufig mit ins Bild gerät – in 180-Grad-Aufnahmen kann der Betrachter seine Blickrichtung hingegen nach wie vor nach links und rechts verändern, bekommt aber nichts mehr von dem zu sehen, was sich hinter der Kamera abspielt.

VR180-Videos sollen am Desktop, auf Mobilgeräten ebenso wie in den VR-Brillen vom Typ Cardboard, Daydream oder der Playstation VR nutzbar sein. Wie es in der Ankündigung heißt, arbeitet Googles Daydream-Team bereits mit einer Reihe von Kameraherstellern zusammen, deren Kameras das neue Format künftig ab Werk unterstützen können sollen.

Jetzt auch Vimeo: Die nächste Videoplattform bahnt den Weg für 360-Grad-Inhalte

Mit Vimeo ist eine weitere große Videoplattform auf den Trend zur 360-Grad-Darstellung eingeschwenkt. Ab sofort können Nutzer der Plattform dort 360-Grad-Videos veröffentlichen. Nutzer starten dazu die vertraute Upload-Funktion und setzen per Mausklick ein Häkchen vor die Option “This video was recorded in 360”. Danach legen sie den Quelltyp (monoscopic oder stereoscopic) fest, den Rest übernimmt die Vimeo-Plattform.

Für Videofilmer, die sich erst noch mit den Möglichkeiten der 360-Grad-Darstellung vertraut machen wollen, bietet Vimeo eine Reihe von Schulungsvideos. Außerdem bietet die Plattform einen Kanal mit einer redaktionellen Auswahl herausragender VR-Videos. 360-Grad-Videos sind auf auf Vimeo an einer Markierung mit der Beschriftung “360” zu erkennen. Bei der Wiedergabe hilft ein virtueller Kompass den Betrachter, sich über die Blickrichtung zu orientieren.

Facebook 360: Eigene Facebook-App für die Samsung Gear VR

Um auf Facebook veröffentlichte 360-Grad-Inhalte mit einer Samsung Gear VR betrachten zu können, können Besitzer des Headsets ab sofort die kostenlose App Facebook 360 auf ihrem Gerät installieren. Nach Angaben von Facebook wurden bislang 25 Millionen 360-Grad-Fotos und rund eine Million 360-Grad-Videos auf der Plattform veröffentlicht.

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Die App bietet den Nutzern der Gear VR vier Sektionen:

  • Explore: Hier zeigt Facebook die interessantesten und beliebtesten öffentlichen 360-Grad-Inhalte – etwa von Medienunternehmen, Organisationen, aber auch von Einzelpersonen;
  • Following: In dieser Sektion findet der Nutzer VR-Inhalte seiner Freunde und solche von Facebook-Seiten, die er mit “gefällt mir” gekennzeichnet hat;
  • Saved: Hier finden sich die 360-Grad-Inhalte, die der Nutzer beim Stöbern auf Facebook via Mobilgerät oder am Desktop gespeichert hat;
  • Timeline: Diese Sektion bietet Zugriff auf die vom Nutzer selbst eingestellten 360-Grad-Fotos und -Videos.

Vorerst steht Facebook 360 ausschließlich Nutzern der Samsung Gear VR über die Oculus-Plattform zur Verfügung. Wann – und ob überhaupt – es die App auch für auch andere VR-Brillen geben wird, ist noch offen.

CNN gründet eigene Einheit für Virtual Reality Journalism

Der US-Fernsehsender CNN hat eine eigene Einheit gegründet, die sich mit der Produktion journalistischer VR-Inhalte beschäftigt. Das berichtet Techcrunch in einem aktuellen Beitrag.

Schon zuvor hat die Virtual Reality-Inhalte produziert und veröffentlicht. Die jetztige organisatorische Maßnahme schlägt sich für den Zuschauer in einer besseren Bündelung der VR-Inhalte wieder: Die lassen sich über die CNN-Apps für Android und iOS sowie im Web über www.cnn.com/vr durchstöbern und ansehen. Nach Angaben von CNN ist deren App damit jetzt die dritthäufigst genutzte mobile App für VR-Inhalte, nur übertroffen von den Apps für YouTube und Facebook.

Wie es in dem Bericht weiter heißt, sollen die Inhalte auch auf ausgewählten VR-Headsets nutzbar sein, darunter auf der Samsung Gear VR, Google Daydream und der Oculus Rift.

Reporterfabrik: Wolf Schneider doziert für Correctiv

[aesop_character img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/03/Wolf_Schneider-1.jpg” name=”Wolf Schneider” caption=”Foto: Sven Teschke, (CC BY-SA 3.0 DE)” align=”right” width=”200px” force_circle=”off”]

Die “Reporterfabrik”, die vom Recherchenetzwerk Correctiv initiierte Web-Akademie für Journalismus, konnte einen digitalen Dozenten ersten Ranges gewinnen: Der einstige Chefredakteur der Welt und ehemalige Leiter der Henri-Nannen-Schule, Sprachpapst Wolf Schneider wird in mehreren Videos elementare Fragen zum journalistischen Schreiben erläutern. Das verkünden Correctiv-Gründer David Schraven und “Reporterfabrik”-Leiter Cordt Schnibben in der Ausgabe 2-2017 des “medium magazin”.

Die Lehrvideos wurden bereits im Februar gedreht, der offizielle Startschuss für die Reporterfabrik soll im September fallen. Schraven formuliert in der Ankündigung seine Vision einer “redaktionellen Gesellschaft, in der Vierte und Fünfte Gewalt nicht gegeneinander arbeiten sondern miteinander recherchieren, kritisieren, aufklären.”

Die Reporterfabrik soll virtuelle Seminare und Präsenz-Workshops bieten. Videos wie die mit Wolf Schneider sollen Interessierten einen Einstieg bieten. Im digitalen Klassenraum soll es weitergehen. Wer sich besonders interessiert, kann Vor-Ort-Seminare besuchen, die – so versprechen es David Schraven und Cordt Schnibben – mit hochkarätigen Referenten besetzt sein werden.

Facebook beginnt, strittige Meldungen zu kennzeichnen

In den USA hat Facebook offenbar damit begonnen, strittige Meldungen mit einem Fake-News-Hinweis zu versehen. Das meldet unter anderem Gizmodo. Mutmaßlich unwahre Behauptungen sollen so von den Nutzern leichter zu identifizieren sein.

Der Hinweis besteht aus einem weißen Warndreieck auf rotem Grund, gefolgt vom Schriftzug “Disputed by” und den Namen der Fact-Checking-Organisationen, die die Meldung für unwahr halten. Nach den Richtlinien von Facebook erscheint der Fake-News-Hinweis nur unter Meldungen, die von mindestens zwei der beauftragten Faktenprüfer als falsch betrachtet werden.

In Aktion treten die Faktenprüfer im übrigen nicht von sich aus, sondern erst, nachdem entweder andere Nutzer einen Beitrag als Fake News gemeldet haben oder ein von Facebook entwickelter Algorithmus Unstimmigkeiten entdeckt hat. Bei den von Gizmodo entdeckten Meldungen dürfte der Faktencheck nicht all zu aufwändig gewesen sein: Beide stammen von Satire-Websites, die ohnehin ausschließlich fiktionale Inhalte veröffentlichen.

Google verzahnt Notizbuch und Textverarbeitung

Google integriert sein Notizbuch Keep (hierzulande einfach als Google Notizen bekannt) in seine cloudbasierte Textverarbeitung Google Docs. Nutzer können ihre Notizen-Apps (erhältlich für iOS, Android und als Webanwendung) auch künftig unabhängig von Google Docs verwenden.

Beim Verfassen einen Textes mit der Webanwendung von Google Docs können Nutzer das unter dem selben Google-Konto geführte Notizbuch dann über den Menüpunkt “Tools/Notizblock” rechts neben die Textverarbeitung legen. Per Klicken und Ziehen können Nutzer dann einzelne Notizen direkt in das Dokument übernehmen, an dem sie gerade arbeiten. Sowohl Textnotizen und Stichpunktlisten als auch Bilder – einschließlich Handzeichnungen – lassen sich so unkompliziert in ein Textdokument übernehmen.

Bezahlschranken: 123 deutsche Zeitungen bieten Online-Inhalte gegen Geld

123 deutsche Zeitungen bieten zumindest einen Teil ihrer Online-Inhalte hinter einer Bezahlschranke an. Die Zahl ist damit gegenüber der letzten Zählung des BDZV vor rund einem Jahr nur leicht gestiegen. Das nach wie vor am häufigsten nutzen Zeitungen online das “Freemium”-Modell, bei dem sie einen Teil ihrer Inhalte kostenlos zur Verfügung stellen, einen Teil – meist in Inhalt und Aufmachung herausgehoben – aber nur gegen Bezahlung zugänglich machen.

[aesop_image imgwidth=”content” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/03/deutsche_zeitungen_mit_paywall.jpg” alt=”Inhalte hinter einer Bezahlschranke” align=”center” lightbox=”on” caption=”Grafik: Statista auf Basis einer Zählung des BDZV” captionposition=”left” revealfx=”inplace”]

Ein weiterer bedeutender Teil der im Netz vertretenen Zeitungen nutzt das “Metered Model”: Bei diesem Modell dürfen die Leser in einem bestimmten Zeitraum (meist innerhalb eines Monats) nur eine festgelegte Anzahl von Beiträgen kostenlos lesen. Weitere Beiträge sind dann bis zum Ablauf des Zeitraums nur noch gegen Bezahlung zugänglich.

Aus dem Rahmen fällt bei dieser Zählung das “PaidTime” genannte Abrechnungsmodell der Westdeutschen Zeitung: Leser können hier für die Dauer eines zuvor erworbenen Minutenpakets auf die Inhalte zugreifen.