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Totale Zensur – weil eine Million Rüpel zuviel sind!

Eine Kommentarfunktion wird es auf NetKnowHow.de vorläufig nicht geben. Nach einer Befragung der Leser, von denen die Hälfte für, die andere gegen eine solche Funktion war, habe ich mich (widerruflich) dagegen entschieden. Schweren Herzens, aber aus guten Gründen:

Wie der ARD-ZDF-Onlinestudie 2016 zu entnehmen ist, nutzen hierzulande rund 58 Millionen Menschen das Internet. Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Landesmedienanstalt NRW gaben ein Prozent der deutschen Internetnutzer an, bereits selbst einen Hasskommentar verfasst zu haben, und zwei Prozent bekannten sich dazu, auf einen Hasskommentar geantwortet zu haben, um diesen zu unterstützen. Es gibt also allein in Deutschland mindestens 1.160.000 verbale Gewalttäter – und das sind nur die Einsichtsfähigen.

Und: Praktisch jedes Thema kann verbale Gewaltorgien auslösen. Es reicht schon ein Kommentar zu erwachsenen Skateboardfahrern, um sich übelste Beleidigungen, bis hin zu Mord- und Vergewaltigungsaufrufen, einzuhandeln. Ganz so üble eigene Erfahrungen habe ich noch nicht gemacht (okay, ich habe mal eine Gruppe von Fans einer Rechtsrock-Band gefragt, warum sie, bei aller Vaterlandsliebe, so verächtlich mit der deutschen Rechtschreibung umgehen – das Echo war wie zu erwarten, verhallte aber schnell wieder), aber ich lege auch nicht wirklich Wert darauf.

Dazu kommt: NetKnowHow.de ist eine Ein-Mann-Show. Wenn ich im Urlaub bin oder tief in anderen Projekten stecke, oder schlicht keine Lust habe, blieben die Kommentare unmoderiert. Das hieße, sie entweder für diese Zeit in der Warteschleife zu belassen, oder das Risiko verbaler Gewaltakte einzugehen. Das erstere wäre für die anständigen Kommentatoren frustrierend, das letztere könnten Rüpel als Einladung verstehen.

Letzter und egoistischster Grund: Ich will diese Arbeit nicht leisten. Kommentare zu moderieren heißt eben nicht nur, einen sachlichen Diskurs zu begleiten. Sachlicher Diskurs braucht nur sehr wenig Moderation. Aber Beleidigungen, Bedrohungen, Hetze und andere verbale Gewalt sind Dinge, von denen ich so wenig wie möglich in meinem Leben haben möchte. 98 Prozent der Internetnutzer sind zu sachlichem Diskurs fähig. Leider reicht das nicht.

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Künstliche Intelligenz gegen natürliche Psychopathen

Mit Hilfe einer auf maschinellem Lernen basierenden Technologie namens Perspective will Google dazu beitragen, das Diskussionsklima in Online-Foren, im Kommentarbereich von Publikationen und andernorts im Internet zu entgiften. Die Idee dahinter: Perspective soll Beleidigungen, Beschimpfungen und Verleumdungen, wie sie oft das Klima in Online-Diskussionen vergiften, als solche erkennen, und weist diesen jeweils einen Score, einen numerische Wert zu, der die “Toxizität” repräsentiert.

Was mit Nutzer-Beiträgen geschieht, die die API als “toxisch” erkannt hat, bleibt den Betreibern der jeweiligen Plattformen überlassen. Auf der Website zur API zeigen zwei Experimente die damit verbundenen Möglichkeiten auf:

  • Beim “Reading Experiment” kann der Leser über einen Schieberegler festlegen, bis zu welchem Grad er bereit ist, sich toxischen Kommentaren auszusetzen;
  • Beim “Writing Experiment” ermittelt die Technologie zu einem beliebigen geschriebenen Text, ob und mit welcher Wahrscheinlichkeit andere Nutzer ihn für “giftig” halten würden.

Trainiert wurde Perspective mit Hilfe mehrerer hunderttausend Kommentare, die zunächst von menschlichen Moderatoren bewertet wurden. Entwickler können schon jetzt einen API-Key anfordern. Vorerst wird Perspective allerdings nur englischsprachige Inhalte bewerten können.

Twitter sagt Beschimpfungen und Belästigungen den Kampf an

In den kommenden Wochen will Twitter eine Reihe von Maßnahmen umsetzen, die eine offene Diskussionskultur auf der Microblogging-Plattform fördern sollen. Das hat Twitters VP of Engineering Ed Ho in einem aktuellen Blogeintrag angekündigt. Die freie und offene Diskussionskultur sieht man bei Twitter bedroht durch Belästigungen und Beschimpfungen, die genutzt werden, um Stimmen gezielt zu unterdrücken oder ganz zum Schweigen zu bringen. Die Maßnahmen zielen darauf ab, solchen Tweets weniger Raum und weniger Gewicht zu geben. Insbesondere drei Neuerungen sollen dazu beitragen:

  • Maßnahmen, die verhindern sollen, dass dauerhaft gesperrte Twitterer einfach neue Twitter-Konten erstellen;
  • eine sichere Suche, die potentiell missbräuchliche Tweets und solche von gesperrten oder stummgeschalteten Konten auf Wunsch ausfiltert;
  • Diskussionsstränge, die Kommentare geringer Qualität sowie Beschimpfungen standardmäßig ausblenden

Tweets, die dann in der Suche oder in den Diskussionssträngen nicht mehr auftauchen, sollen allerdings auffindbar bleiben, wenn Nutzer gezielt danach suchen.