Anders als ursprünglich angekündigt, nimmt Twitter die Kurz-Video-App Vine nicht komplett aus dem Netz: Ab Januar wird die App Vine Camera heißen. Das geht aus einem Blog-Eintrag der beteiligten Teams hervor. Unter der Adresse Vine.co soll der Zugriff auf alle bis dahin veröffentlichten Kurz-Videos erhalten bleiben – das soziale Netzwerk Vine wird dann allerdings Geschichte sein.
Mit Vine Camera haben Nutzer weiterhin die Möglichkeit, Videos von maximal sechs Sekunden Dauer aufzunehmen. Die lassen sich dann lokal auf dem Smartphone des Nutzers speichern oder direkt auf Twitter teilen. In der Mitteilung heißt es weiter, Vine-Nutzer würden in den nächsten Tagen eine einfache Möglichkeit erhalten, den Nutzern, denen sie bisher auf Vine folgen, künftig auf Twitter zu folgen. Ihre eigenen älteren Werke können Nutzer inzwischen via App oder Website auf ihre Geräte herunterladen.
Wer Video-Livestreams über Twitter verbreiten möchte, ist künftig nicht mehr auf die separate App Periscope angewiesen. Twitter hat die Livestream-Funktion in seine Apps für iOS und Android integriert. Um auf Twitter live zu gehen, genügt es, den Dialog zum Verfassen eines neuen Tweet aufzurufen, auf das Kamerasymbol und dann in der anschließenden Medienübersicht auf “Live” zu tippen. Handhaben lässt sich die in Twitter integrierte Livestream-Funktion so, wie Nutzer es von Periscope gewohnt sind.
Die separate Periscope-App soll dennoch erhalten bleiben, wie Sara Haider, Senior Engineering Manager bei Periscope gegenüber dem Online-Magazin The Verge sagt. Periscope werde weiter entwickelt, neue Funktionen würden als erstes in der Standalone-App verfügbar gemacht. Wie sie anmerkt, verwenden längst nicht alle Periscope-Nutzer regelmäßig Twitter.
Die ARD hat Version 2.0 ihrer Tagesschau-App vorgestellt. Ab sofort können Nutzer die App auf Mobilgeräten mit den Betriebssystemen Android oder iOS installieren. Für weniger verbreitete Mobilsysteme wie Windows Mobile oder Blackberry steht die neue Tagesschau-App (noch?) nicht zur Verfügung.
Die Entwickler haben die App deutlich anders gestaltet als die Vorgängerversion. So startet sie jetzt mit einem Nachrichtenüberblick aus vollflächigen Videos, die der Nutzer wahlweise in horizontaler oder vertikaler Ausrichtung betrachten kann. Dank kurzer Infotexte sind die Nachrichten auch ohne Ton verständlich.
Neu ist eine Suchfunktion, die von der Handhabung und Optik her an Messenger wie WhatsApp erinnert. In den Nachrichtenüberblick kann der Nutzer zudem Regionalnachrichten aus bis zu zwei Bundesländern aufnehmen. Ein zuschaltbarer personalisierter Nachrichtenüberblick zeigt die Nachrichten nicht in chronologischer Reihung an, sondern abhängig von den persönlichen Vorlieben des Nutzers. Wie gut das funktioniert, wird sich erst nach einiger Zeit beurteilen lassen.
Direkten Dialog zwischen Nutzern und Nachrichtenverantwortlichen bietet die neue App allerdings nicht mehr: Eine Funktion, mit der sich die aktuellen Meldungen kommentieren ließen, sucht man vergeblich. Über die Website der Tagesschau können die Rezipienten das aktuelle Geschehen – und die Berichterstattung darüber – weiter wie gehabt kommentieren.
Relevante Fakten sammeln, Gespräche führen, Hintergründe ausleuchten und Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen – das sind die Arbeiten, die ein Reporter zu erledigen hat, bevor er seine Story aufschreiben kann. Speziell an Einsteiger und Bürgerjournalisten, die darin (noch) nicht all zu routiniert sind, richtet sich die Android-App Pocket Reporter der Organisation Code for South Africa.
Die App bietet eine Reihe von Vorlagen, um die Fakten dreizehn unterschiedlicher Arten von Stories zusammen zu tragen. Dazu gehören Biographien, Nachrufe, Berichte über Verbrechen, Brände und Unfälle oder etwa Protestveranstaltungen. Mit Hilfe von passenden Checklisten können der (angehende) Reporter prüfen, ob er alle relevanten Fakten zusammengetragen und geprüft hat.
Mit der App erstellte Faktensammlungen lassen sich einfach per E-Mail übermitteln, beispielsweise, um sie anschließend am PC zu einer Story zu verarbeiten. Daneben liefert die App nützliche Tipps – etwa, zu Protestveranstaltungen, auf denen vielleicht Tränengas zum Einsatz kommt, stets einen Schal und ein Fläschchen Essig mitzunehmen.
Dank der app-internen Übersicht “My Stories” kann der Reporter beliebig viele Materialsammlungen parallel anlegen. Zwei kleine Wermutstropfen: Die App ist nur in englischer Sprache erhältlich, und sie eignet sich nicht, um zu den Stories Dateien von Fotos, Videos oder Tonaufnahmen zu speichern.
[aesop_image imgwidth=”30%” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2016/12/sachor-jetzt.png” align=”right” lightbox=”on” captionposition=”left” revealfx=”fromright”]Taugt Snapchat für Qualitätsjournalismus? Dieser Frage gehen junge Journalisten der Axel-Springer-Akademie in den nächsten Tagen nach. Vom 5. Dezember an spüren sie dem Holocaust nach: Gespräche mit Zeitzeugen und Überlebenden, Besuche an den entscheidenden Schauplätzen der Shoah und mehr wollen sie, nach journalistischen Qualitätskriterien aufbereitet, über Snapchat-Stories ausspielen. “Die jungen Leute der inzwischen vierten Generation seit dem Holocaust werden die ersten sein, die bald keine Zeitzeugen mehr erleben”, sagt Marc Thomas Spahl, Direktor der Axel Springer Akademie.
Unter dem Titel “sachor jetzt!” geht das Projekt an den Start. Wer es auf Snapchat verfolgen will, fügt seinen dortigen Kontakten den Nutzernamen sachorjetzt hinzu. „Sachor“ ist das hebräische Wort für „Erinnere dich“ – hier setzt das journalistische Projekt an, das sich speziell an 14- bis 16-Jährige richtet.
Sieben Tage lang finden die Leser täglich bis zu drei Geschichten auf Snapchat, die sich alle mit dem Thema Holocaust beschäftigen. Dazu recherchieren und berichten die jungen Reporter der Akademie unter anderem aus Auschwitz, Minsk, Jerusalem, Prag, Berlin, Dachau, Leipzig und Sachsenhausen. Die App „Sachor“ (erhältlich für iOS und Android) wird die Snapchat-Storys in einer internationalen Version mit englischen Untertiteln dauerhaft abrufbar halten.
Noch im Dezember will Entwickler Hyuck Jae Lee in seiner Heimat Korea mit dem sozialen Netzwerk Earing an den Start gehen, bald darauf soll es auch international nutzbar sein. Im Zentrum des sozialen Netzwerks stehen gesprochene Nachrichten, auf die die Nutzer ihrerseits mit gesprochenen Kommentaren reagieren können.
Die Nutzer des Netzwerks können zunächst verschiedene Nachrichten und Inhalte abonnieren. Sobald diese Kopfhörer ins Handy stecken, werden die News automatisch abgespielt, wodurch sich die App auch beim Autofahren oder Sport nutzen lässt. Eine gesprochene Aufnahme ist auf 27 Sekunden limitiert. “Nach zahllosen Tests haben wir herausgefunden, dass 27 Sekunden die ideale Zeitspanne für User ist, um Inhalte zusammenfassen und zu erzählen und auch für die Personen, die sich diese Inhalte anhören, gut geeignet sind”, meint Lee. Die koreanischen Versionen der zugehörigen Apps für iOS und für Android sind bereits erhältlich.
Bei Interviews, Hintergrundgesprächen, Pressekonferenzen und ähnlichen Ereignissen hat der Journalist oft die Wahl, mitzuschreiben oder – das Einverständnis seiner Gesprächspartner vorausgesetzt – Sprachnotizen aufzunehmen. So bequem das Mitschneiden während des Gesprächs ist, so umständlich ist es später, aus dem Mitschnitt die Highlights heraus zu schreiben. Eine enorme Arbeitserleichterung bietet die App Cogi, die sowohl für iOS als auch für Android zu bekommen ist.
[aesop_content color=”#000000″ background=”#c0c0c0″ width=”content” columns=”1″ position=”none” imgrepeat=”no-repeat” floaterposition=”left” floaterdirection=”up”] Hinweis: Cogi bietet nach einer Registrierung die Möglichkeit, die Aufzeichnungen ‘in der Cloud’ zu sichern – also auf einem Server des Dienstanbieters in den USA. Ohne ausdrückliches Einverständnis aller jeweiligen Gesprächspartner ist das wahrscheinlich ein Verstoß gegen deutsche Datenschutzgesetze.
Auch wer die Sprachnotizen nur auf seinem persönlichen Gerät aufbewahrt, benötigt – bei nicht-öffentlichen Gesprächen – das Einverständnis seiner Gesprächspartner. Es hat sich bewährt, diese Zustimmung vor Beginn der Aufnahme einzuholen und das Okay bei laufender Aufnahme dann noch einmal bestätigen zu lassen.
Hat der Reporter eine Session mit Cogi gestartet, hört die App dem Gespräch oder der Rede zunächst nur zu. Sagt einer der Gesprächspartner dann etwas Bedeutungsvolles, tippt der Reporter auf die Schaltfläche im Zentrum der App, um die Aufnahme zu starten. Cogi zeichnet dann das Gespräch auf – und zwar rückwirkend von einem Zeitpunkt an, der bis zu 45 Sekunden vor dem Moment liegen kann, an dem der Reporter die Schaltfläche angetippt hat (in den Settings lassen sich Zeiträume von 5, 15, 30 und 45 Sekunden auswählen). Durch erneutes Antippen hält er die Aufzeichnung wieder an.
Im Lauf eines Gesprächs kann der Reporter auf diese Art beliebig viele Highlights aufzeichnen. Wenn nötig, lassen sich die Highlights aus der App heraus dann auch noch mit schriftlichen Notizen und/oder einem Foto ergänzen – etwa, um die Schreibweise eines Namens zu notieren oder ein Schaubild festzuhalten, dass der Gesprächspartner zeigt. Solche Aufzeichnungen lassen sich später wesentlich einfacher verschriftlichen als ein vollständiger Mitschnitt.
Die Monster sind los! Und sie werden – jetzt endlich – den Journalismus vor dem Untergang bewahren. Ja, gestern glaubten wir noch, Snapchat löse all unsere Probleme. Davor waren es Facebooks Instant Articles, die endlich das Geld in die Kassen spülen sollten, das wir über unseren eigenen Websites so gern erwirtschaftet hätten.
Pflichtübung für jeden ernsthaften Onliner war bis gerade eben auch das 360-Grad-Video. Oder wenigstens überhaupt ein Video, cross-gepostet auf YouTube, Vimeo und Instagram, mit einem 6-Sekunden-Trailer angekündigt auf Vine – oder auch ganz unangekündigt, live, mit Periscope oder per Facebook Live oder per YouTube Live in die große weite Welt mehr oder weniger broad gecastet.
All das hätte den Journalismus retten sollen, wie zuvor schon das Storytelling auf 140 Zeichen, oder das Scrollytelling von langen Geschichten, die früher mal ganze Bücher gefüllt hätten. Ach ja, Bücher: E-Books waren auch mal der ganz große Renner, besonders zu Preisen, zu denen sie mit Apps… Äh, ja, Apps, die gab’s ja auch, und jede Zeitung, jede Beilage, jeder Autor wollte eine, um dann festzustellen: Gemeinsam geht’s doch besser, man trifft sich im Flipboard, oder auf Feedly, auf jeden Fall wird das die Rettung – äh, nein.
Nein, die Rettung heißt jetzt Pokémon Go. Das ist ein Spiel, Geschichten lassen sich eher darüber erzählen als damit, aber was soll’s? Pokémon Go wird Facebook, Snapchat und Co. das Wasser abgraben. Pokémon Go wird die Pegida-Spaziergänge beenden. Dank Pokémon Go werden Straftäter verhaftet.
Zugegeben, ein ägyptischer islamischer Theologe hält das Spiel für Sünde. Und der ADAC warnt Autofahrer vor dank Pokémon Go geistesabwesenden anderen Verkehrsteilnehmern. Von dem armen Hunden ganz zu schweigen, die jetzt ständig um den Block gezerrt werden, weil Herrchen oder Frauchen auf der Jagd nach Pokémons sind.
Wie Pokémon Go den Journalismus retten soll? Woher soll ich das wissen? Ich habe schon nicht gewusst, wie 360-Grad-Videos den Journalismus retten könnten, und die eignen sich wenigstens, um Geschichten damit zu erzählen, nicht bloß darüber. Immerhin: Im Moment will gefühlt fast jeder praktisch alles über Pokémon Go erfahren. Wer etwas – und sei es so substanzlos wie dieser Artikel – über Pokémon Go zu erzählen hat, schafft es damit vielleicht, die Reichweite seiner Publikation zu vergrößern. Bis demnächst eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird.
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