Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

Meinung: Quo vadis, Twitter? Und wen kümmert’s?

Was hatte ich mit Twitter Spaß. So vor elf, zwölf Jahren, als ich, just for fun, ein paar Western verfasste und die Plattform nutzte, um dafür die Werbetrommel zu rühren. Und auch in den Jahren danach, wenn ich während bedeutender Sportwettkämpfe, Tatort-Erstausstrahlungen und anderer Fernsehereignisse an Echtzeit-Diskussionen zu eben diesen teilnahm.

Blocken half auf Twitter immer weniger

Auch als die ersten aus meinem Umfeld die Twitterei drangaben, weil sie sich angesichts immer häufigerer, immer heftigerer Pöbeleien dort zunehmend unwohl fühlten, blieb ich. Trolle, Schwurbler und andere Unsympathen blockte ich mir vom Halse und behielt so eine weitgehend deppenfreie Timeline.

Aber dann kam Covid-19, ein Virus, das offenbar selbst bei manchen Nicht-Infizierten die Blut-Hirn-Schranke überwindet. Kam ich schon zu Beginn der Pandemie mit dem Blocken kaum hinterher, brach mit der Entwicklung der ersten Impfstoffe endgültig der Irrsinn aus.

Bitte nicht falsch verstehen: Irrsinn ist nicht, das persönliche Risiko einer Impfkomplikation gegen das persönliche Risiko einer unvorbereiteten Infektion abzuwägen, und dabei zu einer Bewertung zu kommen, die sich von meiner Bewertung unterscheidet. Irrsinn ist es unter anderem, sachliche Diskussionen durch Todesdrohungen zu ersetzen.

Von wegen Zwitschern: Auf Twitter wird gepöbelt!

Von “Free Speech” zu “Name & Shame”

Seither hat sich die Lage nicht gebessert, nicht global, und nicht auf Twitter. Und das wird sie wohl auch nicht mehr. Elon Musk ist ein enthusiastischer Verteidiger der freien Rede, Kollateralschäden nimmt er in Kauf. Es sei denn, die äußern sich in abwandernden Werbekunden:

Elon Musk zieht also ein thermonukleares Bloßstellen „abtrünniger“ Werbekunden in Erwägung. Dass die ihre Werbebotschaft nicht in einem Umfeld platzieren wollen, wie es Twitter derzeit bietet, scheint Musk nicht in den Sinn zu kommen. Oder dass sie mit dem von wenig Wertschätzung geprägten Umgang Musks mit seinen Mitarbeitern nicht identifiziert werden mögen. Es können nur „Aktivisten“ sein, mit denen es sich die Werber nicht verscherzen wollen, da ist der Aufbau einer Drohkulisse gewiss die wirksamste Gegenmaßnahme.

Wenn im alten Rom ein siegreicher Feldherr im Triumphzug durch die Ewige Stadt fuhr, stand hinter ihm stets ein Sklave. Der hatte einerseits die Aufgabe, dem Triumphator einen Lorbeerkranz über sein Haupt zu halten. Andererseits wiederholte er während des Triumphzugs immer wieder „Memento te hominem esse“ – „Bedenke, dass du ein Mensch bist“. Es war nicht alles schlecht im alten Rom.

Zum Beispiel gab es da kein Twitter.

Twitter-Videos: Bringt Elon Musk Vine zurück?

Übelste Fake News, hemmungsloser Hatespeech, Trolle der schlimmsten Sorte, einschließlich… na, egal, schlimm wird’s werden, davon sind viele Nutzer überzeugt. Aber nicht nur ein einst verbannter Golfspieler und Hotelier soll zurückkehren, auch einem schon vor Jahren zu den Akten gelegten Dienst dürfte Elon Musk neues Leben einhauchen: Vine. Und das ist gar keine so schlechte Nachricht.

Sechs Sekunden lang waren die Videos, die Nutzer auf der Videoplattform veröffentlichen konnten, und dieses enorm knappe Limit inspirierte einige zu wahrhaft genialen Winzigvideos. Zu den Stars in der Vine-Szene zählte seinerzeit Zach King, der es auch auf YouTube zu einiger Bekanntheit (gemessen an 14,7 Millionen Abonnenten) gebracht hat.

Dass Elon Musk Vine ein zweites Leben schenkt, gilt als ausgemacht, nachdem er Ende Oktober seine Nutzer dazu befragt hat:

Wie Axios aus mehreren Quellen erfahren haben will, soll Musk seine Mitarbeiter aufgefordert haben, möglicherweise schon bis zum Jahresende einen Reboot von Vine auf die Beine zu stellen. Musk könnte den Videodienst als Konkurrenz zu TikTok aufbauen wollen. Während TikTok seinen Nutzern Videos algorithmusbasiert ausliefert, zeigte Vine seinen Nutzern seinerzeit die Videos derjenigen an, denen die Nutzer folgten. In jedem Fall wird die Codebasis von Vine einiges an Überarbeitung benötigen: Ob diese Arbeit mit der deutlich verkleinerten Twitter-Mannschaft zeitnah zu leisten ist, steht allerdings in den Sternen.

Mehr Kontext: Google führt ‘About this result’ auch in der deutschsprachigen Suche ein

Die bislang nur in den USA verfügbare Funktion ‘about this result’ kommt nach Europa. In den nächsten Wochen will Google auch Nutzern, die die Suchmaschine in Europa durchstöbern, mehr Kontext zu den Suchergebnissen liefern. Unterstützen wird Google zunächst die Sprachen Portugiesisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Spanisch und Deutsch.

Die Funktion ‘about this result’ wird an drei senkrecht übereinander stehenden Punkten rechts neben den Suchergebnissen zu erkennen sein. Über die lassen sich ergänzende Informationen zu den angezeigten Ergebnissen aufrufen, etwa Hintergrundinformationen zu der Quelle, von der die Information stammt. Der Nutzer erfährt dort auch, was über die Quelle im Web zu finden ist, und erhält weitere Informationen zu dem gesuchten Thema.

Mehr Kontext zu einem Suchergebnis zu erhalten, hilft, die gefundenen Informationen besser einzuordnen. So liegt es auf der Hand, dass ein Reiseveranstalter andere Informationen über ein Land in den Vordergrund rückt als ein Menschenrechtsaktivist oder ein Naturforscher. Während ein solcher Kontext meist auch ohne ‘about this result’ ersichtlich ist, kann der von Google gelieferte Kontext dabei helfen, auch subtilere Einflüsse auf die Informationen zu identifizieren. Der Wahrheitsgehalt eines Suchergebnisses lässt sich so zwar nicht quantifizieren – aber die grobe Richtung könnte erkennbar werden.

Wirklich neue Informationen wird Google damit nicht liefern. Die neue Funktion reduziert aber deutlich den Aufwand, sich mehr Kontext zu einem Ergebnis zu verschaffen.

Überwachung bei Onlineklausuren: GFF verklagt Uni

Onlineklausuren bei eingeschalteter Webcam: So mussten viele Studenten in den letzten Jahren Prüfungen ablegen. Mit einer Klage will die Gesellschaft für Freiheitsrechte e. V. (GFF) klären lassen, ob die von der Uni Erfurt bei Onlineklausuren genutzte Überwachungstechnik rechtens war.

Automatische, KI-gestützte Gesichtserkennung und Spyware auf den Rechnern gehören zum Konzept, mit dem die Verantwortlichen der Uni Erfurt ihre Studenten bei Onlineklausuren vom Schummeln abhalten wollen. Damit “greift die Universität unverhältnismäßig in die Privatsphäre der Studierenden ein und verletzt ihre Grundrechte”, so heißt es in einer Pressemitteilung der GFF.

Erhoben hat die GFF die Klage gemeinsam mit einer Studentin und dem „freien zusammenschluss von student*innenschaften“ (fzs) beim Landgericht Erfurt. Die Studentin musste wie viele Mitstudierende weltweit in den ersten Jahren der Corona-Pandemie Online-Prüfungen absolvieren, die Prüfungsleistungen aus der Ferne und ohne Infektionsrisiko ermöglichten. Auch bei der GFF sieht man darin grundsätzlich eine sinnvolle Ergänzung zu Präsenzprüfungen. Aber, so David Werdermann, Jurist und Verfahrenskoordinator der GFF, “Gesichtserkennung und Spähsoftware auf den Rechnern von Studierenden sind unverhältnismäßig und verletzen Grundrechte.”

Die GFF führt insbesondere ins Feld, dass es weit weniger gravierende Eingriffe durch reine Beobachtung und alternative Prüfungskonzepte wie Open-Book-Klausuren und mündliche Examen gibt. Beim derzeit eingesetzten Verfahren werden die Webcam-Aufnahmen hingegen gespeichert und zur Auswertung an Amazon Web Services übertragen. Die dort eingesetzte KI soll so Täuschungsversuche entlarven.

GIFs sind “für Boomer” und “cringe” – wirklich?

Das Dateiformat GIF, ausgeschrieben “Graphics Interchange Format” ist erst einmal nur eines von wirklich sehr vielen Formaten zur Speicherung von Bildern. Als solches hat es seine Stärken und Schwächen wie andere Bildformate auch. Eine seiner Schwächen: Es nervt.

Derzeit nerven GIFs unter anderem die britische Wettbewerbsbehörde. Die beschäftigt sich nämlich seit geraumer Zeit damit, dass der Facebook-Mutterkonzern Meta die an derartigen Bildern reiche Plattform GIPHY gekauft hat, und fordert von Facebook, die Plattform weiter zu verkaufen.

Das Ansinnen stößt im Hause GIPHY auf Gegenwehr. Unter anderem, so argumentieren die Verantwortlichen, weil nur noch Boomer GIFs witzig finden, während jüngere Menschen die Zappelbildchen eher als “cringe” betrachten würden. Deshalb werde sich kaum ein weiterer Übernahmekandidat finden, heißt es sinngemäß in dem oben verlinkten Schriftstück.

In meiner Eigenschaft als Boomer (legitimiert durch das Geburtsjahr 1968) stehe ich in der Pflicht, auch etwas dazu zu sagen (ich fühle mich zumindest ebenso sehr dazu verpflichtet, wie andere meiner Altersgruppe, sich zu Winnetou zu äußern):

GIFs nerven. GIFs nerven nicht zuletzt Boomer!

Gifs nerven Boomer

Die Zappelei treibt mich (und wie ich sicher weiß, auch viele andere Menschen meines Alters) früher oder später in den Wahnsinn. Wer schon ein paar Jahre mehr auf dem Tacho hat, dem geht jedwede Zappelei in kürzester Zeit gehörig auf die Nerven. Die einzigen, die in meiner Gegenwart zappeln dürfen, sind meine Enkelkinder.

Die sind definitiv eher die Zielgruppe der zuckenden, zappelnden Minifilmchen. Das Wort “cringe” gehört auch nicht zu deren Wortschatz – und sollte es da je, werden sie ihren Opa ganz sicher aus ganz anderen Gründen cringe finden.

Also, GIPHY, wenn du in Metas Schoß bleiben willst: Denk dir eine andere Ausrede aus!

Die neuen Automatenfotos: Wie gefährlich sind AI-generierte Bilder?

Künstliche Intelligenz, kurz AI, beschäftigte einst vor allem die Phantasie von Science-Fiction-Autoren. Doch längst hat sich AI in unserem Alltag breitgemacht. Welche Filme uns Netflix vorschlägt, mit welchen Suchergebnissen uns Google versorgt, bei welchem Streckenverlauf wir wohl am wenigsten Treibstoff verbrauchen, darüber befindet künstliche Intelligenz. Und auch unsere Berufswahl beeinflusst sie. Ob Grafikdesigner noch eine Zukunft haben?

Zuletzt hatte die KI von Midjourney von sich reden gemacht, die auf die Aufforderung hin, das letzte Selfie auf Erden zu zeigen, ein recht dystopisches Bild vom Ende der Menschheit zeichnete. Nun wird kein Grafiker arbeitslos, weil eine künstliche Intelligenz eine Weltuntergangsprognose abgibt.

Dieses Bild stammt nicht aus den Nachrichten, sondern aus der KI von Nightcafé

Die Gefahr lauert eher darin, dass AI-generierte Bilder genau das zeigen, was sich die Anwender der KI wünschen. Im harmlosesten Fall sind das Illustrationen für Bücher, Zeitschriften oder Online-Beiträge, wie diesen (alle Bilder in diesem Beitrag stammen von der KI, die Nightcafé nutzt). Im schlimmsten Fall erzeugen KIs Deepfakes auf einem nie gekannten Level, die auch vom geschulten Auge nicht mehr von der Realität unterschieden werden können.

Diese “ehrenwerte Gesellschaft” hat ebenfalls eine KI aus dem Hut gezogen.

1938 löste Orson Welles Hörspiel “Krieg der Welten” gelinde Panik aus, weil die Hörer die in Form einer Rundfunkreportage geschilderte Invasion aus dem All für bare Münze nahmen. Die Panik legte sich schnell wieder, weil CBS natürlich kein Interesse daran hatte, die Bevölkerung dauerhaft in Angst und Schrecken zu halten. Was aber, wenn eine KI (oder jemand, der sie kontrolliert) genau das will?

Es mag sein, dass Verfahren der künstlichen Intelligenz so etwas heute noch nicht leisten können, aber die Entwicklung verläuft derzeit rasant. Illustratoren und andere Kreative spüren in jedem Fall bereits jetzt steigenden Konkurrenzdruck.

“Fox and Rabbit in love” – eine Kinderbuch-Illustration aus der KI

Und nun? Zugegeben, ich habe keine Ahnung. Die Büchse der Pandora ist offen, AI-generierte Bilder werden sich, ohne dass die meisten von uns es bemerken, immer häufiger in unseren Alltag schleichen. Und auch in journalistische Beiträge. Mir hat einmal jemand gesagt “Ich glaube nur, was ich sehe.” Davon würde ich dringend abraten.

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Meinung: Die Krake hat Hunger!

Seit Tagen diskutiert die SEO-Szene kaum etwas intensiver als das Helpful Content Update des Algorithmus der Suchmaschine Google. Kern des Updates soll eine stärkere Fokussierung auf Inhalte sein, die von Menschen für Menschen verfasst worden sind. Profitieren wird davon allerdings vor allem Google.

Tippen Sie doch einfach mal lesezeichen instagram in die Google-Suche (oder klicken Sie auf den Link, dann öffnet sich die Suche in einem neuen Tab). Eines der ersten organischen Suchergebnisse führt zu dieser Meldung, und darüber sollte ich mich eigentlich freuen. Immerhin erkläre ich darin kurz und anschaulich, wie Nutzer die Lesezeichen-Funktion in Instagram verwenden können – Helpful Content, wie er sein soll, belohnt mit einer Top-Platzierung.

Ein Rich Result, das den Informationsdurst des Suchenden direkt auf der Ergebnisseite stillt
Ein Rich Result: Der Nutzer muss keinen Link mehr klicken, um seinen Wissensdurst zu stillen.

Dass meine Freude nicht ungetrübt ist, liegt an dem, was Google oberhalb des Links zu meiner Website zeigt. Da ist – in exakt meinen Worten – alles Wesentliche zu den Lesezeichen auf Instagram zu lesen. Rich Result nennt Google das. Warum sollte da noch jemand auf den Link zu meiner Website klicken? Googles Search Console weist eine Click-Through-Rate von rund 20 Prozent aus (für NICHT-SEOs: Einer von fünf Internetnutzern, die dieses Suchergebnis zu sehen bekommen, klickt darauf), bei einer Platzierung an erster Stelle ist das deprimierend.

Nur Anzeigen erscheinen vor dem Rich Result

Und diese zwanzig Prozent sind eigentlich noch gut. Zur Suche nach bloggen ohne anmeldung (hier erzielt Netknowhow ebenfalls seit langem eine Spitzenposition) liegt die Click-Through-Rate bei unter zehn Prozent. Mein Content ist auch hier so helpful, dass Google ihn in ein Rich Result verwandelt hat. Außerdem schalten einige Internetdienstleister zu diesem Suchbegriff regelmäßig Werbung und verdrängen damit mein erstplatziertes Suchergebnis nach unten – bei Abfassung dieses Beitrags taucht es erst an fünfter Stelle auf. Das Rich Result erscheint freilich erst nach der Werbung – wer zahlt, hat Vorrang, und da spielt es dann auch kaum eine Rolle, ob sein Content tatsächlich hilfreich ist.

Ich will nicht jammern. Mein Einkommen hängt nicht an der Besucherzahl. Das vieler anderer aber schon.

Schon 2020 endeten rund zwei Drittel aller Suchen in Google, ohne dass Nutzer auf Suchergebnis klickten. Wer sichergehen will, dass möglichst viele Google-Nutzer zu seiner Website gelangen, dem bleibt kaum eine andere Wahl, als Anzeigen zu schalten.

Diese Situation wird sich für Seitenbetreiber mit dem Helpful Content Update noch verschärfen: Google wird den Wissensdurst der Suchenden noch öfter direkt stillen. Deshalb werden mehr Unternehmen auf die knappen Anzeigenplätze um die Wette bieten. Natürlich profitieren die Suchenden davon – sie gelangen ein klein wenig schneller ans Ziel. Vor allem profitiert aber Google. Dass die Krake jemals satt werden wird, ist nicht anzunehmen

YouTube räumt Podcasts einen eigenen Bereich ein

In den USA zeigt YouTube Podcasts in einem eigenen Bereich an. Unter www.youtube.com/podcasts finden Podcast-Fans vorerst eine simple Übersicht mit YouTube-Videos, deren Inhalt Podcasts sind. Das berichtet das Online-Magazin 9to5Google. Wer die obige Adresse von Deutschland aus aufruft, erhält derzeit eine 404-Fehlermeldung.

Das Online-Magazin beschreibt das Angebot als derzeit noch sehr rudimentär. In mehreren Karussell-Ansichten können Nutzer aus populären Episoden, beliebten Playlists, Empfehlungen und beliebten Podcastern wählen und die Auswahl nach Themengebieten filtern. Die Thumbnails entsprechen derzeit noch denen anderer Videos auf der Plattform, und beim Anklicken – so 9to5Google – öffnet sich auch nur der Standard-Player, noch ganz ohne podcast-spezifische Bedienelemente.

Ob, und wie schnell sich das ändert, und wann das dedizierte Podcast-Angebot auch in anderen Ländern verfügbar werden wird, darüber haben sich Verantwortliche von YouTube noch nicht geäußert. Podcasts stärker in den Fokus seines Angebots zu nehmen, ist für die Videoplattform aber nur konsequent. Wie The Verge berichtet, ist YouTube in den USA bereits jetzt die meistgenutzte Podcasting-Plattform.

Für die Rezipienten stellen sich Podcasts auf der Videoplattform dann künftig wohl eher wie Talkshows dar – mit dem Unterschied, dass sie je nach Situation auch ohne Bewegtbild funktionieren würden. Fraglich ist, ob Google mit einer globalen Einführung von Podcasts auf seiner Videoplattform das parallele Angebot Google Podcasts aufrecht erhalten oder einstellen wird.

Drei Bücher für mehr Realismus, mehr Überzeugungskraft und klügere Zielsetzungen

(Disclaimer: Bei den Links in diesem Beitrag handelt es sich um Affiliate Links. Wenn Sie ein Buch darüber kaufen, erhalte ich eine kleine Provision. Für Sie ändert sich der Preis jedoch nicht.)

Factfulness, Hans Rosling, Anna Rosling Rönnlund, Ola Rosling

Kernthese: Die meisten haben ein verzerrtes Bild der Realität, weil sie es nicht auf empirische Daten stützen, sondern es von ihren Instinkten prägen lassen, die u. a. auf Negativität fokussiert sind. Die Autoren benennen einige dieser Instinkte, damit sich die Leser derer bewusst werden können. Das Buch vermittelt nicht nur Wissen darüber, wie wir denken, sondern auch, warum wir dabei oft falsch liegen.

Influence, Robert Cialdini

Kernthese: Der Autor beschreibt eine Reihe von Techniken und Verhaltensweisen, die sich eignen, andere zu einer bestimmten Handlung oder Haltung zu bewegen. Dazu gehören Gegenseitigkeit, Verknappung, Autorität, Konsistenz, Zuneigung, Assoziationen und Konsens. Das Buch eignet sich nicht nur für Leser, die gern andere überzeugen wollen, sondern kann auch hilfreich sein, die Manipulationstaktiken anderer zu durchschauen.

OKR: Objectives & Key Results, John Doerr

Titel des englischen Originals: Measure What Matters

Kernthese: Der Autor rät Verantwortlichen in Unternehmen, ihre Ziele mit OKRs zu definieren (Objectives and Key Results), und erläutert, wie große Unternehmen wie etwa Google dieses Konzept umsetzen. Er erklärt auch, welche Unternehmenskultur und welche Art von Führung dazu nötig sind. Als häufige Hindernisse benennt er fehlende Transparenz und Micromanagement.

Hier gibt’s weitere Buchtipps.

Mit Uralt-Technik: CCC knackt Videoident-Verfahren

Gängige Videoident-Verfahren lassen sich mit einfachen Mitteln überlisten. Das konnte ein Sicherheitsforscher des Chaos Computer Club nachweisen: Er verschaffte sich dazu unter falscher Identität Zugriff auf die Patientenakte einer Testperson.

Bei Videoident-Verfahren erscheinen Antragsteller gewöhnlich samt Ausweisdokument vor einer Videokamera. Auf der Gegenseite prüfen Mitarbeiter, unterstützt von Algorithmen, die Identität der Person im Video. Die Verfahren werden unter anderem von Krankenversicherungen, aber zum Beispiel auch von vielen Banken eingesetzt.

Wie der CCC in seiner aktuellen Pressemitteilung erklärt, konnte Sicherheitsforscher Martin Tschirsich nur mit Open-Source-Software und etwas Aquarell-Farbe sechs Videoident-Lösungen überlisten. In dem in seinem Bericht beschriebenen Fall hat Tschirsich Zugriff auf die Gesundheitsdaten einer eingeweihten Testperson erlangt, „darunter eingelöste Rezepte, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, ärztliche Diagnosen sowie Original-Behandlungsunterlagen“.

In der Pressemitteilung heißt es weiter, der Angriff sei von einem interessierten Hobbyisten und erst recht von motivierten Kriminellen in kurzer Zeit und mit geringem Aufwand ausführbar. Daher sei das Risiko des weiteren Missbrauchs als hoch einzuschätzen.

Eine erste Konsequenz hat die Veröffentlichung des CCC bereits gezeitigt: Die Gesundheitsagentur Gematik hat den Krankenkassen die weitere Nutzung von Videoident-Verfahren untersagt. Künftig müssen Patienten wieder vor Ort erscheinen, etwa, um das Anlegen einer elektronischen Patientenakte zu beantragen. Ein endgültiges Aus bedeutet das jedoch nicht: “Über die Wiederzulassung von Videoident-Verfahren kann erst entschieden werden, wenn die Anbieter konkrete Nachweise erbracht haben, dass ihre Verfahren nicht mehr für die gezeigten Schwachstellen anfällig sind”, ließ die Gematik verlauten.

Personalisierter Content: Wenn der Algorithmus dich besser kennt als deine Eltern

Filmempfehlungen von Netflix, Kauftipps von Amazon, Hörtipps von Spotifiy haben eines gemeinsam: Sie treffen sehr oft präzise die Wünsche des einzelnen Konsumenten. Und denen ist das ganz recht, ersparen ihnen die Vorschläge doch viel Zeit, die sie sonst beim Durchstöbern der Inhalte verbringen würden. Suspekt ist den meisten derart personalisierter Content dennoch. Zu Recht.

“Heute wieder die Calamaris?” – Die Kellnerin in unserem Stammrestaurant weiß längst, was meine Frau bestellen wird, als sie an unseren Tisch kommt. Sie liegt, wie meistens, richtig. Das ist gut für’s Geschäft, und gut für uns. Mit seinen Bedürfnissen und Wünschen wahrgenommen zu werden, sorgt bei den meisten Konsumenten für ein behagliches Gefühl, und die geben deshalb bereitwillig Geld aus und noch ein großzügiges Trinkgeld obendrauf.

Ein Algorithmus vergisst nicht

Nun ist es eine Sache, ob die Kellnerin in unserem Stammrestaurant weiß, welche Gerichte Schatz und ich bevorzugen, und dass ich nach jedem Essen noch einen doppelten Espresso bestelle. Und eine ganz andere Sache, welche Datenmengen die Algorithmen der sozialen Netze, Onlineshopping-Anbieter und Streaming-Dienstleister von mir kennen.

Allein aus den Titeln der Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, ließe sich eine ziemlich präzise Persönlichkeitsstudie erstellen (lassen wir einmal außer acht, dass ich den Inhalt einiger weniger davon für derart verachtenswert hielt, dass ich sie sorgfältig zerfetzt dem Altpapier zuführte). Nehmen wir dazu die Filme, die ich mir angesehen, und die, deren Ansehen ich abgebrochen habe, die Tweets, auf die ich reagiert und die Twitter-Nutzer, die ich geblockt habe, meine favorisierten YouTube-Videos und meinen Suchverlauf.

In Summe dürften diese Informationen ausreichen, um einen ziemlich perfekten Klon meines Bewusstseins zu schaffen. Zweifellos ein Segen für die Menschheit, aber irgendwie auch gruselig.

“Irgendwie auch gruselig” war zwar keine zur Wahl stehende Antwort, die der Marktforscher Toluna bei der Arbeit am Social-Media-Atlas 2022 der Hamburger Kommunikationsberatung Faktenkontor vorgegeben hatte, dennoch fasst diese Aussage gut zusammen, wie personalisierter Content bei den Nutzern ankommt.

Tatsächlich sehen rund drei von vier der befragten Nutzer personalisierten Content kritisch: 79 Prozent der Social-Media-Nutzer, würden lieber im Web 2.0 surfen, ohne dass die Anbieter dabei ihr Nutzungsverhalten tracken. 75 Prozent fühlen sich dabei regelrecht “beobachtet”, wenn ihnen Vorschläge angezeigt werden, die sich klar mit ihrem Nutzungsverhalten decken. Aber: Mehr als die Hälfte der Nutzer gaben an, den Vorschlägen des Algorithmus manchmal bis häufig zu folgen.

Wer jetzt denkt “Genau wie bei der Kellnerin”, der übersieht eine Kleinigkeit: Restaurants müssen hierzulande strenge Kontrollen über sich ergehen lassen. Die Kellnerin dürfte uns nicht vergiften, selbst wenn wir das wollten. Der Algorithmus schon.

Für den aktuellen Social-Media-Atlas (Hamburg, Mai 2022) wurden 3.500 nach Alter, Geschlecht und Bundesland repräsentative Internetnutzer ab 16 Jahren in Form eines Online-Panels zu ihrer Social-Media-Nutzung befragt. Die Umfrage führte Marktforscher Toluna im Dezember 2021 und Januar 2022 durch.

Lokale Suche im sozialen Netzwerk: Instagram zeigt Umgebungskarten

Instagram zeigt Karten der Umgebung - und Nutzerprofile als Ortsmarken.

Wer bislang in einer ihm nicht vertrauten Umgebung ein schickes Café oder einen fotogenen Springbrunnen aufspüren wollte, fragte entweder einen Ortskundigen oder nutzte Google Maps. Der letztgenannte Dienst bekommt starke Konkurrenz: Jetzt zeigt auch Instagram Karten der Umgebung.

Eine geografische Suche in Instagram gibt es schon länger. Dazu musste der Nutzer nach Eingabe eines Suchbegriffes auf die Ortsmarke tippen und konnte anschließend aus Suchergebnissen wählen, die zu dem Suchbegriff passten. Jetzt zeigt Instagram auch gleich die passende Karte der Umgebung. Vorgestellt wurde die Funktion kürzlich auf dem offiziellen Twitter-Kanal von Instagram:

Der Nutzer kann dann die übrigen Elemente nach unten wegschieben und sich mit Fingerbewegungen auf der Karte orientieren. Je nach (mit zwei Fingern justierbarem) Maßstab sieht er dann mehr oder weniger Orte in der Umgebung. Tippt er auf einen der angezeigten Orte, gelangt er zum entsprechenden Nutzerprofil auf Instagram.

Das bietet nicht nur Influencern mehr Chancen, entdeckt zu werden. Auch die Betreiber schicker Cafés, Restaurants und Inhaber anderer fotografierenswerter Örtlichkeiten können über die Karten auf Instagram auf sich aufmerksam machen. Noch ist die Kartenfunktion allerdings etwas umständlich zu erreichen – wenn sich aber erst herumgesprochen hat, dass Instagram Karten mit Orten zeigt, die “instagrammable” sind, dürfte die Funktion bald rege genutzt werden.