Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

Google Glass: Mitarbeiter testen neuen Prototyp der AR-Brille

“Ein paar Dutzend Mitarbeiter und einige ausgewählte vertrauenswürdige Tester” probieren derzeit den Prototyp einer neuen AR-Brille aus dem Hause Google aus. Google hat erst kürzlich den Prototyp einer solchen Brille vorgestellt, der die Übersetzung gesprochener Worte in Echtzeit im Sichtfeld des Nutzers anzeigt.

Die Einsatzmöglichkeiten von Augmented Reality gehen jedoch deutlich darüber hinaus. Deshalb – und weil manche Erfahrung in geschlossenen Räumen eine andere ist als unter freiem Himmel – testet Google die Prototypen seiner neuesten AR-Brille jetzt auch außer Haus. Dass Google explizit auf die sehr kleine Zahl von Testern hinweist, dürfte nicht zuletzt an den Erfahrungen liegen, die das Unternehmen mit der ersten Generation der “Google Glass” machen konnte. Damals, im Jahr 2014, waren Träger der Datenbrille tätlich angegriffen worden – und wohl auch andere Brillenträger, deren Gestelle entsprechenden Verdacht erregt hatten. Google stellte den Verkauf kurz danach ein. Seit 2019 können Unternehmen die Google Glass Enterprise Edition 2 kaufen,

Die Prototypen sollen mit Kameras, Mikrofonen und Display-Gläsern ausgestattet, aber in ihren Funktionen stark limitiert sein. So bieten sie nach Angaben von Google weder die Möglichkeit, Fotos aufzunehmen noch Videos aufzuzeichnen, auch wenn die AR-Brillen Bilddaten auswerten, um etwa Speisekarten zu übersetzen oder dem Träger den Weg ins nächste Café zu weisen. Google verspricht, dabei die Privatsphäre der Träger ebenso zu schützen wie der Menschen in deren Umgebung.

Meinung: Darum ist das Metaverse eine Schnapsidee

Das nächste große Ding, so erwartet es Mark Zuckerberg, wird das Metaverse. Was das genau werden soll, dazu finden sich unterschiedliche Definitionen, die sich aber auf einige Gemeinsamkeiten herunterbrechen lassen: Das Metaverse wird eine künstliche Welt, in der digitale Technologie für Sinneseindrücke sorgt. Wer das Metaverse betreten will, benötigt dazu mindestens eine VR-Brille, sehr wahrscheinlich aber umfangreichere technische Ausrüstung. Letztere sorgt neben dem optischen auch für ein akustisches, haptisches, olfaktorisches (?) Erleben dieser Welt.

In dieser virtuellen Welt sollen sich Menschen dem-über-nächst überwiegend aufhalten, so hoffen Zuckerberg und andere, die bereits viel Geld in deren Entwicklung investiert haben. Dort sollen sie arbeiten, dort sollen sie einkaufen, dort sollen sie Kultur genießen, Kontakte pflegen, Sport treiben…

Die Vorteile, die eine virtuelle Welt gegenüber der physischen Realität hat, sind nicht wegzudiskutieren: Ein Meer von perfektem Blau, das sanft an einen sonnenbeschienenen Sandstrand brandet, dessen Sand nicht in unsere Schuhe rieselt. Kein Sonnenbrand, keine Feuerquallen, und vor allem: Keine Anfahrt. Um vom virtuellen Arbeitsplatz an den präferierten virtuellen Freizeitort zu gelangen, genügen – je nach Eingabegerät – ein paar Mausklicks, ein gesprochener Befehl oder auch bloß ein Gedanke. Durch die perfekten virtuellen Orte bewegen sich Menschen mit makellosen virtuellen Körpern, ganz ohne Bierbäuche, Zahnlücken oder Schweißfüße.

Leben am Sehnsuchtsort?

Würden Menschen im Metaverse leben wollen, wenn die Technik weit genug entwickelt wäre? Ein paar sicher. Was einen Erfolg denkbar macht: Menschen geben heute schon viel Geld für virtuelle Güter aus. Für NFTs zum Beispiel oder in Pay-to-Win-Videospielen. Menschen tauchen auch heute schon für kürzere oder längere Zeit in virtuelle Welten ab. Was ist eine Zoom-Konferenz anderes als ein virtueller Besprechungsraum? Und was ist Amazon anderes als ein riesiges digitales Warenhaus, bloß dass ich keinen Einkaufswagen durch dessen Gänge schieben muss? Und was ist Netflix anderes als eine riesige Sammlung virtueller Welten, wenn auch noch nicht in 3D?

Wenn das Stichwort 3D fällt, dann könnte manchem Metaverse-Investor schwanen, warum das Metaverse vielleicht doch kein Massen-Magnet werden könnte. Das Metaverse, so wie es derzeit gedacht ist, setzt zwingend Hardware voraus, die Menschen sensorische Eindrücke vermittelt und dazu am Körper getragen wird. Minimalausstattung: Eine Brille. Eben jener Gegenstand, am dem das 3D-Fernsehen letztlich gescheitert ist.

Nicht mal Brillenträger mögen Brillen

Und das lag nicht an den Preisen. Meinten die 3D-TV-Hersteller der ersten Stunde noch, der Käuferansturm sei wegen der teuren Shutterbrillen ausgeblieben, mussten auch die Hersteller, die auf preisgünstige Polfilter-Technik setzten, erkennen: Niemand will mit Brille vor seinem Fernseher sitzen. Zwischendurch rufen menschliche Bedürfnisse. Und dann soll der Fernsehzuschauer mit einer Brille, durch die er nur seinen Fernseher scharf sehen kann, zum Kühlschrank oder ins Bad laufen?

Das Metaverse wird also am Unwillen der Konsumenten scheitern, über viele Stunden hinweg Brillen, Helme, gar komplette Sensoranzüge zu tragen, um in die virtuellen Realitäten einzutauchen. Es sei denn, das Erlebnis ist derart immersiv, dass die Nutzer völlig vergessen, dass sie sich nicht in der physischen Realität befinden. Daran werden sie aber spätestens dann erinnert, wenn sie das Bedürfnis nach Nahrung verspüren, mehr noch, wenn sie den Verdauungsprozess abgeschlossen haben. Ja, man könnte Anzüge mit eingebautem Klo entwickeln. Aber ehrlich, schon der Gedanke lässt die Idee eines Metaverse als ziemlich beschissen erscheinen.

Ja, Menschen nutzen virtuelle Realität (auch im engeren Sinne) schon jetzt, und sie geben sogar Geld für entsprechende Brillen aus. Und, zugegeben, auch die physische Realität ist mancherorts ziemlich beschissen, eine “kleine Flucht” erscheint da mitunter verlockend. Für die meisten wird es aber bei ein paar Tages-, oder eher Stundenausflügen bleiben. Nicht mal Brillenträger mögen Brillen. Und wenn, dann solche über einer Keramikschüssel. Einer physischen.

Ideenflaute? Das “Buch für Ideensucher” liefert frischen Wind

Vorweg, „Das Buch für Ideensucher – Denkanstöße, Inspirationen und Impulse für Kreative“* von Philipp Barth eignet sich nur sehr bedingt zur Lösung physikalischer, medizinischer oder sozialer Probleme. Aber wo kreative Ideen rund um Texte, Bilder, Videos oder Aktionen gefragt sind, kann das Buch wertvolle Anregungen liefern.

Der Autor hat in dieses Buch seine Erfahrung als Creative Director der Werbeagentur Jung von Matt einfließen lassen. Eine Kernthese seines Buches lautet: „Jeder kann Ideen haben“. Auf gut 300 Seiten liefert er etliche Denk- und Ausdenk-Techniken, Methoden zur Ideensuche in Teams und einzeln, beschreibt die Jahrtausende alte Technik des Storytelling und rundet den Inhalt mit einer Reihe guter Tipps dazu ab, wie sich gute Ideen auch gut verkaufen lassen.

Das Buch für Ideensucher richtet sich zwar in erster Linie an Leser, die im weitesten Sinne etwas mit Marketing, und da speziell mit Content Marketing, zu tun haben, aber auch andere – etwa Schriftsteller, Drehbuchautoren, Foto- und Videografen können die Anregungen in diesem Buch für ihre Arbeit nutzen.

Dabei ist das Buch kurzweilig zu lesen, gegliedert in viele nicht all zu lange Abschnitte, die der Autor mit Beispielen, Anekdoten und ein paar Illustrationen auflockert. Das eine oder andere Kapitel hat es verdient, auch zwei oder drei Mal gelesen zu werden.

*Disclaimer: Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate Link. Wenn Sie ein Buch darüber kaufen, erhalte ich eine kleine Provision. Für Sie ändert sich der Preis jedoch nicht.

Nur Instagram legt zu: Meta-Dienste WhatsApp und Facebook verlieren Nutzer

Die vom Meta-Konzern angebotenen Dienste WhatsApp und Facebook haben in Deutschland seit 2019 etliche Nutzer eingebüßt. Einzig Instagram konnte regelmäßige Nutzer hinzu gewinnen. Das zeigt eine Umfrage des Statista Global Consumer Survey.

Die gute Nachricht für Mark Zuckerberg: Viele Entscheidungen des Meta-Konzerns zu Instagram kommen gut an. Der Anteil regelmäßiger Nutzer legte in Deutschland von 2019 (38 Prozent) um 22 Prozentpunkte auf 60 Prozent zu. Neben einigen Änderungen bei den Stories und einem Zurückfahren der Aktivitäten rund um IGTV dürfte das vor allem den Reels geschuldet sein, mit denen Meta ein Gegenangebot zur äußerst erfolgreichen Plattform TikTok aufgebaut hat.

Die schlechte Nachricht für Mark Zuckerberg: So viele Prozentpunkte, wie Instagram zugelegt hat, haben WhatsApp und Facebook gemeinsam verloren – trotz einer Reihe neuer Funktionen und, was Facebook betrifft, einer stärkeren Fokussierung auf Video-Inhalte. Bei den 18-29 Jährigen sind sogar nur noch rund die Hälfte der Befragten regelmäßig bei Facebook unterwegs.

Meta-Dienste WhatsApp und Facebook: Im dritten Jahr in Folge sinkt die Zahl aktiver Nutzer
Die Meta-Dienste WhatsApp und Facebook verzeichnen seit 2020 in jeden Jahr einen Rückgang der aktiven Nutzer (Grafik: Statista)

Die Gründe für die rückläufige Nutzung von WhatsApp und Facebook dürften vielfältig sein. So gibt es zum Messenger WhatsApp inzwischen eine ganze Reihe von Alternativen, während bei Facebook die direkte Kommunikation mit anderen Nutzern zunehmend unerfreulicher wird. Das letztgenannte Problem ist zwar ein gesellschaftliches, und betrifft in der einen oder anderen Form alle Meta-Dienste (ebenso wie die Dienste der Wettbewerber). Mit seinem inkonsequenten und wenig transparenten Umgang mit Hass auf seiner Plattform dürfte Facebook aber so manche Nutzer vergrault haben.

Whatsapp, und warum ich froh bin, dass meine Freunde keine Telepathen sind

In meiner frühen Jugend dachte ich manchmal darüber nach, wie praktisch doch telepathische Fähigkeiten wären. Heute verfügt die Menschheit über Technologie, die ihr eine zumindest vergleichbare Fähigkeit verleiht. Und ich hasse sie (also nicht die Menschheit, außer wenn ich mal wieder etwas zu lang auf Twitter war, sondern diese Technologie).

Ein Vertreter dieser Technologie schmückt sich mit dem Symbol einer Sprechblase vor grünem Hintergrund und hört auf den Namen WhatsApp – wobei “hört” nicht ganz richtig ist. WhatsApp und seine Artgenossen sind nicht mit Sinnen ausgestattet, und mit Verstand schon gar nicht. Oder Takt. Ob ich gerade ein Frühstücksei köpfe, tief versunken in ein kluges Buch bin oder über einem Konzept für eine Artikelserie grüble – der mal mehr, mal weniger dezente Signalton von WhatsApp reißt mich heraus. Eigelb läuft mir über die Finger. Die zuletzt gelesenen Zeilen meines Buchs verschwinden auf dem Weg vom Kurzzeit- ins Arbeitsgedächtnis. Und ereilt mich mal ein Geistesblitz, dann ist WhatsApp ein verlässlicher Blitzableiter. Rom wurde nicht an einem Tag gebaut. Aber wäre Rom überhaupt gebaut worden, hätten Romulus und Remus damals schon WhatsApp gehabt?

Kommunikation in Echtzeit?

Nein, ich bin kein Technikhasser. Selbst WhatsApp und Co. bieten unbestreitbar Nutzen: Um sich schnell innerhalb einer Gruppe abzustimmen etwa. Um Nachrichten auszutauschen, wenn für ein Telefonat nicht die passende Zeit ist. Das Problem ist: Die meisten Nutzer begreifen einen Messenger als Werkzeug der Echtzeit-Kommunikation und verwenden ihn auch so. Hören sie den Benachrichtigungston, greifen sie sofort zu ihrem Smartphone, lesen (oder hören) die Nachricht und schicken eine Antwort. Und dafür unterbrechen sie, was auch immer sie gerade tun.

Wer braucht also noch telepathische Fähigkeiten, wenn er WhatsApp hat? Will ich jemandem meine Gedanken übertragen, texte ich sie ihm einfach – der Weg von meinem in sein oder ihr Hirn führt über Mobilfunk und Internet statt über irgendwelche mystischen Kanäle, aber er erreicht sein Ziel.

Messenger ≠ Telepathie

Dass es einen entscheidenden Unterschied zwischen WhatsApp und telepathischen Fähigkeiten gibt, merkte ich, als ich mein Smartphone vor einiger Zeit vor einer Trauerfeier in den Flugmodus schaltete, und dann einige Stunden nicht mehr daran dachte. Stunden, in denen mein Kopf ganz mir und den Menschen in meiner Umgebung gehörte. Ich bekam ein paar Nachrichten deshalb erst einige Stunden später, aber verpasst habe ich nichts.

Seitdem habe ich das öfter gemacht – nicht mit dem Flugmodus, sondern einem speziellen Nicht-Stören-Modus, der dringende Anrufe durchlässt, aber alle übrigen Benachrichtigungen stummschaltet. Ich habe mal nachgesehen: Gestern hat mir jemand um 23:42 Uhr noch eine WhatsApp-Nachricht geschickt, und heute morgen eine um 6:03 Uhr. Gestört haben mich beide nicht, denn zu sehen bekommen habe ich sie erst nach dem Frühstück. Gut, dass meine Freunde keine Telepathen sind.

Andererseits: Gäbe es Telepathie, dann gäbe es sicher auch dafür einen Nicht-Stören-Modus. Den gibt’s ja auch für die gute alte verbale Kommunikation. “Einfach nicht zuhören” ist immer eine Option.

Unterstützt Instagram bald gründlicheres Blockieren?

“Igitt, bist du fett!” “Lösch dich, du nutzloses Stück!” Jeden Tag, unter jedem neuen Instagram-Beitrag fand Nathalie solche Kommentare. Und sie alle stammten von ein und demselben Nutzer. Einige Wochen ignorierte sie ihn, aber das schien ihm egal zu sein. Sie entschloss sich, ihn auf Instagram zu blockieren. Dann war Ruhe – für zwei ganze Tage.

Einen anderen Nutzer auf Instagram zu blockieren, führt nicht immer zum gewünschten Ziel. Während manche Trolle ihre Provokationen an anderer Stelle fortsetzen, sind andere hartnäckiger. Noch vor einiger Zeit genügte es, als Blockierter einfach ein neues Instagram-Konto zu eröffnen, um seinen alten miesen Charakter unter einem neuen Benutzernamen auszuleben. Dem hat Instagram aber schon länger einen Riegel vorgeschoben – wer ein neues Konto eröffnet, nachdem ihn jemand blockiert hat, bleibt für die entsprechenden Instagram-Konten blockiert.

Anders sieht das bislang aus, wenn ein Troll bereits eine Reihe von Instagram-Konten erstellt hat, bevor seine Opfer ihn blockiert haben. Er konnte dann einfach eines seiner nicht-blockierten alten Konten verwenden. Der Twitterer Alessandro Paluzzi hat einen Screenshot gepostet, der nahelegt, dass man dieses Konzept bei Instagram noch einmal überdacht hat:

Wenn Instagram diese Funktion einführt, bleiben hartnäckigen Trollen zwar immer noch eine ganze Reihe von Möglichkeiten – unbequemer wird das Stalken, Mobben und Pöbeln aber definitiv.

Nathalie war es irgendwann zu bunt, und sie hat ihren Dauerpöbler gemeldet – und Instagram hat dessen Konto auch tatsächlich gesperrt, samt sämtlicher verbundener Konten. Sie ist schon gespannt, wann er wieder da ist, und wie er sich dann nennen wird.

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Lange Tweets: Twitter hebt Zeichenbegrenzung auf – vorerst aber nicht für jeden

Das grundsätzliche Limit von 280 Zeichen pro Tweet könnte bald Geschichte sein. Wie Techchrunch berichtet, arbeitet Twitter an einer Funktion mit dem Namen ‘Twitter Notes’, die es erlaubt, in einem separaten Bereich beliebig lange Tweets zu posten. Bisher können nur ausgewählte Nutzer Twitter Notes sehen und nutzen.

Twitter Notes sollen wie herkömmliche Tweets unter eigenen Urls erreichbar sein, Nutzer sollen sie außerdem retweeten, ‘liken’ und Lesezeichen für sie anlegen können.

Gäbe Twitter die Notes tatsächlich für alle Nutzer frei, stürbe damit ein Alleinstellungsmerkmal des sozialen Netzwerks. Schon als Twitter 2017 das Zeichenlimit von 140 auf 280 Zeichen verdoppelte, sahen viele Nutzer das ‘Micro’ in ‘Microblogging-Plattform’ in Gefahr.

Tatsache ist aber auch, dass Nutzer das Limit längst überschreiten, indem sie einfach so viele Tweets aneinander hängen, wie sie für ihren Text benötigen. Diese ‘Threads’ sind allerdings sperrig in der Handhabung, insbesondere wenn sich Nutzer eine lebhafte Diskussion dazu liefern. Ein anderer häufig genutzter Weg, lange Tweets zu posten, führt über das Posten eines Screenshots – dann sind allerdings die Inhalte nicht durchsuchbar, und natürlich bringt auch ein Klicken auf die in den Screenshots verwendeten Hashtags nichts.

Eine offizielle Stellungnahme von Twitter steht noch aus. Nachdem noch in der Schwebe befindlichen Deal mit Elon Musk und der bereits zuvor neu entfachten Diskussion um einen Edit-Button wäre das ein weiterer Abschied von Fundamenten, die Twitterer einst für unverrückbar gehalten hatten. Verkauft Twitter seine Seele schon wieder?

Willkommen im Club 27: Der Tod des Internet Explorer

Todesdatum 15. Juni 2022: Microsoft begräbt den Internet Explorer endgültig. Nach 27 Jahren gehen für den einstigen Marktführer alle Lichter aus. Microsoft rät der kleinen noch treuen Anhängerschaft zum Umstieg auf den Edge. Wer sich mit dem Ende des Internet Explorer nicht abfinden will, kann die Software freilich vorerst weiter nutzen, nur Aktualisierungen – auch Sicherheits-Updates – wird es nicht mehr geben.

Eine Tragödie ist das Ende des Internet Explorer freilich nicht. 27 Jahre sind ein stolzes Alter für ein Stück Software. Dessen Entwickler hatten ihn einst als Standard anstelle des Standards etabliert – wer Websites gestaltete, war einst besser beraten, sich an den Eigenwilligkeiten des Internet Explorer zu orientieren als an den vom W3C beschlossenen Standards. Wer im Web gelesen werden wollte, orientierte sich an dem, was seine Zielgruppe verwendete – und praktisch jede Zielgruppe (ausgenommen ein paar Nerds) nutzte den Internet Explorer.

Das Ende des Internet Explorer hat sich lange angekündigt

“Optimiert für Internet Explorer” prangte auf vielen Websites und wurde von einer Mehrzahl der Nutzer als Qualitätsmerkmal gelesen. Bis der selbe Satz irgendwann als Makel galt, weil der Web-Entwickler damit seine Ignoranz gegenüber einer wachsenden Nutzerschar anderer Browser dokumentierte.

Most Popular Internet Browsers 1996 - 2019

Der YouTube-Kanal Data is Beautiful hat das Werden und Vergehen der Webbrowser in einem eindrucksvollen Video dokumentiert – der umfasste Zeitraum endet allerdings 2019, drei Jahre vor dem Ende des Internet Explorer:

Luftverschmutzung und Flächenbrände: Google Maps bekommt neue Kartendetails

Nutzer von Google Maps können jetzt zusätzliche Kartendetails einblenden: “Flächenbrände” und “Luftqualität” sind die Layer in der deutschsprachigen App benannt. Wermutstropfen: Echten Informationswert haben diese Kartenebenen derzeit nur für die USA.

Google Maps zeigt in den Kartendetails auch Waldbrände an - aber noch nicht überall.
Google Maps weist in den Kartendetails auf Waldbrände und Luftverschmutzung hin – derzeit aber noch nicht überall.

Zeigt die Karte eine Region außerhalb der USA, erscheint nach Auswahl der Kartendetails zur Luftqualität nur die Meldung ´Keine Informationen für dieses Gebiet’. Informationen zu Flächenbränden sind aber zumindest teilweise bereits auch für Europa abrufbar.

Anzeigen lassen sich die zusätzlichen Kartendetails in Google Maps nach Antippen der Ebenen-Schaltfläche rechts oben in der mobilen App, oder über einen Klick auf “Ebenen/Mehr” in der Browseransicht von Google Maps.

In den USA arbeitet Google zur Bereitstellung der Informationen zur Luftqualität mit Regierungsbehörden wie der Environmental Protection Agency und den Betreibern des Luftsensor-Netzwerks PurpleAir zusammen.

Google reagiert damit nach eigenen Angaben auf einen deutlichen Anstieg von Suchanfragen zu diesen Themen. So habe sich das Suchinteresse nach Suchbegriffen wie “Best air filters for wildfire smoke” und “Best mask for wildfire smoke” allein im letzten Jahr verdoppelt.

Auch hierzulande rechnet das Umweltbundesamt mit einem wachsenden Risiko von Flächen- und namentlich von Waldbränden. “Risikountersuchungen sagen für die kommenden Jahrzehnte ein steigendes Waldbrandrisiko für Deutschland voraus. Dies liegt im Wesentlichen an erhöhten Temperaturen und rückläufigen Niederschlägen in den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonaten.”

Alternative Welten: Unterwegs im Paralleluniversum Fediverse

Es war nicht Elon Musk, der seine Hände nach Twitter ausgestreckt hatte, oder jener Twitterer, der es sich zur Aufgabe gemacht zu haben schien, mich über die Lebensgefahren der Elektromobilität aufzuklären.

Es war auch nicht das wissenschaftsfeindliche Pack, das auf YouTube unter einem neuen Video von Mailab seine selbstgewählte Blödheit dokumentiert hatte.

Es war nicht einmal Ex-Bildchef Julian Reichelt mit seiner Wortschöpfung “Zwangsmaus” – dem Wörtchen kann man ja in Kenntnis seiner Laufbahn zumindest eine gewisse Mehrdeutigkeit abringen. Übrigens: Ist schon einmal jemandem aufgefallen, dass der gute Mann abgekürzt JR heißt? Wie der schlimmste Schurke meiner Kindheit, samt ähnlicher Affinität zu fossilen Brennstoffen, nur mit erheblich schlechterem Stil.

Ach, egal, vielleicht waren es auch alle zusammen, und noch ein paar mehr, die mich jenes denkwürdigen Tages dazu brachten, mir die Frage zu stellen, ob es das jetzt gewesen sei mit dem Internet, oder ob es jenseits dieser bunten, lauten, zerstrittenen Welt nicht noch etwas anderes gebe, vielleicht ein anderes Internet, nur weniger voll, weniger aggressiv, weniger marktschreierisch.

Twitters Alternative im Fediverse ist ein Rüsseltier aus der Urzeit

Und dann hörte ich von der Alternative Fediverse. Das begegnete mir als erstes in Gestalt eines urzeitlichen Rüsseltiers namens Mastodon. Schon verwirrt? Keine Sorge, das wird schon noch schlimmer. Also: Das Fediverse heißt so wegen seiner föderalen (englisch “federal”) Struktur miteinander verbundener Instanzen. Mastodon selbst ist keine Instanz, sondern ein dezentrales soziales Netzwerk, das in der Handhabung und Anmutung an Twitter erinnert. Bloß ohne Elon Musk und Julian Reichelt. Außerdem wird hier nicht gezwitschert, der Mastodon-Bewohner trötet seine Botschaft in die Welt. Beziehungsweise erst einmal in seine Heimat-Instanz, die aber mit allen anderen Instanzen verbunden ist.

Dezentral meint: Ich kann ein Konto bei irgendeiner der Instanzen dieses sozialen Netzwerks erstellen (auf Mastodon bin ich über die Instanz https://social.tchncs.de zu erreichen, konkret über https://social.tchncs.de/@technischgesehen). Von einer Instanz aus kann ich aber nahtlos mit den Nutzern aller anderen Instanzen plaudern, wenn ich will. Dazu kann ich von der lokalen zu einer föderierten Zeitleiste wechseln. Muss ich aber natürlich nicht.

Im Augenblick fühlt sich Mastodon an wie ein Twitter, dem irgendwer den Zynismus, den Konfrontations- und Zerstörungswillen entzogen hat. Hätte ich vorher versucht, mir Twitter ohne diese Attribute vorzustellen, wäre da bloß ein großes, unförmiges Nichts gewesen. Aber da ist nicht nichts: Mastodon hat seine eigene Schönheit – die extrem viel stillere unmittelbare Umgebung auf dem ausgewählten Server, und die immer noch recht ruhige föderierte Zeitleiste. Als sei ich aus einem der schlechteren Viertel Berlins an den Rand einer Kleinstadt in Ostwestfalen-Lippe gezogen.

YouTubes Alternative im Fediverse – auch eine Heimat für Nervensägen

Eine Regierung aus Echsenmenschen, Alien-Spinneneier in Covid-19-Impfstoffen – Gestalten, die voller Sendungsbewusstsein derartigen Schwachsinn verbreiten, blockte ich mir einst auf Twitter mit nur mäßigem Erfolg vom Halse. Auf Mastodon bin ich davon bislang verschont geblieben. Aber föderale Systeme sind naturgemäß ziemlich heterogen. Die schrägsten Vögel (oder Mammuts?) scheinen allerdings nicht zu tröten, sondern ihre Botschaften präferiert per Bewegtbild zu verbreiten. PeerTube heißt die föderale Alternative zu Googles ultrakommerzieller Videosammlung. Wie bei Mastodon gehören zu PeerTube etliche lose miteinander verbundene Instanzen, und wer will, kann mit wenig technischen Kenntnissen auch eine eigene aufsetzen.

PeerTube zieht leider auch Verschwörungspraktiker an, weil jede Instanz ihre eigenen Regeln im Umgang mit hirnerweichenden Inhalten hat, und den meisten Betreibern der Instanzen der Löschknopf längst nicht so locker sitzt wie den Verantwortlichen der zentralisierten Videoplattform YouTube.

Was PeerTube aber auch nicht hat, ist ein Algorithmus, der mich immer tiefer in den Kaninchenbau zerrt, wenn ich aus Versehen einmal auf eines der besagten Videos geklickt habe. Den vermisse ich ebenso wenig wie die überbordende Werbung, mit der YouTube die Zuschauer inzwischen zuschüttet. Wer ab und zu ein Mountainbike-Video von mir sehen will: Auf https://tube.tchncs.de/a/oldmanriding/video-channels habe ich mir einen kleinen Kanal angelegt.

Die genannte Instanz scheint mir bislang noch spinnerfrei zu sein. Leider kann ich auch sicher sein: Meine Lieblings-YouTuber wird’s nicht so bald hierhin verschlagen. Ebenso wenig wie meine Lieblings-Twitterer sich in größerer Zahl mit dem Mastodon anfreunden werden. Aber was soll’s, wenn mir nach “Lautsprecher” ist, kann ich ja jederzeit wieder zurück. Es ist eine Sache, in einer lauten, versifften, heruntergekommenen Stadt zu leben, und eine andere, von Zeit zu Zeit dort als Besucher aufzutauchen, weil es nur dort diesen einen Dönerladen gibt. Und wenn dann JR um die Ecke kommt, geh’ ich halt wieder.

Drei Bücher für ein besseres Gedächtnis, mehr Kreativität und klügeren Umgang mit Feedback

(Disclaimer: Bei den Links in diesem Beitrag handelt es sich um Affiliate Links. Wenn Sie ein Buch darüber kaufen, erhalte ich eine kleine Provision. Für Sie ändert sich der Preis jedoch nicht.)

Moonwalking with Einstein, Joshua Foer

Kernthese: Wer sich ein besseres Gedächtnis wünscht, könnte von diesem Buch profitieren. Der Autor erklärt die Loci-Technik, sich Dinge in einem mentalen Gedächtnispalast zu merken. Er beschreibt außerdem, wie sich unser Umgang mit dem Gedächtnis im Laufe der Geschichte verändert hat, von der Erfindung der Schrift und des Buchdrucks bis hin zum dank Internet überall verfügbaren Wissen ohne Gedächtnisarbeit.

Originals, Adam Grant

Kernthese: Kreative sind dann besonders erfolgreich, wenn sie eine große Zahl an Ideen entwickeln. Nicht jede Idee eines Kreativen wird ein Erfolg, aber je größer die Zahl der Ideen, desto wahrscheinlicher sind eine oder mehrere erfolgreiche dabei. Prokrastinieren verbessert den kreativen Prozess. Seine Ideen anzubringen, erfordert Ehrlichkeit, Geduld und kommunikatives Geschick.

Thanks for the Feedback, Douglas Stone, Sheila Heen

Kernthese: Es gibt drei Arten von Feedback: Dank, Rat und Bewertung. Wer eine negative Bewertung erhalten hat, braucht einige Tage, bis er offen für Rat ist. Bewertung und Dank sollten immer spezifisch sein. Wer erhaltenes Feedback, besonders eine negative Bewertung, als falsch beurteilt, ist eventuell auf einen blinden Fleck in der Selbstwahrnehmung gestoßen. Es lohnt, Feedback speziell von denen einzuholen, zu denen man ein gespanntes Verhältnis hat.

Hier gibt’s weitere Buchtipps.