Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

YouTube räumt Podcasts einen eigenen Bereich ein

In den USA zeigt YouTube Podcasts in einem eigenen Bereich an. Unter www.youtube.com/podcasts finden Podcast-Fans vorerst eine simple Übersicht mit YouTube-Videos, deren Inhalt Podcasts sind. Das berichtet das Online-Magazin 9to5Google. Wer die obige Adresse von Deutschland aus aufruft, erhält derzeit eine 404-Fehlermeldung.

Das Online-Magazin beschreibt das Angebot als derzeit noch sehr rudimentär. In mehreren Karussell-Ansichten können Nutzer aus populären Episoden, beliebten Playlists, Empfehlungen und beliebten Podcastern wählen und die Auswahl nach Themengebieten filtern. Die Thumbnails entsprechen derzeit noch denen anderer Videos auf der Plattform, und beim Anklicken – so 9to5Google – öffnet sich auch nur der Standard-Player, noch ganz ohne podcast-spezifische Bedienelemente.

Ob, und wie schnell sich das ändert, und wann das dedizierte Podcast-Angebot auch in anderen Ländern verfügbar werden wird, darüber haben sich Verantwortliche von YouTube noch nicht geäußert. Podcasts stärker in den Fokus seines Angebots zu nehmen, ist für die Videoplattform aber nur konsequent. Wie The Verge berichtet, ist YouTube in den USA bereits jetzt die meistgenutzte Podcasting-Plattform.

Für die Rezipienten stellen sich Podcasts auf der Videoplattform dann künftig wohl eher wie Talkshows dar – mit dem Unterschied, dass sie je nach Situation auch ohne Bewegtbild funktionieren würden. Fraglich ist, ob Google mit einer globalen Einführung von Podcasts auf seiner Videoplattform das parallele Angebot Google Podcasts aufrecht erhalten oder einstellen wird.

Drei Bücher für mehr Realismus, mehr Überzeugungskraft und klügere Zielsetzungen

(Disclaimer: Bei den Links in diesem Beitrag handelt es sich um Affiliate Links. Wenn Sie ein Buch darüber kaufen, erhalte ich eine kleine Provision. Für Sie ändert sich der Preis jedoch nicht.)

Factfulness, Hans Rosling, Anna Rosling Rönnlund, Ola Rosling

Kernthese: Die meisten haben ein verzerrtes Bild der Realität, weil sie es nicht auf empirische Daten stützen, sondern es von ihren Instinkten prägen lassen, die u. a. auf Negativität fokussiert sind. Die Autoren benennen einige dieser Instinkte, damit sich die Leser derer bewusst werden können. Das Buch vermittelt nicht nur Wissen darüber, wie wir denken, sondern auch, warum wir dabei oft falsch liegen.

Influence, Robert Cialdini

Kernthese: Der Autor beschreibt eine Reihe von Techniken und Verhaltensweisen, die sich eignen, andere zu einer bestimmten Handlung oder Haltung zu bewegen. Dazu gehören Gegenseitigkeit, Verknappung, Autorität, Konsistenz, Zuneigung, Assoziationen und Konsens. Das Buch eignet sich nicht nur für Leser, die gern andere überzeugen wollen, sondern kann auch hilfreich sein, die Manipulationstaktiken anderer zu durchschauen.

OKR: Objectives & Key Results, John Doerr

Titel des englischen Originals: Measure What Matters

Kernthese: Der Autor rät Verantwortlichen in Unternehmen, ihre Ziele mit OKRs zu definieren (Objectives and Key Results), und erläutert, wie große Unternehmen wie etwa Google dieses Konzept umsetzen. Er erklärt auch, welche Unternehmenskultur und welche Art von Führung dazu nötig sind. Als häufige Hindernisse benennt er fehlende Transparenz und Micromanagement.

Hier gibt’s weitere Buchtipps.

Mit Uralt-Technik: CCC knackt Videoident-Verfahren

Gängige Videoident-Verfahren lassen sich mit einfachen Mitteln überlisten. Das konnte ein Sicherheitsforscher des Chaos Computer Club nachweisen: Er verschaffte sich dazu unter falscher Identität Zugriff auf die Patientenakte einer Testperson.

Bei Videoident-Verfahren erscheinen Antragsteller gewöhnlich samt Ausweisdokument vor einer Videokamera. Auf der Gegenseite prüfen Mitarbeiter, unterstützt von Algorithmen, die Identität der Person im Video. Die Verfahren werden unter anderem von Krankenversicherungen, aber zum Beispiel auch von vielen Banken eingesetzt.

Wie der CCC in seiner aktuellen Pressemitteilung erklärt, konnte Sicherheitsforscher Martin Tschirsich nur mit Open-Source-Software und etwas Aquarell-Farbe sechs Videoident-Lösungen überlisten. In dem in seinem Bericht beschriebenen Fall hat Tschirsich Zugriff auf die Gesundheitsdaten einer eingeweihten Testperson erlangt, „darunter eingelöste Rezepte, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, ärztliche Diagnosen sowie Original-Behandlungsunterlagen“.

In der Pressemitteilung heißt es weiter, der Angriff sei von einem interessierten Hobbyisten und erst recht von motivierten Kriminellen in kurzer Zeit und mit geringem Aufwand ausführbar. Daher sei das Risiko des weiteren Missbrauchs als hoch einzuschätzen.

Eine erste Konsequenz hat die Veröffentlichung des CCC bereits gezeitigt: Die Gesundheitsagentur Gematik hat den Krankenkassen die weitere Nutzung von Videoident-Verfahren untersagt. Künftig müssen Patienten wieder vor Ort erscheinen, etwa, um das Anlegen einer elektronischen Patientenakte zu beantragen. Ein endgültiges Aus bedeutet das jedoch nicht: “Über die Wiederzulassung von Videoident-Verfahren kann erst entschieden werden, wenn die Anbieter konkrete Nachweise erbracht haben, dass ihre Verfahren nicht mehr für die gezeigten Schwachstellen anfällig sind”, ließ die Gematik verlauten.

Personalisierter Content: Wenn der Algorithmus dich besser kennt als deine Eltern

Filmempfehlungen von Netflix, Kauftipps von Amazon, Hörtipps von Spotifiy haben eines gemeinsam: Sie treffen sehr oft präzise die Wünsche des einzelnen Konsumenten. Und denen ist das ganz recht, ersparen ihnen die Vorschläge doch viel Zeit, die sie sonst beim Durchstöbern der Inhalte verbringen würden. Suspekt ist den meisten derart personalisierter Content dennoch. Zu Recht.

“Heute wieder die Calamaris?” – Die Kellnerin in unserem Stammrestaurant weiß längst, was meine Frau bestellen wird, als sie an unseren Tisch kommt. Sie liegt, wie meistens, richtig. Das ist gut für’s Geschäft, und gut für uns. Mit seinen Bedürfnissen und Wünschen wahrgenommen zu werden, sorgt bei den meisten Konsumenten für ein behagliches Gefühl, und die geben deshalb bereitwillig Geld aus und noch ein großzügiges Trinkgeld obendrauf.

Ein Algorithmus vergisst nicht

Nun ist es eine Sache, ob die Kellnerin in unserem Stammrestaurant weiß, welche Gerichte Schatz und ich bevorzugen, und dass ich nach jedem Essen noch einen doppelten Espresso bestelle. Und eine ganz andere Sache, welche Datenmengen die Algorithmen der sozialen Netze, Onlineshopping-Anbieter und Streaming-Dienstleister von mir kennen.

Allein aus den Titeln der Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, ließe sich eine ziemlich präzise Persönlichkeitsstudie erstellen (lassen wir einmal außer acht, dass ich den Inhalt einiger weniger davon für derart verachtenswert hielt, dass ich sie sorgfältig zerfetzt dem Altpapier zuführte). Nehmen wir dazu die Filme, die ich mir angesehen, und die, deren Ansehen ich abgebrochen habe, die Tweets, auf die ich reagiert und die Twitter-Nutzer, die ich geblockt habe, meine favorisierten YouTube-Videos und meinen Suchverlauf.

In Summe dürften diese Informationen ausreichen, um einen ziemlich perfekten Klon meines Bewusstseins zu schaffen. Zweifellos ein Segen für die Menschheit, aber irgendwie auch gruselig.

“Irgendwie auch gruselig” war zwar keine zur Wahl stehende Antwort, die der Marktforscher Toluna bei der Arbeit am Social-Media-Atlas 2022 der Hamburger Kommunikationsberatung Faktenkontor vorgegeben hatte, dennoch fasst diese Aussage gut zusammen, wie personalisierter Content bei den Nutzern ankommt.

Tatsächlich sehen rund drei von vier der befragten Nutzer personalisierten Content kritisch: 79 Prozent der Social-Media-Nutzer, würden lieber im Web 2.0 surfen, ohne dass die Anbieter dabei ihr Nutzungsverhalten tracken. 75 Prozent fühlen sich dabei regelrecht “beobachtet”, wenn ihnen Vorschläge angezeigt werden, die sich klar mit ihrem Nutzungsverhalten decken. Aber: Mehr als die Hälfte der Nutzer gaben an, den Vorschlägen des Algorithmus manchmal bis häufig zu folgen.

Wer jetzt denkt “Genau wie bei der Kellnerin”, der übersieht eine Kleinigkeit: Restaurants müssen hierzulande strenge Kontrollen über sich ergehen lassen. Die Kellnerin dürfte uns nicht vergiften, selbst wenn wir das wollten. Der Algorithmus schon.

Für den aktuellen Social-Media-Atlas (Hamburg, Mai 2022) wurden 3.500 nach Alter, Geschlecht und Bundesland repräsentative Internetnutzer ab 16 Jahren in Form eines Online-Panels zu ihrer Social-Media-Nutzung befragt. Die Umfrage führte Marktforscher Toluna im Dezember 2021 und Januar 2022 durch.

Lokale Suche im sozialen Netzwerk: Instagram zeigt Umgebungskarten

Instagram zeigt Karten der Umgebung - und Nutzerprofile als Ortsmarken.

Wer bislang in einer ihm nicht vertrauten Umgebung ein schickes Café oder einen fotogenen Springbrunnen aufspüren wollte, fragte entweder einen Ortskundigen oder nutzte Google Maps. Der letztgenannte Dienst bekommt starke Konkurrenz: Jetzt zeigt auch Instagram Karten der Umgebung.

Eine geografische Suche in Instagram gibt es schon länger. Dazu musste der Nutzer nach Eingabe eines Suchbegriffes auf die Ortsmarke tippen und konnte anschließend aus Suchergebnissen wählen, die zu dem Suchbegriff passten. Jetzt zeigt Instagram auch gleich die passende Karte der Umgebung. Vorgestellt wurde die Funktion kürzlich auf dem offiziellen Twitter-Kanal von Instagram:

Der Nutzer kann dann die übrigen Elemente nach unten wegschieben und sich mit Fingerbewegungen auf der Karte orientieren. Je nach (mit zwei Fingern justierbarem) Maßstab sieht er dann mehr oder weniger Orte in der Umgebung. Tippt er auf einen der angezeigten Orte, gelangt er zum entsprechenden Nutzerprofil auf Instagram.

Das bietet nicht nur Influencern mehr Chancen, entdeckt zu werden. Auch die Betreiber schicker Cafés, Restaurants und Inhaber anderer fotografierenswerter Örtlichkeiten können über die Karten auf Instagram auf sich aufmerksam machen. Noch ist die Kartenfunktion allerdings etwas umständlich zu erreichen – wenn sich aber erst herumgesprochen hat, dass Instagram Karten mit Orten zeigt, die “instagrammable” sind, dürfte die Funktion bald rege genutzt werden.

Google Glass: Mitarbeiter testen neuen Prototyp der AR-Brille

“Ein paar Dutzend Mitarbeiter und einige ausgewählte vertrauenswürdige Tester” probieren derzeit den Prototyp einer neuen AR-Brille aus dem Hause Google aus. Google hat erst kürzlich den Prototyp einer solchen Brille vorgestellt, der die Übersetzung gesprochener Worte in Echtzeit im Sichtfeld des Nutzers anzeigt.

Die Einsatzmöglichkeiten von Augmented Reality gehen jedoch deutlich darüber hinaus. Deshalb – und weil manche Erfahrung in geschlossenen Räumen eine andere ist als unter freiem Himmel – testet Google die Prototypen seiner neuesten AR-Brille jetzt auch außer Haus. Dass Google explizit auf die sehr kleine Zahl von Testern hinweist, dürfte nicht zuletzt an den Erfahrungen liegen, die das Unternehmen mit der ersten Generation der “Google Glass” machen konnte. Damals, im Jahr 2014, waren Träger der Datenbrille tätlich angegriffen worden – und wohl auch andere Brillenträger, deren Gestelle entsprechenden Verdacht erregt hatten. Google stellte den Verkauf kurz danach ein. Seit 2019 können Unternehmen die Google Glass Enterprise Edition 2 kaufen,

Die Prototypen sollen mit Kameras, Mikrofonen und Display-Gläsern ausgestattet, aber in ihren Funktionen stark limitiert sein. So bieten sie nach Angaben von Google weder die Möglichkeit, Fotos aufzunehmen noch Videos aufzuzeichnen, auch wenn die AR-Brillen Bilddaten auswerten, um etwa Speisekarten zu übersetzen oder dem Träger den Weg ins nächste Café zu weisen. Google verspricht, dabei die Privatsphäre der Träger ebenso zu schützen wie der Menschen in deren Umgebung.

Meinung: Darum ist das Metaverse eine Schnapsidee

Das nächste große Ding, so erwartet es Mark Zuckerberg, wird das Metaverse. Was das genau werden soll, dazu finden sich unterschiedliche Definitionen, die sich aber auf einige Gemeinsamkeiten herunterbrechen lassen: Das Metaverse wird eine künstliche Welt, in der digitale Technologie für Sinneseindrücke sorgt. Wer das Metaverse betreten will, benötigt dazu mindestens eine VR-Brille, sehr wahrscheinlich aber umfangreichere technische Ausrüstung. Letztere sorgt neben dem optischen auch für ein akustisches, haptisches, olfaktorisches (?) Erleben dieser Welt.

In dieser virtuellen Welt sollen sich Menschen dem-über-nächst überwiegend aufhalten, so hoffen Zuckerberg und andere, die bereits viel Geld in deren Entwicklung investiert haben. Dort sollen sie arbeiten, dort sollen sie einkaufen, dort sollen sie Kultur genießen, Kontakte pflegen, Sport treiben…

Die Vorteile, die eine virtuelle Welt gegenüber der physischen Realität hat, sind nicht wegzudiskutieren: Ein Meer von perfektem Blau, das sanft an einen sonnenbeschienenen Sandstrand brandet, dessen Sand nicht in unsere Schuhe rieselt. Kein Sonnenbrand, keine Feuerquallen, und vor allem: Keine Anfahrt. Um vom virtuellen Arbeitsplatz an den präferierten virtuellen Freizeitort zu gelangen, genügen – je nach Eingabegerät – ein paar Mausklicks, ein gesprochener Befehl oder auch bloß ein Gedanke. Durch die perfekten virtuellen Orte bewegen sich Menschen mit makellosen virtuellen Körpern, ganz ohne Bierbäuche, Zahnlücken oder Schweißfüße.

Leben am Sehnsuchtsort?

Würden Menschen im Metaverse leben wollen, wenn die Technik weit genug entwickelt wäre? Ein paar sicher. Was einen Erfolg denkbar macht: Menschen geben heute schon viel Geld für virtuelle Güter aus. Für NFTs zum Beispiel oder in Pay-to-Win-Videospielen. Menschen tauchen auch heute schon für kürzere oder längere Zeit in virtuelle Welten ab. Was ist eine Zoom-Konferenz anderes als ein virtueller Besprechungsraum? Und was ist Amazon anderes als ein riesiges digitales Warenhaus, bloß dass ich keinen Einkaufswagen durch dessen Gänge schieben muss? Und was ist Netflix anderes als eine riesige Sammlung virtueller Welten, wenn auch noch nicht in 3D?

Wenn das Stichwort 3D fällt, dann könnte manchem Metaverse-Investor schwanen, warum das Metaverse vielleicht doch kein Massen-Magnet werden könnte. Das Metaverse, so wie es derzeit gedacht ist, setzt zwingend Hardware voraus, die Menschen sensorische Eindrücke vermittelt und dazu am Körper getragen wird. Minimalausstattung: Eine Brille. Eben jener Gegenstand, am dem das 3D-Fernsehen letztlich gescheitert ist.

Nicht mal Brillenträger mögen Brillen

Und das lag nicht an den Preisen. Meinten die 3D-TV-Hersteller der ersten Stunde noch, der Käuferansturm sei wegen der teuren Shutterbrillen ausgeblieben, mussten auch die Hersteller, die auf preisgünstige Polfilter-Technik setzten, erkennen: Niemand will mit Brille vor seinem Fernseher sitzen. Zwischendurch rufen menschliche Bedürfnisse. Und dann soll der Fernsehzuschauer mit einer Brille, durch die er nur seinen Fernseher scharf sehen kann, zum Kühlschrank oder ins Bad laufen?

Das Metaverse wird also am Unwillen der Konsumenten scheitern, über viele Stunden hinweg Brillen, Helme, gar komplette Sensoranzüge zu tragen, um in die virtuellen Realitäten einzutauchen. Es sei denn, das Erlebnis ist derart immersiv, dass die Nutzer völlig vergessen, dass sie sich nicht in der physischen Realität befinden. Daran werden sie aber spätestens dann erinnert, wenn sie das Bedürfnis nach Nahrung verspüren, mehr noch, wenn sie den Verdauungsprozess abgeschlossen haben. Ja, man könnte Anzüge mit eingebautem Klo entwickeln. Aber ehrlich, schon der Gedanke lässt die Idee eines Metaverse als ziemlich beschissen erscheinen.

Ja, Menschen nutzen virtuelle Realität (auch im engeren Sinne) schon jetzt, und sie geben sogar Geld für entsprechende Brillen aus. Und, zugegeben, auch die physische Realität ist mancherorts ziemlich beschissen, eine “kleine Flucht” erscheint da mitunter verlockend. Für die meisten wird es aber bei ein paar Tages-, oder eher Stundenausflügen bleiben. Nicht mal Brillenträger mögen Brillen. Und wenn, dann solche über einer Keramikschüssel. Einer physischen.

Ideenflaute? Das “Buch für Ideensucher” liefert frischen Wind

Vorweg, „Das Buch für Ideensucher – Denkanstöße, Inspirationen und Impulse für Kreative“* von Philipp Barth eignet sich nur sehr bedingt zur Lösung physikalischer, medizinischer oder sozialer Probleme. Aber wo kreative Ideen rund um Texte, Bilder, Videos oder Aktionen gefragt sind, kann das Buch wertvolle Anregungen liefern.

Der Autor hat in dieses Buch seine Erfahrung als Creative Director der Werbeagentur Jung von Matt einfließen lassen. Eine Kernthese seines Buches lautet: „Jeder kann Ideen haben“. Auf gut 300 Seiten liefert er etliche Denk- und Ausdenk-Techniken, Methoden zur Ideensuche in Teams und einzeln, beschreibt die Jahrtausende alte Technik des Storytelling und rundet den Inhalt mit einer Reihe guter Tipps dazu ab, wie sich gute Ideen auch gut verkaufen lassen.

Das Buch für Ideensucher richtet sich zwar in erster Linie an Leser, die im weitesten Sinne etwas mit Marketing, und da speziell mit Content Marketing, zu tun haben, aber auch andere – etwa Schriftsteller, Drehbuchautoren, Foto- und Videografen können die Anregungen in diesem Buch für ihre Arbeit nutzen.

Dabei ist das Buch kurzweilig zu lesen, gegliedert in viele nicht all zu lange Abschnitte, die der Autor mit Beispielen, Anekdoten und ein paar Illustrationen auflockert. Das eine oder andere Kapitel hat es verdient, auch zwei oder drei Mal gelesen zu werden.

*Disclaimer: Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate Link. Wenn Sie ein Buch darüber kaufen, erhalte ich eine kleine Provision. Für Sie ändert sich der Preis jedoch nicht.

Nur Instagram legt zu: Meta-Dienste WhatsApp und Facebook verlieren Nutzer

Die vom Meta-Konzern angebotenen Dienste WhatsApp und Facebook haben in Deutschland seit 2019 etliche Nutzer eingebüßt. Einzig Instagram konnte regelmäßige Nutzer hinzu gewinnen. Das zeigt eine Umfrage des Statista Global Consumer Survey.

Die gute Nachricht für Mark Zuckerberg: Viele Entscheidungen des Meta-Konzerns zu Instagram kommen gut an. Der Anteil regelmäßiger Nutzer legte in Deutschland von 2019 (38 Prozent) um 22 Prozentpunkte auf 60 Prozent zu. Neben einigen Änderungen bei den Stories und einem Zurückfahren der Aktivitäten rund um IGTV dürfte das vor allem den Reels geschuldet sein, mit denen Meta ein Gegenangebot zur äußerst erfolgreichen Plattform TikTok aufgebaut hat.

Die schlechte Nachricht für Mark Zuckerberg: So viele Prozentpunkte, wie Instagram zugelegt hat, haben WhatsApp und Facebook gemeinsam verloren – trotz einer Reihe neuer Funktionen und, was Facebook betrifft, einer stärkeren Fokussierung auf Video-Inhalte. Bei den 18-29 Jährigen sind sogar nur noch rund die Hälfte der Befragten regelmäßig bei Facebook unterwegs.

Meta-Dienste WhatsApp und Facebook: Im dritten Jahr in Folge sinkt die Zahl aktiver Nutzer
Die Meta-Dienste WhatsApp und Facebook verzeichnen seit 2020 in jeden Jahr einen Rückgang der aktiven Nutzer (Grafik: Statista)

Die Gründe für die rückläufige Nutzung von WhatsApp und Facebook dürften vielfältig sein. So gibt es zum Messenger WhatsApp inzwischen eine ganze Reihe von Alternativen, während bei Facebook die direkte Kommunikation mit anderen Nutzern zunehmend unerfreulicher wird. Das letztgenannte Problem ist zwar ein gesellschaftliches, und betrifft in der einen oder anderen Form alle Meta-Dienste (ebenso wie die Dienste der Wettbewerber). Mit seinem inkonsequenten und wenig transparenten Umgang mit Hass auf seiner Plattform dürfte Facebook aber so manche Nutzer vergrault haben.

Whatsapp, und warum ich froh bin, dass meine Freunde keine Telepathen sind

In meiner frühen Jugend dachte ich manchmal darüber nach, wie praktisch doch telepathische Fähigkeiten wären. Heute verfügt die Menschheit über Technologie, die ihr eine zumindest vergleichbare Fähigkeit verleiht. Und ich hasse sie (also nicht die Menschheit, außer wenn ich mal wieder etwas zu lang auf Twitter war, sondern diese Technologie).

Ein Vertreter dieser Technologie schmückt sich mit dem Symbol einer Sprechblase vor grünem Hintergrund und hört auf den Namen WhatsApp – wobei “hört” nicht ganz richtig ist. WhatsApp und seine Artgenossen sind nicht mit Sinnen ausgestattet, und mit Verstand schon gar nicht. Oder Takt. Ob ich gerade ein Frühstücksei köpfe, tief versunken in ein kluges Buch bin oder über einem Konzept für eine Artikelserie grüble – der mal mehr, mal weniger dezente Signalton von WhatsApp reißt mich heraus. Eigelb läuft mir über die Finger. Die zuletzt gelesenen Zeilen meines Buchs verschwinden auf dem Weg vom Kurzzeit- ins Arbeitsgedächtnis. Und ereilt mich mal ein Geistesblitz, dann ist WhatsApp ein verlässlicher Blitzableiter. Rom wurde nicht an einem Tag gebaut. Aber wäre Rom überhaupt gebaut worden, hätten Romulus und Remus damals schon WhatsApp gehabt?

Kommunikation in Echtzeit?

Nein, ich bin kein Technikhasser. Selbst WhatsApp und Co. bieten unbestreitbar Nutzen: Um sich schnell innerhalb einer Gruppe abzustimmen etwa. Um Nachrichten auszutauschen, wenn für ein Telefonat nicht die passende Zeit ist. Das Problem ist: Die meisten Nutzer begreifen einen Messenger als Werkzeug der Echtzeit-Kommunikation und verwenden ihn auch so. Hören sie den Benachrichtigungston, greifen sie sofort zu ihrem Smartphone, lesen (oder hören) die Nachricht und schicken eine Antwort. Und dafür unterbrechen sie, was auch immer sie gerade tun.

Wer braucht also noch telepathische Fähigkeiten, wenn er WhatsApp hat? Will ich jemandem meine Gedanken übertragen, texte ich sie ihm einfach – der Weg von meinem in sein oder ihr Hirn führt über Mobilfunk und Internet statt über irgendwelche mystischen Kanäle, aber er erreicht sein Ziel.

Messenger ≠ Telepathie

Dass es einen entscheidenden Unterschied zwischen WhatsApp und telepathischen Fähigkeiten gibt, merkte ich, als ich mein Smartphone vor einiger Zeit vor einer Trauerfeier in den Flugmodus schaltete, und dann einige Stunden nicht mehr daran dachte. Stunden, in denen mein Kopf ganz mir und den Menschen in meiner Umgebung gehörte. Ich bekam ein paar Nachrichten deshalb erst einige Stunden später, aber verpasst habe ich nichts.

Seitdem habe ich das öfter gemacht – nicht mit dem Flugmodus, sondern einem speziellen Nicht-Stören-Modus, der dringende Anrufe durchlässt, aber alle übrigen Benachrichtigungen stummschaltet. Ich habe mal nachgesehen: Gestern hat mir jemand um 23:42 Uhr noch eine WhatsApp-Nachricht geschickt, und heute morgen eine um 6:03 Uhr. Gestört haben mich beide nicht, denn zu sehen bekommen habe ich sie erst nach dem Frühstück. Gut, dass meine Freunde keine Telepathen sind.

Andererseits: Gäbe es Telepathie, dann gäbe es sicher auch dafür einen Nicht-Stören-Modus. Den gibt’s ja auch für die gute alte verbale Kommunikation. “Einfach nicht zuhören” ist immer eine Option.

Unterstützt Instagram bald gründlicheres Blockieren?

“Igitt, bist du fett!” “Lösch dich, du nutzloses Stück!” Jeden Tag, unter jedem neuen Instagram-Beitrag fand Nathalie solche Kommentare. Und sie alle stammten von ein und demselben Nutzer. Einige Wochen ignorierte sie ihn, aber das schien ihm egal zu sein. Sie entschloss sich, ihn auf Instagram zu blockieren. Dann war Ruhe – für zwei ganze Tage.

Einen anderen Nutzer auf Instagram zu blockieren, führt nicht immer zum gewünschten Ziel. Während manche Trolle ihre Provokationen an anderer Stelle fortsetzen, sind andere hartnäckiger. Noch vor einiger Zeit genügte es, als Blockierter einfach ein neues Instagram-Konto zu eröffnen, um seinen alten miesen Charakter unter einem neuen Benutzernamen auszuleben. Dem hat Instagram aber schon länger einen Riegel vorgeschoben – wer ein neues Konto eröffnet, nachdem ihn jemand blockiert hat, bleibt für die entsprechenden Instagram-Konten blockiert.

Anders sieht das bislang aus, wenn ein Troll bereits eine Reihe von Instagram-Konten erstellt hat, bevor seine Opfer ihn blockiert haben. Er konnte dann einfach eines seiner nicht-blockierten alten Konten verwenden. Der Twitterer Alessandro Paluzzi hat einen Screenshot gepostet, der nahelegt, dass man dieses Konzept bei Instagram noch einmal überdacht hat:

Wenn Instagram diese Funktion einführt, bleiben hartnäckigen Trollen zwar immer noch eine ganze Reihe von Möglichkeiten – unbequemer wird das Stalken, Mobben und Pöbeln aber definitiv.

Nathalie war es irgendwann zu bunt, und sie hat ihren Dauerpöbler gemeldet – und Instagram hat dessen Konto auch tatsächlich gesperrt, samt sämtlicher verbundener Konten. Sie ist schon gespannt, wann er wieder da ist, und wie er sich dann nennen wird.

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