Kategoriearchiv: Nachrichten

Druck auf Journalisten nimmt international zu

Weltweit sind derzeit mindestens 384 Journalisten im Gefängnis. Nach dem Putschversuch in der Türkei ist allein die Zahl der dort inhaftierten Journalisten auf mehr als 100 angestiegen. Das geht aus der Jahresbilanz der Pressefreiheit hervor, deren Reporter ohne Grenzen heute vorgestellt hat. “Die Hexenjagd gegen Journalisten in der Türkei sprengt alle bekannten Dimensionen”, kommentiert ROG-Vorstandssprecherin Britta Hilpert diese Zahlen.

Neben der Türkei ist China das Land weltweit mit den meisten Medienschaffenden, die wegen ihrer Arbeit im Gefängnis sitzen. Derzeit sind es mindestens 103, darunter 81 Blogger und Bürgerjournalisten.

Entführt sind weltweit derzeit 52 Medienschaffende – und zwar ausnahmslos in Syrien, im Jemen oder im Irak. 21 von ihnen befinden sich in der Gewalt der Dschihadistenmiliz “Islamischer Staat”. Im ostafrikanischen Burundi ist ein Journalist im Lauf des Jahres verschwunden. Als verschwunden zählt Reporter ohne Grenzen Journalisten, wenn es weder hinreichende Belege noch eine glaubwürdige Bekennererklärung für ihren Tod oder ihre Entführung gibt.

[aesop_document type=”pdf” src=”https://www.reporter-ohne-grenzen.de/uploads/tx_lfnews/media/Jahresbilanz_der_Pressefreiheit_2016__Teil_1_.pdf” caption=”Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016, Teil 1″]

Facebook zeigt 360-Grad-Videos ab jetzt auch als Livestream

‘Live 360’ heißt Facebooks neueste Möglichkeit, Bewegtbilder live in die Welt zu senden: Während das mit konventionellen Videos schon länger möglich ist, können Facebook-Nutzer von jetzt an auch 360-Grad-Videos live streamen. Die Zuschauer sollen so die Möglichkeit erhalten, noch tiefer ins Geschehen einzutauchen. Den Anfang macht ein Rundum-Video von der Mars Desert Research Station in Utah, USA, das National Geographic am Dienstagabend aussendet.

Bislang können nur ausgewählte Facebook-Nutzer respektive Betreiber von Facebook-Seiten die Live-API nutzen, um Livestreams mit 360-Grad-Videos zu zeigen. In den kommenden Monaten will Facebook diese Möglichkeit ausweiten, irgendwann im Jahr 2017 soll die Funktion dann für alle Profile und Seiten zur Verfügung stehen.

Die Zeit der Tatsachen ist vorbei! ‘postfaktisch’ ist Wort des Jahres 2016

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat den Begriff postfaktisch zum Wort des Jahres 2016 gekürt. In der Begründung heißt es, das Kunstwort verweise darauf, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten seien in ihrem Widerwillen gegen “die da oben” bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren.

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Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Jahreswörterwahl schaffte es 2016 ein Adjektiv auf Platz 1: Als die GfdS 1971 erstmals die Wörter des Jahres kürte, belegte aufmüpfig den ersten Platz.
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Die GfdS wählt alljährlich zehn Wörter und Wendungen aus, “die den öffentlichen Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet haben.” Das dokumentieren auch die Wörter, die in diesem Jahr auf den weiteren Plätzen gelandet sind:

  1. Brexit
  2. Silvesternacht
  3. Schmähkritik
  4. Trump-Effekt
  5. Social Bots
  6. schlechtes Blut
  7. Gruselclown
  8. Burkiniverbot
  9. und

  10. Oh, wie schön ist Panama

Wie sehr auch Einzelpersonen den öffentlichen Diskurs bestimmen können, zeigen insbesondere die Wörter Schmähkritik (Jan Böhmermann, der mit seinem Schmähgedicht auf das türkische Staatsoberhaupt die Grenzen der Satire auslotete), Trump-Effekt (Donald Trump, dessen Wahl zum US-Präsidenten Wegbereiter für andere Mehrheitsentscheidungen werden könnte) und schlechtes Blut (Recep Tayyip Erdoğan, der damit türkischstämmige Abgeordnete des deutschen Bundestags brandmarken wollte, die für die Armenien-Resolution gestimmt hatten).

Ein neues Theme, individuelles CSS und viel unter der Haube: WordPress 4.7 ist da!

Die eben erschienene WordPress-Version 4.7 bringt neben dem nagelneuen Standard-Theme Twenty Seventeen eine Reihe von Neuerungen mit. So bietet der Customizer mehr Komfort beim Anpassen eines Themes, und bietet insbesondere die Möglichkeit, eigene CSS-Anweisungen zu hinterlegen. Mehrsprachige Redaktionsteams werden es schätzen, dass sie die Sprache im Backend jetzt auf Benutzerebene festlegen können, und Entwickler finden etliche neue Optionen unter der Haube.

Reporterpreis 2016: Reporter-Forum prämiert exzellenten Journalismus

Harte Arbeit für die Jury des Reporter-Forums: In diesem Jahr erhielt das Forum 1473 Beiträge für den Deutschen Reporterpreis, von denen schließlich 91 nominiert wurden. Hier die Preisträger:

Zwei Reportagen erhalten Reporterpreis für die beste Reportage

Die Auszeichnung als beste Reportage teilen sich gleich zwei Werke – eines aus Guantanamo, eines aus dem syrischen Dorf Tel Goran.

Beste Investigation

Ein Informant, 400 Journalisten: Ausgezeichnet als beste Investigation hat die Jury die Auswertung eines Datenpakets, die wohl noch lange nicht abgeschlossen ist.

Bester Essay

Macht es einen Unterschied, ob Männer oder Frauen im Wahlkampf gegeneinander antreten? In einem erstaunlichen Essay sucht Lara Fritzsche nach der Antwort auf diese Frage.

Beste Lokalreportage

Messer, Pistolen, Schlagstöcke: Ein örtlicher Waffenhändler, dessen Geschäfte immer besser laufen, ist Gegenstand dieser Reportage.

Beste Kulturkritik

Benjamin von Stuckrad-Barre und sein Werk Panikherz mussten sich dieser Kulturkritik stellen.

Zwei Werke erhalten Reporterpreis für die beste Wissenschaftsreportage

Ein Medikamentenhersteller, der ein vielleicht lebensrettendes Medikament nicht liefern will, und das, was sich in einem Körper abspielt, wenn er stirbt: Auch hier hat die Jury zwei Reportagen prämiert.

Bester freier Reporter

Herkunft contra Unterricht: Wie es um die Chancengleichheit im deutschen Schulsystem bestellt ist, beleuchtet Björn Stephan.

Bestes Interview

Die Eltern dreier Schülerinnen, die ihr Leben beim herbeigeführten Absturz der Germanwings-Flug 9525 im März 2015 haben mit Kerstin Herrnkind und Dominik Stawski vom Stern über die Tragödie gesprochen.

Innovation

Ausgezeichnet in dieser Kategorie wurde das erste gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum, Correctiv.

Datenjournalismus

An zwei von drei Tagen brannte 2015 ein Flüchtlingsheim. Gefasst oder gar verurteilt wurde kaum einer der Täter. Wie das sein kann, dem ist ein Team von Datenjournalisten auf den Grund gegangen.

Webreportage

Elisabeth Weydt, Jakob Fuhr und Christine Anas sind die Preisträger*innen dieser Kategorie. Ausgezeichnet wurden sie für ihre Reportage Ackerbunt.

“sachor jetzt!” – Snapchat-Projekt zur Shoah

[aesop_image imgwidth=”30%” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2016/12/sachor-jetzt.png” align=”right” lightbox=”on” captionposition=”left” revealfx=”fromright”]Taugt Snapchat für Qualitätsjournalismus? Dieser Frage gehen junge Journalisten der Axel-Springer-Akademie in den nächsten Tagen nach. Vom 5. Dezember an spüren sie dem Holocaust nach: Gespräche mit Zeitzeugen und Überlebenden, Besuche an den entscheidenden Schauplätzen der Shoah und mehr wollen sie, nach journalistischen Qualitätskriterien aufbereitet, über Snapchat-Stories ausspielen. “Die jungen Leute der inzwischen vierten Generation seit dem Holocaust werden die ersten sein, die bald keine Zeitzeugen mehr erleben”, sagt Marc Thomas Spahl, Direktor der Axel Springer Akademie.

Unter dem Titel “sachor jetzt!” geht das Projekt an den Start. Wer es auf Snapchat verfolgen will, fügt seinen dortigen Kontakten den Nutzernamen sachorjetzt hinzu. „Sachor“ ist das hebräische Wort für „Erinnere dich“ – hier setzt das journalistische Projekt an, das sich speziell an 14- bis 16-Jährige richtet.

Sieben Tage lang finden die Leser täglich bis zu drei Geschichten auf Snapchat, die sich alle mit dem Thema Holocaust beschäftigen. Dazu recherchieren und berichten die jungen Reporter der Akademie unter anderem aus Auschwitz, Minsk, Jerusalem, Prag, Berlin, Dachau, Leipzig und Sachsenhausen. Die App „Sachor“ (erhältlich für iOS und Android) wird die Snapchat-Storys in einer internationalen Version mit englischen Untertiteln dauerhaft abrufbar halten.

sachor für iOS

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sachor für Android

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Earing: Soziales Netzwerk für das gesprochene Wort

Noch im Dezember will Entwickler Hyuck Jae Lee in seiner Heimat Korea mit dem sozialen Netzwerk Earing an den Start gehen, bald darauf soll es auch international nutzbar sein. Im Zentrum des sozialen Netzwerks stehen gesprochene Nachrichten, auf die die Nutzer ihrerseits mit gesprochenen Kommentaren reagieren können.

Die Nutzer des Netzwerks können zunächst verschiedene Nachrichten und Inhalte abonnieren. Sobald diese Kopfhörer ins Handy stecken, werden die News automatisch abgespielt, wodurch sich die App auch beim Autofahren oder Sport nutzen lässt. Eine gesprochene Aufnahme ist auf 27 Sekunden limitiert. “Nach zahllosen Tests haben wir herausgefunden, dass 27 Sekunden die ideale Zeitspanne für User ist, um Inhalte zusammenfassen und zu erzählen und auch für die Personen, die sich diese Inhalte anhören, gut geeignet sind”, meint Lee. Die koreanischen Versionen der zugehörigen Apps für iOS und für Android sind bereits erhältlich.

YouTube erlaubt jetzt Livestreams in 4K-Auflösung

Maximal 3840 x 2160 Pixel, maximal 60 Bilder pro Sekunde, und auf Wunsch auch eine 360-Grad-Rundumsicht: Das sind die neuen Grenzen, die YouTube für Livestreams festgelegt hat. Aufgezeichnete Videos in 4K-Auflösung sind bereits seit 2010 möglich, seit 2015 auch mit einer Bildrate von 60 FPS. Wer Livestreams auf YouTube zeigen wollte, musste sich aber bislang mit einer Auflösung von höchstens 2560 x 1440 Pixeln bescheiden.

Sowohl Zuschauer als auch YouTuber, die selbst einen Livestream in 4K-Auflösung zeigen wollen, sind allerdings auf eine stabile Internetverbindung mit hoher Bandbreite angewiesen: YouTube nennt bei höchster Auflösung und Bildrate eine Datenrate von bis zu 51.000 Kilobit pro Sekunde. Dass zudem auch die verwendete Hardware 4K-tauglich sein muss, versteht sich von selbst.

Bundeseinheitlicher Presseausweis kommt 2018 zurück

Der seit 2008 abgeschaffte bundeseinheitliche Presseausweis wird im Jahr 2018 wieder aufleben. Darauf haben sich der deutsche Presserat und die Innenministerkonferenz geeinigt. Wie schon in der Vergangenheit werden die Verbände über die Ausgabe der journalistischen Identitätsnachweise wachen. Neu ist die Einführung einer „Ständigen Kommission“, die mit je zwei vom Deutschen Presserat und von der Innenministerkonferenz entsandten Mitgliedern besetzt ist. Sie wird unter anderem darüber entscheiden, welche Antrag stellenden Presseverbände die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Ausgabeberechtigung der bundeseinheitlichen Presseausweise erfüllen.

“Das schafft Sicherheit für alle Beteiligten und trägt damit auch zu höherer Akzeptanz journalistischer Arbeit bei“, kommentiert Cornelia Haß, Vorsitzende des Trägervereins des Deutschen Presserats, die neue Regelung. Ein schon beim alten Bundespresseausweis häufig geäußerter Kritikpunkt bleibt allerdings unangetastet: Blogger und nebenberufliche Journalisten sollen keinen solchen Identitätsnachweis erhalten, ihre Arbeit könnte damit unter Umständen erschwert werden.

Internet-Archiv bekommt Backup: Archive.org rüstet sich für die Ära Trump

Die Betreiber des Internet-Archiv Archive.org wollen eine Kopie ihres gesamten Datenbestands nach Kanada auslagern. Das hat Gründer Brewster Kahle im offiziellen Blog des Archivs angekündigt. “Die Geschichte der Bibliotheken ist eine Geschichte des Verlusts”, leitet Kahle seine Ankündigung ein. Von der neuen US-Regierung erwartet Kahle radikale Änderungen – im Hinblick auf Trumps Ankündigungen im Wahlkampf sicher nicht ganz unbegründet.

Das Backup in Kanada erfordert allerdings immense Ressourcen: Die Wayback Machine hält die historischen Daten von 279 Milliarden Websites vor und speichert pro Woche 300 Millionen Seiten. Außerdem umfasst das Internet-Archiv Fotos, Videos, Bücher und Spiele. Seit Januar 2016 gehört zum Archiv außerdem ein Political TV Ad Archive, das unter anderem Journalisten hilft, die Wahlkampfaussagen von Politikern zu prüfen.

Ungeschützter Datenverkehr: Firefox warnt demnächst noch deutlicher

Mozillas Webbrowser Firefox soll Nutzer demnächst noch deutlicher warnen, wenn diese im Begriff stehen, Daten über eine ungeschützte Verbindung zu übermitteln. Das kündigt Interface-Designer Ryan Feely in einem Tweet an:

Trägt der Nutzer ein Passwort oder andere persönliche Informationen in ein Formularfeld ein, die ohne https-Transportverschlüsselung übermittelt würden, weist Firefox ihn künftig direkt unterhalb dieses Eingabefeldes auf das Risiko hin. Seitenbetreiber, die persönliche Daten ihrer Nutzer verarbeiten, haben damit einen Grund mehr, sich um eine Transportverschlüsselung zu bemühen.

Bislang weist Firefox auf eine ungeschützte Verbindung lediglich per Ausrufezeichen in der Adresszeile hin. Ab wann die deutlicheren Warnhinweise zu sehen sein werden, steht noch nicht fest.

Deutschlandfunk: Tägliches Medienmagazin ab März 2017

Der Deutschlandfunk ersetzt sein wöchentliches Medienmagazin, das derzeit unter dem Titel “Markt und Medien” ausgestrahlt wird, im kommenden Jahr durch ein tägliches. Einen Titel hat das neue Magazin noch nicht, wohl aber einen Sendeplatz: Montag bis Freitag von 15:35 bis 16 Uhr.

“Medien stehen wie nie zuvor im Fokus der Öffentlichkeit. Daher braucht es mehr Orte wie diesen, um zu reflektieren, wie Medien funktionieren, um transparent zu machen, wie wir Journalisten arbeiten”, zitiert Ulrike Simon in ihrem Bericht für das Redaktionsnetzwerk Deutschland den Deutschlandfunk-Kulturchef Matthias Giert. Den Ausschlag dafür, von einem wöchentlichen auf ein wochentägliches Medienmagazin umzusteigen, gab das offenkundig große Interesse der Hörer: Die Hörerzahlen am Sonnabend zwischen 16 und 17 Uhr seien regelmäßig höher als die der Sendung davor und der danach, heißt es in dem Beitrag.