Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

Zur neuen Wohnung per VR: Jeder zweite würde Immobilien in der Virtual Reality besichtigen

Rund 52 Prozent aller Deutschen sind offen dafür, sich eine neue Wohnung zunächst in der virtuellen Realität anzusehen. Wie eine Umfrage von Bitkom Research belegt, würde mehr als jeder vierte davon nach einer ausschließlich virtuellen Besichtigung einen Mietvertrag unterschreiben.

Tatsächlich haben vier Prozent der Befragten bereits eine virtuelle Hausbesichtigung hinter sich. Immobilien in der Virtual Reality zu besichtigen, erspart den Interessenten Anfahrtswege und Terminvereinbarungen. Allerdings lassen sich längst nicht alle Aspekte, die bei Kauf oder Miete eine Rolle spielen, virtuell erfahren: Während Raumaufteilung und – authentisches Bildmaterial vorausgesetzt – Helligkeit der Räumlichkeiten per VR erfahrbar ist, bliebe ein feuchter Geruch oder das Knirschen von Fußbodendielen dem VR-Besucher verborgen. Wer sich ein ungefähres Bild davon machen möchte, wie sich Immobilien in der Virtual Reality besichtigen lassen, kann das (auch ohne VR-Brille, direkt im Browser) beim Dienst Immoviewer bewundern.

Dennoch sind von den Befragten, die VR-Besichtigungen positiv gegenüberstehen, rund zehn Prozent theoretisch bereit, eine Immobilie auf Basis einer rein virtuellen Besichtigung zu kaufen. Bitkom Research konnte hier einen deutlichen Unterschied zwischen Männern und Frauen ausmachen: Nur sieben Prozent der VR-positiven Männer könnten sich einen Immobilienkauf auf Basis einer VR-Besichtigung vorstellen, bei den Frauen lag der Anteil bei zwölf Prozent.

Für die repräsentative Umfrage befragte Bitkom Research 1.003 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren. Gefragt wurde „Können Sie sich vorstellen, eine Immobilie künftig per Virtual Reality zu besichtigen?“; „Können Sie sich vorstellen, eine Immobilie wie eine Wohnung oder ein Haus zu mieten bzw. zu kaufen, die Sie vorher ausschließlich per Virtual Reality besichtigt haben?”

Bösartige Bots verursachen ein mehr als ein Viertel des Traffic im Internet

Bots verbreiten Propaganda, stehlen Content, verbreiten E-Mail- und Social-Media-Spam und dienen als Werkzeuge für eine Reihe weiterer krimineller Aktionen. Inzwischen verursachen schädliche Bots 27,7 Prozent des Datenverkehrs im Internet. Zusammen mit ihren gutartigen Pendants kommen sie sogar auf über vierzig Prozent.

Die Zahlen hat das Sicherheitsunternehmen Imperva veröffentlicht und in seinem Bad Bot Report für 2022 veröffentlicht. Der Anteil der Aktivitäten schädlicher Bots am gesamten Internet-Traffic ist damit gegenüber dem Vorjahr erneut um 2,1 Prozentpunkte gestiegen, während der von gutartigen (wie zum Beispiel den Crawlern von Suchmaschinen) sogar geringfügig um 0,6 Prozentpunkte zurückgegangen ist.

Infografik: Good Bot, bad Bot | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Wie der Report ausführt, gehören Kontenübernahmen zu den Hauptaktivitäten bösartiger Bots. Betrug durch die Übernahme fremder Konten ist im vergangenen Jahr um 148 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Betroffen waren Finanzdienstleister, Reiseunternehmen, alle Arten von Business-Dienstleistern und nicht zuletzt der Online-Handel.

Barrierefreie E-Mails: Gmail ermöglicht Bilder mit ALT-Text

In Googles E-Mail-Dienst Gmail lassen sich zu per E-Mail verschickten Bildern jetzt auch ALT-Texte hinterlegen. Google will damit barrierefreie E-Mails möglich machen, die auch für Blinde und Sehbehinderte nutzbar sind.

Damit Menschen mit Sehbehinderung erfahren, was auf Bildern im Internet zu sehen ist, bietet HTML die Möglichkeit, ALT-Texte zu diesen Bildern zu hinterlegen. Screenreader lesen diese Texte dann vor. Bei Webinhalten gehört das Hinterlegen von ALT-Texten zu Bildern deshalb schon seit vielen Jahren zum guten Ton.

Seit einigen Tagen bietet der E-Mail-Dienst Gmail jetzt auch eine Möglichkeit, barrierefreie E-Mails zu verfassen. Wer in die zu verschickende E-Mail ein Foto einbettet, findet nach einem Klick darauf im Fuß des Bildes nicht nur Möglichkeiten, die dargestellte Größe anzupassen, sondern auch die Option “Alt-Text bearbeiten”. Damit lässt sich zu dem Bild ein kurzer Text hinterlegen. Der sollte im Idealfall genau das beschreiben, was auf dem Bild zu sehen ist. Während ALT-Texte auf Websites oft auch dazu genutzt werden, SEO-relevante Keywords zu hinterlegen, dürfte sich die sinnvolle Verwendung in E-Mails auf eine reine Beschreibung beschränken. Empfänger mit Sehproblemen werden das zu schätzen wissen.

Vorstellungsgespräche trainieren: Google stellt ‘Interview Warmup’ vor

Ein KI-basiertes Online-Tool, mit dessen Hilfe sich Vorstellungsgespräche trainieren lassen, bietet Google mit Interview Warmup. Wer sich demnächst den Fragen eines Arbeitgebers in Spe stellen muss, kann sich damit auf diese stressreiche Situation vorbereiten. Vorerst aber wohl nur in englischer Sprache.

Interview Warmup stellt Job-Aspiranten eine Reihe von typischen Fragen und transkribiert in Echtzeit die per Mikrofon aufgezeichneten Antworten. Mit Hilfe von Mustererkennung macht das Tool anschließend auf sprachliche Eigenheiten aufmerksam, und analysiert, über welche Inhalte – etwa Erfahrungen, Fähigkeiten und Ziele – die Trainierenden in welchen Anteilen sprechen.

Google weist allerdings darauf hin, dass Interview Warmup die Antworten nicht bewertet. Wer das Tool nutzt, um damit für Vorstellungsgespräche zu trainieren, erfährt dennoch eine Menge über sich selbst, seine Art, sich zu präsentieren und die Schwerpunkte, die er in seinen Antworten eventuell unbewusst setzt. So erhalten Bewerber die Möglichkeit, an ihrer Selbstvermarktung zu feilen und gelassener in die eigentlichen Gesprächssituationen zu gehen.

Google hat Interview Warmup für Nutzer entwickelt, die ein Google Career Certificate anstreben und enthält deshalb eine Reihe von Fragen, die auf die dabei vermittelten Inhalte abzielen. Es lässt sich aber von Jedermann und -frau nutzen und umfasst auch einen großen Bereich genereller Fragen. Wer dabei nach eigenem Empfinden nicht gut abgeschnitten hat, kann das Training (mit den selben oder neuen Fragen) beliebig oft wiederholen.

Fotos auf Smartphones: Schnell geschossen, schnell vergessen

Nur gut jeder Zweite schaut Fotos auf Smartphones nach der Aufnahme noch regelmäßig an. Das ergab eine Umfrage von Bitkom Research. Noch einmal deutlich niedriger lag der Anteil der Nutzer, die ihre Fotos (und Videos) später bearbeiten – oder zumindest überschüssiges Bildmaterial löschen.

Auflösungen von über 100 Megapixeln sind auf modernen Smartphones keine Seltenheit mehr, die Geräte von der Mittelklasse an aufwärts sind immer gleich mit mehreren Kameras ausgestattet, bieten optische Bildstabilisierung und unterschiedlichste Aufnahmemodi. Der Siegeszug der Kamera im Smartphone hat den Markt für Standalone-Kompaktkameras in den vergangenen Jahren extrem ausgedünnt. Alles nur für Fotos, die sich nach dem Druck auf den Auslöser keiner mehr ansieht?

Der Eindruck drängt sich beim Lesen der Ergebnisse einer Umfrage auf, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. 44 Prozent der 1002 Befragten gaben an, sich später kaum noch mit ihren Aufnahmen zu beschäftigen. Lediglich 16 Prozent bearbeiten ihre Fotos oder Videos im Nachhinein. Aber: Nur 9 Prozent löschen Fotos oder Videos regelmäßig.

Den Smartphone-Herstellern dürften diese Ergebnisse ganz recht sein, führt ein sich stetig weiter füllender Smartphone-Speicher doch ganz natürlich zu immer träger reagierenden Geräten. Die wiederum lassen den Wunsch nach neuen Geräten reifen – mit mehr Speicher, aber, versteht sich, auch mit einer besseren und höher auflösenden Kamera.

Ein gewachsenes Bewusstsein für Nachhaltigkeit steht dem allerdings entgegen. Nach einer Studie von Euler Hermes ist die Nutzungsdauer von Smartphones in Europa auf rund 40 Monate gestiegen, das ist ein Anstieg von rund 24 Prozent gegenüber 2016. Dass viele Fotos auf Smartphones keines zweiten Blickes gewürdigt werden, ist trotzdem schade. Zumindest regelmäßiges Löschen könnte die Zeitspanne, bis sich ein Smartphone langsam anfühlt, noch einmal verlängern.

Amazon mit Erfolgen gegen gewerbsmäßige Fake-Bewertungen

Wer versucht, Waren über Amazon zu verkaufen, muss nicht lange auf solche Angebote warten. Windige Unternehmen versprechen Mehrumsatz bei Amazon durch Fake-Bewertungen. Wahlweise können Online-Händler die eigenen Produkte mit fünf, oder die der Konkurrenz mit einem Stern bewerten lassen. Gegen Aufpreis auch mit ausführlicher Rezension. Im Kampf gegen Fake-Bewertungen hat Amazon jetzt wieder einen juristischen Erfolg errungen.

Wie das Unternehmen mitteilt, haben drei große Plattformen zur Vermarktung solch zweifelhafter Dienstleistungen, Fivestar Marketing, Matronex, und AppSally ihren Geschäftsbetrieb eingestellt, nachdem Amazon juristisch gegen sie vorgegangen war. Die Plattformen hatten Fake-Bewertungen für die Amazon-Plattformen in den USA, Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien vermittelt. Nach Angaben von Amazon müssen sich jetzt rund 350.000 Verfasser gefälschter Rezensionen einen neuen Gelderwerb suchen.

Im selben Beitrag kündigt Amazon weitere juristische Schritte an – als nächstes gegen das in Hongkong beheimatete Unternehmen Extreme Rebate. In den USA und in Deutschland hat Amazon Rechtsverfahren eingeleitet – auch mit dem Ziel, Informationen über die Auftraggeber zu erhalten, um gefälschte Bewertungen, die deren Interessen dienen, noch gezielter aus dem eigenen Angebot entfernen zu können.

Amazon betont aber, über 99 Prozent der Bewertungen im eigenen Angebot seien legitim, und jede Rezension werde vor ihrer Veröffentlichung überprüft. Dazu setzt das Unternehmen nach eigenen Angaben sowohl auf Verfahren des maschinellen Lernens als auch auf erfahrene menschliche Kontrolleure.

Circle: Bringt Twitter altes Google-Plus-Feature zurück?

Twitter testet derzeit eine Funktion, die Nutzern bekannt vorkommen könnte, die seinerzeit auf Google Plus aktiv waren. Nutzer jenes sozialen Netzwerks konnten andere Nutzer in sogenannte Kreise aufnehmen und dann gezielt Nachrichten für diese Kreise verfassen. Nach einem sehr ähnlichen Prinzip funktioniert der Twitter Circle, den einige ausgewählte Twitterer derzeit nutzen können.

Ein Circle (genauer der Circle, denn derzeit können die ausgewählten Nutzer nur jeweils einen Circle erstellen) kann bis zu 150 andere Twitterer umfassen. Der Nutzer kann einzelne seiner Tweets dann gezielt an diesen Circle richten. Tweets, die an einen Circle gerichtet sind, lassen sich nicht retweeten oder teilen. Was im kleinen Kreis gesagt wurde, soll dadurch in diesem kleinen Kreis bleiben. Dass Nutzer, die sich von den Tweets getriggert fühlen, Screenshots erstellen und diese der ganzen Welt präsentieren, lässt sich freilich nicht verhindern.

Wird der Twitter Circle tatsächlich global eingeführt, hätte Twitter damit eine weitere Möglichkeit geschaffen, die Reichweite eigener Tweets bewusst einzugrenzen. Bislang lassen sich nur komplette Twitterkonten als “geschützt” kennzeichnen. Nutzer geschützter Twitterkonten können entscheiden, wer ihnen folgen und ihre Tweets lesen darf. Nutzer des Twitter Circle können dagegen mit ihren Tweets weltweit sichtbar bleiben, und gezielt einzelne Tweets an ihren “erlauchten Kreis” schicken.

Fünf Bücher für bessere Kommunikation, erfolgreicheres Marketing, produktiveres Arbeiten

(Disclaimer: Bei den Links in diesem Beitrag handelt es sich um Affiliate Links. Wenn Sie ein Buch darüber kaufen, erhalte ich eine kleine Provision. Für Sie ändert sich der Preis jedoch nicht.)

‘Deep Work’, Cal Newport

Kernthese: Deep Work, konzentriertes, fokussiertes Arbeiten über einen längeren Zeitraum bringt außerordentliche Resultate, ist aber eine rare Fähigkeit. Der Autor empfiehlt deshalb

  • feste Orte und Rituale für Deep Work
  • strikte Trennung von Arbeit und Freizeit,
  • zu lernen, Langeweile auszuhalten,
  • Social Media aufzugeben,
  • Shallow Work (Routineaufgaben, die keine hohe Aufmerksamkeit beanspruchen) auf das Notwendigste zu beschränken.

Der Autor rät außerdem dazu, jede Minute des Arbeitstages den verschiedenen Aufgaben zuzuweisen.

‘The black Swan’, Nassim Nicholas Taleb

Kernthese: Es gibt Dinge, die wir nicht wissen, und Dinge, von denen wir nicht einmal wissen, dass wir sie nicht wissen – schwarze Schwäne, die Europäer bis zur Entdeckung Australiens ausnahmslos für weiß gehalten haben. Schwarze Schwäne sind

  1. Ausreißer,
  2. mit extremen Auswirkungen,
  3. die erst in der Rückschau erklärt werden können.

Es gibt Gebiete, auf denen schwarze Schwäne mit größerer Wahrscheinlichkeit auftreten als auf anderen – sogenannte skalierbare Geschäftsfelder gehören dazu. Wer auf positive schwarze Schwäne setzt, benötigt Durchhaltevermögen.

‘Contagious’, Jonah Berger

Kernthese: Virale Verbreitung basiert auf einem oder mehreren von insgesamt sechs Faktoren:

  1. Die Inhalte dienen als soziale Währung;
  2. Die Inhalte sind mit Triggern in der Umwelt der Rezipienten verknüpft;
  3. Die Inhalte lösen Emotionen aus;
  4. Die Inhalte oder Produkte stehen in der Öffentlichkeit;
  5. Die Informationen haben praktischen Nutzen;
  6. Die Inhalte sind in Geschichten eingewoben.

‘Think Again’, Adam Grant

Kernthese: Bei jeder Kommunikation nehmen wir die Rolle eines Predigers (will überzeugen), eines Staatsanwalts (will Recht behalten) oder eines Politikers (will gefallen) ein. Der Autor empfiehlt stattdessen die Rolle eines Wissenschaftlers, der an der Wahrheit oder der besten Lösung interessiert ist.

‘Start with Why’ , Simon Sinek

Kernthese: Der Autor rät, sein Unternehmen um das Warum herum aufzubauen. Er beschreibt einen Golden Circle aus drei konzentrischen Kreisen, die von innen nach außen Warum, Wie und Was (die eigentlichen Produkte des Unternehmens) heißen. Kunden kaufen seiner Ansicht nach wegen des Warum. Er belegt das mit Dell, die ihr Unternehmen auf das Was aufgebaut haben (Computer) und deshalb ihr Angebot nicht erfolgreich auf andere Elektronik erweitern könnten – anders als Apple, die (‘think different’) im Kern ihr Warum verkörpern.

Hier gibt’s weitere Buchtipps.

Videokonferenzen schlecht für kreatives Teamwork

Die Zusammenarbeit per Videokonferenz ist seit dem Coronajahr 2020 von der Ausnahme zur Regel geworden. Für kreatives Teamwork hat diese Art der Zusammenarbeit aber deutliche Nachteile. Das zeigt eine Studie von Melanie S. Brucks (Columbia University) und Jonathan Levav (Stanford University).

Die beiden Forscher haben ihre These zunächst in einem Laborexperiment mit 602 Probanden auf den Prüfstand gestellt. Die Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip zu zweiköpfigen Teams zusammengestellt. Sie hatten die Aufgabe, innerhalb von fünf Minuten möglichst viele kreative Ideen zu einem Produkt zu entwickeln, und dann eine weitere Minute, um die beste dieser Ideen auszuwählen. Etwa die Hälfte der Teams arbeiteten in Präsenz an der Aufgabe, die andere Hälfte waren per Videokonferenz miteinander verbunden.

Dabei, und bei einem nachfolgenden Experiment mit 1.490 Probanden, zeigte sich, dass die virtuellen Teams im Durchschnitt deutlich weniger Ideen hervorbrachten als jene, die sich physisch im selben Raum befanden. Die Forscher sehen als einen Grund, dass der gemeinsame Raum in Videokonferenzen auf die Breite des Bildschirms begrenzt ist. Das führe zu einer stärkeren mentalen Fokussierung, die speziell für kreatives Teamwork nicht förderlich sei, so die Annahme. Die weiteren Ergebnisse scheinen den Forschern recht zu geben: Sie konnten keine Unterschiede in der Qualität der Ergebnisse feststellen, wenn es um die Auswahl der jeweils besten Ideen ging. Für Entscheidungsprozesse scheint ein enger Fokus nicht von Nachteil zu sein.

Umfrage: Gedruckte Bücher weiter deutlich beliebter als E-Books

Ressourcenverbrauch hin, Gewicht und Platzbedarf her, das E-Book fasst hierzulande nur schwer Fuß. Das zeigt eine gemeinsame Umfrage von YouGov und Statista. Die Marktforscher befragten dazu im April 2022 insgesamt 2.035 Personen ab 18 Jahren nach ihren Lesegewohnheiten. Klarer Sieger: Gedruckte Bücher.

Gefragt wurden die Teilnehmer, ob sie eher gedrückte Bücher oder eher E-Books lesen würden. Für die gedruckten Bücher entschieden sich 52 Prozent der Befragten, während nur 14 Prozent E-Books den Vorzug gaben. Zwanzig Prozent – immerhin also jeder Fünfte – gaben an, überhaupt keine Bücher zu lesen.

Die Ergebnisse der Umfrage spiegeln sich auch in den Verkaufszahlen wieder. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels beziffert den Anteil von E-Book-Verkäufen am Gesamtumsatz auf rund sechs Prozent im Jahr 2021.

Infografik: Print schlägt Digital | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Einen Ausreißer lieferte lediglich das erste Quartal des Jahres 2021. Der Absatz von E-Books kletterte Anfang 2021 um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bemerkenswert: Die Zahl der Käufer ging in diesem Zeitraum sogar leicht zurück. Eine sinkende Zahl von Kunden kauften – im Lockdown – also eine größere Zahl von E-Books.

E-Books bleiben vorerst also in der Nische, die “Holzmedien”, gedruckte Bücher sind für die große Mehrzahl der Leser erste Wahl – trotz ihres Gewichts und der zu ihrer Herstellung benötigten Ressourcen.

Smartphonestudie: Weniger Smartphone, bessere Laune

Dass die permanente Nutzung von Smartphones nicht nur positive Auswirkungen hat, ist keine neue Erkenntnis. In einer aktuellen Smartphonestudie wollten Forscher der Ruhr Universität Bochum herausfinden, wie viel Smartphone guttut.

Sie gewannen für die Untersuchung 619 Probanden. Die teilten sie in drei Gruppen auf: 200 verzichteten für eine Woche komplett auf ihr Smartphone. 226 reduzierten stattdessen die Nutzungsdauer pro Tag um eine Stunde. Und eine Kontrollgruppe von 193 Personen nutzten ihre Smartphones in diesem Zeitraum unverändert.

„Wir konnten zeigen, dass sowohl der komplette Verzicht auf das Smartphone, aber auch die einstündige Reduktion seiner täglichen Nutzung positive Effekte auf den Lebensstil und das Wohlbefinden der Teilnehmenden hatte“, fasst Privatdozentin Dr. Julia Brailovskaia zusammen, unter deren Leitung die Studie stattfand. Die Forscher hatten die Probanden unmittelbar nach der Maßnahme, sowie einen und vier Monate später zu ihren Lebensgewohnheiten und ihrem Wohlbefinden befragt.

Smartphonestudie zeigt: Nutzungsdauer und Gesundheit der Nutzer hängen zusammen.
Und wie lange nutzen Sie Ihr Smartphone pro Tag?

Den nachhaltigsten Effekt zeigte in der Studie nicht der Totalverzicht: Die Gruppe derer, die im Experiment täglich eine Stunde weniger mit dem Smartphone verbracht hatten, nutzten es nach vier Monaten 45 Minuten weniger pro Tag als zuvor. Sie berichteten von einer gesteigerten Lebenszufriedenheit und mehr Zeit körperlicher Aktivität. Depressions- und Angstsymptome sowie der Nikotinkonsum gingen zurück.

Die Smartphonestudie ist nicht repräsentativ. Die Ergebnisse legen jedoch die Vermutung nahe, dass es so etwas wie eine optimale tägliche Nutzungsdauer geben könnte – und dass Totalverzicht nicht immer die beste Lösung ist.

Live-Audio-Streaming jetzt auch bei Spotify

Seit dem anfänglichen Erfolg von Clubhouse sind etliche Dienste entstanden, bei denen Live-Audio eine Rolle spielt, von den Spaces bei Twitter bis zu Amazon Amp. Spotify ist über die separate App Greenroom schon länger dabei. Jetzt nimmt Spotify Live-Audio auch in sein Hauptangebot auf.

Wie das Unternehmen gestern mitteilte, bekommt Greenroom zunächst den neuen Namen Spotify Live. Dieses Angebot wird vorerst als separate App weitergeführt werden. Parallel dazu integriert Spotify ein Live-Audio-Angebot in seine Standard-App. Hörer können sich über die Künstler- oder Podcast-Seite in einen gerade laufenden Livestream schalten. Wer über das reine Hören hinaus in die Konversation einsteigen möchte, kann von da aus zur Spotify Live-App wechseln.

Derzeit können nur ausgewählte Creator direkt auf Spotify live veröffentlichen. Alle übrigen können dazu weiter die frisch in Spotify Live umbenannte App Greenroom nutzen. Der Rollout ist im Gange, die ersten Live-Audio-Events sollen bereits heute stattfinden.