Schlagwort-Archiv: meta

Meinung: Darum ist das Metaverse eine Schnapsidee

Das nächste große Ding, so erwartet es Mark Zuckerberg, wird das Metaverse. Was das genau werden soll, dazu finden sich unterschiedliche Definitionen, die sich aber auf einige Gemeinsamkeiten herunterbrechen lassen: Das Metaverse wird eine künstliche Welt, in der digitale Technologie für Sinneseindrücke sorgt. Wer das Metaverse betreten will, benötigt dazu mindestens eine VR-Brille, sehr wahrscheinlich aber umfangreichere technische Ausrüstung. Letztere sorgt neben dem optischen auch für ein akustisches, haptisches, olfaktorisches (?) Erleben dieser Welt.

In dieser virtuellen Welt sollen sich Menschen dem-über-nächst überwiegend aufhalten, so hoffen Zuckerberg und andere, die bereits viel Geld in deren Entwicklung investiert haben. Dort sollen sie arbeiten, dort sollen sie einkaufen, dort sollen sie Kultur genießen, Kontakte pflegen, Sport treiben…

Die Vorteile, die eine virtuelle Welt gegenüber der physischen Realität hat, sind nicht wegzudiskutieren: Ein Meer von perfektem Blau, das sanft an einen sonnenbeschienenen Sandstrand brandet, dessen Sand nicht in unsere Schuhe rieselt. Kein Sonnenbrand, keine Feuerquallen, und vor allem: Keine Anfahrt. Um vom virtuellen Arbeitsplatz an den präferierten virtuellen Freizeitort zu gelangen, genügen – je nach Eingabegerät – ein paar Mausklicks, ein gesprochener Befehl oder auch bloß ein Gedanke. Durch die perfekten virtuellen Orte bewegen sich Menschen mit makellosen virtuellen Körpern, ganz ohne Bierbäuche, Zahnlücken oder Schweißfüße.

Leben am Sehnsuchtsort?

Würden Menschen im Metaverse leben wollen, wenn die Technik weit genug entwickelt wäre? Ein paar sicher. Was einen Erfolg denkbar macht: Menschen geben heute schon viel Geld für virtuelle Güter aus. Für NFTs zum Beispiel oder in Pay-to-Win-Videospielen. Menschen tauchen auch heute schon für kürzere oder längere Zeit in virtuelle Welten ab. Was ist eine Zoom-Konferenz anderes als ein virtueller Besprechungsraum? Und was ist Amazon anderes als ein riesiges digitales Warenhaus, bloß dass ich keinen Einkaufswagen durch dessen Gänge schieben muss? Und was ist Netflix anderes als eine riesige Sammlung virtueller Welten, wenn auch noch nicht in 3D?

Wenn das Stichwort 3D fällt, dann könnte manchem Metaverse-Investor schwanen, warum das Metaverse vielleicht doch kein Massen-Magnet werden könnte. Das Metaverse, so wie es derzeit gedacht ist, setzt zwingend Hardware voraus, die Menschen sensorische Eindrücke vermittelt und dazu am Körper getragen wird. Minimalausstattung: Eine Brille. Eben jener Gegenstand, am dem das 3D-Fernsehen letztlich gescheitert ist.

Nicht mal Brillenträger mögen Brillen

Und das lag nicht an den Preisen. Meinten die 3D-TV-Hersteller der ersten Stunde noch, der Käuferansturm sei wegen der teuren Shutterbrillen ausgeblieben, mussten auch die Hersteller, die auf preisgünstige Polfilter-Technik setzten, erkennen: Niemand will mit Brille vor seinem Fernseher sitzen. Zwischendurch rufen menschliche Bedürfnisse. Und dann soll der Fernsehzuschauer mit einer Brille, durch die er nur seinen Fernseher scharf sehen kann, zum Kühlschrank oder ins Bad laufen?

Das Metaverse wird also am Unwillen der Konsumenten scheitern, über viele Stunden hinweg Brillen, Helme, gar komplette Sensoranzüge zu tragen, um in die virtuellen Realitäten einzutauchen. Es sei denn, das Erlebnis ist derart immersiv, dass die Nutzer völlig vergessen, dass sie sich nicht in der physischen Realität befinden. Daran werden sie aber spätestens dann erinnert, wenn sie das Bedürfnis nach Nahrung verspüren, mehr noch, wenn sie den Verdauungsprozess abgeschlossen haben. Ja, man könnte Anzüge mit eingebautem Klo entwickeln. Aber ehrlich, schon der Gedanke lässt die Idee eines Metaverse als ziemlich beschissen erscheinen.

Ja, Menschen nutzen virtuelle Realität (auch im engeren Sinne) schon jetzt, und sie geben sogar Geld für entsprechende Brillen aus. Und, zugegeben, auch die physische Realität ist mancherorts ziemlich beschissen, eine “kleine Flucht” erscheint da mitunter verlockend. Für die meisten wird es aber bei ein paar Tages-, oder eher Stundenausflügen bleiben. Nicht mal Brillenträger mögen Brillen. Und wenn, dann solche über einer Keramikschüssel. Einer physischen.

Nur Instagram legt zu: Meta-Dienste WhatsApp und Facebook verlieren Nutzer

Die vom Meta-Konzern angebotenen Dienste WhatsApp und Facebook haben in Deutschland seit 2019 etliche Nutzer eingebüßt. Einzig Instagram konnte regelmäßige Nutzer hinzu gewinnen. Das zeigt eine Umfrage des Statista Global Consumer Survey.

Die gute Nachricht für Mark Zuckerberg: Viele Entscheidungen des Meta-Konzerns zu Instagram kommen gut an. Der Anteil regelmäßiger Nutzer legte in Deutschland von 2019 (38 Prozent) um 22 Prozentpunkte auf 60 Prozent zu. Neben einigen Änderungen bei den Stories und einem Zurückfahren der Aktivitäten rund um IGTV dürfte das vor allem den Reels geschuldet sein, mit denen Meta ein Gegenangebot zur äußerst erfolgreichen Plattform TikTok aufgebaut hat.

Die schlechte Nachricht für Mark Zuckerberg: So viele Prozentpunkte, wie Instagram zugelegt hat, haben WhatsApp und Facebook gemeinsam verloren – trotz einer Reihe neuer Funktionen und, was Facebook betrifft, einer stärkeren Fokussierung auf Video-Inhalte. Bei den 18-29 Jährigen sind sogar nur noch rund die Hälfte der Befragten regelmäßig bei Facebook unterwegs.

Die Meta-Dienste WhatsApp und Facebook verzeichnen seit 2020 in jeden Jahr einen Rückgang der aktiven Nutzer (Grafik: Statista)

Die Gründe für die rückläufige Nutzung von WhatsApp und Facebook dürften vielfältig sein. So gibt es zum Messenger WhatsApp inzwischen eine ganze Reihe von Alternativen, während bei Facebook die direkte Kommunikation mit anderen Nutzern zunehmend unerfreulicher wird. Das letztgenannte Problem ist zwar ein gesellschaftliches, und betrifft in der einen oder anderen Form alle Meta-Dienste (ebenso wie die Dienste der Wettbewerber). Mit seinem inkonsequenten und wenig transparenten Umgang mit Hass auf seiner Plattform dürfte Facebook aber so manche Nutzer vergrault haben.