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Prebunking: Hilft Denken gegen gefühlte Wahrheiten?

Nicht Fake News sind das Problem, sondern Menschen, die solchen Geschichten Glauben schenken. Nur: Selbst Qualitätsmedien verbreiten mitunter Falschmeldungen, während übelste Verschwörungsmystiker manchmal richtig liegen. Wer nicht selbst Zugang zu den Ursprungsquellen hat (und das dürfte auf eine deutliche Mehrheit zutreffen), muss vertrauen. Aber wem? Die Google-Tochter Jigsaw hat eine Kampagne gestartet – Prebunking –, die Menschen gegen Manipulationsversuche sensibilisieren soll. Ob der Erfolg dieser Kampagne nachhaltig ist? Ich habe Zweifel.

Immerhin, die Absicht ist edel, und wer das Muster, nach dem viele Manipulationsversuche gestrickt sind, vor Augen geführt bekommen hat, fällt zumindest in der nächsten Zeit nicht mehr so leicht darauf herein. Prebunking nennt Jigsaw seine Kampagne.

Prebunking hilft – erstmal

Das sei „eine wissenschaftlich erforschte Kommunikationstechnik, die Nutzerinnen und Nutzern dabei hilft, künftige Versuche, sie mit falschen Informationen zu manipulieren, zu erkennen und zurückzuweisen. Dies trägt dazu bei, die Widerstandsfähigkeit der Gesellschaft gegen Desinformation und entsprechende Narrative und Manipulationstechniken zu erhöhen.“

Die Kampagne soll vor allem hierzulande verbreitete Taktiken vorstellen, etwa das Zeigen bewusst aus dem Kontext gerissener Videos oder Fotos. Kurze Videoclips sollen erklären, wie Fake News aufgebaut sind, und mit welchen Fallen die Manipulatoren arbeiten. Die Clips werden als Pre-Roll oder andere Anzeigenformate auf Social-Media-Plattformen gezeigt, voraussichtlich unter anderem auf YouTube, Facebook und TikTok.

Vor Deutschland hat Jigsaw mit seiner Prebunking-Initiative bereits in Polen, Tschechien und der Slowakei Erfahrungen gesammelt – mit teils ermutigenden Ergebnissen. Tests ergaben, dass unter denen, die eines der Prebunking-Videos gesehen hatten, die Zahl derer, die manipulative Fake News als solche erkennen konnten, um acht Prozent höher lag als in einer Kontrollgruppe.

Was die Tests nicht belegen konnten, war, ob sich mit der Fähigkeit, Fake News zu erkennen, der Glaube an die Inhalte verändert hatte. Prebunking packt Nutzer bei ihrem Intellekt. Hassbotschaften packen Nutzer bei ihren Emotionen. Und wenn die zwei in unterschiedliche Richtungen wollen, übernehmen (fast) immer die Emotionen das Ruder.

Natürlich wünsche ich der Prebunking-Kampagne Erfolg. Ich hoffe das Beste. Aber ich befürchte das Schlimmste.

Unterstützt Instagram bald gründlicheres Blockieren?

“Igitt, bist du fett!” “Lösch dich, du nutzloses Stück!” Jeden Tag, unter jedem neuen Instagram-Beitrag fand Nathalie solche Kommentare. Und sie alle stammten von ein und demselben Nutzer. Einige Wochen ignorierte sie ihn, aber das schien ihm egal zu sein. Sie entschloss sich, ihn auf Instagram zu blockieren. Dann war Ruhe – für zwei ganze Tage.

Einen anderen Nutzer auf Instagram zu blockieren, führt nicht immer zum gewünschten Ziel. Während manche Trolle ihre Provokationen an anderer Stelle fortsetzen, sind andere hartnäckiger. Noch vor einiger Zeit genügte es, als Blockierter einfach ein neues Instagram-Konto zu eröffnen, um seinen alten miesen Charakter unter einem neuen Benutzernamen auszuleben. Dem hat Instagram aber schon länger einen Riegel vorgeschoben – wer ein neues Konto eröffnet, nachdem ihn jemand blockiert hat, bleibt für die entsprechenden Instagram-Konten blockiert.

Anders sieht das bislang aus, wenn ein Troll bereits eine Reihe von Instagram-Konten erstellt hat, bevor seine Opfer ihn blockiert haben. Er konnte dann einfach eines seiner nicht-blockierten alten Konten verwenden. Der Twitterer Alessandro Paluzzi hat einen Screenshot gepostet, der nahelegt, dass man dieses Konzept bei Instagram noch einmal überdacht hat:

Wenn Instagram diese Funktion einführt, bleiben hartnäckigen Trollen zwar immer noch eine ganze Reihe von Möglichkeiten – unbequemer wird das Stalken, Mobben und Pöbeln aber definitiv.

Nathalie war es irgendwann zu bunt, und sie hat ihren Dauerpöbler gemeldet – und Instagram hat dessen Konto auch tatsächlich gesperrt, samt sämtlicher verbundener Konten. Sie ist schon gespannt, wann er wieder da ist, und wie er sich dann nennen wird.

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