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Google Glass: Mitarbeiter testen neuen Prototyp der AR-Brille

“Ein paar Dutzend Mitarbeiter und einige ausgewählte vertrauenswürdige Tester” probieren derzeit den Prototyp einer neuen AR-Brille aus dem Hause Google aus. Google hat erst kürzlich den Prototyp einer solchen Brille vorgestellt, der die Übersetzung gesprochener Worte in Echtzeit im Sichtfeld des Nutzers anzeigt.

Die Einsatzmöglichkeiten von Augmented Reality gehen jedoch deutlich darüber hinaus. Deshalb – und weil manche Erfahrung in geschlossenen Räumen eine andere ist als unter freiem Himmel – testet Google die Prototypen seiner neuesten AR-Brille jetzt auch außer Haus. Dass Google explizit auf die sehr kleine Zahl von Testern hinweist, dürfte nicht zuletzt an den Erfahrungen liegen, die das Unternehmen mit der ersten Generation der “Google Glass” machen konnte. Damals, im Jahr 2014, waren Träger der Datenbrille tätlich angegriffen worden – und wohl auch andere Brillenträger, deren Gestelle entsprechenden Verdacht erregt hatten. Google stellte den Verkauf kurz danach ein. Seit 2019 können Unternehmen die Google Glass Enterprise Edition 2 kaufen,

Die Prototypen sollen mit Kameras, Mikrofonen und Display-Gläsern ausgestattet, aber in ihren Funktionen stark limitiert sein. So bieten sie nach Angaben von Google weder die Möglichkeit, Fotos aufzunehmen noch Videos aufzuzeichnen, auch wenn die AR-Brillen Bilddaten auswerten, um etwa Speisekarten zu übersetzen oder dem Träger den Weg ins nächste Café zu weisen. Google verspricht, dabei die Privatsphäre der Träger ebenso zu schützen wie der Menschen in deren Umgebung.

Meinung: Darum ist das Metaverse eine Schnapsidee

Das nächste große Ding, so erwartet es Mark Zuckerberg, wird das Metaverse. Was das genau werden soll, dazu finden sich unterschiedliche Definitionen, die sich aber auf einige Gemeinsamkeiten herunterbrechen lassen: Das Metaverse wird eine künstliche Welt, in der digitale Technologie für Sinneseindrücke sorgt. Wer das Metaverse betreten will, benötigt dazu mindestens eine VR-Brille, sehr wahrscheinlich aber umfangreichere technische Ausrüstung. Letztere sorgt neben dem optischen auch für ein akustisches, haptisches, olfaktorisches (?) Erleben dieser Welt.

In dieser virtuellen Welt sollen sich Menschen dem-über-nächst überwiegend aufhalten, so hoffen Zuckerberg und andere, die bereits viel Geld in deren Entwicklung investiert haben. Dort sollen sie arbeiten, dort sollen sie einkaufen, dort sollen sie Kultur genießen, Kontakte pflegen, Sport treiben…

Die Vorteile, die eine virtuelle Welt gegenüber der physischen Realität hat, sind nicht wegzudiskutieren: Ein Meer von perfektem Blau, das sanft an einen sonnenbeschienenen Sandstrand brandet, dessen Sand nicht in unsere Schuhe rieselt. Kein Sonnenbrand, keine Feuerquallen, und vor allem: Keine Anfahrt. Um vom virtuellen Arbeitsplatz an den präferierten virtuellen Freizeitort zu gelangen, genügen – je nach Eingabegerät – ein paar Mausklicks, ein gesprochener Befehl oder auch bloß ein Gedanke. Durch die perfekten virtuellen Orte bewegen sich Menschen mit makellosen virtuellen Körpern, ganz ohne Bierbäuche, Zahnlücken oder Schweißfüße.

Leben am Sehnsuchtsort?

Würden Menschen im Metaverse leben wollen, wenn die Technik weit genug entwickelt wäre? Ein paar sicher. Was einen Erfolg denkbar macht: Menschen geben heute schon viel Geld für virtuelle Güter aus. Für NFTs zum Beispiel oder in Pay-to-Win-Videospielen. Menschen tauchen auch heute schon für kürzere oder längere Zeit in virtuelle Welten ab. Was ist eine Zoom-Konferenz anderes als ein virtueller Besprechungsraum? Und was ist Amazon anderes als ein riesiges digitales Warenhaus, bloß dass ich keinen Einkaufswagen durch dessen Gänge schieben muss? Und was ist Netflix anderes als eine riesige Sammlung virtueller Welten, wenn auch noch nicht in 3D?

Wenn das Stichwort 3D fällt, dann könnte manchem Metaverse-Investor schwanen, warum das Metaverse vielleicht doch kein Massen-Magnet werden könnte. Das Metaverse, so wie es derzeit gedacht ist, setzt zwingend Hardware voraus, die Menschen sensorische Eindrücke vermittelt und dazu am Körper getragen wird. Minimalausstattung: Eine Brille. Eben jener Gegenstand, am dem das 3D-Fernsehen letztlich gescheitert ist.

Nicht mal Brillenträger mögen Brillen

Und das lag nicht an den Preisen. Meinten die 3D-TV-Hersteller der ersten Stunde noch, der Käuferansturm sei wegen der teuren Shutterbrillen ausgeblieben, mussten auch die Hersteller, die auf preisgünstige Polfilter-Technik setzten, erkennen: Niemand will mit Brille vor seinem Fernseher sitzen. Zwischendurch rufen menschliche Bedürfnisse. Und dann soll der Fernsehzuschauer mit einer Brille, durch die er nur seinen Fernseher scharf sehen kann, zum Kühlschrank oder ins Bad laufen?

Das Metaverse wird also am Unwillen der Konsumenten scheitern, über viele Stunden hinweg Brillen, Helme, gar komplette Sensoranzüge zu tragen, um in die virtuellen Realitäten einzutauchen. Es sei denn, das Erlebnis ist derart immersiv, dass die Nutzer völlig vergessen, dass sie sich nicht in der physischen Realität befinden. Daran werden sie aber spätestens dann erinnert, wenn sie das Bedürfnis nach Nahrung verspüren, mehr noch, wenn sie den Verdauungsprozess abgeschlossen haben. Ja, man könnte Anzüge mit eingebautem Klo entwickeln. Aber ehrlich, schon der Gedanke lässt die Idee eines Metaverse als ziemlich beschissen erscheinen.

Ja, Menschen nutzen virtuelle Realität (auch im engeren Sinne) schon jetzt, und sie geben sogar Geld für entsprechende Brillen aus. Und, zugegeben, auch die physische Realität ist mancherorts ziemlich beschissen, eine “kleine Flucht” erscheint da mitunter verlockend. Für die meisten wird es aber bei ein paar Tages-, oder eher Stundenausflügen bleiben. Nicht mal Brillenträger mögen Brillen. Und wenn, dann solche über einer Keramikschüssel. Einer physischen.