Über den Online-Redakteur, der Pokémon Go ignorierte und deshalb die Rettung des Journalismus verpasste

Pokémon Go: Wird schon bald die nächste Sau durch's Dorf getrieben?Die Monster sind los! Und sie werden – jetzt endlich – den Journalismus vor dem Untergang bewahren. Ja, gestern glaubten wir noch, Snapchat löse all unsere Probleme. Davor waren es Facebooks Instant Articles, die endlich das Geld in die Kassen spülen sollten, das wir über unseren eigenen Websites so gern erwirtschaftet hätten.

Pflichtübung für jeden ernsthaften Onliner war bis gerade eben auch das 360-Grad-Video. Oder wenigstens überhaupt ein Video, cross-gepostet auf YouTube, Vimeo und Instagram, mit einem 6-Sekunden-Trailer angekündigt auf Vine – oder auch ganz unangekündigt, live, mit Periscope oder per Facebook Live oder per YouTube Live in die große weite Welt mehr oder weniger broad gecastet.

All das hätte den Journalismus retten sollen, wie zuvor schon das Storytelling auf 140 Zeichen, oder das Scrollytelling von langen Geschichten, die früher mal ganze Bücher gefüllt hätten. Ach ja, Bücher: E-Books waren auch mal der ganz große Renner, besonders zu Preisen, zu denen sie mit Apps… Äh, ja, Apps, die gab’s ja auch, und jede Zeitung, jede Beilage, jeder Autor wollte eine, um dann festzustellen: Gemeinsam geht’s doch besser, man trifft sich im Flipboard, oder auf Feedly, auf jeden Fall wird das die Rettung – äh, nein.

Nein, die Rettung heißt jetzt Pokémon Go. Das ist ein Spiel, Geschichten lassen sich eher darüber erzählen als damit, aber was soll’s? Pokémon Go wird Facebook, Snapchat und Co. das Wasser abgraben. Pokémon Go wird die Pegida-Spaziergänge beenden. Dank Pokémon Go werden Straftäter verhaftet.

Zugegeben, ein ägyptischer islamischer Theologe hält das Spiel für Sünde. Und der ADAC warnt Autofahrer vor dank Pokémon Go geistesabwesenden anderen Verkehrsteilnehmern. Von dem armen Hunden ganz zu schweigen, die jetzt ständig um den Block gezerrt werden, weil Herrchen oder Frauchen auf der Jagd nach Pokémons sind.

Wie Pokémon Go den Journalismus retten soll? Woher soll ich das wissen? Ich habe schon nicht gewusst, wie 360-Grad-Videos den Journalismus retten könnten, und die eignen sich wenigstens, um Geschichten damit zu erzählen, nicht bloß darüber. Immerhin: Im Moment will gefühlt fast jeder praktisch alles über Pokémon Go erfahren. Wer etwas – und sei es so substanzlos wie dieser Artikel – über Pokémon Go zu erzählen hat, schafft es damit vielleicht, die Reichweite seiner Publikation zu vergrößern. Bis demnächst eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird.

Polizei durchsucht Wohnungen in 14 Bundesländern

polizei

Bundesweit geht die Polizei am heutigen Mittwoch gegen die Urheber von Hasspostings im Internet vor. In einer konzertierten Aktion durchsuchen Polizeibeamte in 14 Bundesländern von mehr als 25 Polizeidienststellen die Wohnräume von rund 60 Beschuldigten. Das Bundeskriminalamt koordiniert als Teil der im Dezember 2015 eingerichteten Bund-Länder-Projektgruppe “Bekämpfung von Hasspostings” den bundesweiten Einsatztag.

Im Zentrum der Ermittlungen: In einer geheimen Facebook-Gruppe wurden im Zeitraum zwischen Juli und November 2015 bundesweit regelmäßig Straftaten im Sinne der Paragrafen 86a und 130 StGB begangen. Hauptgegenstand der dort stattgefundenen Kommunikation war die Verherrlichung des Nationalsozialismus sowie der Austausch von fremdenfeindlichen, antisemitischen oder sonstigen als rechtsextremistisch zu beurteilenden Inhalten und Kommentierungen.

“Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte sind häufig das Ergebnis einer Radikalisierung, die auch in sozialen Netzwerken beginnt. Wir müssen deshalb einer Verrohung der Sprache Einhalt gebieten und strafbare Inhalte im Netz konsequent verfolgen”, erklärt BKA-Präsident Holger Münch.

Jagd auf Whistleblower bis auf weiteres eingestellt

Landesverrat: Wer gab die Dokumente weiter?“Liebe Landesverrat-Quelle „Unbekannt“: Die Ermittlungen gegen dich sind eingestellt!” – mit dieser Schlagzeile verkündet Andre Meister von Netzpolitik.org das vorläufige Ende der veritablen Staatsaffäre, die im vergangenen Jahr den damaligen Generalbundesanwalt Harald Range den Job gekostet hat.

Die Ermittlungen gegen die Redakteure von Netzpolitik.org, Markus Beckedahl und Andre Meister, waren bereits im August 2015 eingestellt worden, die Staatsanwaltschaft Berlin hatte aber wohl bis März 2016 weiter nach dem Whistleblower gesucht, die den beiden Journalisten die als geheim eingestuften Papiere zugespielt hatte. Meister zitiert aus einem Schreiben der Senatsverwaltung der Justiz:

Die Ermittlungen wegen der Weitergabe von Dienstgeheimnissen sind von der hiesigen Staatsanwaltschaft im März nach § 170 Abs. 2 StPO eingestellt worden.

Wenn sich innerhalb der Verjährungsfrist (die beträgt abhängig vom Vorwurf zwischen fünf und zwanzig Jahre) neue Ermittlungsansätze ergeben, könnten die Ermittlungen allerdings jederzeit wieder aufgenommen werden.

“Der Tag” knackt die Viertelmillion

FAZ-App "Der Tag"Mehr als 250.000 Nutzer haben “Der Tag”, die mobile App der FAZ, auf ihre Geräte heruntergeladen. Das geht aus einer Mitteilung des Verlags von heute hervor. Die App ist seit Juli 2015 für Android und iOS erhältlich. Sie bietet eine geraffte Übersicht über die aus Redaktionssicht relevantesten Ereignisse der vergangenen 24 Stunden, ergänzt um Kommentare und Analysen der Redakteure.

Einzelne Beiträge lassen sich mit Hilfe eines Lesezeichens über die 24-Stunden-Frist hinaus aufbewahren. Mit Push-Nachrichten weist die FAZ-App außerdem auf Wunsch auf neue Nachrichten hin. Die auch optisch ansprechende App wurde mehrfach ausgezeichnet. So bekam sie unter anderem bei den ADC Awards 2016 drei Preise für das Design.

Der Tag für iOS

[qrcode content=”https://itunes.apple.com/de/app/f.a.z.-der-tag-nachrichten/id1014908979?mt=8″]

Der Tag für Android

[qrcode=”https://play.google.com/store/apps/details?id=net.faz.dertag”]

Jeder dritte Surfer blockiert Werbung – im Durchschnitt jedenfalls

Einer von drei Internetnutzern verwendet einen Adblocker. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Studie von YouGov hervor, für die 8.600 Internetnutzer befragt wurden. Allerdings setzen nur rund die Hälfte dieser Nutzer ihren Adblocker unterschiedslos auf jeder Website ein. Rund ein Drittel der Werbemuffel deaktivieren den Werbeblocker auf ausgewählten Websites. Weitere elf Prozent gehen den umgekehrten Weg und aktivieren die Software gezielt nur für einzelne Websites, deren Werbung sie als unzumutbar aufdringlich empfinden.

Wie sehr auf Werbung angewiesene Publisher unter Werbeblockern leiden, hängt aber nicht nur davon ab, wie aggressiv die eingesetzte Werbung empfunden wird, sondern auch von ihrer angepeilten Zielgruppe: Unter 18- bis 29-Jährigen nutzt mehr als jeder zweite einen Werbeblocker, unter den Surfen in der Altersgruppe ab 55 aufwärts gab nur jeder vierte an, eine solche Software verwenden.

Adblocker-Nutzer und Nutzungsverhalten
Grafik: YouGov

Sticker sind Twitters neue Hashtags

Sticker auf TwitterWer Fotos per Twitter veröffentlicht, kann diese künftig – aus der Android- oder iOS-App heraus – mit klick- respektive antippbaren Stickern aufhübschen. Wie Produktmanager Sasank Reddy in einem aktuellen Blogbeitrag schreibt, sollen die Sticker Fotos nicht nur unterhaltsam ergänzen, sondern auch eine ganz neue Möglichkeit bieten, in aktuellen Tweets zu stöbern.

Tippt oder klickt ein Twitterer gezielt darauf, erhält er eine Übersicht der Foto-Tweets, die mit dem selben Symbol versehen wurden. Twitterer können durch die Wahl beliebter Sticker künftig wohl die Reichweite ihrer Tweets deutlich verbessern. Die Funktion soll innerhalb der nächsten Wochen weltweit zur Verfügung stehen. Unter dem Hashtag #stickers können Nutzer schon jetzt in solchen Tweets stöbern.

Update 28.07.2016: Die Sticker stehen jetzt weltweit zur Verfügung. Twitter stellt die Funktion in einem Video vor.

https://www.youtube.com/watch?v=ABA15RfDifM

Weltgrößte Sammlung von Quellcodes

“Das Software-Erbe der Menschheit bewahren” ist das hehre Ziel der Initiative Software Heritage. Der Initiator ist das Institut national de recherche en informatique et en automatique (kurz: Inria). Sein Ziel: Die gesamte global verfügbare freie Software sammeln, organisieren und die zugehörigen Quellcodes weltweit zugänglich machen.

Schon jetzt Milliarden Quellcodes

Schon jetzt umfasst die Sammlung nach Angaben der Mitwirkenden zwanzig Millionen Software-Projekte, zu denen rund zweieinhalb Milliarden Quellcode-Dateien gehören. Damit ist sie schon jetzt die umfangreichste Quellcode-Sammlung der Welt. Nach dem Willen der Initiatoren sollen Entwickler die Datenbank künftig sowohl dazu nutzen, um nach wieder verwendbarem Quellcode zu suchen als auch dazu, ihre Neuentwicklungen zu archivieren.

Livestreaming für (fast) alle

YouTubes neues Livestreaming im EinsatzFacebook macht’s, Periscope sowieso, und seit kurzem sogar Tumblr: Die Dienste bieten ihren Nutzern die Möglichkeit, mit Live-Videos ins Netz zu gehen. Jetzt zieht Video-Riese YouTube nach, nicht ohne im hauseigenen Blog darauf hinzuweisen, man biete Livestreaming eigentlich ja schon seit 2011 an, “before it was cool”. Bislang durfte aber längst nicht jeder mitmachen. Livestreaming für (fast) alle weiterlesen

Hol dir den ChatGPT-Leitfaden mit Sofort-Erfolg
– und verpasse keine Neuigkeiten mehr!

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Die mobile Version verlassen