Als erste Nachrichtenagentur für soziale Medien beschreibt sich Storyful selbst. Das Team des Google News Lab hat den Redaktionsdienstleister an seinem Sitz in Dublin besucht und stellt die Arbeit der Mitarbeiter in einer kurzen Dokumentation vor:
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Dass einige “Lügenpresse” schreien, ist kein Problem. Dass einige Millionen “Lügenpresse” denken, schon.
Lügenpresse? Es gab eine Zeit, da wollten die meisten mit Aussagen wie “Es stand in der Zeitung” oder “Es kam in den Nachrichten” zum Ausdruck bringen, es handle sich bei einem behaupteten Sachverhalt um eine gesicherte Tatsache. Dieses Vertrauen in die Wahrhaftigkeit medialer Berichterstattung ist verloren gegangen.
Die oben illustrierte Studie des Bayerischen Rundfunks zeigt: Selbst die Medien mit dem insgesamt höchsten Ansehen gelten nicht einmal bei jedem zweiten als unabhängig, und bei den am schlechtesten beleumundeten – den Boulevardzeitungen – glaubt nicht einmal jeder vierte an die Unabhängigkeit, und nur gut jeder achte hält sie inhaltlich für glaubwürdig.
Der Kampfbegriff „Lügenpresse“ markiert seit einigen Jahren das Extrem dieses Vertrauensverlusts. Der „Lügenpresse”-Diskurs wird vor allem im Netz geführt, er findet sich in Blogs und als Leserkommentar unter missliebigen Artikeln. Medienkritik hat sich zu einem politischen Breitensport entwickelt – was aber nicht bedeutet, dass es sportlich zuginge: Journalisten werden teils rabiat beschimpft, teils bedroht, mitunter körperlich attackiert.
Journalisten stellen sich dem Lügenpresse-Vorwurf
In der Ringvorlesung “Lügenpresse”, die den Auftakt zur neuen Reihe „Augstein Lectures“ bildet, will die Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Uni Hamburg den Ursachen dafür auf den Grund gehen. Am Ende sollen Antworten auf die Fragen stehen, was getan werden könnte, um die Akzeptanz von Journalismus als Institution gesellschaftlicher Selbstreflexion, als Frühwarnsystem, als kritische Instanz in einer freien Gesellschaft zu retten.
Die Vortragenden sind namhafte Journalistinnen und Journalisten wie Giovanni di Lorenzo (DIE ZEIT) und Jakob Augstein (der freitag) sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Kommunikationswissenschaft und anderen sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern wie beispielsweise Prof. Dr. Maria Löblich (FU Berlin) und Prof. Dr. Carsten Reinemann (LMU München). Die Veranstaltung findet vom 17.10.16–30.01.17 immer montags, 18–20 Uhr im Hauptgebäude der Universität Hamburg statt.
So unverschämt kopiert Instagram seinen schärfsten Konkurrenten
Instagram Stories: Das ist, wenig subtil, der Name einer neuen Funktion, mit der Instagram seinem erstarkenden Konkurrenten Snapchat Paroli bieten will.
Wie die Entwickler erklären, dient die neue Funktion dazu, Augenblicke mit seinen Freunden – oder der ganzen Welt – zu teilen, deren Aufnahmen nicht dauerhaft auf dem Instagram-Profil bleiben sollen. Um eine Instagram Story zu erstellen, reiht der Nutzer beliebig viele Videos und Fotos aneinander, hübscht sie mit Stickern und ähnlichem auf – und 24 Stunden später verschwinden die Inhalte wieder. Instagram Stories sind gewöhnlich für die Nutzer sichtbar, die auch die übrigen Fotos des Urhebers sehen dürfen. Sie lassen sich aber auch gezielt vor einzelnen Nutzern verbergen. Likes oder Kommentare können Nutzer zu den Stories nicht abgeben, aber sie können dem Fotografen/Filmer private Nachrichten senden.
Nicht immer bloß Kurzgeschichten: Buffer verrät, wie Sie es für Ihre Snapchat-Kontakte spannender machen
Eine häufige Krux bei der “Berichterstattung” via Snapchat: Viele interessante Dinge passieren innerhalb kurzer Zeit, danach ereignet sich über längere Zeit nichts Berichtenswertes mehr. Um ihre Snapchat-Kontakte bei der Stange zu halten, kann es da durchaus sinnvoll sein, Snaps zeitversetzt zu senden. Wie, das verrät Buffer auf seinem YouTube-Kanal:
Die schlechte Nachricht: Komplett automatisieren lässt sich das zeitversetzte Snappen nicht.
Der Trick, kurz zusammengefasst:
- Versetzen Sie Ihr Smartphone in den Flugmodus.
- Snappen Sie alles, was Sie für snappenswert halten, in Ihre Story.
- Schalten Sie den Flugmodus wieder ab.
- Unter “Meine Story” zeigt Ihnen Snapchat die Snaps als “fehlgeschlagen” an. Tippen Sie zum gewünschten Zeitpunkt auf einen der zuvor aufgenommenen Snaps, um ihn zu verschicken.
- Wiederholen Sie Schritt 4 zu späteren Zeitpunkten für die weiteren Snaps.
Onlinerecherche: Wo sich Journalisten informieren, bevor sie informieren
Onlinerecherche ist mehr das Eintippen passender Begriffe in das Eingabefeld einer Suchmaschine. Bei der Suche nach Informationen im Internet bedienen sich Journalisten einer ganzen Reihe von Quellen von YouTube bis zum persönlichen Online-Handarchiv. Die von news aktuell veröffentlichte Erhebung zeigt, wie wichtige welche Onlinequellen für Journalisten sind:
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista
Die Welt in Draufsicht: So unterschiedlich nutzen Medien Onlinekarten
Nicht nur in akuten Ausnahmesituationen, auch im medialen Alltag kann eine Karte oft als Grundlage eines Beitrags dienen oder seinen Informationswert erhöhen. Hier eine Auswahl, die zeig, wie unterschiedlich Onlinemedien Karten nutzen:
Zeit Online: Die Serie “Deutschlandkarte”

Spiegel Online: Orte der Schande

Stern Online: Massenschießereien in den USA 2016

Welt Online: Karte der Länder, die Boris Johnson schon beleidigt hat

Time Magazine: America’s Wealth Map

RuhrNachrichten: Hier wird in Dortmund geblitzt

Der Aufwand, solche Karten zu erstellen, variiert deutlich: Während die Karte des Time Magazine einiges an Programmieraufwand erfordert haben dürfte, stehen für Karten wie die aus dem Online-Angebot des Stern oder aus den Ruhrnachrichten bereits einfach zu handhabende Werkzeuge bereit.
Wege aus dem Kugelhagel: Onlinekarten in akuten Anschlags- und Katastrophen-Situationen
Sie sind die ultimative Herausforderung für jede Redaktion, die in Echtzeit berichtet: Flut- oder Feuerkatastrophen, Terroranschläge wie die von Paris und Nizza, oder ein Amoklauf wie der von München. Echte und vermeintliche Augenzeugen melden sich in den sozialen Medien zu Wort, Ummengen von Fotos und Videos tauchen auf, darunter mischen sich Spekulationen und Schuldzuweisungen, politische Forderungen – und immer auch Hinweise auf weitere Schreckensereignisse. Während des Ereignisses bleibt nur ein Minimum an Zeit, diese Informationen zu veri- oder falsifizieren. Was den Redakteuren bleibt, ist der Konjunktiv, verbunden mit einem klaren Hinweis auf die unklare Quellenlage.
In Situationen, in denen sich Bedrohungen geografisch zuordnen lassen, können Redaktionen mit verlässlichen, zeitnah aktualisierten Onlinekarten aber auch Leben retten:
Auch auf der Karte kann der Redakteur zwischen gesicherten und ungesicherten Informationen unterscheiden – durch die Wahl der entsprechenden Ortsmarke. Während des Amoklaufs in München wurden Schießereien vom Stachus, vom Tollwood-Festival und aus der Nähe des Redaktionsgebäudes der Abendzeitung gemeldet. An keinem dieser Orte waren tatsächlich Schüsse gefallen – aber kein Redakteur hatte die Möglichkeit, die Information minutenschnell zu prüfen.
Nicht auf die potentielle Gefahr hinzuweisen, hätte sich verboten. Aber eine Falschmeldung als Tatsache zu kolportieren, wäre ebenfalls keine Option gewesen (es sei denn, die Publikation richtet sich an ein spezielles Publikum, dem überprüfte Fakten egal sind). Auch wenn Redakteure der alten Schule es hassen: Das Fragezeichen war ein der Situation angemessenes Symbol.
Online-Publikationen, deren Redaktionssystem keine eigene Karten-Anwendung bietet, können in entsprechenden Situationen zum Beispiel auf mymaps.google.com eine entsprechende Onlinekarte anlegen. Für die Ortsmarkierungen bietet Google eine große Zahl von Symbolen, eine Symbolgruppe ist zweckmäßig “Krisenhilfe” benannt. Die Markierungen lassen sich um Texte, Fotos und Videos ergänzen.
Nur die auf Twitter sahen seine Liveshows. Bis er diese Funktion entdeckte!

LIVE on #Periscope: #BREAKING crews battling #BorderFire ~3mi east of Campo https://t.co/UHe1ZSMKQn
— Brandon Lewis (@BrandonLewisTV) June 21, 2016
In die meisten WordPress-Installationen lassen sich Tweets einfach durch Angabe der Tweet-Url einbetten. Online-Redakteure, deren CMS keine solche Funktion bietet, können den HTML-Code von Twitter verwenden. Nach einem Klick auf die drei Punkte am Fuß des Tweets und den Menüpunkt “Tweet einbetten” erscheint der benötigte Code.
Als er noch auf den Ü-Wagen wartete, war ihr Beitrag schon auf Sendung
Über den Online-Redakteur, der Pokémon Go ignorierte und deshalb die Rettung des Journalismus verpasste

Pflichtübung für jeden ernsthaften Onliner war bis gerade eben auch das 360-Grad-Video. Oder wenigstens überhaupt ein Video, cross-gepostet auf YouTube, Vimeo und Instagram, mit einem 6-Sekunden-Trailer angekündigt auf Vine – oder auch ganz unangekündigt, live, mit Periscope oder per Facebook Live oder per YouTube Live in die große weite Welt mehr oder weniger broad gecastet.
All das hätte den Journalismus retten sollen, wie zuvor schon das Storytelling auf 140 Zeichen, oder das Scrollytelling von langen Geschichten, die früher mal ganze Bücher gefüllt hätten. Ach ja, Bücher: E-Books waren auch mal der ganz große Renner, besonders zu Preisen, zu denen sie mit Apps… Äh, ja, Apps, die gab’s ja auch, und jede Zeitung, jede Beilage, jeder Autor wollte eine, um dann festzustellen: Gemeinsam geht’s doch besser, man trifft sich im Flipboard, oder auf Feedly, auf jeden Fall wird das die Rettung – äh, nein.
Nein, die Rettung heißt jetzt Pokémon Go. Das ist ein Spiel, Geschichten lassen sich eher darüber erzählen als damit, aber was soll’s? Pokémon Go wird Facebook, Snapchat und Co. das Wasser abgraben. Pokémon Go wird die Pegida-Spaziergänge beenden. Dank Pokémon Go werden Straftäter verhaftet.
Zugegeben, ein ägyptischer islamischer Theologe hält das Spiel für Sünde. Und der ADAC warnt Autofahrer vor dank Pokémon Go geistesabwesenden anderen Verkehrsteilnehmern. Von dem armen Hunden ganz zu schweigen, die jetzt ständig um den Block gezerrt werden, weil Herrchen oder Frauchen auf der Jagd nach Pokémons sind.
Wie Pokémon Go den Journalismus retten soll? Woher soll ich das wissen? Ich habe schon nicht gewusst, wie 360-Grad-Videos den Journalismus retten könnten, und die eignen sich wenigstens, um Geschichten damit zu erzählen, nicht bloß darüber. Immerhin: Im Moment will gefühlt fast jeder praktisch alles über Pokémon Go erfahren. Wer etwas – und sei es so substanzlos wie dieser Artikel – über Pokémon Go zu erzählen hat, schafft es damit vielleicht, die Reichweite seiner Publikation zu vergrößern. Bis demnächst eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird.


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