Schlagwort-Archiv: journalismus

“Fake News” ist Anglizismus des Jahres 2016

Zum Anglizismus des Jahres hat die Jury der gleichnamigen Initiative für das vergangene Jahr 2016 den Begriff Fake News gekürt. Auf den Plätzen zwei bis vier folgen Darknet, Hate Speech und Brexit (letzeres zusammen mit dem allgemeineren Anhängsel -exit).

Obgleich der Begriff Fake News bereits länger im deutschsprachigen Raum in Verwendung ist, so die Begründung der Jury, lasse sich ein Durchbruch ab November 2016 beobachten. Seitdem habe sich die Bedeutung von bewusst lancierten Falschmeldungen im allgemeinen zu politisch motivierten Falschmeldungen im speziellen verschoben. Im allgemeinen Sprachgebrauch diene das Wort inzwischen hauptsächlich zur Diskreditierung von Meldungen, die nicht in das eigene Weltbild passen. Überzeugt habe die Jury an Fake News neben seiner überwältigenden und anhaltenden öffentlichen Präsenz vor allem, dass es eine Lücke im deutschen Wortschatz fülle, die ohne das Wort fake nicht ganz einfach zu schließen sei.

Die unabhängige Initiative Anglizismus des Jahres würdigt seit 2010 jährlich den positiven Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes. Bisherige Anglizismen des Jahres waren leaken (2010), Shitstorm (2011) und Crowdfunding (2012), -gate (2013), Blackfacing (2014) und Refugees Welcome (2015).

Gründer der Initiative „Anglizismus des Jahres“ und Vorsitzender der Jury ist Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftler an der Freien Universität Berlin. Zur Jury gehören außerdem die Anglistin Susanne Flach (Freie Universität Berlin), die Germanistin Dr. Kristin Kopf (Universität Mainz) sowie Dr. Alexander Geyken (Leiter des „Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften) und Dr. Lothar Lemnitzer (ebenfalls Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften).

China: Erster Roboter-Journalist tritt seinen Job an

In der im chinesischen Kanton beheimateten Southern Metropolis Daily hat ein Roboter-Journalist mit dem Namen Xiao Nan seinen ersten Beitrag veröffentlicht, wie die international erscheinende China Daily berichtet. Die Publikation zitiert Professor Wan Xiaojun, der an der Universität Peking ein Team leitet, das solche Roboter erforscht und entwickelt: “Verglichen mit den menschlichen Reportern, hat Xiao Nan eine größere Kapazität zur Analyse von Daten und schreibt auch schneller.” Seinen ersten veröffentlichen Beitrag – eine 300-Zeichen-Meldung zur Verkehrssituation beim chinesischen Frühlingsfest – hat Xiao Nan innerhalb von rund einer Sekunde verfasst.

“Das bedeutet allerdings nicht, intelligente Roboter seien schon bald in der Lage, menschliche Reporter komplett zu ersetzen”, beschwichtigt der Professor. So seien sie derzeit noch nicht in der Lage, Interviews zu führen. Sie könnten auch nicht intuitiv nachfragen oder den Blickwinkel der Nachricht aus einem Interview oder einer Konversation auswählen. Professor Wan Xiaojun rechnet dennoch damit, dass Roboter-Journalisten schon bald menschliche Redakteure und Reporter bei ihrer Arbeit unterstützen werden.

TAZ: Einnahmenrekord bei freiwilligen Zahlungen

Das TAZ.zahl ich-Team zieht Bilanz: Das freiwillige Bezahlmodell hat der TAZ 2016, in seinem fünften Jahr, die Kassen mit Einnahmen in Höhe von 612.622,41 Euro gefüllt. Im Jahr 2012 – dem ersten Jahr, in dem das Bezahlmodell über das ganze Jahr bestand – lagen die Einnahmen bei gerade einmal 56.302,61 Euro.

Die Zahl der freiwilligen Unterstützer ist im abgelaufenen Jahr auf 8.960 Personen angestiegen, von denen jeder also im Schnitt knapp 70 Euro beigetragen hat. “Mittlerweile unterstützen uns 93 Prozent der UnterstützerInnen unbefristet”, hält Nicolai Kühling fest.

Anders als andere Online-Medien bietet die TAZ sämtliche ihrer Online-Inhalte kostenlos und unlimitiert an.

[aesop_quote type=”block” background=”#c0c0c0″ text=”#000000″ width=”content” align=”left” size=”1″ quote=”Wenn man den öffentlichen Auftrag wegdenkt und Journalismus lediglich als Ware behandelt, mag dies (eine Bezahlschranke auf nicht-freiwilliger Basis, Anm. d. Red.) die richtige Strategie sein. Für die taz kommt sie nicht in Frage. Die taz will kritische Blickwinkel auf Zustände der Gesellschaft ermöglichen – für so viele Leute wie möglich.” cite=”Ilija Matusko, Sitemanagement taz.de” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Die TAZ beschränkt sich auf gelegentliche, leicht wegklickbare Hinweise auf die Möglichkeit freiwilliger Zahlungen. Im vergangenen Jahr konnten so im Durchschnitt jeden Tag 5,3 freiwillige Zahler hinzu gewonnen werden.

Keylogger-Affäre bei der TAZ: Strafbefehl über 6.400 € gegen Ex-Redakteur

Der Prozess zur Keylogger-Affäre bei der TAZ ist heute nach nur rund fünf Minuten mit einem Strafbefehl gegen den Beschuldigten, den Journalisten und ehemaligen TAZ-Mitarbeiter Sebastian Heiser, zu Ende gegangen. Das hat TAZ-Redakteur Martin Kaul per Twitter mitgeteilt:

Heiser war beschuldigt worden, über etwa ein Jahr seine Redaktionskollegen und -Kolleginnen bei der TAZ mit Hilfe eines Keyloggers ausgespäht zu haben. Entdeckt worden war der Keylogger im Februar 2015, als einem EDV-Mitarbeiter ein Adapter zwischen der USB-Buchse und dem Tastaturkabel am Rechner einer Praktikantin aufgefallen war. Nur wenige Tage nach der Entdeckung hatte sich Sebastian Heiser ins Ausland abgesetzt. Die Redaktion der TAZ hat den Fall, so weit möglich, inzwischen journalistisch aufbereitet.

Neue Erkenntnisse – etwa zur Motivation des Beschuldigten – brachte der in Abwesenheit geführte Prozess nicht.

Facebook verspricht Kompetenz für Medienmacher, Medienkompetenz für alle

Facebook hat mit dem Facebook Journalism Project ein neues Projekt angestoßen, das auf drei Säulen fußt: Der kollaborativen Entwicklung neuer Produkte, auf Werkzeugen und Trainings für Journalisten sowie auf Werkzeugen und Trainings für alle übrigen Nutzer.

So will Facebook zusammen mit Medienpartnern neue Storytelling-Formate entwickeln und die bestehenden Formate – so etwa die Instant Articles, Live oder 360 – weiter entwickeln. Unter anderem arbeitet Facebook derzeit an einer Möglichkeit, eine Vielzahl von Instant Articles in einem einzigen Post zu teilen.

Mit einer neuen Initiative will Facebook außerdem die Bedeutung lokaler Nachrichten im sozialen Netzwerk stärken. Wie lokale Nachrichten auf Facebook aussehen können, wollen die Entwickler auf Basis des Inputs von Medien und Journalisten entscheiden.

Für die Medien von enormer Bedeutung sind auch Facebooks Bestrebungen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Gemeinsam mit BILD Online experimentiert Facebook derzeit mit der Möglichkeit, Instant Articles mit Bezahlangeboten – hier also speziell Bild plus – zu kombinieren.

Werkzeuge und Training – auch zur Entwicklung von Medienkompetenz

Schon seit einiger Zeit bietet Facebook eine Reihe von Online-Kursen für Journalisten. Die Kurse vermitteln Vorgehensweisen, um mit den Werkzeugen des Netzwerks ein Publikum zu gewinnen, Geschichten zu erzählen und nicht zuletzt interessante Themen und Geschichten aus der Fülle der Inhalte zu schöpfen. Dazu gehören auch Handreichungen zum Umgang mit Inhalten und Medien, die von Augenzeugen aktueller Geschehnisse beigesteuert wurden.

Zu den neuesten Werkzeugen, gehört übrigens der erst kürzlich ins Facebook-Imperium übernommene Dienst CrowdTangle.

Eines der Ziele, die Facebook in der Mitteilung zu seinem Journalism Project nennt, ist auch das Vermitteln von “news literacy”, Medienkompetenz. Nutzer sollen die Informationen erhalten, die sie benötigen, um zu entscheiden, welchen Quellen sie vertrauen können. Kurzfristig will Facebook dem Thema mit Hilfe von öffentlichen Anzeigen begegnen. Langfristig sollen aus der Initiative Projekte und Ideen erwachsen, mit deren Hilfe Nachrichtenorganisationen Medienkompetenz vermitteln können. Wenn nötig, will Facebook dazu auch finanzielle Unterstützung bieten – konkrete Summen enthält die Mitteilung allerdings nicht.

“Volksverräter” ist Unwort des Jahres 2016

[aesop_image imgwidth=”30%” img=”https://netknowhow.de/wp-content/uploads/2017/01/unwort.jpg” alt=”Unwort 2016″ align=”right” lightbox=”off” captionposition=”left” revealfx=”off”]

Die sprachkritische Aktion “Unwort des Jahres” hat den Begriff “Volksverräter” zum Unwort 2016 gekürt, und damit nach “Gutmensch” (2015) und “Lügenpresse” (2014) erneut einen Kampfbegriff der rechten Szene aufgegriffen.

Zur Begründung heißt es:

[aesop_quote type=”block” background=”#c0c0c0″ text=”#000000″ width=”content” align=”left” size=”1″ quote=”Volksverräter ist ein Unwort im Sinne unserer Kriterien, weil es ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten ist. Als Vorwurf gegenüber PolitikerInnen ist das Wort in einer Weise undifferenziert und diffamierend, dass ein solcher Sprachgebrauch das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft abwürgt…” parallax=”off” direction=”left” revealfx=”off”]

Die Jury kritisiert zudem, der Wortbestandteil “Volk” stehe in diesem Kontext nicht für das Staatsvolk als ganzes, sondern werde als ethnische Kategorie gebraucht, die Teile der Bevölkerung ausschließt. Damit sei der Ausdruck zudem antidemokratisch, weil er – wie es in einer Einsendung an die Jury heißt – „die Gültigkeit der Grundrechte für alle Menschen im Hoheitsgebiet der Bundesrepublik“ verneine.

Die Jury erhielt für das Jahr 2016 insgesamt 1064 Einsendungen, in denen 594 verschiedenen Wörter vorgeschlagen wurden. “Volksverräter” wurde darin drei Mal genannt.

Die Jury der institutionell unabhängigen Aktion „Unwort des Jahres“ besteht aus den vier Sprachwissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Nina Janich/TU Darmstadt (Sprecherin), PD Dr. Kersten Sven Roth (Universität Düsseldorf), Prof. Dr. Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Universität Trier) sowie dem Autor und freien Journalisten Stephan Hebel. Als jährlich wechselndes Mitglied war in diesem Jahr die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger beteiligt.

Themen finden per Kalender: Wichtige Termine 2017

Überraschungen gehören zum Wesen der journalistischen Arbeit, und machen zum Teil auch ihren Reiz aus. Aber längst nicht alles Berichtenswerte kommt überraschend: Auch etliche Termine 2017 sind jetzt schon planbar und gehören – abhängig von der thematischen Ausrichtung der Publikation – in den Redaktionskalender.

Jahrestage, Geburts- und Todestage

Eine Übersicht über die wichtigsten Ereignisse, und die Daten, zu denen sie sich jähren, liefert der kleine Kalender.

Am 15. Oktober 2017 jährt sich Mata Haris Todestag zum hundertsten Mal, John F. Kennedy wäre am 29. Mai hundert Jahre alt geworden. Solche historischen Geburts- und Todestage liefert Geboren.am.

Umfangreiche Fotodossiers zu Ereignissen und Personen, die im kommenden Jahr Jubiläum haben, liefert Ullstein Bild.

Wichtige Sportereignisse

Eine umfassende Übersicht über internationale Sportereignisse 2017 liefert Topend Sports. Die in Deutschland meistbeachteten Sportereignisse führt auch die Sportschau auf.

Politisches Geschehen

So manches ist noch offen, aber Wahltermine und Gipfeltreffen folgen einer festen Agenda. Eine Reihe politisch entscheidender Zeitpunkte im Jahr 2017 hat der Mirror zusammengestellt. Auch N-TV liefert eine Übersicht über vieles, was in 2017 in politischer Hinsicht wichtig wird.

Messen und Ausstellungen

Dass eine Messe ins Haus steht, erfährt der Fachredakteur in aller Regel aus der Flut an Pressemitteilungen, die kurz vor und während des Ereignisses sein E-Mail-Postfach verstopfen – jedenfalls, was die großen Messen betrifft. Wer gern länger im Voraus plant, findet anstehende Messen im Messekalender.

Film-Events, Preisverleihungen und Festivals

Eine umfassende Liste der Termine 2017 wichtiger Film-Events von der Verleihung der Golden Globes bis hin zu den SchulKinoWochen NRW liefert die Film und Medien Stiftung NRW.

Filmpremieren des kommenden Jahres listet unter anderem die Website Filmstarts.

Musik-Events und Konzerte

Die Termine nahezu aller Konzerte bekannter und weniger bekannter Künstler liefert der Festivalticker. Dort finden sich auch Übersichten nationaler und internationaler Festivals.

Und zur Vervollständigung: Die Grammys werden vergeben am 12. Februar 2017, die Echos am 6. April 2017.

Hier finden Sie einen beispielhaften Kalender mit einer Reihe wichtiger Medienthemen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

[calendar id=”2088″]

Journalisten gezielt ermordet

74 Journalisten haben im ablaufenden Jahr gewaltsam ihr Leben verloren. Das geht aus der Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016 hervor, die Reporter ohne Grenzen heute vorgestellt hat. Bei den Getöteten handelte es sich um 57 professionelle Journalisten, neun Bürgerjournalisten und acht Medienmitarbeiter. In Syrien, Afghanistan, Mexiko, im Irak und im Jemen wurden 2016 die meisten Journalisten ermordet.

“Besonders erschreckend ist, dass so viele Journalisten gezielt wegen ihrer Tätigkeit angegriffen und ermordet werden”, sagte ROG-Vorstandssprecherin Britta Hilpert. “Diese Zahlen zeigen, wie folgenlos bisher alle internationalen Bemühungen geblieben sind, Journalisten besser vor Gewalt zu schützen.”

Im Vergleich zu 2015 ist die Zahl der Getöteten zwar zurückgegangen – damals waren mindestens 101 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit getötet worden, darunter 67 professionelle Journalisten – von einer Entspannung der Lage kann jedoch keine Rede sein. Der deutliche Rückgang in diesem Jahr erklärt sich vor allem dadurch, dass viele Journalisten aus ihren Heimatländern geflohen sind, weil die Fortsetzung ihrer Arbeit dort zu gefährlich gewesen wäre.

[aesop_document type=”pdf” src=”https://www.reporter-ohne-grenzen.de/fileadmin/Redaktion/Presse/Downloads/Jahresbilanz/Jahresbilanz_der_Pressefreiheit_2016__Teil_2_.pdf” caption=”Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016, Teil 2″]

Fotojournalisten und Dokumentarfilmer fordern In-Kamera-Verschlüsselung

Hersteller sollen für eine In-Kamera-Verschlüsselung von Aufnahmen sorgen. Das fordert die Freedom of Press Foundation in einem offenen Brief, der annähernd wortgleich an Canon, Sony, Nikon, Fujifilm und Olympus gegangen ist. Mehr als 150 Fotojournalisten und Dokumentarfilmer haben den offenen Brief unterzeichnet.

Fotoreporter und Dokumentarfilmer sind bei ihrer Arbeit oft einem hohen Risiko ausgesetzt. Wird ihre Ausrüstung gestohlen oder beschlagnahmt, haben sie in der Regel keine Chance mehr, ihre Aufnahmen vor Missbrauch zu schützen. Nach Angaben des Committee to Protect Journalists ist die Praxis, Kameras zu konfiszieren, derart verbreitet, dass es schier unmöglich ist, allen derartigen Vorkommnissen nachzugehen.

Nach Auffassung der Freedom of Press Foundation sind Kamerahersteller nicht mehr auf der Höhe der Zeit, was den Schutz der Aufnahmen betrifft. Während bei Instant Messengern Verschlüsselung die Regel ist, und gängige PC- und Mobilbetriebssysteme ebenfalls umfassende Verschlüsselungsmöglichkeiten bieten, seien Aufnahmen auf den Speicherkarten moderner Kameras nach wie vor nicht vor fremdem Zugriff sicher. Die Initiatoren des offenen Briefes hoffen auf eine ebenso öffentliche Reaktion der angeschriebenen Kamerahersteller, und haben die Bereitschaft angekündigt, Herstellern bei der konkreten Umsetzung ihrer Forderung beratend zur Seite zu stehen.

Gemeinnütziger Journalismus bekommt ein Zuhause: CORRECTIV sucht Grundstück

5000 Quadratmeter Fläche, auf denen bis zu 400 Arbeitsplätze entstehen sollen: Das sind die Eckdaten eines – noch zu findenden – Ortes, an dem die Idee ‘Gemeinnütziger Journalismus’ in Deutschland wachsen kann. Gemeinsam mit einer deutschsprachigen Stiftung sucht das Recherchezentrum CORRECTIV nach einem Grundstück. Auf dem soll ein europäisches Medienzentrum, benannt Haus des gemeinnützigen Journalismus, errichtet werden. Eine Stiftung aus dem deutschsprachigen Raum hab nach Angaben von CORRECTIV Interesse gezeigt, die Finanzierung in Höhe von bis zu 25 Millionen Euro zu garantieren.

“Der gemeinnützige Journalismus existiert in Deutschland erst rudimentär. Wir wollen ihm zum Durchbruch verhelfen”, schreibt David Schraven in einem Beitrag auf CORRECTIV.org. Es solle ein Ort entstehen, “an dem die Fusion von Kreativen aus allen Sparten neue Perspektiven für den Journalismus eröffnet.”

Zu den Voraussetzungen, die ein möglichter Standort erfüllen müsste, zählen die räumliche Nähe zu Softwareunternehmen, Universitäten, Medienhäusern und Verlagen, ebenso wie zu Künstlern, Kreativen aus allen Bereichen und Branchen, von Theatern bis zu Museen. Das Haus des Journalismus verstehe sich als Arbeitshaus und Bildungseinrichtung. Das Haus solle deshalb an einem für Kreative attraktiven Ort entstehen. In Frage komme jeder Standort innerhalb Deutschlands, der diese Voraussetzungen bietet, heißt es in dem Beitrag. Hinweise auf geeignete Standorte erbittet CORRECTIV per E-Mail.

Druck auf Journalisten nimmt international zu

Weltweit sind derzeit mindestens 384 Journalisten im Gefängnis. Nach dem Putschversuch in der Türkei ist allein die Zahl der dort inhaftierten Journalisten auf mehr als 100 angestiegen. Das geht aus der Jahresbilanz der Pressefreiheit hervor, deren Reporter ohne Grenzen heute vorgestellt hat. “Die Hexenjagd gegen Journalisten in der Türkei sprengt alle bekannten Dimensionen”, kommentiert ROG-Vorstandssprecherin Britta Hilpert diese Zahlen.

Neben der Türkei ist China das Land weltweit mit den meisten Medienschaffenden, die wegen ihrer Arbeit im Gefängnis sitzen. Derzeit sind es mindestens 103, darunter 81 Blogger und Bürgerjournalisten.

Entführt sind weltweit derzeit 52 Medienschaffende – und zwar ausnahmslos in Syrien, im Jemen oder im Irak. 21 von ihnen befinden sich in der Gewalt der Dschihadistenmiliz “Islamischer Staat”. Im ostafrikanischen Burundi ist ein Journalist im Lauf des Jahres verschwunden. Als verschwunden zählt Reporter ohne Grenzen Journalisten, wenn es weder hinreichende Belege noch eine glaubwürdige Bekennererklärung für ihren Tod oder ihre Entführung gibt.

[aesop_document type=”pdf” src=”https://www.reporter-ohne-grenzen.de/uploads/tx_lfnews/media/Jahresbilanz_der_Pressefreiheit_2016__Teil_1_.pdf” caption=”Jahresbilanz der Pressefreiheit 2016, Teil 1″]

Die Zeit der Tatsachen ist vorbei! ‘postfaktisch’ ist Wort des Jahres 2016

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat den Begriff postfaktisch zum Wort des Jahres 2016 gekürt. In der Begründung heißt es, das Kunstwort verweise darauf, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten seien in ihrem Widerwillen gegen “die da oben” bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren.

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Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Jahreswörterwahl schaffte es 2016 ein Adjektiv auf Platz 1: Als die GfdS 1971 erstmals die Wörter des Jahres kürte, belegte aufmüpfig den ersten Platz.
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Die GfdS wählt alljährlich zehn Wörter und Wendungen aus, “die den öffentlichen Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet haben.” Das dokumentieren auch die Wörter, die in diesem Jahr auf den weiteren Plätzen gelandet sind:

  1. Brexit
  2. Silvesternacht
  3. Schmähkritik
  4. Trump-Effekt
  5. Social Bots
  6. schlechtes Blut
  7. Gruselclown
  8. Burkiniverbot
  9. und

  10. Oh, wie schön ist Panama

Wie sehr auch Einzelpersonen den öffentlichen Diskurs bestimmen können, zeigen insbesondere die Wörter Schmähkritik (Jan Böhmermann, der mit seinem Schmähgedicht auf das türkische Staatsoberhaupt die Grenzen der Satire auslotete), Trump-Effekt (Donald Trump, dessen Wahl zum US-Präsidenten Wegbereiter für andere Mehrheitsentscheidungen werden könnte) und schlechtes Blut (Recep Tayyip Erdoğan, der damit türkischstämmige Abgeordnete des deutschen Bundestags brandmarken wollte, die für die Armenien-Resolution gestimmt hatten).