Meinung: Quo vadis, Twitter? Und wen kümmert’s?

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Was hatte ich mit Twitter Spaß. So vor elf, zwölf Jahren, als ich, just for fun, ein paar Western verfasste und die Plattform nutzte, um dafür die Werbetrommel zu rühren. Und auch in den Jahren danach, wenn ich während bedeutender Sportwettkämpfe, Tatort-Erstausstrahlungen und anderer Fernsehereignisse an Echtzeit-Diskussionen zu eben diesen teilnahm.

Blocken half auf Twitter immer weniger

Auch als die ersten aus meinem Umfeld die Twitterei drangaben, weil sie sich angesichts immer häufigerer, immer heftigerer Pöbeleien dort zunehmend unwohl fühlten, blieb ich. Trolle, Schwurbler und andere Unsympathen blockte ich mir vom Halse und behielt so eine weitgehend deppenfreie Timeline.

Aber dann kam Covid-19, ein Virus, das offenbar selbst bei manchen Nicht-Infizierten die Blut-Hirn-Schranke überwindet. Kam ich schon zu Beginn der Pandemie mit dem Blocken kaum hinterher, brach mit der Entwicklung der ersten Impfstoffe endgültig der Irrsinn aus.

Bitte nicht falsch verstehen: Irrsinn ist nicht, das persönliche Risiko einer Impfkomplikation gegen das persönliche Risiko einer unvorbereiteten Infektion abzuwägen, und dabei zu einer Bewertung zu kommen, die sich von meiner Bewertung unterscheidet. Irrsinn ist es unter anderem, sachliche Diskussionen durch Todesdrohungen zu ersetzen.

Von wegen Zwitschern: Auf Twitter wird gepöbelt!

Von „Free Speech“ zu „Name & Shame“

Seither hat sich die Lage nicht gebessert, nicht global, und nicht auf Twitter. Und das wird sie wohl auch nicht mehr. Elon Musk ist ein enthusiastischer Verteidiger der freien Rede, Kollateralschäden nimmt er in Kauf. Es sei denn, die äußern sich in abwandernden Werbekunden:

Elon Musk zieht also ein thermonukleares Bloßstellen „abtrünniger“ Werbekunden in Erwägung. Dass die ihre Werbebotschaft nicht in einem Umfeld platzieren wollen, wie es Twitter derzeit bietet, scheint Musk nicht in den Sinn zu kommen. Oder dass sie mit dem von wenig Wertschätzung geprägten Umgang Musks mit seinen Mitarbeitern nicht identifiziert werden mögen. Es können nur „Aktivisten“ sein, mit denen es sich die Werber nicht verscherzen wollen, da ist der Aufbau einer Drohkulisse gewiss die wirksamste Gegenmaßnahme.

Wenn im alten Rom ein siegreicher Feldherr im Triumphzug durch die Ewige Stadt fuhr, stand hinter ihm stets ein Sklave. Der hatte einerseits die Aufgabe, dem Triumphator einen Lorbeerkranz über sein Haupt zu halten. Andererseits wiederholte er während des Triumphzugs immer wieder „Memento te hominem esse“ – „Bedenke, dass du ein Mensch bist“. Es war nicht alles schlecht im alten Rom.

Zum Beispiel gab es da kein Twitter.

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