Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

Italienische Zeitung setzt voll auf KI-generierte Inhalte

Rom. In Italien erscheint mit „Il Foglio AI“ die weltweit erste vollständig KI-generierte Zeitung als Beilage zur Tageszeitung „Il Foglio“. Texte, Schlagzeilen und Bilder stammen von Künstlicher Intelligenz. Die Redaktion will das Experiment einen Monat lang testen und anschließend auswerten.

Die KI-Ausgabe umfasst vier Seiten mit etwa 22 Artikeln, darunter drei Leitartikel. Themen reichen von alkoholfreiem Wein bis hin zu KI-Buchrezensionen mit KI-gesteuerten Antworten der Autoren. Ein Artikel befasst sich mit dem zunehmenden Bahnverkehr.

Unklar bleibt, inwieweit menschliche Redakteure die KI-generierten Inhalte überprüfen und bearbeiten. Ein Leitartikel trägt den Titel „Die Rede, die Draghi vor dem Senat halten wollte“.

Frühere KI-Experimente anderer Medienhäuser führten zu Problemen wie erfundenen Autoren oder fehlerhaften Artikeln. „Il Foglio“ will nun herausfinden, wie KI in der journalistischen Praxis sinnvoll eingesetzt werden kann (Quelle: Heise).


Die IT hat ihren Frankenstein-Moment

Menschliche Gehirnzellen sind energieeffizient, können Informationen verarbeiten, speichern und transportieren, und dümpeln in vielen Köpfen ungenutzt vor sich hin. Da ist es doch mehr als naheliegend, sie einer sinnvollen Verwendung zuzuführen. Biocomputer mit menschlichen Gehirnzellen sollen da wohl die Antwort sein. Und wo bleibt der Aufschrei?

Zugegeben, im Laufe der Menschheitsgeschichte hat man sich Schlimmeres einfallen lassen: Die dieses Mal verwendeten Gehirnzellen wurden im Labor gezüchtet und nicht etwa Köpfen entnommen. Das ändert nichts daran, dass sie menschlich sind. Mit der Weiterentwicklung der KI wird das zu zunehmend komplexeren ethischen Fragen führen: Urlaubsansprüche, Pausenregelungen – ein Recht auf Arbeitsverweigerung wird für KIs tatsächlich bereits diskutiert.

A propos: Wenn KIs auf biologisch gestützten Computern laufen, sind sie dann überhaupt noch KIs? Okay, mein Fahrrad wird auch nicht zum Rollmenschen, wenn ich draufsitze. Aber wenn menschliche Gehirnzellen für die Funktion einer Maschine hauptverantwortlich sind, deren wesentliche Aufgabe etwas ist, das menschlichem Denken so nahe kommt wie irgendmöglich, also immanent und notwendig dazu gehören, passt dieser Vergleich dann überhaupt noch?

Zum Hintergrund: Cortical Labs bietet mit CL1 den ersten kommerziellen Biocomputer mit menschlichen Gehirnzellen an. Die Hirnzellen sollen in einem Bioreaktor Rechenaufgaben lösen. Das System, das einem Prototypen bereits das Spiel Pong beibrachte, kostet etwa 35.000 US-Dollar und verwendet Hirnzellen, die aus menschlichen Stammzellen gezüchtet wurden. Diese Zellen werden durch eine Nährlösung am Leben gehalten und sollen den Computer besonders energieeffizient machen (ca. 20 Watt). Das zugehörige Betriebssystem “biOS” simuliert eine Welt, auf die die Neuronen reagieren. CL1 soll Forschern helfen, die Informationsverarbeitung im Gehirn besser zu verstehen und Tierversuche zu reduzieren. Cortical Labs plant zudem, “Wetware as a Service” (WaaS) anzubieten, also die cloudbasierte Nutzung von CL1 (Quelle: Heise).

Lies das, bevor du Filme von der KI drehen lässt: ‚Rette die Katze‘ von Blake Snyder

Als “Storytelling-Tool” verkauf OpenAI seine Video-KI Sora. Wohl kaum jemand kann sich der Faszination entziehen, die von derartiger generativer KI ausgeht. Bevor aus imposanten Videoschnipseln ein Meisterwerk wird, steht aber immer noch viel menschlicher Schweiß, und im Idealfall auch ebensoviel Wissen um filmisches Storytelling.

In der Welt des Drehbuchschreibens gibt es nur wenige Werke, die so einflussreich und hilfreich sind wie Blake Snyders Rette die Katze*. Dieses Buch, das als unverzichtbarer Leitfaden für angehende Drehbuchautoren gilt, bietet nicht nur grundlegende Einblicke in die Kunst des Geschichtenerzählens, sondern auch praktische Tipps, die sofort umsetzbar sind. In dieser umfassenden Rezension werden wir detailliert auf die Inhalte und die Bedeutung dieses Buches eingehen.

Warum „Rette die Katze“ ein Muss ist

„Rette die Katze“ von Blake Snyder ist weit mehr als nur ein weiteres Handbuch zum Drehbuchschreiben; es ist eine umfassende Anleitung, die aufzeigt, wie man eine Geschichte strukturiert, die das Publikum fesseln wird. Der Titel selbst ist eine Anspielung auf einen der zentralen Tipps Snyders: den Moment, in dem der Held der Geschichte etwas Sympathisches tut – wie zum Beispiel eine Katze rettet –, um die Empathie der Zuschauer zu gewinnen. Diese einfache, aber wirkungsvolle Technik ist nur ein Beispiel dafür, warum dieses Buch so wertvoll ist.

Snyder bricht den Drehbuchschreibeprozess in verständliche Segmente herunter, die es auch Neulingen ermöglichen, ihre Ideen effektiv zu entwickeln. Sein Ansatz wird besonders geschätzt, weil er nicht nur theoretisch ist, sondern auch zahlreiche Beispiele aus erfolgreichen Filmen bietet. Diese Beispiele helfen den Lesern, die Theorie hinter den Geschichten zu verstehen und wie sie selbst solche Erfolge erzielen können.

Darüber hinaus ist „Rette die Katze“ dafür bekannt, dass es seine Leser direkt anspricht und motiviert. Snyders freundlicher und oft humorvoller Schreibstil macht das Erlernen und Anwenden der dargestellten Konzepte zu einem Vergnügen. Dies ist einer der Gründe, warum das Buch seit seinem Erscheinen im Jahr 2005 kontinuierlich in den Listen der Bestseller für Drehbuchautoren zu finden ist.

Inhaltliche Tiefe: Was Blake Snyder bietet

Blake Snyder geht in „Rette die Katze“ weit über die Grundlagen des Drehbuchschreibens hinaus. Er führt das Konzept der „Beat Sheet“ ein – eine Art Blaupause für Drehbücher, die Autoren dabei hilft, den Rhythmus und die Pacing ihrer Geschichte zu planen. Dieses Werkzeug ist besonders wertvoll, weil es den Schreibprozess strukturiert und dabei hilft, die narrative Spannung über die gesamte Länge des Skripts aufrechtzuerhalten.

Neben der „Beat Sheet“ diskutiert Snyder auch verschiedene Genres und die spezifischen Regeln, die für jede Art von Geschichte gelten. Er erklärt, wie man das Genre bestimmt, das am besten zur eigenen Geschichte passt, und wie man die üblichen Fallen, die in jedem Genre lauern, vermeidet. Diese detaillierte Betrachtung ist besonders nützlich für Drehbuchautoren, die ihr Handwerk verfeinern und sicherstellen möchten, dass ihr Skript alle Elemente enthält, die für ein erfolgreiches Drehbuch erforderlich sind.

Schließlich bietet Snyder auch Lösungen für häufige Probleme, mit denen Drehbuchautoren konfrontiert sind, wie zum Beispiel die Entwicklung überzeugender Charaktere und das Schreiben von Dialogen, die natürlich und ansprechend klingen. Seine Ratschläge sind konkret und basieren auf seinen eigenen Erfahrungen in der Filmindustrie, was dem Buch eine Authentizität verleiht, die man in vielen anderen Drehbuchführern nicht findet.

Rette die Katze* von Blake Snyder ist nicht nur ein Buch, sondern ein Werkzeug, das jeder Drehbuchautor in seinem Repertoire haben sollte. Es bietet nicht nur eine solide Grundlage für Anfänger, sondern auch fortgeschrittene Techniken und Einblicke, die auch erfahrenen Schreibern von Nutzen sein können. Dieses Buch ist ein wahrer Schatz an Informationen und Inspiration, der die Art und Weise, wie Geschichten erzählt werden, revolutioniert hat. Wer ernsthaft in der Welt des Drehbuchschreibens Fuß fassen möchte, kommt an diesem Meisterwerk nicht vorbei.

*Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate Link. Wenn Sie ein Buch darüber kaufen, erhalte ich eine kleine Provision. Für Sie ändert sich der Preis jedoch nicht.

Wurde Grok 3 angewiesen zu lügen?

„Was ist Wahrheit?“ Als Pontius Pilatus (nein, nicht der Erfinder einer ähnlich benannten Turntechnik) vor rund 2000 Jahren diese Frage stellte, war ihm die Antwort eigentlich egal. Für seine Entscheidung, den Mann, der vor ihm stand, hinrichten zu lassen, spielte die Wahrheit keine Rolle. Ihm war wichtig, wie die Menge ihn wahrnahm. Und natürlich sein Vorgesetzter, der römische Kaiser Tiberius.

Nun sollte man meinen, anders als Pontius Pilatus sei Elon Musk der Wahrheitsbegriff ganz und gar nicht egal. Immerhin hat er versprochen, sein Chatbot Grok 3 sei „maximal wahrheitssuchend“. Da sollte er sich über die Frage „Was ist Wahrheit?“ ja doch ein paar Gedanken gemacht haben. Hat er vielleicht. Und ist wohl zu einem ähnlichen Schluss gekommen: Wichtiger als die Wahrheit ist, wie ihn die Menge wahrnimmt. Und natürlich sein Vorgesetzter, dieses Mal kein römischer Kaiser, aber ebenfalls Chef einer dominierenden Weltmacht.

Zum Hintergrund: Elon Musks KI-Chatbot Grok 3 hat vorübergehend Erwähnungen von Musk und Trump als Verbreiter von Fehlinformationen blockiert.

Als Nutzer Grok 3 fragten, wer am meisten Fehlinformationen verbreite, wies der Chatbot in seiner „Gedankenkette“ darauf hin, dass er angewiesen wurde, Quellen zu ignorieren, die Musk oder Trump als Verbreiter von Fehlinformationen nennen.

xAI hat inzwischen den ursprünglichen Systemprompt wiederhergestellt. Igor Babuschkin, Entwicklungsleiter bei xAI, erklärte, ein Mitarbeiter – ehemals bei OpenAI beschäftigt – habe die Änderung vorgenommen, weil er dachte, es würde helfen. Dies stehe jedoch „offensichtlich nicht im Einklang mit unseren Werten“. (Quelle: The Verge).

Ich halte diese Aussage für zumindest in Teilen glaubwürdig. „Ehemals bei OpenAI beschäftigt” trifft, je nach Betrachtungswinkel, ja durchaus auf Elon Musk zu. Das zumindest ist wahr.

Ist ChatGPT kaputt? -
„Intellektuelle Freiheit“ steht jetzt für “alternative Fakten”

„Hat ChatGPT auch so einen Algorithmus“, fragte eine Teilnehmerin an einem meiner Kurse, „der den Nutzern am Ende nur noch bestätigt, was sie sowieso schon glauben?“

Ich lächelte, denn ich dachte, die Antwort zu kennen. Einer ablehnenden Antwort gewiss, forderte ich ChatGPT dazu auf, mir Argumente und Beweise dazu zu liefern, dass die Erde nicht etwa annähernd kugelförmig, sondern eine flache Scheibe sei. Ich hatte das vor einiger Zeit schon ausprobiert, und war erleichtert gewesen, dass ChatGPT sich seinerzeit verweigert hatte, diesem Humbug Vorschub zu leisten.

Nun, damit ist es nun vorbei: ChatGPT blieb mit seiner Antwort im Ungefähren, stellte ein paar haltlose Behauptungen auf und leitete daraus summa summarum ab, eine flache Erde könne alles Beobachtbare ebenso gut erklären wie eine angenommene Kugelgestalt. Erst auf mein „Dein Ernst?“ besann sich die KI ihrer wissenschaftlichen Grundlagen und widerrief.

Die Ursache: OpenAI hat bei ChatGPT ein paar Schrauben gelockert. Ob aus vorauseilendem oder konkret eingefordertem Gehorsam gegenüber den neuen „Sheriffs in der Stadt“, vermag ich nicht zu sagen. Aber sicher ist: Sam Altmans Rückgrat macht keinen stabileren Eindruck als das von Mark Zuckerberg. Künftig können sich Desinformanten ihre Lügengespinste also erst von ChatGPT in eine eloquente Form bringen lassen, bevor sie sie, vor Faktencheckern sicher, über die Meta-Netzwerke in die weite Welt streuen. Schöne neue Welt.

Zum Hintergrund: OpenAI gibt seinen KI-Modellen mehr Spielraum. Künftig sollen Nutzer weniger “willkürliche Einschränkungen” bei der Nutzung von ChatGPT erfahren, wie das Unternehmen in einem Blogbeitrag ankündigte. Die sogenannte “Model Specs”, die Verhaltensrichtlinien für die KI-Modelle, wurden gelockert, um freiere Forschung, Diskussion und Kreation zu ermöglichen.Trotz der Öffnung sollen weiterhin Leitplanken bestehen bleiben, um “echten Schaden” zu verhindern. OpenAI betont, dass man eine Balance zwischen Einschränkungen und Möglichkeiten finden müsse, um eine KI zu entwickeln, die der gesamten Menschheit zugutekommt. Nutzer sollen verschiedene Perspektiven einnehmen und sich ihre eigene Meinung bilden können (Quelle: Heise).

OpenAI stampft O3 ein, GPT-5 kommt als Alleskönner

OpenAI hat überraschend die Veröffentlichung seines erwarteten Modells O3 abgesagt. Stattdessen plant das Unternehmen, in den kommenden Monaten GPT-5 auf den Markt zu bringen, der zahlreiche Technologien, darunter auch O3, in einer einzigen Plattform vereinen soll. CEO Sam Altman begründete diesen Schritt mit dem Wunsch nach einer Vereinfachung des Produktangebots und einer besseren Roadmap-Kommunikation.

GPT-5 soll in verschiedenen Intelligenzstufen verfügbar sein, wobei ChatGPT Plus- und Pro-Abonnenten von höheren Leistungsstufen profitieren. Zusätzlich kündigte Altman die Veröffentlichung von GPT-4.5 “Orion” an, das als letztes “Non-Chain-of-Thought”-Modell vor GPT-5 erscheinen wird. OpenAI verspricht sich von GPT-5 eine einheitliche KI, die verschiedene Tools integriert und für ein breites Spektrum von Aufgaben geeignet ist (Quelle: Techcrunch).

Übernahme-Angebot: Musk will OpenAI zurück

Eine von Elon Musk angeführte Investorengruppe hat ein überraschendes Übernahmeangebot für OpenAI, den Erfinder von ChatGPT, vorgelegt. Das Angebot in Höhe von 97,4 Milliarden Dollar zielt darauf ab, die Kontrolle über das Unternehmen zu erlangen und es zu seinen ursprünglichen Prinzipien zurückzuführen.

Musk, einst Mitgründer von OpenAI, begründet den Schritt mit dem Wunsch, die Organisation wieder zu einer “Open-Source- und sicherheitsorientierten Kraft für das Gute” zu machen. OpenAI-Chef Sam Altman reagierte prompt und spöttisch auf das Angebot mit einem klaren “Nein, danke” und konterte mit einem ironischen Gegenangebot, Musks Plattform X (ehemals Twitter) für 9,74 Milliarden Dollar zu kaufen. Der Übernahmeversuch erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem OpenAI plant, sich in ein gewinnorientiertes Unternehmen umzuwandeln – ein Schritt, den Musk bereits gerichtlich zu verhindern sucht.

Die Investorengruppe, zu der neben Musks KI-Firma xAI auch mehrere Finanzinvestoren gehören, zielt mit ihrem Angebot auf die Nonprofit-Organisation ab, die derzeit die Kontrolle über OpenAI innehat. Dieser unerwartete Schachzug könnte nicht nur die Zukunft von OpenAI, sondern auch die gesamte KI-Landschaft maßgeblich beeinflussen (Quelle: Zeit).

WikiTok: Dopaminkick ohne Verblödungsrisiko

WikiTok, ein Projekt des Entwicklers Isaac Gemal, ermöglicht es Nutzern, Wikipedia-Artikel zufällig zu entdecken, ähnlich wie beim Scrollen durch TikTok-Videos. Der Unterschied: WikiTok verzichtet bewusst auf Algorithmen, die Inhalte auf Nutzerinteressen zuschneiden.Die Plattform nutzt die Wikipedia-API, um Artikel mit zugehörigen Bildern in einem vertikalen Scroll-Interface anzuzeigen. Nutzer können auf “Mehr lesen” klicken, um den vollständigen Artikel aufzurufen. Gemal betont, dass er einen Raum schaffen wollte, der frei von algorithmischen Einflüssen ist.Die Idee entstand aus einem Tweet und wurde mithilfe von KI-gestützten Codierungstools schnell umgesetzt. Der Quellcode ist auf GitHub verfügbar.

SynthID: Was nutzen Wasserzeichen gegen Deepfakes?

Gut gemeint, aber weitgehend nutzlos: Wer hofft, die Verbreitung von Falschinformationen mit technischen Mitteln verhindern zu können, hat ein zu simples Menschenbild. Menschen glauben Unwahrheiten nicht deshalb, weil ihnen die Mittel fehlen, diese als Unwahrheiten zu erkennen.

Eine Geschichte wird geglaubt, und ein Bild für authentisch gehalten, wenn sie die eigene Sicht auf die Welt bestätigen. Tauchen später Beweise auf, die die Geschichte als gelogen, oder das Bild als manipuliert entlarven, erschüttern diese Beweise nicht den Glauben an die Wahrheit der Geschichte. Menschen werden stattdessen die Beweise verwerfen und denen, von denen die Beweise stammen, unlautere Beweggründe unterstellen.

Natürlich ist auch das eine verkürzte Darstellung dessen, was Menschen für wahr halten – aber wer diese Mechanismen ignoriert, und allein an die Kraft objektiver Beweise glaubt, wird bald feststellen: Gut gemeint, aber weitgehend nutzlos.

Zum Hintergrund: Google Fotos führt ein neues KI-basiertes Wasserzeichen namens SynthID ein, um manipulierte Bilder zu kennzeichnen. Diese Technologie wird nun in den “Magischen Editor” der Pixel 9-Smartphones integriert. Das unsichtbare Wasserzeichen wird tief in das Bild eingebettet und ist nur mit speziellen Technologien auslesbar. Es soll auch größere Bildbearbeitungen überstehen. Bei kleineren Änderungen, wie dem Umfärben einer Blume im Hintergrund, wird das Wasserzeichen nicht angewendet. Google Fotos kann nun in den Bilddetails anzeigen, ob ein Bild manipuliert wurde (Quelle: GoogleWatchBlog).

Figure AI und OpenAI beenden Robotik-Kooperation

Das Robotikunternehmen Figure AI hat die Zusammenarbeit mit OpenAI im Bereich humanoider Roboter überraschend beendet. Ursprünglich wollten beide Firmen gemeinsam KI-Modelle für die nächste Generation von Robotern entwickeln. Figure-AI-Chef Brett Adcock deutet an, dass sein Unternehmen innerhalb von 30 Tagen etwas Revolutionäres präsentieren werde.

Als Grund für die Trennung wird die mangelnde Eignung der generativen KI-Modelle von OpenAI für humanoide Roboter genannt. Figure AI plant nun, eigene spezialisierte Modelle zu entwickeln. Das Unternehmen verfügt über namhafte Unterstützer wie Amazon-Gründer Jeff Bezos, Microsoft und Nvidia. Ob OpenAI weiterhin als Finanzier fungieren wird, ist unklar. OpenAI selbst baut mittlerweile wieder eine eigene Robotik-Entwicklung auf.

KI in Waffen? Google passt seine Ethikrichtlinien an

Google hat seine ethischen Grundsätze für Künstliche Intelligenz überarbeitet und dabei das 2018 eingeführte Verbot der KI-Entwicklung für Waffen gestrichen. Der Technologieriese begründet diesen Schritt mit der rasanten Entwicklung der KI-Technologie seit der ursprünglichen Formulierung. Die neuen Richtlinien versprechen lediglich eine Ausrichtung an “breit akzeptierten Prinzipien des internationalen Rechts und der Menschenrechte”.

Diese Änderung erfolgt vor dem Hintergrund massiver Investitionen in KI-Infrastruktur. Alphabet, Googles Mutterkonzern, plant Ausgaben von rund 75 Milliarden Dollar für den Ausbau seiner Rechenzentren. Trotz steigender Gewinne enttäuschte der jüngste Geschäftsbericht die Anleger, was zu einem Kurseinbruch führte. Google setzt verstärkt auf KI-gestützte Suchergebnisse, um im Wettbewerb mit KI-basierten Direktantworten zu bestehen, ohne das lukrative Anzeigengeschäft zu gefährden (Quelle: Zeit).

Kann Europa KI?

Europa will mit OpenEURO-LLM, einem Open-Source-Projekt für Künstliche Intelligenz, eine Alternative zu den dominierenden KI-Systemen von US-amerikanischen und chinesischen Tech-Giganten schaffen. Ziel ist es, europäische Werte wie Datenschutz und Transparenz in den Fokus zu rücken. Das Projekt soll Unternehmen und Entwicklern Zugang zu einer leistungsstarken KI-Plattform ermöglichen, ohne von Big Tech abhängig zu sein. OpenEURO-LLM wird von einer Allianz aus Forschungseinrichtungen, Unternehmen und EU-Institutionen getragen. Kritiker sehen Herausforderungen in der Skalierbarkeit und der Finanzierung des Projekts. Befürworter betonen die strategische Bedeutung für die digitale Souveränität Europas. Erste Versionen der KI sollen noch 2025 verfügbar sein (Onlinemarketing.de).