Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

SynthID: Was nutzen Wasserzeichen gegen Deepfakes?

Gut gemeint, aber weitgehend nutzlos: Wer hofft, die Verbreitung von Falschinformationen mit technischen Mitteln verhindern zu können, hat ein zu simples Menschenbild. Menschen glauben Unwahrheiten nicht deshalb, weil ihnen die Mittel fehlen, diese als Unwahrheiten zu erkennen.

Eine Geschichte wird geglaubt, und ein Bild für authentisch gehalten, wenn sie die eigene Sicht auf die Welt bestätigen. Tauchen später Beweise auf, die die Geschichte als gelogen, oder das Bild als manipuliert entlarven, erschüttern diese Beweise nicht den Glauben an die Wahrheit der Geschichte. Menschen werden stattdessen die Beweise verwerfen und denen, von denen die Beweise stammen, unlautere Beweggründe unterstellen.

Natürlich ist auch das eine verkürzte Darstellung dessen, was Menschen für wahr halten – aber wer diese Mechanismen ignoriert, und allein an die Kraft objektiver Beweise glaubt, wird bald feststellen: Gut gemeint, aber weitgehend nutzlos.

Zum Hintergrund: Google Fotos führt ein neues KI-basiertes Wasserzeichen namens SynthID ein, um manipulierte Bilder zu kennzeichnen. Diese Technologie wird nun in den “Magischen Editor” der Pixel 9-Smartphones integriert. Das unsichtbare Wasserzeichen wird tief in das Bild eingebettet und ist nur mit speziellen Technologien auslesbar. Es soll auch größere Bildbearbeitungen überstehen. Bei kleineren Änderungen, wie dem Umfärben einer Blume im Hintergrund, wird das Wasserzeichen nicht angewendet. Google Fotos kann nun in den Bilddetails anzeigen, ob ein Bild manipuliert wurde (Quelle: GoogleWatchBlog).

Figure AI und OpenAI beenden Robotik-Kooperation

Das Robotikunternehmen Figure AI hat die Zusammenarbeit mit OpenAI im Bereich humanoider Roboter überraschend beendet. Ursprünglich wollten beide Firmen gemeinsam KI-Modelle für die nächste Generation von Robotern entwickeln. Figure-AI-Chef Brett Adcock deutet an, dass sein Unternehmen innerhalb von 30 Tagen etwas Revolutionäres präsentieren werde.

Als Grund für die Trennung wird die mangelnde Eignung der generativen KI-Modelle von OpenAI für humanoide Roboter genannt. Figure AI plant nun, eigene spezialisierte Modelle zu entwickeln. Das Unternehmen verfügt über namhafte Unterstützer wie Amazon-Gründer Jeff Bezos, Microsoft und Nvidia. Ob OpenAI weiterhin als Finanzier fungieren wird, ist unklar. OpenAI selbst baut mittlerweile wieder eine eigene Robotik-Entwicklung auf.

KI in Waffen? Google passt seine Ethikrichtlinien an

Google hat seine ethischen Grundsätze für Künstliche Intelligenz überarbeitet und dabei das 2018 eingeführte Verbot der KI-Entwicklung für Waffen gestrichen. Der Technologieriese begründet diesen Schritt mit der rasanten Entwicklung der KI-Technologie seit der ursprünglichen Formulierung. Die neuen Richtlinien versprechen lediglich eine Ausrichtung an “breit akzeptierten Prinzipien des internationalen Rechts und der Menschenrechte”.

Diese Änderung erfolgt vor dem Hintergrund massiver Investitionen in KI-Infrastruktur. Alphabet, Googles Mutterkonzern, plant Ausgaben von rund 75 Milliarden Dollar für den Ausbau seiner Rechenzentren. Trotz steigender Gewinne enttäuschte der jüngste Geschäftsbericht die Anleger, was zu einem Kurseinbruch führte. Google setzt verstärkt auf KI-gestützte Suchergebnisse, um im Wettbewerb mit KI-basierten Direktantworten zu bestehen, ohne das lukrative Anzeigengeschäft zu gefährden (Quelle: Zeit).

Kann Europa KI?

Europa will mit OpenEURO-LLM, einem Open-Source-Projekt für Künstliche Intelligenz, eine Alternative zu den dominierenden KI-Systemen von US-amerikanischen und chinesischen Tech-Giganten schaffen. Ziel ist es, europäische Werte wie Datenschutz und Transparenz in den Fokus zu rücken. Das Projekt soll Unternehmen und Entwicklern Zugang zu einer leistungsstarken KI-Plattform ermöglichen, ohne von Big Tech abhängig zu sein. OpenEURO-LLM wird von einer Allianz aus Forschungseinrichtungen, Unternehmen und EU-Institutionen getragen. Kritiker sehen Herausforderungen in der Skalierbarkeit und der Finanzierung des Projekts. Befürworter betonen die strategische Bedeutung für die digitale Souveränität Europas. Erste Versionen der KI sollen noch 2025 verfügbar sein (Onlinemarketing.de).

Standardwerk für alle, die überzeugen wollen -
Cialdinis Psychologie des Überzeugens

Die Psychologie des Überzeugens * von Robert B. Cialdini gilt als ein Meilenstein in der Welt der Sozialpsychologie und der Überzeugungskunst. Dieses Werk hat sich zum Standardwerk für alle entwickelt, die verstehen wollen, wie Menschen beeinflusst werden können. Die Relevanz und Anwendungsmöglichkeiten der Überzeugungsstrategien, die in diesem Buch dargelegt werden, sind sowohl für den Alltag als auch für berufliche Kontexte immens. In diesem Artikel werfen wir einen detaillierten Blick auf die von Cialdini vorgestellten Strategien und wie diese die Kunst der Beeinflussung auf ein neues Level heben.

Einblick in Cialdinis Überzeugungsstrategien

Cialdini präsentiert in seinem Werk sechs grundlegende Prinzipien, die erklären, warum Menschen sich auf bestimmte Weise verhalten, wenn sie beeinflusst werden. Diese Prinzipien sind Reziprozität, Commitment und Konsistenz, soziale Bewährtheit, Sympathie, Autorität und Knappheit. Jedes dieser Prinzipien bietet einen tiefen Einblick in die menschliche Natur und zeigt auf, wie subtile psychologische Tricks und soziale Dynamiken genutzt werden können, um das Verhalten anderer zu lenken.

Das Prinzip der Reziprozität basiert auf der menschlichen Neigung, Gefälligkeiten zu erwidern. Cialdini zeigt, dass Menschen, wenn ihnen etwas angeboten wird, sich verpflichtet fühlen, dieses entgegenzukommen. Dies manifestiert sich nicht nur im sozialen Kontext, sondern auch im Marketing und Verkauf, wo kostenlose Proben oft zu Käufen führen. Dieses Prinzip ist besonders mächtig, da es tief in der menschlichen Kultur verwurzelt ist.

Ein weiteres bemerkenswertes Prinzip ist das der sozialen Bewährtheit. Menschen neigen dazu, sich an das Verhalten anderer zu orientieren, um in ungewissen Situationen Sicherheit zu gewinnen. Cialdini erläutert, dass dieses Verhalten sowohl in alltäglichen Situationen als auch in größeren sozialen Bewegungen beobachtet werden kann. Dieses Prinzip kann jedoch auch gefährlich sein, wenn es blindlings verfolgt wird, wie Cialdini anhand von Beispielen aus der Geschichte zeigt.

Die Kunst der Beeinflussung meisterhaft erklärt

Cialdini versteht es meisterhaft, komplexe psychologische Theorien in verständliche und anwendbare Konzepte zu übersetzen. Seine Erklärungen sind mit zahlreichen Beispielen aus dem realen Leben angereichert, die die Wirksamkeit seiner Prinzipien untermauern. Diese Herangehensweise macht das Buch nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für Laien interessant und zugänglich.

Ein weiterer Aspekt, der “Die Psychologie des Überzeugens” so wertvoll macht, ist die praktische Anwendung der Prinzipien. Cialdini gibt nicht nur theoretische Erklärungen, sondern zeigt auch auf, wie diese in verschiedenen Kontexten eingesetzt werden können, um erfolgreicher zu kommunizieren und zu überzeugen. Dies macht das Buch zu einem nützlichen Werkzeug für Manager, Verkäufer und Marketingexperten gleichermaßen.

Schließlich betont Cialdini auch die ethische Dimension der Beeinflussung. Obwohl seine Prinzipien starke Werkzeuge sind, warnt er vor deren missbräuchlichem Einsatz. Er plädiert für einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Strategien und unterstreicht, dass die Macht der Überzeugung auch mit einer ethischen Verantwortung einhergeht. Dies verleiht dem Buch eine moralische Tiefe, die es von reinen Ratgebern unterscheidet.

“Die Psychologie des Überzeugens” ist ein Buch, das die Fähigkeit besitzt, nicht nur unser Verständnis von menschlichem Verhalten zu erweitern, sondern auch unsere Fähigkeiten zur Beeinflussung und Kommunikation erheblich zu verbessern. Durch Cialdinis klare und einprägsame Darstellungen der psychologischen Prinzipien wird der Leser befähigt, diese in verschiedenen Lebensbereichen anzuwenden. Gleichzeitig ruft das Buch dazu auf, diese Macht mit Bedacht und Verantwortung einzusetzen. In einer Welt, in der Kommunikation und Beeinflussung allgegenwärtig sind, bleibt Cialdinis Werk ein unverzichtbarer Leitfaden für alle, die die Kunst der Überzeugung meistern möchten.

*Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate Link. Wenn Sie ein Buch darüber kaufen, erhalte ich eine kleine Provision. Für Sie ändert sich der Preis jedoch nicht.

Erstes EU-Land sperrt DeepSeek

Die italienische Datenschutzbehörde Garante hat die Nutzung der KI-App Deepseek im Land untersagt. Grund sind unzureichende Antworten des chinesischen Unternehmens auf Fragen zur Verarbeitung personenbezogener Daten italienischer Nutzer:innen. Deepseek bestritt die Zuständigkeit der Behörde und lieferte Informationen, die laut Garante „völlig unzureichend“ waren.

Agostino Ghiglia, Vorstandsmitglied der Behörde, erklärte, dass die mangelnde Kooperation zur Sperrung geführt habe. Die App ist für italienische Nutzer:innen nicht mehr zugänglich; eine Untersuchung wurde eingeleitet. Auch Datenschutzbehörden in Irland und Frankreich nehmen Deepseek unter die Lupe.

ChatGPT erhält autonome Tiefenrecherche-Funktion “Deep Research”

OpenAI hat die Funktion “Deep Research” für ChatGPT vorgestellt. Sie ermöglicht autonome, mehrstufige Tiefenrecherchen und richtet sich an Nutzer in wissensintensiven Bereichen. Das System plant und führt komplexe Analysen durch, passt sich an Echtzeitinformationen an und zeigt den Prozess transparent in einer Seitenleiste. Die Bearbeitungszeit liegt zwischen 5 und 30 Minuten. Zunächst ist die Funktion nur für zahlende Pro-Nutzer verfügbar.

Diese fortschrittliche Funktion hebt sich deutlich von herkömmlichen Suchmaschinen ab, indem sie mehrstufige, komplexe Analysen vornimmt, statt nur einfache Suchanfragen zu bearbeiten. Der erhöhte Zeitaufwand rechtfertigt sich bei komplexen Fragestellungen schnell. Die neue Funktion verspricht Wissensarbeitern etliche Stunden Zeitersparnis.

“Human Written” – Schriftstellerverband führt Anti-KI-Siegel ein

Der US-Schriftstellerverband Authors Guild hat ein neues Label eingeführt, um von Menschen verfasste Werke von KI-generierten Inhalten zu unterscheiden. Das “Human-Written”-Siegel soll Lesern Orientierung bieten und die Arbeit menschlicher Autoren würdigen. Verlage und Autoren können das Label freiwillig nutzen. Die Initiative reagiert auf die zunehmende Verbreitung von KI-Texten und soll das Vertrauen in menschliche Kreativität stärken (Quelle: SEO Südwest).

WhatsApp-Sicherheitslücke: Spyware-Angriff auf Journalisten weltweit

Eine Sicherheitslücke in WhatsApp wurde für einen gezielten Spyware-Angriff auf rund 90 Journalisten, Menschenrechtsaktivisten und Regierungsmitarbeiter ausgenutzt. Die Angriffe, die mutmaßlich von staatlichen Akteuren initiiert wurden, erfolgten über manipulierte Nachrichten. Die Opfer wurden durch die Installation der Überwachungssoftware Pegasus ausgespäht.

Die Angreifer nutzten dazu manipulierte PDF-Dateien, die in Gruppenchats verschickt wurden. Diese infizierten die Smartphones der Nutzer automatisch, ohne dass eine Aktion erforderlich war.WhatsApp-Betreiber Meta bestätigte die Vorfälle und arbeitet an einer Lösung (Quelle: Heise).

Sichtbare Denkprozesse: Gratis-Upgrade für Microsoft Copilot

Microsoft integriert die neue Funktion “Think Deeper” in seinen KI-Assistenten Copilot. Basierend auf OpenAIs o1-Modell wird diese Erweiterung allen Nutzern kostenlos zur Verfügung gestellt. Think Deeper ermöglicht eine tiefgreifendere Analyse komplexer Fragestellungen und präsentiert Ergebnisse in strukturierter Form. Die Funktion, die zuvor nur für Copilot Pro Abonnenten verfügbar war, wird nun für alle Nutzer freigeschaltet. Einsatzmöglichkeiten reichen von Optionsvergleichen bis hin zur Reiseplanung (Quelle: Caschy).

Alles nur geklaut? OpenAI wirft DeepSeek Diebstahl vor

OpenAI erhebt schwere Vorwürfe gegen das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek: Das Start-up soll eigene Modelle mithilfe von ChatGPT-generierten Inhalten trainiert haben – entgegen den Nutzungsbedingungen. Anhaltspunkte dafür lieferten Screenshots, in denen sich DeepSeek selbst als ChatGPT identifizierte. Hintergrund ist das Verfahren der „Destillation“, bei dem kleinere KI-Modelle durch Output größerer Systeme optimiert werden.

DeepSeek hatte zuletzt mit kostengünstigen Modellen auf sich aufmerksam gemacht, die laut Benchmarks OpenAI-Produkten ebenbürtig sein sollen. Ironischerweise steht OpenAI selbst in der Kritik, urheberrechtlich geschütztes Material ohne Genehmigung verwendet zu haben, beruft sich aber auf Fair-Use-Regelungen (Quelle: ComputerBase).

Besser und (viel) billiger: KI-Startup Deepseek fordert Tech-Giganten heraus

Das chinesische KI-Startup Deepseek hat mit seinem neuen Sprachmodell DeepSeek-R1 für Aufsehen gesorgt. Das Modell übertrifft in Benchmarks die Leistungen etablierter Modelle wie GPT-4 und Claude 2 bei einem Bruchteil von deren Trainingskosten. Das stellt eine ernsthafte Herausforderung für Tech-Giganten wie OpenAI und Anthropic dar. Auch die Aktien des Chipherstellers Nvidia haben nach der Veröffentlichung von Deepseek deutlich nachgegeben. DeepSeek-R1 ist vollständig Open Source und wird unter der MIT-Lizenz bereitgestellt, wodurch das Modell frei genutzt und sogar kommerziell weiterentwickelt werden kann (Quelle: Onlinemarketing.de).