Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

Psychologen warnen vor KI-Einsatz als Lügendetektor

Psychologen schlagen Alarm vor dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Lügenerkennung. Die Verwendung von KI-Systemen könnte die Fähigkeit zur Wahrheitserkennung beeinträchtigen, so die Warnung. Experten betonen die potenziellen Risiken und ethischen Bedenken, die mit dem Einsatz von KI in diesem Bereich einhergehen. Die Diskussion über die Auswirkungen von KI auf die menschliche Fähigkeit, Lügen zu erkennen, gewinnt an Bedeutung und wirft wichtige Fragen zur Vertrauenswürdigkeit von Technologie in der Gesellschaft auf (Quelle: Golem).

Dirk meint: Serien wie “Lie To Me” (von der ich mich übrigens bestens unterhalten gefühlt habe) suggerieren, wer nur genau genug hinsehe, könne jedem Menschen an der Augenpartie, den Stirnfalten, den Mundwinkeln und den Ohrläppchen ansehen, wie hoch der Wahrheitsgehalt seiner Äußerungen ist. Wäre das so, könnte KI – weil sehr gut darin, Muster zu erkennen – tatsächlich als Wahrheitsfinder dienen. Nur sind Menschen nicht derart berechenbar. Manche haben das Zeug zum Gebrauchtwagenhändler oder Spitzenpolitiker und tischen anderen noch die dreisteste Unwahrheit auf, ohne dass man es ihnen je ansähe. Andere sind sich ihrer selbst so unsicher, dass sie ins Stottern geraten, wenn sie die Anzahl ihrer Finger benennen sollen. Muster zu erkennen, um Lügner zu entlarven, reicht ganz sicher nicht. Ist KI das Ende aller Lügen? Sicher nicht.

Mögliche Websuche via ChatGPT in Kürze?

OpenAI und Microsoft könnten schon bald eine Websuche über ChatGPT anbieten. Gerüchten zufolge könnte dies bereits am 9. Mai der Fall sein. Ein Reddit-Nutzer hat SSL-Zertifikate für die Domäne search.chatgpt.com entdeckt, was auf diese Pläne hindeutet. Außerdem gibt es einen Tweet, der diese Informationen bestätigt. Die Unternehmen treiben das KI-Rennen weiter voran und wollen ihre Technologie für die Websuche nutzbar machen (Quelle: Caschyhttps://netknowhow.de/caschy-chatgptwebsuche ).

Dirk meint: Eine vom übrigen Chat abgegrenzte KI-gestützte Suche? Ich weiß nicht, ob das Sinn ergibt. In die Antworten wahlweise Online-Quellen aufzunehmen, wie es Perplexity oder Bing ja schon tun, wäre eher logisch. Die Zeit bis zum 9. Mai ist nicht mehr lang, deshalb lege ich mich jetzt einfach mal fest: Da kommt nix. Sich ein paar Thirdlevel-Domains anzulegen und dafür auch schon mal SSL-Zertifikate anzuschaffen, ist kein unvertretbarer Aufwand, auch wenn die Pläne, was damit passieren soll, noch im Entwurfsstadium sind. Da gab’s schon plausiblere Gerüchte.

ChatGPT lernt, sich an dich zu erinnern

ChatGPT Plus kann nun Informationen speichern und abrufen, um Nutzer besser zu unterstützen. Die neue Funktion ermöglicht es dem KI-Assistenten, sich an frühere Konversationen und Informationen zu erinnern. Dadurch kann ChatGPT Zusammenhänge besser verstehen und Antworten kontextbezogener geben. Experten sehen in dieser Erweiterung einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Nutzererfahrung mit dem populären Chatbot (Quelle: Onlinemarketing.de).

Dirk meint: Dass sich Onlinedienste erinnern, ist nicht wirklich etwas Neues – Amazon weiß, was für Bücher ich gerne lese, Google weiß, wo ich mich herumtreibe, wonach ich suche, mit wem ich telefoniere. Der Unterschied ist vor allem ein gefühlter. Wenn ich google, oder shoppe, lassen die Dienste unauffällig im Hintergrund die über mich gespeicherten Informationen einfließen. Aber mit ChatGPT kann ich menschenähnliche Gespräche führen. „Weißt du noch, wir unterhielten uns neulich über …”, und irgendwann später „Weißt du noch damals …”. Bin ich der einzige, den das gruselt?

Google: Gemini kann jetzt auch bei Mail, Maps und Co. assistieren

Google erweitert die Möglichkeiten seines KI-Assistenten Gemini in Deutschland. Nutzer können Gemini nun mit Google-Apps wie Maps, Gmail und YouTube verknüpfen und so von dessen Funktionen profitieren. Gemini kann Informationen aus diesen Diensten abrufen und für den Nutzer aufbereiten, etwa um Reisen zu planen oder E-Mails zusammenzufassen. Die Anbindung an Google-Dienste ist in über 40 Ländern verfügbar. Allerdings ist die eigenständige Gemini-App in Deutschland weiterhin nicht erhältlich (Quelle: Caschy).

Dirk meint: „Aber der Datenschutz!“, höre ich die entsetzten Rufe. Einerseits: Stimmt. Wer zustimmt, überantwortet seine Reisevorlieben, seine Unterhaltungspräferenzen, seine digitale Korrespondenz der KI von Google, einer der größten Datenkraken des uns bekannten Universums. Andererseits: Wer Google-Dienste nutzt, tut das sowieso. Google-Dienste zu nutzen, aber der Verknüpfung dieser Dienste mit Gemini nicht zuzustimmen, ist ähnlich sinnvoll wie auf Nutella zu verzichten, und sich das Palmöl stattdessen pur aufs Brot zu streichen (dass ich das hier während des Frühstücks geschrieben habe, hat damit nur entfernt zu tun).

Meta präsentiert Meditron: Multimodale KI-Suite für Mediziner

Meta hat das Sprachmodell Meditron vorgestellt, basierend auf Llama-3 und speziell für das Gesundheitswesen entwickelt. Meditron, trainiert mit 8 Milliarden Parametern, soll in medizinischen Benchmarks nahezu die Leistung von Googles Med-Palm 2 erreichen. Es kann komplexe medizinische Fragen beantworten, unterstützt bei Diagnosen und bietet Zugriff auf umfassende medizinische Daten. Verfügbar unter Apache-2.0-Lizenz, wurde Meditron bereits 30.000 Mal heruntergeladen und ist auf dem Hugging Face Model Hub erhältlich (Quelle: Heise).

Dirk meint: Was wir derzeit künstliche Intelligenz nennen, sind vor allem Systeme zur Bestimmung von Mustern und Wahrscheinlichkeiten. Trainiert mit riesigen Datenmengen, sind KIs auf dieser Basis in der Lage, ähnlich verlässliche Diagnosen zu stellen wie erfahrene Ärzte, und ähnlich erfolgversprechende Therapievorschläge zu machen. Menschen, die der empirischen medizinischen Forschung nichts abgewinnen können, werden sich folgerichtig auch von der KI nichts sagen lassen. Ich hingegen wäre höchst erfreut, riete mir die KI zu einer Einnahme von Globuli. Denn das hieße, mir fehlt nichts (mit Ausnahme einer minimalen Menge Zucker, eventuell).

Großbritannien verbietet unsichere Standardpasswörter für Geräte

Großbritannien hat ein neues Gesetz erlassen, das Hersteller von Smart-Home-Geräten dazu verpflichtet, grundlegende Sicherheitsstandards zu erfüllen. Konkret bedeutet dies, dass Geräte keine leicht zu erratenden Standardpasswörter mehr verwenden dürfen. Hersteller müssen auch Kontaktstellen für Sicherheitsprobleme einrichten und die Mindestdauer für Sicherheitsupdates festlegen. Das Gesetz soll Verbrauchern helfen, sichere Geräte zu wählen und Cyberangriffe verhindern (Quelle: Caschyhttps://netknowhow.de/caschy-gb-passwords).

Dirk meint: Die größte Sicherheitslücke ist (fast) immer der Anwender. Hersteller per Gesetz zu mehr Sicherheit zu verpflichten, löst deshalb nur den kleineren Teil des Problems. Wenn Nutzer die individuell vergebenen, hochsicheren Kennwörter der Hersteller aus Bequemlichkeit in „1234“ ändern, oder Nutzerkonten, damit’s im Alltag schneller geht, mit allen Administratorrechten versehen (und das tun sie), dann nutzen garantierte Mindestdauern für Sicherheitsupdates nur wenig. Das soll keine Kritik an diesem Gesetz sein – aber ohne Investitionen in „digitale Bildung“ aller greifen solche Regeln zu kurz.

EyeEm nutzt Fotos für KI-Training

Nutzer der Foto-Plattform EyeEm müssen ihre Bilder löschen, um zu verhindern, dass diese als Trainingsmaterial für Künstliche Intelligenz (KI) verwendet werden. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Berliner Unternehmens sehen vor, dass hochgeladene Fotos automatisch für das Training von KIs zur Verfügung stehen. Ein Opt-Out ist nicht vorgesehen. Das Entfernen der Bilder ist kompliziert und kann bis zu 180 Tage dauern, besonders wenn sie bereits in EyeEms Magazin oder auf Social Media verwendet wurden. Dies stellt insbesondere für Stock-Fotografen ein Problem dar (Quelle: Heisehttps://netknowhow.de/heise-eyeem-ki).

Dirk meint: EyeEm ist da auch nicht besser oder schlechter als – zum Beispiel – KI-Riese OpenAI, dessen Modelle in der gegenwärtigen Form und Leistungsstärke gar nicht möglich wären, hätten sie diese nicht, in aller Regel ungefragt, mit praktisch dem gesamten Internet trainieren lassen. Was in diesem Fall ärgerlicher scheint, ist, dass das Löschen bis zu einem halben Jahr dauern kann und erst nach dem Überwinden einiger bürokratischer Hürden möglich ist. Das lässt sich garantiert nicht jeder gefallen. Ich bin sicher, die ersten Anwaltskanzleien bereiten bereits Klagen vor.

Perplexity ist jetzt eine Milliarde wert

Perplexity AI – https://perplexity.ai , ein Start-up, das Google bei der Internetsuche mit KI herausfordern will, hat in seiner jüngsten Finanzierungsrunde 62,7 Millionen US-Dollar eingesammelt. Damit wird das Unternehmen mit über 1 Milliarde US-Dollar bewertet. Perplexity entwickelt einen Chatbot, der Suchergebnisse zusammenfassen und direkte Antworten liefern kann, anstatt nur eine Liste von Links. Das Unternehmen plant, eine kostenpflichtige Unternehmensversion des Dienstes für 40 US-Dollar pro Mitarbeiter und Monat auf den Markt zu bringen. Perplexity hat auch eine Partnerschaft mit der Deutschen Telekom geschlossen, um seine KI-gesteuerte Suchtechnologie zu vertreiben (Quelle: Heise https://netknowhow.de/heise-perplexity).

Dirk meint: Ich kann zwar nicht exakt den Tag bestimmen, aber vor einigen Monaten muss sich in meinem Kopf ein Schalter umgelegt haben. An jenem nicht mehr exakt zu bestimmenden Tag wurde Perplexity mein neues Google. Ja, anders als bei Google muss ich mir erst klar darüber werden, was ich eigentlich wissen will, und statt einer Reihe von Begriffen eine ausformulierte Frage eintippen.

Dafür bekomme ich aber auch eine ausformulierte Antwort, die einerseits die „Rich Snippets“ von Google um Längen schlägt, andererseits (anders als beim immer noch halluzinations-anfälligen ChatGPT) auf Suchergebnissen basiert und mir die Quellen auch gleich mitliefert. Ob sich langjährige Gewohnheiten bei einer Mehrheit so schnell ändern? Wahrscheinlich nicht. Aber sicher bei hinreichend vielen.

Jetzt muss Perplexity nur noch ein paar Wege finden, Geld zu verdienen. Kostenpflichtige Premium-Angebote, wie angedacht, sind einer davon, aber wahrscheinlich nicht massentauglich. Werbung wird auf Dauer unumgänglich sein. Mir soll’s recht sein, solange die Zuverlässigkeit der Antworten darunter nicht leidet.

Deepl Write Pro: Echtzeit-Textoptimierung mit eigenem Large Language Model

DeepL hat mit „DeepL Write Pro“ ein neues Tool zur Textoptimierung in Echtzeit vorgestellt. Die KI-basierte Software unterstützt Nutzer beim Verfassen von Texten, indem sie Grammatik, Rechtschreibung und Stil verbessert. DeepL Write Pro, aktuell in der Beta-Phase, ist für Deutsch und Englisch verfügbar und soll durch kontinuierliches Training präziser werden. Das Tool ergänzt DeepLs Angebot an Übersetzungs- und Kommunikationslösungen und zielt darauf ab, die Qualität der Textproduktion zu steigern und den Schreibprozess zu vereinfachen (Quelle: Golemhttps://netknowhow.de/golem-deeplwritepro).

Dirk meint: „Um Worte ringen“ – diese Metapher beschreibt anschaulich die Mühe, die mit dem Verfassen eines jeden guten Texts verbunden ist. Schon die Basisversion von Deepl Write verringert diese Mühe spürbar. Je weniger sich ein Ringer mühen muss, desto weniger Muskelkater hat er später. Je weniger Muskelkater er später hat, desto weniger Kraft baut er auf. Je weniger Mühe Menschen aufbringen müssen, gute Texte zu verfassen, desto weniger werden sie auf diesem Gebiet zulegen. Klar, gute Texter heranzubilden, gehört nicht zu den vorrangigen Zielen von Unternehmen. Aber was wird aus uns Menschen, wenn wir eine Jahrtausende alte Kulturtechnik einer Maschine überantworten?

X kommt auf den Fernseher

X bringt seine Social-Media-Plattform auf den großen Bildschirm. Die neue X-TV-App soll Nutzern ein hochwertiges, umfassendes Unterhaltungserlebnis auf Smart-TVs bieten. Laut Linda Yaccarino von X wird die App spannende Inhalte in Echtzeit auf den Fernseher bringen und als Begleiter für ein immersives Erlebnis dienen. Derzeit befindet sich die Entwicklung noch in einem frühen Stadium, aber X gibt bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die kommende Funktion (Quelle: Caschyhttps://stadt-bremerhaven.de/x-kommt-auf-den-smart-tv/ ).

Dirk meint: Wenn jemand zwei Dinge zusammenfügt, die ganz offenkundig nicht zusammen gehören, kann daraus durchaus Großes entstehen. Vorausgesetzt, Linda Yaccarino bekommt von ihrem Boss Elon Musk dazu etwas mehr Zeit und Ressourcen zugestanden, als er X bislang gegönnt hat. Vielleicht, nur vielleicht, sollte man X noch nicht ganz abschreiben. Um meines Seelenfriedens willen bleibe ich trotzdem vorerst auf Distanz.

Threads erreicht 150 Millionen monatlich aktive Nutzer

Laut Angaben von Meta-CEO Mark Zuckerberg hat das soziale Netzwerk Threads nun über 150 Millionen monatlich aktive Nutzer, was einem Anstieg von 20 Millionen seit Februar entspricht. Viele Nutzer sind offenbar von Twitter / X zu Threads abgewandert und haben dort ein neues digitales Zuhause gefunden (Quelle: Caschyhttps://netknowhow.de/caschy-threads).

Dirk meint: Es gibt diesen Typus von Kneipen, da weiß man, hier gibt’s regelmäßig Prügeleien. So etwas hat sich auch im Bereich der sozialen Netzwerke etabliert. Bereits ein paar Wochen nachdem Threads in Deutschland offiziell gestartet war, fühlte es sich für mich sehr nach Twitter an. Harmlos begonnene Diskussionen arteten in Beschimpfungen aus, polarisierende Beiträge drängten besonnen abwägende in den Hintergrund, die einen sprachen den anderen das Recht ab, sich zu bestimmten Themen überhaupt zu äußern … Ich bin zu alt für so einen Scheiß. Und übrigens auch für diese Art von Kneipen.

Metaverse: Meta holt sich Hilfe

Meta, Lenovo und Asus ROG arbeiten zusammen an einer neuen Mixed-Reality-Plattform namens Meta Horizon OS. Lenovo wird sich dabei auf Unterhaltung und Produktivität fokussieren, während Asus ROG VR-Brillen für Gamer entwickeln wird. Meta liefert mit Horizon OS das Betriebssystem, das die Grundlage für die nächste Generation an Mixed-Reality-Brillen bilden soll. Die Plattform soll Verbrauchern eine verbesserte Vermischung von virtueller und realer Welt bieten (Quelle: ComputerBase).

Dirk meint: Was das Metaverse angeht, bin ich ziemlich meinungsstabil. In seiner ursprünglich gedachten Form ist es eine Schnapsidee. Klobige Brillen, die die reale Umgebung komplett durch eine computergenerierte ersetzen, werden in absehbarer Zukunft nur für die wenigsten eine Ganztagslösung sein. Damit will ich aber Virtual Reality- und Augmented Reality-Konzepten nicht jede Existenzberechtigung absprechen. Lösungen, die Autokäufern in Spe per VR eine Probefahrt ermöglichen, oder Servicekräfte bei Reparatur und Wartung per AR unterstützen, sind längst am Markt. Statt des ganz großen Next Big Thing viele Next Small Things – in diese Richtung scheint sich Metas neue Strategie zu bewegen. Und das ist wahrscheinlich keine Schnapsidee.