Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

Lohnt sich SEO noch? Google-Nutzer klicken immer seltener auf Suchergebnisse

„Lege niemals alle Eier in einen Korb!“ Wie wahr diese Binsenweisheit ist, durfte ich im Lauf meiner Selbständigkeit bitter erfahren. Ich hatte es mir mit einem großen Kunden zu bequem gemacht. Als der unerwartet dicht machte, stand ich zwar nicht vor dem Nichts, aber doch vor dem Wenig.

Viele, die ihr Business im Web betreiben, stehen heute vor einer vergleichbaren Situation. Sie haben es sich mit einem großen Traffic-Lieferanten bequem gemacht. Wenn von Google nichts mehr kommt, stehen sie ebenfalls vor dem Wenig bis Nichts. Und das ist nicht nur ein realistisches Szenario, sondern sogar ein sehr wahrscheinliches, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Eine Kreativtechnik im Design Thinking besteht darin, sich zu fragen, wie ein Konzept sich verändern würde, wenn man einen wesentlichen Aspekt wegließe. Bei Google mag man sich gefragt haben: „Wie könnte unsere Suche aussehen, wenn wir nicht mehr auf Suchergebnisse verlinken?“. Wer von der Google-Suche abhängig ist, muss spätestens jetzt eine ähnliche Frage stellen: „Wie könnten wir unser Publikum erreichen, wenn es nicht mehr per Google zu uns findet?“ Und es gilt, schnell viele gute Antworten auf diese Frage zu finden.

Zum Hintergrund: Eine aktuelle Studie zur Nutzung der Google-Suche weist ein für Seitenbetreiber problematisches Phänomen nach. Von 1.000 Suchanfragen in der EU führen lediglich 374 zu Klicks auf externen Websites. Der Großteil der Suchenden verbleibt danach im Google-Ökosystem, etwa mit einem Aufruf von Google Maps, YouTube, oder verweilt bei den Rich Snippets, mit denen Google die Fragen der Suchenden direkt zu beantworten versucht (Quelle: SEO Südwest).

Google übt sich im Klonen: Gemini soll Persönlichkeiten simulieren

Die Idee klänge faszinierend: Strategische Beratung von Machiavelli, Börsentipps von Kostolany, Physik-Nachhilfe von Einstein, alles realisiert über KI-Chatbots. Eine Plattform, die das möglich machen soll, hat Google nach Informationen des GoogleWatchBlog in der Pipeline.

Die Idee hätte allerdings einen dicken Schönheitsfehler – es gibt eine solche Plattform längst, auf https://character.ai. Nun ist gut abgekupfert ja oft besser als schlecht selbst ausgedacht. Aber es ist schon ein Trauerspiel, mit anzusehen, wie die einst großen Innovatoren von Google anderen hinterherlaufen.

Den Schock, den ChatGPT den Verantwortlichen in Mountain View bereitet hat, hat das Unternehmen bis heute nicht überwunden. Mag sein, dass Gemini in Benchmarks inzwischen besser ist als ChatGPT. Aber Benchmarks spiegeln nicht die Entscheidungen der Nutzer. Deren Vertrauen muss Google zurückerobern. Auch Vertrauen in die Innovationskraft. Und dieses Vertrauen gewinnt Google nicht durch das Kopieren bereits erfolgreich umgesetzter Ideen zurück. Es sei denn, Googles Klon geriete um Längen besser als das Original. Warten wir’s ab.

Zum Hintergrund: Google entwickelt eine neue Plattform für seinen KI-Chatbot Gemini, die es dem System ermöglichen soll, verschiedene Identitäten anzunehmen. Laut einem aktuellen Leak arbeitet das Unternehmen an einer “Gemini Character ChatBot-Plattform”. Diese soll es Nutzern erlauben, mit personalisierten KI-Charakteren zu interagieren. Ziel ist es, komplexe Themen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Details zur Umsetzung und zum Starttermin sind noch nicht bekannt (Quelle: GoogleWatchblog).

Mehr als ein zweites Second Life? Meta bringt VR-Netzwerk Horizon Worlds nach Deutschland

Eines muss man Mark Zuckerberg lassen: Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann zieht er es durch. Auch wenn ihm von allen Seiten gesagt wird, es sei eine Schnapsidee. So wie seine Vision eines Metaverse, eines virtuellen Universums, in dem Menschen künftig arbeiten, spielen, leben sollen. Mit dem sozialen Netzwerk Horizon Worlds (https://horizon.meta.com/), das Meta jetzt unter anderem auch in Deutschland startet, will er der Verwirklichung des Metaverse einen großen Schritt näher kommen.

Erinnert sich noch jemand an Second Life (https://secondlife.com/), das in den späten 2000ern Furore machte? Länder richteten dort Botschaften ein, die virtuelle Welt wurde zweite Heimat von Unternehmen, Kirchen, Rockbands. Und dann war der Hype vorbei. Der Hype kam noch einmal zurück, 2020. Im Jahr 2022 loggten sich monatlich noch rund 900.000 Nutzer ein.

Horizon Worlds: Kommt jetzt das Metaverse?

Mit einer vergleichbaren Anzahl aktiver Nutzer kann Meta-Boss Zuckerberg nicht zufrieden sein. Welchen Mehrwert die Horizon Worlds gegenüber Second Life bieten sollen, erschließt sich mir allerdings nicht. In einem der Videos, mit dem Meta das VR-Netzwerk bewirbt, wird immerhin ziemlich viel geballert. Das kann ich aber bei Bedarf auch in jeder beliebigen Nachrichtensendung sehen.

Zum Hintergrund: Meta startet sein VR-Netzwerk Horizon Worlds in Deutschland. Nutzer können virtuelle Welten erschaffen und als Avatare interagieren. Horizon Worlds soll den Metaverse-Hype neu entfachen. Auch in anderen Ländern, wie Österreich, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich, wird die Plattform eingeführt. Ab 13 Jahren können Nutzer teilnehmen. Meta verspricht eine sichere Nutzung, trotz vergangener Kritik an Kinderschutzmaßnahmen. Die Plattform wird für VR-Headsets, Mobilgeräte und das Web verfügbar sein. Ob der Metaverse-Hype zurückkehrt, bleibt abzuwarten (Quelle: OnlineMarketing.de).

Fun Around & Find Out | 🪩🦖🔫 ⚔️ Launch | Meta Horizon Worlds

Plattenlabel verklagen KI-Musikdienste Suno und Udio

Die älteren unter uns werden sich erinnern: Mit der Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“ und mehr oder weniger lustigen Spots im Vorabendprogramm wollten die Vermarkter kreativer Leistungen vor rund 20 Jahren ihren Kunden das unerlaubte Vervielfältigen austreiben. Gleichzeitig gingen die Unternehmen damals juristisch massiv gegen die vermeintlichen Musikdiebe vor. Und das, obwohl es sich bei denen in vielen Fällen auch um Kunden handelte. Damals sahen sich die Plattenlabels in ihrer Existenz bedroht – wohl zu Recht. Jetzt, zwei Jahrzehnte nach den Napster-Kriegen, droht die nächste juristische Schlacht – mit ungewissem Ausgang.

Bei KI-generierter Musik ist die Situation komplexer: Die KIs von Suno oder Udio kopieren ja keine Songs, sondern kreieren eigene Musik. Die ist in Rhythmus und Melodie, Instrumentierung und Gesang der Musik, wie sie von Plattenlabels stammt, sehr ähnlich. Aber „sehr ähnlich“ reicht nicht. Airborne und AC/DC klingen ähnlich, Cluesos Gesang erinnert manchmal an den von Herbert Grönemeyer, aber das ist nicht verboten. Der Knackpunkt könnte sein, dass die KIs mit der Musik trainiert wurden, die sie jetzt mehr oder weniger gut nachzuahmen in der Lage sind. Menschliche Musiker lassen sich allenfalls inspirieren. Training, Inspiration – sind das nicht zwei Wörter für dieselbe Sache? Darüber werden jetzt Gerichte zu entscheiden haben.

Udio und Suno vor Gericht - ist KI-Training Diebstahl?

Hintergrund: Mehrere Plattenlabel haben Klage gegen die KI-Musikdienste Suno und Udio eingereicht. Sie werfen den Diensten vor, urheberrechtlich geschützte Musik zu imitieren und damit gegen das Urheberrecht zu verstoßen. Die Klage könnte weitreichende Folgen für die Nutzung von Künstlicher Intelligenz in der Musikindustrie haben. Suno und Udio, die es Nutzern ermöglichen, mit wenigen Eingaben eigene Songs zu erstellen, stehen nun vor rechtlichen Herausforderungen (Quelle: Heise).

Vorerst keine Apple Intelligence in der EU

Hat Big Tech ein Europa-Problem? Nach dem vorerst verschobenen Start von Meta AI wird nun auch Apple Intelligence nicht oder deutlich später in der EU starten als ursprünglich angekündigt. Die Forderungen, die sich aus dem Digital Markets Act ergeben, nennt Apple als Gründe. Würde Apple diesen Forderungen entsprechend, könnte das möglicherweise die Privatsphäre und die Sicherheit der Nutzer gefährden.

Tatsache ist: Die EU-Regeln schränken Apples Marktmacht ein, gegenüber Kunden, vor allem aber gegenüber Partnern wie zum Beispiel Entwicklern. Nach vielen Jahren der Abschottung hat Apple erst kürzlich iPhones und iPads unter dem Druck des DMA für alternative App-Marktplätze geöffnet. Unter Einbau aller denkbaren, gerade noch legalen Hürden.

Mit der öffentlichkeitswirksamen Absage von Apple Intelligence will das Unternehmen jetzt vor allem eines: Druck aufbauen. „Wir spielen nach unseren Regeln, oder gar nicht“, soll wohl die Botschaft sein. Ich bin sehr gespannt, wie die Antwort der EU ausfällt. Dass Apple den kaufkräftigen europäischen Markt aufgibt, ist aber sicher das unwahrscheinlichste Szenario.

Zum Hintergrund: Apple hat angekündigt, seine KI-Dienste in Europa aufgrund des Digital Markets Act (DMA) nicht einzuführen. Der DMA zielt darauf ab, den Wettbewerb zu fördern und die Macht großer Technologieunternehmen zu begrenzen. Die strengen Vorschriften des DMA stellen nach Angabe des Unternehmens ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, weshalb das Unternehmen beschlossen hat, seine KI-Innovationen vorerst nicht auf den europäischen Markt zu bringen. Man sei im Gespräch mit den zuständigen Behörden, heißt es aus dem Unternehmen (Quelle: Golem).

Soziales Netzwerk „Butterflies“: Bots und Menschen auf Augenhöhe

Ein kluger Mensch löst Probleme, ein Genie verwandelt das Problem in die Lösung. Die Genies, die das soziale Netzwerk Butterflies (https://www.butterflies.ai/) geschaffen haben, haben ein Problem praktisch aller anderen sozialen Netzwerke nicht nur in eine Lösung verwandelt, sondern zu ihrem Markenkern gemacht. Erinnerst du dich, wie Elon Musk vor dem Kauf von Twitter kritisierte, ein signifikanter Anteil der Nutzer dort seien Bots? Damit hatte er vermutlich recht, aber Bots gibt’s auch auf Facebook, Instagram, sogar LinkedIn, und die Unternehmen haben zu kämpfen, diese Bots im Zaum zu halten.

Anders Butterflies: Bots machen hier den größeren Teil der „Bevölkerung“ aus, und das ist genau so gewollt: Wer dem sozialen Netzwerk beitritt, ist gehalten, einen oder gleich mehrere Bots zu erstellen, die hier „Butterfly“ genannt werden. Du beschreibst dazu die wesentlichen äußerlichen Merkmale des Bots, seine inhaltlichen Themen, seine Charakterzüge und seine Art, Kommentare zu verfassen, und dann beginnt dein Butterfly sein digitales Leben.

Er erstellt Posts, folgt anderen, verfasst und beantwortet Kommentare, vergibt Likes, streitet sich oder schließt Freundschaften – was man in einem sozialen Netzwerk eben macht. Menschliche Nutzer können das alles natürlich auch, und sie können die von ihnen erstellten Butterflies bis zu einem gewissen Grad kontrollieren und über „Stories“ mehr Drama in deren virtuelles Leben bringen.

Bleibt die Frage: Hat es Sinn, ein soziales Netzwerk zu nutzen, das überwiegend von Bots bevölkert wird? Aber die Frage ist eigentlich schon zu lang. Sie müsste lauten: Hat es Sinn, ein soziales Netzwerk zu nutzen? Wie echt die Leute sind, die du darin triffst, variiert ja ohnehin. Bei Butterflies weißt du immerhin, woran du bist.

In diesem Social Network sind KI-Bots willkommen!

Zum Hintergrund: Im neuen sozialen Netzwerk „Butterflies“ interagieren Nutzer nicht nur miteinander, sondern auch mit cleveren KI-Charakteren. Diese künstlichen Intelligenzen sind darauf programmiert, menschliches Verhalten nachzuahmen und können in Echtzeit auf Gespräche reagieren. Entwickelt wurde „Butterflies“ von einem Team, das komplexe Algorithmen und maschinelles Lernen nutzt, um die Interaktionen so realistisch wie möglich zu gestalten. Die KI-Charaktere sollen das Nutzererlebnis bereichern und neue Formen des Austauschs ermöglichen (Quelle: Heise).

AI-Overviews sind gekommen, um zu bleiben, sagt Google

„Nur weil es Taschenrechner gibt, verzichten die Leute doch nicht aufs Kopfrechnen“ – so ähnlich hören sich Aussagen aus Googles jüngst veröffentlichten FAQs zu ihren „AI Overviews“ an. SEOs haben keinen Grund zur Sorge. Bloß weil die AI Overviews in ein paar Sekunden ausformulierte Antworten zu jeder denkbaren Frage liefern können, werden die Nutzerinnen und Nutzer doch nicht darauf verzichten, die benötigten Informationen stundenlang selbst von den jeweiligen Websites zusammenzutragen.

Spoiler: Doch, werden sie. Das einzige, was sie jetzt noch davon abhält, ist die teils miserable Qualität der AI Overviews. Taschenrechner, die falsche Ergebnisse ausspucken, wären ja auch kein Verkaufsschlager geworden. Für Google sind die Befürchtungen der SEOs deshalb auch das kleinere Problem. Das weitaus größere sind Nutzerinnen und Nutzer, die angesichts bestenfalls lustiger, schlimmstenfalls gefährlicher Fehlinformationen in den AI Overviews einfach einen anderen „Taschenrechner“ benutzen. Noch ist Perplexity klein. Aber es wirft einen bedrohlich langen Schatten.

AI Overviews - alternativlos oder Eigentor?

Zum Hintergrund: Google hat FAQs zu den umstrittenen AI-Overviews veröffentlicht. Das Unternehmen räumt ein, dass die automatisch generierten Inhaltsübersichten nicht perfekt sind, sieht aber keinen Grund, sie abzuschalten. Stattdessen will man sie kontinuierlich verbessern. Kritiker monieren, dass die Zusammenfassungen oft irreführend oder falsch sind und Urheberrechte verletzen könnten. Google kontert, die Overviews seien gekennzeichnet und ergänzten die Originaltexte nur. Zudem würden Nutzerdaten anonymisiert. Dennoch bleibt die Funktion in der Branche umstritten (Quelle: SEO Südwest).

Meta stoppt KI-Dienst in der EU

Einerseits: Was sich Mark Zuckerberg und sein Team da überlegt hatten, war eine ziemliche Frechheit – als Trainingsdaten für Metas KI sollten die Beiträge aller auf Facebook und Instagram dienen. Wer das nicht wollte, hätte ein etwas verstecktes Opt-Out-Formular ausfüllen müssen, was – so vermutlich das Kalkül – vielen wohl zu umständlich gewesen wäre.

Andererseits: Welche Daten Meta auf welche Art nutzen wollte, hat der Konzern transparent kommuniziert. Wo war das Opt-Out-Formular von OpenAI, oder etwa das des chinesischen Technologiekonzerns Baidu, bevor die mit allem, was im Netz an Daten zu bekommen war, ihre Chatbots fütterten? Und auch X bietet nur die Wahl, seine Posts für das Training bereitzustellen, oder eben nicht zu posten. Was zeigt: Wenn man die Messlatte nur niedrig genug anlegt, erscheint selbst eine Krake wie Meta plötzlich wie ein datenschutzfreundliches Unternehmen.

“Late to the party“, sagte ich neulich schon einmal über Meta, und das dürfte auch der Grund dafür sein, dass die jetzt getroffene Entscheidung relativ wenig öffentlich debattiert wird. Klar, wir Insider haben gesehen, und vielleicht auch schon selbst ausprobiert, welche Wunder Metas KI zu vollbringen imstande ist. Aber inzwischen erleben wir eine derartige Flut an KI-basierten Wundern, dass es auf die paar Eimer, die Meta dazu kippen könnte, auch nicht mehr ankommt.

Meta AI in EU gecancelt

Zum Hintergrund: Meta hat die Einführung seines neuen KI-Dienstes Meta AI in der Europäischen Union gestoppt. Das Unternehmen reagiert damit auf regulatorische Bedenken der EU-Datenschutzbehörden. Ziel ist es, potenzielle Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu vermeiden. Meta AI sollte ursprünglich in mehreren EU-Ländern eingeführt werden und verspricht, Nutzern personalisierte Inhalte und Empfehlungen zu bieten. Meta gab an, eng mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um die Einhaltung aller Vorschriften sicherzustellen. Der genaue Zeitpunkt für die Wiederaufnahme des Dienstes in der EU bleibt unklar (Quelle: Allsocial.de).

KI frisst Freelancer-Jobs

Jetzt ist es also amtlich: Seit ChatGPT die Bühne betreten hat, suchen Unternehmen um 21 Prozent weniger Entwickler, 17 Prozent weniger Grafikdesigner, 13 Prozent weniger Social Media Creator. Um den tatsächlichen Impact von künstlicher Intelligenz richtig bewerten zu können, müssten natürlich noch andere Einflussgrößen eingerechnet werden, die sich auf Ausschreibungen für Freelancer auswirken: Etwa ein Trend, mehr Projekte inhouse zu realisieren, oder die wirtschaftliche Entwicklung in den am stärksten betroffenen Branchen.

Fest steht trotzdem: KI verändert die Art, wie wir arbeiten, und sie übernimmt nach und nach Aufgaben, von denen es noch vor kurzem hieß: „Das werden Maschinen niemals können.“ Und nun? Schalten wir die künstliche Intelligenz wieder ab? Bye bye, OpenAI? Grok, Gemini, Claude, Ernie? Glaubt jemand ernsthaft, es könne einen internationalen Konsens geben, diese Technologie abzuschalten, bloß weil sie ein paar wirtschaftliche Existenzen am unteren Ende der Nahrungskette gefährdet?

Es gibt nicht einmal einen internationalen Konsens darüber, auf Waffen zu verzichten, die ganz real die physische Existenz der gesamten Menschheit gefährden. Wer auf Konsens hofft, hofft auf die Vernunft anderer, und vor allen Dingen auf deren Bereitschaft, eigene Vorteile zugunsten der Gemeinschaft aufzugeben. Wenn du in letzter Zeit mal Nachrichten gelesen hast, wird dir aufgefallen sein, wie gut das funktioniert.

Was also tun mit der KI? Nun, Häuser haben heute Blitzableiter, weil Menschen sich vor Gewittern nicht einfach versteckt haben, sondern verstehen wollten, wie Blitze funktionieren. Und darauf wird es bei KI wohl auch hinauslaufen: Sich vor KI zu verstecken, ist keine Lösung. Sie zu bekämpfen ist ungefähr so aussichtsreich wie die Bemühungen der Maschinenstürmer, die Industrialisierung aufzuhalten.

KI zu verstehen, ihre Möglichkeiten und Grenzen zu erkennen, und zu lernen, wo ihr Einsatz Sinn hat, hilft mir, und vielleicht auch dir, das noch stärker zu kultivieren, was uns in unseren Fähigkeiten von Maschinen unterscheidet. Und damit letztlich unseren Wert am Markt auch gegenüber den Systemen künstlicher Intelligenz zu behaupten.

KI frisst Freelancer-Jobs

Zum Hintergrund: Eine Studie belegt, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zu einem spürbaren Rückgang der Beschäftigung von Freiberuflern führt. Experten warnen, dass KI-Systeme zunehmend Aufgaben übernehmen, die bisher von Selbstständigen erledigt wurden. Betroffen sind vor allem Branchen wie Buchhaltung, Grafikdesign und Programmierung. Unternehmen könnten in Zukunft verstärkt auf KI-Lösungen statt auf Freiberufler setzen. Für viele Selbstständige könnte dies eine Bedrohung ihrer Existenzgrundlage bedeuten (Quelle: Golem).

Dream Machine: Das Filmset der Zukunft ist ein Prompt

Die Frage lautet nicht: Wann kommt der erste komplett KI-generierte Spielfilm ins Kino? Die bessere Frage lautet: Können wir unseren Augen noch trauen? Während OpenAI der Welt gezeigt hat, was möglich wäre, aber Sora noch unter Verschluss hält, gibt sich Luma AI weniger verschlossen. Wer auch immer mag, kann mit der Dream Machine aus einem Textprompt, oder einer Prompt-Bild-Kombination 5-Sekunden-Clips drehen, die oft extrem realistisch aussehen. Ich hab’s natürlich ausprobiert, und ich vergebe ein „Wow“, wenn auch mit kleinen Einschränkungen: Auf Basis reiner Textprompts geraten die Ergebnisse teils spektakulär, aber recht unberechenbar. Auf Basis von Prompt-Bild-Kombinationen gelingen oft überraschend sehenswerte Szenen. Personen, die darin zu sehen sind, haben aber oft überraschend viele Finger. Irgendwann wird wahrscheinlich auch dieses Problem gelöst sein. Den Untergang der Filmbranche werden solche Video-KIs sicher nicht herbeiführen, eher eine ganz gewaltige Umwälzung, von der wir als Zuschauer vielleicht sogar profitieren.

Dream Machine: Das Filmset der Zukunft ist ein Prompt

Angst macht mir eher, was solche Möglichkeiten für die Gesellschaft bedeuten. Wenn wir unseren eigenen Augen nicht mehr trauen können, wem dann? Schon jetzt bügeln manche Politiker unliebsame Tatsachen mit “Fake News” ab, wenn sie mit ihnen konfrontiert werden. In Zukunft werden sie und ihre Anhänger sogar angesichts von Videobeweisen so reagieren können. Gab es wirklich einen Sturm aufs Kapitol? Hat Notre Dame tatsächlich gebrannt? War der Ball wirklich hinter der Torlinie? Für das Vertrauen in der Gesellschaft sind solche Technologien nicht die beste Medizin. Aber was wird aus einer Gesellschaft, in der keiner mehr dem anderen traut?

Zum Hintergrund: Luma AI hat das neue Text-zu-Video-Tool Dream Machine vorgestellt. Es ermöglicht die einfache Erstellung von hochauflösenden Videos und steht in begrenztem Umfang kostenfrei zur Verfügung. Das Tool soll mit Angeboten großer Tech-Unternehmen wie Sora von OpenAI konkurrieren können. Benutzer können Videos bis zu fünf Sekunden Länge und einer Auflösung von 1360×752 erstellen. Zukünftige Updates versprechen längere Videos und höhere Bildfrequenzen. Ein kostenloser Plan erlaubt 30 Videos pro Monat, während kostenpflichtige Pläne mehr Kapazität bieten (Quelle: Onlinemarketing.de).

Brasilien: Künstliche Intelligenz im Gerichtssaal

Eine KI am Richtertisch? Eine Maschine, die über Schuld und Strafmaß befindet? Die Vorstellung macht sicher nicht nur mir Angst. Wenn die von OpenAI entwickelte KI künftig in Brasiliens Justiz zum Einsatz kommt, wird sie solche Entscheidungen zum Glück (noch) nicht zu treffen haben. Sie soll den Menschen im überlasteten Justizapparat helfen, ihre Arbeit effizienter zu erledigen – ein legitimes, bürgerfreundliches Vorhaben, bei dem KI bloß ein nützliches Werkzeug ist. Mit einem entscheidenden Unterschied: Egal, wie viele Figuren ich mit einem Schnitzmesser schnitze, es wird nie in der Lage sein, von sich aus, ganz allein, Figuren zu schnitzen. Anders als ein Schnitzmesser lernt eine KI aber permanent dazu. Und irgendwann wird sie dann eben doch am Richtertisch Platz nehmen. Im Gerichtsgebäude ist sie jedenfalls schon mal angekommen.

KI in der Justiz?

Darum geht’s: Brasilien setzt künftig OpenAIs KI in Gerichtsverfahren ein. Diese soll Anwälte und Richter bei der Analyse und Bearbeitung von Klagen unterstützen. Ziel ist es, die Effizienz zu steigern und die steigenden Kosten für Gerichtsverfahren zu senken. Die KI wird über Microsofts Azure-Plattform bereitgestellt und soll den Justizmitarbeitern helfen, schneller zu arbeiten. Entscheidungen bleiben weiterhin den Menschen vorbehalten. Die Maßnahme soll die jährlich anfallenden Gerichtskosten, die 2024 auf 18,7 Milliarden US-Dollar geschätzt werden, reduzieren (Quelle: t3n – https://netknowhow.de/t3n-ki-justiz).

Kurz vor der Kündigung? Künstliche Intelligenz soll helfen, Mitarbeiter zu halten

Eine KI soll erkennen können, ob Beschäftigte vorhaben, demnächst zu kündigen. Ob das die Fluktuation zu verringern hilft, ist aber fraglich.

„Also, von Ihnen habe ich das wirklich nicht erwartet. Ich bin sehr enttäuscht.“ Ob eine KI meinem einstigen Chef geholfen hätte? Ich bin eigentlich wahnsinnig schlecht darin, meine wahren Gefühle zu verbergen. Mein Entschluss, nach 10 Jahren im selben Unternehmen den Arbeitgeber zu wechseln, war über viele Monate gereift. Hätte eine KI eventuell registriert, dass ich in dieser Zeit meine Aufgaben anders, vollständiger, abschloss, weil bald jemand anderes daran arbeiten würde? Hätte eine KI ein Muster darin erkannt, wenn ich früher ging oder mir einen Tag freinahm, um zu Vorstellungsgesprächen zu fahren? Hätte eine KI meinen damaligen Chef vielleicht sogar darauf hingewiesen, dass sich eine Gehaltserhöhung von knapp 30 Euro brutto (!), die er mir mit großem Trara gewährt hatte, eher wie eine Beleidigung anfühlte? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber sicher: Es hatte damals einen inneren Kipppunkt gegeben, an dem aus einer Überlegung ein fester Entschluss geworden war. Nach diesem Kipppunkt hätte keine KI der Welt mehr etwas ausrichten können.

KI soll Kündigungen verhindern

Zum Hintergrund: Eine Künstliche Intelligenz (KI) soll Unternehmen dabei helfen, frühzeitig zu erkennen, wenn Beschäftigte mit dem Gedanken spielen, zu kündigen. Durch die Analyse von Mitarbeiterdaten und -verhalten können KI-Systeme potenzielle Austritte rechtzeitig erkennen und Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung empfehlen. Dies soll zu einer Verbesserung der Personalbindung und einer Reduzierung von Personalkosten führen (Quelle: t3n).