Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

Soziales Netzwerk „Butterflies“: Bots und Menschen auf Augenhöhe

Ein kluger Mensch löst Probleme, ein Genie verwandelt das Problem in die Lösung. Die Genies, die das soziale Netzwerk Butterflies (https://www.butterflies.ai/) geschaffen haben, haben ein Problem praktisch aller anderen sozialen Netzwerke nicht nur in eine Lösung verwandelt, sondern zu ihrem Markenkern gemacht. Erinnerst du dich, wie Elon Musk vor dem Kauf von Twitter kritisierte, ein signifikanter Anteil der Nutzer dort seien Bots? Damit hatte er vermutlich recht, aber Bots gibt’s auch auf Facebook, Instagram, sogar LinkedIn, und die Unternehmen haben zu kämpfen, diese Bots im Zaum zu halten.

Anders Butterflies: Bots machen hier den größeren Teil der „Bevölkerung“ aus, und das ist genau so gewollt: Wer dem sozialen Netzwerk beitritt, ist gehalten, einen oder gleich mehrere Bots zu erstellen, die hier „Butterfly“ genannt werden. Du beschreibst dazu die wesentlichen äußerlichen Merkmale des Bots, seine inhaltlichen Themen, seine Charakterzüge und seine Art, Kommentare zu verfassen, und dann beginnt dein Butterfly sein digitales Leben.

Er erstellt Posts, folgt anderen, verfasst und beantwortet Kommentare, vergibt Likes, streitet sich oder schließt Freundschaften – was man in einem sozialen Netzwerk eben macht. Menschliche Nutzer können das alles natürlich auch, und sie können die von ihnen erstellten Butterflies bis zu einem gewissen Grad kontrollieren und über „Stories“ mehr Drama in deren virtuelles Leben bringen.

Bleibt die Frage: Hat es Sinn, ein soziales Netzwerk zu nutzen, das überwiegend von Bots bevölkert wird? Aber die Frage ist eigentlich schon zu lang. Sie müsste lauten: Hat es Sinn, ein soziales Netzwerk zu nutzen? Wie echt die Leute sind, die du darin triffst, variiert ja ohnehin. Bei Butterflies weißt du immerhin, woran du bist.

In diesem Social Network sind KI-Bots willkommen!

Zum Hintergrund: Im neuen sozialen Netzwerk „Butterflies“ interagieren Nutzer nicht nur miteinander, sondern auch mit cleveren KI-Charakteren. Diese künstlichen Intelligenzen sind darauf programmiert, menschliches Verhalten nachzuahmen und können in Echtzeit auf Gespräche reagieren. Entwickelt wurde „Butterflies“ von einem Team, das komplexe Algorithmen und maschinelles Lernen nutzt, um die Interaktionen so realistisch wie möglich zu gestalten. Die KI-Charaktere sollen das Nutzererlebnis bereichern und neue Formen des Austauschs ermöglichen (Quelle: Heise).

AI-Overviews sind gekommen, um zu bleiben, sagt Google

„Nur weil es Taschenrechner gibt, verzichten die Leute doch nicht aufs Kopfrechnen“ – so ähnlich hören sich Aussagen aus Googles jüngst veröffentlichten FAQs zu ihren „AI Overviews“ an. SEOs haben keinen Grund zur Sorge. Bloß weil die AI Overviews in ein paar Sekunden ausformulierte Antworten zu jeder denkbaren Frage liefern können, werden die Nutzerinnen und Nutzer doch nicht darauf verzichten, die benötigten Informationen stundenlang selbst von den jeweiligen Websites zusammenzutragen.

Spoiler: Doch, werden sie. Das einzige, was sie jetzt noch davon abhält, ist die teils miserable Qualität der AI Overviews. Taschenrechner, die falsche Ergebnisse ausspucken, wären ja auch kein Verkaufsschlager geworden. Für Google sind die Befürchtungen der SEOs deshalb auch das kleinere Problem. Das weitaus größere sind Nutzerinnen und Nutzer, die angesichts bestenfalls lustiger, schlimmstenfalls gefährlicher Fehlinformationen in den AI Overviews einfach einen anderen „Taschenrechner“ benutzen. Noch ist Perplexity klein. Aber es wirft einen bedrohlich langen Schatten.

AI Overviews - alternativlos oder Eigentor?

Zum Hintergrund: Google hat FAQs zu den umstrittenen AI-Overviews veröffentlicht. Das Unternehmen räumt ein, dass die automatisch generierten Inhaltsübersichten nicht perfekt sind, sieht aber keinen Grund, sie abzuschalten. Stattdessen will man sie kontinuierlich verbessern. Kritiker monieren, dass die Zusammenfassungen oft irreführend oder falsch sind und Urheberrechte verletzen könnten. Google kontert, die Overviews seien gekennzeichnet und ergänzten die Originaltexte nur. Zudem würden Nutzerdaten anonymisiert. Dennoch bleibt die Funktion in der Branche umstritten (Quelle: SEO Südwest).

Meta stoppt KI-Dienst in der EU

Einerseits: Was sich Mark Zuckerberg und sein Team da überlegt hatten, war eine ziemliche Frechheit – als Trainingsdaten für Metas KI sollten die Beiträge aller auf Facebook und Instagram dienen. Wer das nicht wollte, hätte ein etwas verstecktes Opt-Out-Formular ausfüllen müssen, was – so vermutlich das Kalkül – vielen wohl zu umständlich gewesen wäre.

Andererseits: Welche Daten Meta auf welche Art nutzen wollte, hat der Konzern transparent kommuniziert. Wo war das Opt-Out-Formular von OpenAI, oder etwa das des chinesischen Technologiekonzerns Baidu, bevor die mit allem, was im Netz an Daten zu bekommen war, ihre Chatbots fütterten? Und auch X bietet nur die Wahl, seine Posts für das Training bereitzustellen, oder eben nicht zu posten. Was zeigt: Wenn man die Messlatte nur niedrig genug anlegt, erscheint selbst eine Krake wie Meta plötzlich wie ein datenschutzfreundliches Unternehmen.

Late to the party“, sagte ich neulich schon einmal über Meta, und das dürfte auch der Grund dafür sein, dass die jetzt getroffene Entscheidung relativ wenig öffentlich debattiert wird. Klar, wir Insider haben gesehen, und vielleicht auch schon selbst ausprobiert, welche Wunder Metas KI zu vollbringen imstande ist. Aber inzwischen erleben wir eine derartige Flut an KI-basierten Wundern, dass es auf die paar Eimer, die Meta dazu kippen könnte, auch nicht mehr ankommt.

Meta AI in EU gecancelt

Zum Hintergrund: Meta hat die Einführung seines neuen KI-Dienstes Meta AI in der Europäischen Union gestoppt. Das Unternehmen reagiert damit auf regulatorische Bedenken der EU-Datenschutzbehörden. Ziel ist es, potenzielle Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu vermeiden. Meta AI sollte ursprünglich in mehreren EU-Ländern eingeführt werden und verspricht, Nutzern personalisierte Inhalte und Empfehlungen zu bieten. Meta gab an, eng mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um die Einhaltung aller Vorschriften sicherzustellen. Der genaue Zeitpunkt für die Wiederaufnahme des Dienstes in der EU bleibt unklar (Quelle: Allsocial.de).

KI frisst Freelancer-Jobs

Jetzt ist es also amtlich: Seit ChatGPT die Bühne betreten hat, suchen Unternehmen um 21 Prozent weniger Entwickler, 17 Prozent weniger Grafikdesigner, 13 Prozent weniger Social Media Creator. Um den tatsächlichen Impact von künstlicher Intelligenz richtig bewerten zu können, müssten natürlich noch andere Einflussgrößen eingerechnet werden, die sich auf Ausschreibungen für Freelancer auswirken: Etwa ein Trend, mehr Projekte inhouse zu realisieren, oder die wirtschaftliche Entwicklung in den am stärksten betroffenen Branchen.

Fest steht trotzdem: KI verändert die Art, wie wir arbeiten, und sie übernimmt nach und nach Aufgaben, von denen es noch vor kurzem hieß: „Das werden Maschinen niemals können.“ Und nun? Schalten wir die künstliche Intelligenz wieder ab? Bye bye, OpenAI? Grok, Gemini, Claude, Ernie? Glaubt jemand ernsthaft, es könne einen internationalen Konsens geben, diese Technologie abzuschalten, bloß weil sie ein paar wirtschaftliche Existenzen am unteren Ende der Nahrungskette gefährdet?

Es gibt nicht einmal einen internationalen Konsens darüber, auf Waffen zu verzichten, die ganz real die physische Existenz der gesamten Menschheit gefährden. Wer auf Konsens hofft, hofft auf die Vernunft anderer, und vor allen Dingen auf deren Bereitschaft, eigene Vorteile zugunsten der Gemeinschaft aufzugeben. Wenn du in letzter Zeit mal Nachrichten gelesen hast, wird dir aufgefallen sein, wie gut das funktioniert.

Was also tun mit der KI? Nun, Häuser haben heute Blitzableiter, weil Menschen sich vor Gewittern nicht einfach versteckt haben, sondern verstehen wollten, wie Blitze funktionieren. Und darauf wird es bei KI wohl auch hinauslaufen: Sich vor KI zu verstecken, ist keine Lösung. Sie zu bekämpfen ist ungefähr so aussichtsreich wie die Bemühungen der Maschinenstürmer, die Industrialisierung aufzuhalten.

KI zu verstehen, ihre Möglichkeiten und Grenzen zu erkennen, und zu lernen, wo ihr Einsatz Sinn hat, hilft mir, und vielleicht auch dir, das noch stärker zu kultivieren, was uns in unseren Fähigkeiten von Maschinen unterscheidet. Und damit letztlich unseren Wert am Markt auch gegenüber den Systemen künstlicher Intelligenz zu behaupten.

KI frisst Freelancer-Jobs

Zum Hintergrund: Eine Studie belegt, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) zu einem spürbaren Rückgang der Beschäftigung von Freiberuflern führt. Experten warnen, dass KI-Systeme zunehmend Aufgaben übernehmen, die bisher von Selbstständigen erledigt wurden. Betroffen sind vor allem Branchen wie Buchhaltung, Grafikdesign und Programmierung. Unternehmen könnten in Zukunft verstärkt auf KI-Lösungen statt auf Freiberufler setzen. Für viele Selbstständige könnte dies eine Bedrohung ihrer Existenzgrundlage bedeuten (Quelle: Golem).

Dream Machine: Das Filmset der Zukunft ist ein Prompt

Die Frage lautet nicht: Wann kommt der erste komplett KI-generierte Spielfilm ins Kino? Die bessere Frage lautet: Können wir unseren Augen noch trauen? Während OpenAI der Welt gezeigt hat, was möglich wäre, aber Sora noch unter Verschluss hält, gibt sich Luma AI weniger verschlossen. Wer auch immer mag, kann mit der Dream Machine aus einem Textprompt, oder einer Prompt-Bild-Kombination 5-Sekunden-Clips drehen, die oft extrem realistisch aussehen. Ich hab’s natürlich ausprobiert, und ich vergebe ein „Wow“, wenn auch mit kleinen Einschränkungen: Auf Basis reiner Textprompts geraten die Ergebnisse teils spektakulär, aber recht unberechenbar. Auf Basis von Prompt-Bild-Kombinationen gelingen oft überraschend sehenswerte Szenen. Personen, die darin zu sehen sind, haben aber oft überraschend viele Finger. Irgendwann wird wahrscheinlich auch dieses Problem gelöst sein. Den Untergang der Filmbranche werden solche Video-KIs sicher nicht herbeiführen, eher eine ganz gewaltige Umwälzung, von der wir als Zuschauer vielleicht sogar profitieren.

Dream Machine: Das Filmset der Zukunft ist ein Prompt

Angst macht mir eher, was solche Möglichkeiten für die Gesellschaft bedeuten. Wenn wir unseren eigenen Augen nicht mehr trauen können, wem dann? Schon jetzt bügeln manche Politiker unliebsame Tatsachen mit “Fake News” ab, wenn sie mit ihnen konfrontiert werden. In Zukunft werden sie und ihre Anhänger sogar angesichts von Videobeweisen so reagieren können. Gab es wirklich einen Sturm aufs Kapitol? Hat Notre Dame tatsächlich gebrannt? War der Ball wirklich hinter der Torlinie? Für das Vertrauen in der Gesellschaft sind solche Technologien nicht die beste Medizin. Aber was wird aus einer Gesellschaft, in der keiner mehr dem anderen traut?

Zum Hintergrund: Luma AI hat das neue Text-zu-Video-Tool Dream Machine vorgestellt. Es ermöglicht die einfache Erstellung von hochauflösenden Videos und steht in begrenztem Umfang kostenfrei zur Verfügung. Das Tool soll mit Angeboten großer Tech-Unternehmen wie Sora von OpenAI konkurrieren können. Benutzer können Videos bis zu fünf Sekunden Länge und einer Auflösung von 1360×752 erstellen. Zukünftige Updates versprechen längere Videos und höhere Bildfrequenzen. Ein kostenloser Plan erlaubt 30 Videos pro Monat, während kostenpflichtige Pläne mehr Kapazität bieten (Quelle: Onlinemarketing.de).

Brasilien: Künstliche Intelligenz im Gerichtssaal

Eine KI am Richtertisch? Eine Maschine, die über Schuld und Strafmaß befindet? Die Vorstellung macht sicher nicht nur mir Angst. Wenn die von OpenAI entwickelte KI künftig in Brasiliens Justiz zum Einsatz kommt, wird sie solche Entscheidungen zum Glück (noch) nicht zu treffen haben. Sie soll den Menschen im überlasteten Justizapparat helfen, ihre Arbeit effizienter zu erledigen – ein legitimes, bürgerfreundliches Vorhaben, bei dem KI bloß ein nützliches Werkzeug ist. Mit einem entscheidenden Unterschied: Egal, wie viele Figuren ich mit einem Schnitzmesser schnitze, es wird nie in der Lage sein, von sich aus, ganz allein, Figuren zu schnitzen. Anders als ein Schnitzmesser lernt eine KI aber permanent dazu. Und irgendwann wird sie dann eben doch am Richtertisch Platz nehmen. Im Gerichtsgebäude ist sie jedenfalls schon mal angekommen.

KI in der Justiz?

Darum geht’s: Brasilien setzt künftig OpenAIs KI in Gerichtsverfahren ein. Diese soll Anwälte und Richter bei der Analyse und Bearbeitung von Klagen unterstützen. Ziel ist es, die Effizienz zu steigern und die steigenden Kosten für Gerichtsverfahren zu senken. Die KI wird über Microsofts Azure-Plattform bereitgestellt und soll den Justizmitarbeitern helfen, schneller zu arbeiten. Entscheidungen bleiben weiterhin den Menschen vorbehalten. Die Maßnahme soll die jährlich anfallenden Gerichtskosten, die 2024 auf 18,7 Milliarden US-Dollar geschätzt werden, reduzieren (Quelle: t3nhttps://netknowhow.de/t3n-ki-justiz).

Kurz vor der Kündigung? Künstliche Intelligenz soll helfen, Mitarbeiter zu halten

Eine KI soll erkennen können, ob Beschäftigte vorhaben, demnächst zu kündigen. Ob das die Fluktuation zu verringern hilft, ist aber fraglich.

„Also, von Ihnen habe ich das wirklich nicht erwartet. Ich bin sehr enttäuscht.“ Ob eine KI meinem einstigen Chef geholfen hätte? Ich bin eigentlich wahnsinnig schlecht darin, meine wahren Gefühle zu verbergen. Mein Entschluss, nach 10 Jahren im selben Unternehmen den Arbeitgeber zu wechseln, war über viele Monate gereift. Hätte eine KI eventuell registriert, dass ich in dieser Zeit meine Aufgaben anders, vollständiger, abschloss, weil bald jemand anderes daran arbeiten würde? Hätte eine KI ein Muster darin erkannt, wenn ich früher ging oder mir einen Tag freinahm, um zu Vorstellungsgesprächen zu fahren? Hätte eine KI meinen damaligen Chef vielleicht sogar darauf hingewiesen, dass sich eine Gehaltserhöhung von knapp 30 Euro brutto (!), die er mir mit großem Trara gewährt hatte, eher wie eine Beleidigung anfühlte? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber sicher: Es hatte damals einen inneren Kipppunkt gegeben, an dem aus einer Überlegung ein fester Entschluss geworden war. Nach diesem Kipppunkt hätte keine KI der Welt mehr etwas ausrichten können.

KI soll Kündigungen verhindern

Zum Hintergrund: Eine Künstliche Intelligenz (KI) soll Unternehmen dabei helfen, frühzeitig zu erkennen, wenn Beschäftigte mit dem Gedanken spielen, zu kündigen. Durch die Analyse von Mitarbeiterdaten und -verhalten können KI-Systeme potenzielle Austritte rechtzeitig erkennen und Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung empfehlen. Dies soll zu einer Verbesserung der Personalbindung und einer Reduzierung von Personalkosten führen (Quelle: t3n).

Österreich: Wer sich an Shitstorm beteiligt, kann auf die volle Schadenssumme verklagt werden

Das Urteil wird Hatern nicht gefallen: In Österreich können Personen, die unter einem Shitstorm zu leiden hatten, einen einzelnen Beteiligten auf vollen Schadenersatz verklagen – und sie können sich aussuchen, wen. Richtig so. Dass einzelne Täter sich ihrer Verantwortung im Schutz der Menge entziehen, hat eine lange Tradition: Schon im Jahr 44 vor Christus beteiligten sich ungefähr 60 römische Senatoren an der Ermordung von Julius Cäsar, damit keinem von ihnen die volle Schuld angelastet werden konnte. Die heutigen Shitstorms in sozialen Netzen mögen damit auf den ersten Blick nur bedingt vergleichbar sein – aber Tote hat es auch da schon gegeben, etwa die engagierte Ärztin Lisa-Maria Kellermayr, die von Impfgegnern in den Suizid getrieben wurde. Das jetzt ergangene Urteil bezog sich zwar auf einen weitaus harmloseren Fall. Aber es sorgt dafür, dass keiner, der sich an einer solchen Hetze beteiligt hat, seine Hände in Unschuld waschen kann. Zumindest in Österreich.

Hater-Urteil in Österreich

Zum Hintergrund: Der Oberste Gerichtshof in Österreich hat entschieden, dass Einzelne für Schäden durch Shitstorms haften. Ein Geschädigter kann den gesamten Schaden von einem einzigen Beteiligten ersetzen lassen. Dies betrifft auch hohe Entschädigungen. Das Urteil soll Geschädigten eine einfachere Rechtsdurchsetzung ermöglichen. Zu Schadenersatz Verurteilten bleibt die Möglichkeit, andere am Shitstorm Beteiligte zu verklagen, um sich von ihnen einen Teil der Summe ersetzen zu lassen (Quelle: Heise).

Musk droht mit Apple-Verbot wegen OpenAI-Integration

Elon Musk will iPhone & Co. in seinen Unternehmen Hausverbot erteilen, wenn Apple OpenAI-Technologie einsetzt.

Dass Du paranoid bist, heißt noch lange nicht, dass sie nicht hinter Dir her sind. Dass Elon Musk OpenAI nicht mehr über den Weg traut, hat natürlich Gründe. Einer davon: OpenAI ist auch sein Baby, und wenn es deshalb auch nur ein klein wenig von Elons DNA mitbekommen hat, dann ist Wachsamkeit angesagt. Jetzt hat OpenAI es also mit seiner KI aufs iPhone geschafft, und in der Logik von Elon Musk steckt dahinter der Plan, die Geheimnisse von X, Tesla, SpaceX und Co. zu stehlen. Immerhin ist das noch eine der plausibleren Verschwörungstheorien, die auf X kursieren. Vor allem sagt Elons Statement zu Apple Intelligence allerdings viel darüber aus, wie er selbst tickt. Immerhin daraus macht er ja absolut kein Geheimnis.

KI-Streit: Elon Musk droht mit Apple-Verbot

Zum Hintergrund: Elon Musk hat angekündigt, Apple-Produkte in seinen Unternehmen zu verbieten, falls Apple OpenAI in sein Betriebssystem integriert. Musk bezeichnete dies als „inakzeptable Sicherheitsverletzung“ und forderte Besucher auf, ihre Apple-Geräte in Faraday-Käfigen zu deponieren. Apple plant, ChatGPT in iPhones zu integrieren, wobei Datenschutzmaßnahmen versprochen werden. Musk äußerte Zweifel an Apples Fähigkeit, die Sicherheit von OpenAI-Anwendungen zu gewährleisten, und warf dem Unternehmen vor, Nutzerdaten an OpenAI weiterzugeben. Angekündigt hat Apple die “Apple Intelligence” genannte KI-Integration im Rahmen der Worldwide Developers Conference (Quelle: Heise).

Quietschen und Klimpern: Stability AI macht jetzt auch Geräusche

Urheberrechtlich sind Geräusche so eine Sache: Gehört das Quietschen der Reifen dem Fahrer, dem Fahrzeughersteller oder den Bauarbeitern, die den Asphalt auf die Straße gebracht haben? Die gute Nachricht: Wahrscheinlich niemandem, denn das Urheberrecht schützt nur etwas, das als „persönliche geistige Schöpfung“ gelten kann. Deshalb dürfte die Debatte um KI-generierte Geräusche auch entspannter verlaufen als die um ebensolche Bilder oder Videos. Gleichwohl dürfte eine solche KI zu Umsatzeinbußen bei den Betreibern kostenpflichtiger Sound-Bibliotheken führen. Die finanziellen Gewinner sind dieses Mal Podcaster, Videocreator, Hörspiel-Gestalter. Endlich profitieren Kreative also einmal von den Fortschritten auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz.

Quietschen, Klimpern und mehr: Stability AI macht jetzt auch Geräusche

Zum Hintergrund: Stability AI hat einen Open-Source-Audiogenerator veröffentlicht, der Musik, Sprache und andere Klänge aus Text erzeugen kann. Stability Audio Open nutzt große Sprachmodelle und Diffusionsmodelle, um hochwertige Audiodaten zu generieren. Anwender können einfach einen Text eingeben und das Modell erstellt daraus realistisch klingende Audioclips. Die Technologie könnte Anwendungen in Bereichen wie Musik, Podcasts und Sprachassistenten finden. Stability AI plant, den Quellcode und Modelle öffentlich zugänglich zu machen, um Entwicklern die Erstellung eigener Audio-Anwendungen zu ermöglichen (Quelle: Onlinemarketing.de).

Anonym und ohne Training: DuckDuckGo ermöglicht KI-Chats

Keine Anmeldung, keine Aufzeichnung, kein Training: DuckDuckGo will KI-Chats und die Wahrung der Privatsphäre gleichzeitig möglich machen.

DuckDuckGo hat ein neues KI-Chat-Tool (https://duckduckgo.com/chat) eingeführt, das anonym und kostenlos genutzt werden kann. Nutzer können zwischen verschiedenen Modellen wie OpenAI’s GPT 3.5 Turbo und Anthropic’s Claude 3 Haiku wählen. Das Tool bietet generative Funktionen wie das Schreiben von E-Mails, Code und Reiseplänen. Es ergänzt die traditionelle Suche, indem es schnelle, direkte Antworten liefert und die Privatsphäre der Nutzer schützt. Ein „Fire Button“ ermöglicht das Löschen von Gesprächen, um die Anonymität zu wahren (Quelle: DuckDuckGo).

DuckDuckGo: Blinddates mit KI-Chatbots
Eine junge Frau sitzt an einem Tisch und blickt lächelnd auf ihr Smartphone. Sie nutzt KI per DuckDuckGo.

Update vom 6.3.2025: DuckDuckGo integriert KI-Chatbots (GPT-4o mini, Meta Llama 3.3, Mistral Small 3, Claude 3 Haiku) über Duck.ai, ohne Anmeldung und anonymisiert. KI-gestützte Antworten in Suchergebnissen (vorerst nur auf Englisch) sind ebenfalls neu. Der Datenschutz wird großgeschrieben: Anfragen werden über DuckDuckGo geleitet, IP-Adressen verborgen, Chatverläufe lokal gespeichert. Nutzer können Häufigkeit der KI-Antworten wählen und Quellen einsehen. Qualitätskontrolle filtert Spam. Nutzung ist kostenlos mit täglichem Limit, kostenpflichtige Angebote sind geplant.

Dirk meint: Kennst Du den Film „50 erste Dates“? Die Grundidee: Er trifft sie, sie flirten, es funkt, und bei der nächsten Begegnung weiß sie nicht mehr, wer er ist. Jedes Mal wieder. So eine Beziehung hat auch ihre Vorteile. DuckDuckGo überträgt diese Grundidee jetzt vom Flirt auf den Chat mit einem KI-Chatbot. Die Betreiber des datenschutzfreundlichen Suchdienstes versprechen auch, dass die Modelle die Gesprächsverläufe nicht für das Training verwenden. Vorsichtshalber würde ich aber auch im DuckDuckGo-Chat meine Leichen im Keller unerwähnt lassen – von denen erzählt man ja auch sonst bei einem ersten Date nichts.

Totalrecall: Sicherheitsdesaster bei Microsofts umstrittenem KI-Feature

Ein neues Tool namens Totalrecall ermöglicht es, sensible Daten aus Microsofts Windows-KI-Feature „Recall“ auszulesen. Dieses Tool erlaubt potenziellen Angreifern den Zugriff auf aufgezeichnete Informationen wie Passwörter, E-Mail-Inhalte und Onlinebanking-Daten. Obwohl Recall noch nicht offiziell verfügbar ist, kann Totalrecall bereits getestet werden. Es handelt sich um ein Python-Skript, das die unverschlüsselten Daten aus der Recall-Funktion extrahiert (Quelle: Golem).

Sicherheits-Desaster "Recall" : Noch nicht gestartet, schon gehackt

Dirk meint: Ich weiß bis heute, wie das Rasierwasser meines ersten Deutschlehrers auf dem Gymnasium roch. Denn der hatte die Angewohnheit, sich bei Klassenarbeiten minutenlang über einen zu beugen und beim Schreiben zuzusehen. Ich habe das gehasst. Und jetzt ist wieder so einer im Anmarsch, nur ohne Rasierwasserwolke.

Die Produktivität erhöhen soll das KI-Feature „Recall“. Einerseits könnte das funktionieren, denn Beschäftigte werden kaum noch wagen, an ihren PCs etwas abseits ihrer eigentlichen Aufgabe zu tun. Schließlich müssen sie damit rechnen, dass Vorgesetzte mit ein paar unverfänglichen Fragen an die KI in Erfahrung bringen, ob sich ihre Untergebenen zwischendurch nach Urlaubsressorts oder gar einem neuen Job umgesehen haben.

Andererseits: Mich persönlich würde der digitale Blick über die Schulter allerdings eher lähmen. Ähnlich wie damals der Blick meines Deutschlehrers. Dass sich jetzt auch noch Passwörter aus der Recall-Funktion auslesen lassen – geschenkt. Das Problem ist viel größer.

Aktualisierung: Inzwischen hat Microsoft auf die Kritik an Recall reagiert. So soll das neue KI-Feature etwa nur dann tatsächlich aktiviert werden, wenn sich Anwender im Rahmen der Einrichtung ihres Systems „proaktiv dafür entscheiden“ (Quelle: Golem). Wie Microsoft die Möglichkeit, sensible Daten abzugreifen, unterbinden will, ist aktuell nicht bekannt.