Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

US-Urteil: Google missbraucht Marktmacht

Für Google wird der Gegenwind schärfer. Der Suchmaschinen-Monopolist missbrauche seine Marktmacht zum Schaden des Wettbewerbs, hat ein US-Gericht entschieden. Es ist zwar theoretisch denkbar, dass das Urteil in der nächsten Instanz abgemildert wird, aber ich bin sicher, seine Folgen werden in der ganzen Branche spürbar sein. Zwanzig Milliarden US-Dollar gibt Google bislang jährlich aus, damit seine Suchmaschine in den gängigsten Browsern und auf wichtigen Plattformen voreingestellt ist. Von dem Geldsegen profitieren Apple, Samsung, und unter anderem auch die Mozilla Foundation, die damit den Firefox-Browser weiterentwickelt. Was passiert, wenn Google diese Zahlungen einstellt?

"Missbrauch der Monopolstellung" -  Google-Urteil wird Konsequenzen haben

Nun, bei Firefox, Safari & Co. müssten die Anwender zunächst vielleicht künftig selbst entscheiden, welchem Suchdienst sie ihre Gunst schenken. Aus purer Gewohnheit dürften sich zwar viele von sich aus für Google entscheiden, aber sicher nicht mehr so viele, wie bisher aus purer Gewohnheit die Voreinstellungen unverändert übernommen haben. Googles Anteil am Such-Markt würde unweigerlich fallen. Damit würde auch die Attraktivität sinken, in Googles Suchnetzwerk Werbung zu schalten. Andere Werbenetzwerke könnten davon profitieren.

Andererseits würden die 20 Milliarden US-Dollar in den Budgets der Tech-Unternehmen fehlen. Für Samsung und Apple schmerzhaft, aber keine Katastrophe, aber die Mozilla Foundation müsste finanziell komplett neu denken. Ohne Googles Geld bliebe für die Fortentwicklung des Firefox kaum noch Kapital. Der könnte damit hinter andere Browser zurückfallen – zum Beispiel hinter Opera.

Die Konsequenz aus dem Urteil in den USA werden also wohl weltweit zu spüren sein. Allerdings wird das ein allmählicher Prozess sein, weil die Nutzung von Google für viele zu einer eingeschliffenen Gewohnheit geworden ist. Und kaum etwas ist so mächtig, wie eine eingeschliffene Gewohnheit. Nichtsdestoweniger: Für Google wird der Gegenwind schärfer.

Zum Hintergrund: Ein US-Gericht hat Google als Monopolist verurteilt und dem Unternehmen illegale Geschäftspraktiken vorgeworfen. Der Prozess, angestrengt vom US-Justizministerium, endete mit der Feststellung, dass Google seine Marktmacht missbraucht hat, um seine dominante Stellung im Suchmaschinenmarkt zu sichern. Mit einem Marktanteil von 95 Prozent und jährlichen Zahlungen von über 20 Milliarden Dollar an Apple und andere, um als Standardsuchmaschine zu bleiben, verhindert Google laut Gericht den Wettbewerb. Google plant, das Urteil anzufechten (Quelle: GoogleWatchBlog).

Perplexity will bezahlen: Ist das die Zukunft von SEO?

Lohnt sich SEO noch? Die Frage stelle ich mir nicht zum ersten Mal. Derzeit lautet die Antwort: Ja, noch. Weshalb sich SEO vielleicht bald nicht mehr lohnen könnte, erschließt sich bei einem Blick auf Perplexity: Diese KI-Anwendung durchsucht das Web wie eine Suchmaschine, spuckt als Ergebnis aber eine ausformulierte Antwort aus, statt eine endlose Liste von Links zu liefern. Zwar liefert Perplexity mit jeder Antwort auch ein paar Links, auf die wird aber sicher nur noch selten jemand klicken.

Nun wollen die meisten, die Inhalte für das Web bereitstellen, damit nicht nur die Menschheit schlauer machen, sondern auch, in der einen oder anderen Form, Geld verdienen. Ein vollkommen legitimes Anliegen. Wie soll das gehen, wenn die Internetnutzer ihre Antworten ausformuliert von der KI erhalten, und oft überhaupt nicht mehr wahrnehmen, woher die KI die Informationen bezogen hat? Wohl auch deshalb sah sich Perplexity in den letzten Monaten heftiger Kritik ausgesetzt.

Perplexity will bezahlen: Hat SEO wieder eine Zukunft?
Lohnt sich SEO noch? Der Handschlag zwischen Roboter und Mensch steht symbolisch für eine Partnerschaft, die Perplexity Content-Publishern anbietet.

Jetzt haben die Entwickler von Perplexity eine Idee an den Start gebracht, von der endlich auch wieder die profitieren können, deren Inhalte die KI für ihre Antworten nutzt. Perplexity will bezahlen. Wenn die KI die Inhalte eines Perplexity-Partners nutzt, um eine Antwort zu geben, soll der Partner einen Anteil an den von Perplexity erzielten Werbeeinahmen erhalten. Kleiner Wermutstropfen: Partner sind bis jetzt nur große Inhalte-Anbieter wie der Spiegel, Fortune oder Time. Zumindest die werden Perplexity wegen Verwendung ihrer Inhalte also nicht mehr verklagen.

Denkt man das Konzept konsequent weiter, könnte Perplexity solche Partnerangebote aber auch den Betreibern kleinerer Websites machen. Die hätten dann nach wie vor einen Anreiz, hochwertige, informative Inhalte zu entwickeln – je mehr, und je besser, desto öfter könnten diese in KI-Antworten einfließen, und desto mehr würden auch sie selbst davon profitieren. Verfolgt Perplexity diesen Weg konsequent weiter, könnte die Antwort auf die Frage “Lohnt sich SEO noch?” vielleicht bald lauten. “Ja. Und demnächst sogar noch mehr!”

Zum Hintergrund: KI-Suchmaschine Perplexity führt ein Partnerprogramm ein, das Publisher beteiligt, deren Inhalte in den Antworten verwendet werden. Das Programm soll die Reichweite von Perplexity steigern und die Qualität der Suchergebnisse verbessern. Dabei setzt das Unternehmen auf Transparenz und Fairness. Partner erhalten eine direkte Vergütung basierend auf den Werbeeinnahmen, die durch ihre Inhalte generiert werden. Die genauen Konditionen sind bislang geheim. Perplexity hofft, durch das Programm sowohl Nutzer als auch Anbieter zu gewinnen und die Verbreitung seiner KI-Technologie zu fördern (Quelle: Heise).

Keine Ehre unter Dieben: Spione gehackt, Buchdiebe als Phishing-Opfer

Wann hast du beim Lesen der Nachrichten das letzte Mal gedacht: „Es wäre gut, wenn so etwas öfter passiert.“? Ich empfand das in den letzten Tagen gleich zweimal, und das, obwohl dabei Menschen – zumindest materiell – zu Schaden kamen. Versagt etwa so langsam meine gute Kinderstube?

Nun, wahrscheinlich lag es eher daran, wer die Opfer waren: Gleich 10 Millionen Menschen wurden Opfer einer Phishing-Attacke und büßten etliche persönliche Daten ein. Was die Opfer einte, war die Hoffnung, auf eine Kopie der vor einiger Zeit vom Netz genommenen Z-Library zugreifen zu können. Wesentlicher Inhalt dieser Bibliothek waren raubkopierte Bücher. Diejenigen, deren Daten gestohlen wurden, hatten also fast ausnahmslos ebenfalls vor, zu stehlen. Wie man teils äußerst sensible Daten jemandem anvertrauen kann, dessen herausragendes Merkmal die professionelle Weitergabe von Diebesgut ist, erschließt sich mir allerdings nicht.

Keine Ehre unter Dieben: Spyware-Hersteller wird gehackt, Raubkopierer werden Phishing-Opfer

Der zweite Fall betraf das Unternehmen Spytech, dessen Name Programm ist. Spytech hilft Einzelpersonen, Unternehmen und Regierungen beim Spionieren. Wer wissen wollte, was Kinder, Partner, Angestellte, Konkurrenten oder die Entscheider in befreundeten oder verfeindeten Staaten so treiben, konnte Spytech-Produkte einsetzen, um das in Erfahrung zu bringen. Jetzt erbeuteten und veröffentlichten Hacker detaillierte Aktivitätsprotokolle von überwachten Telefonen, Tablets und Computern, wie unter anderem Techcrunch berichtet.

Zum Hintergrund: US-Spyware-Hersteller Spytech wurde Opfer eines Hackerangriffs. Dabei gelangten Aktivitätsprotokolle von über 10.000 Geräten weltweit an die Öffentlichkeit, darunter Windows-PCs, Android-Smartphones, Macs und Chromebooks. Die von Spytech gestohlenen und jetzt an die Öffentlichkeit gelangten Daten reichen bis 2013 zurück. Spytech bietet Überwachungssoftware für Eltern, Partner, Regierungen und Unternehmen an (Quelle: WinFuture).

Ein massiver Phishing-Angriff hat fast 10 Millionen Nutzer der gefälschten Z-Library-Plattform in die Falle gelockt. Anstelle des versprochenen Zugangs zu E-Books wurden persönliche Daten, Passwörter und Krypto-Adressen abgegriffen. Die Cyberkriminellen hinter der gefälschten Seite gaben sich als legitime Z-Library aus und sammelten die Informationen nach der Registrierung der Nutzer. Die Daten wurden offenbar auch an andere Kriminelle weitergegeben. Experten warnen vor den Gefahren, die mit der Nutzung solcher illegalen Plattformen verbunden sind, insbesondere im Hinblick auf Datenschutz und Sicherheit (Quelle: Heise).

Kostet KI Unternehmen mehr Zeit, als sie einspart?

KI kostet mehr Zeit, als sie einspart, sagt eine Studie. Das stimmt wahrscheinlich. Aber dafür kann die KI nichts.

Ich hatte mal, vor vielen Jahren, eine Kollegin, zu deren Aufgaben es gehörte, für unsere Geschäftsführung Zahlen in umfangreiche Tabellenwerke einzutragen. Und natürlich nutzte sie dazu Excel, was denn auch sonst. Aber um die Spalten und Zeilen aufzuaddieren, tippte sie diese anschließend vom Bildschirm in ihren Tischrechner, der dabei einen Papierstreifen bedruckte. Danach druckte sie jeweils die Tabelle aus, verglich Zeile für Zeile die Zahlen mit denen auf dem Papierstreifen, und wenn alles stimmte, heftete sie die ausgedruckte Tabelle und die Rechenstreifen zusammen und brachte sie zum Chef.

Als ich heute Morgen von der Studie las, die belegt, dass KI Unternehmen mehr Zeit kostet, als sie einspart, musste ich wieder an diese Kollegin denken. Denn ganz bestimmt kostete Excel damals auch mehr Zeit – jedenfalls so wie diese Kollegin Excel nutzte. Wer mit dem Auto zur Arbeit kommt, wird dafür wohl auch länger brauchen als zu Fuß. Es sei denn, er steigt ein, lässt den Motor an und gibt Gas.

Zum Hintergrund: Eine aktuelle Studie des Institutes Walr im Auftrag von Upwork zeigt, dass der Einsatz von KI in Unternehmen oft kontraproduktiv ist. Während Führungskräfte das Potenzial von KI erkennen, haben Angestellte Schwierigkeiten, die Technologie effektiv zu nutzen. Statt Arbeit zu erleichtern, führt KI häufig zu Mehraufwand. Die Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität wird deutlich: KI-Tools steigern zwar die Produktivität in bestimmten Bereichen, erfordern aber auch zusätzliche Zeit für Einarbeitung und Anpassung. Experten empfehlen, KI gezielter einzusetzen und Mitarbeiter besser zu schulen, um den tatsächlichen Nutzen zu maximieren (Quelle: Golem).

Google plant KI-Brille mit Gemini-Chatbot

Und noch eine Brille: Nachdem Apple schon vor einiger Zeit die ziemlich teure Vision Pro auf den Markt gebracht, und kurz darauf Meta eine alltagstaugliche, bezahlbare KI-Brille vorgestellt hat, steigt jetzt auch Google wieder ins Brillengeschäft ein. Seit den ersten Gehversuchen mit den Google Glasses pflegt Google eine On-Off-Beziehung zur Brillenbranche.

Zum Thema Brillen kann ich etwas sagen: Einerseits kann ein Brillenträger nie genug davon haben. Beim Fernsehen, Autofahren oder wenn ich irgendwo unterwegs bin, komme ich prächtig ohne Brille aus, beim Lesen, Schreiben oder Videos schneiden bin ich auf die Sehhilfe angewiesen. Deshalb liegen in unserer Wohnung, unserem Auto, meinen Jackentaschen, jede Menge Ersatzbrillen herum.

Google Glass, die xte: KI-Brille mit Gemini-Integration in Planung

Andererseits setze ich eine Brille nicht aus Spaß auf, sondern aus einer Notwendigkeit heraus. Klar würde es mir Spaß machen, mir von einer KI-Brille sagen zu lassen “Nimm mal die Steaks vom Grill, die sehen schon gut aus”, aber Geld dafür ausgeben würde ich vorerst nicht. Vielleicht fehlt mir aber auch nur die Fantasie, mir Situationen vorzustellen, in denen mir ein Chatbot im Gesichtsfeld wirklich nützlich ist. Würdest du dir eine KI-Brille kaufen? In welchen Situationen könnte sie dir nützlich sein?

Zum Hintergrund: Google verhandelt mit dem Ray-Ban-Hersteller EssilorLuxottica über die Entwicklung einer Smart Glasses mit integriertem Gemini-KI-Chatbot. Das Projekt zielt darauf ab, Augmented-Reality-Technologie mit künstlicher Intelligenz zu verbinden. Die Brille soll Nutzern ermöglichen, in Echtzeit mit der KI zu interagieren und visuelle Informationen zu verarbeiten. Dieser Schritt folgt auf Googles frühere Versuche im Bereich Smart Glasses und setzt den Trend zu KI-gestützten Wearables fort. Das Unternehmen hofft, durch die Partnerschaft mit dem renommierten Brillenhersteller ein stilvolles und funktionales Produkt zu entwickeln (Quelle: GoogleWatchBlog).

Microsoft Copilot übernimmt lästige Office-Aufgaben

Nichts Neues, aber besser: Was Microsoft den Anwendern seiner Office-Suite verspricht, gibt’s ja eigentlich längst: Powerpoint-Präsentationen erstellt Gamma, die in Excel-Tabellen verborgenen Erkenntnisse fördert ChartPixel zutage, und beim Formulieren von E-Mails kann ChatGPT zeigen, was es kann. Dennoch: Im Sinne seiner Unternehmenskunden sollte sich Microsoft besser mit der Copilot-Integration beeilen, bevor die Schatten-IT in diesen Unternehmen zu einem undurchdringlichen Dickicht heran wuchert.

Warum Microsoft bei der Copilot-Integration Gas geben sollte

Unter den Begriff Schatten-IT fallen die von den Beschäftigten genutzten Programme und Dienste abseits der offiziell im Unternehmen genutzten IT. Die sind oft nicht mit der Unternehmens-Compliance vereinbar, und auch die rechtlichen Voraussetzungen für ihren Einsatz sind mitunter fraglich.

Schatten-IT entsteht da, wo Beschäftigte die Chance sehen, die gleiche Arbeit mit weniger Mühe oder in besserer Qualität zu erledigen. Oft sind es gerade die gut informierten, technisch versierten Kollegen und Kolleginnen, die Schatten-IT ins Unternehmen bringen. Und weil das die Leute sind, die ein Unternehmen nicht demotivieren oder verlieren will, wird Schatten-IT mitunter bis zu einem gewissen Grad geduldet – trotz der Risiken.

Im Augenblick sind es eben vor allem KI-Tools und -Dienste, die den Beschäftigten Produktivitätsvorteile versprechen. Mit einer nahtlosen Integration entsprechender Werkzeuge in die offiziellen Office-Anwendungen könnte Microsoft die Nutzung solcher Dritt-Anwendungen weitgehend überflüssig machen. Aus Unternehmenssicht besser heute als morgen.

Zum Hintergrund: Microsoft erweitert seinen digitalen Assistenten Copilot für Office 365. Der KI-basierte Copilot soll bald Routineaufgaben wie das Erstellen von Präsentationen, das Verfassen von E-Mails und das Analysieren von Daten übernehmen. Ziel ist es, die Produktivität der Nutzer zu steigern und ihnen zeitaufwendige Arbeiten abzunehmen. Die Integration in Anwendungen wie Word, Excel und PowerPoint soll nahtlos erfolgen. Microsoft plant, Copilot durch maschinelles Lernen kontinuierlich zu verbessern und an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. Die neuen Funktionen sollen in den kommenden Monaten schrittweise eingeführt werden (Quelle: t3n).

Signal rüstet auf: Neue Videokonferenz-Funktionen für Unternehmen

Signal hatte für mich lange Zeit den Nimbus einer zur App gewordenen Trotzreaktion. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis wirkte es einmal für einen Moment so, als könne die App tatsächlich WhatsApp den Rang ablaufen. Aber wie das so ist mit Trotz: Irgendwann wird er auch dem Trotzigsten zu anstrengend, und bald kehrten die meisten – mich eingeschlossen – dem Alternativ-Messenger wieder den Rücken, und vertrauten ihre private digitale Kommunikation erneut der Datenkrake WhatsApp an.

Ganz in der Versenkung verschwand Signal indes nicht. Jetzt nimmt der spendenfinanzierte Dienst einen neuen Anlauf und fordert jetzt auch Videokonferenzsysteme wie Zoom oder Teams heraus. Noch ist mir nicht ganz klar, welche Alleinstellungsmerkmale Signal dabei in den Ring werfen will. Sicher, Zoom ist ein paar Mal durch Sicherheitslücken aufgefallen, und auch Teams ist nicht ohne Fehl und Tadel – das ist Signal selbst aber auch nicht.

Videokonferenzen: Signal nimmt Zoom, Teams und Co. ins Visier

Entscheider in Unternehmen und Organisationen werden indes nicht ohne überzeugende Argumente die bei ihnen etablierten Videokonferenzsysteme ersetzen. Zugegeben, die etablierten Tools verursachen Kosten. Aber: Jede Änderung organisatorischer Abläufe verursacht ebenfalls Kosten, bis die neuen Gleise eingefahren sind.

Vielleicht kann Signal tatsächlich wieder auf den Erfolgsfaktor „Trotz“ setzen – oder Reaktanz, wie Psychologen dieses Phänomen nennen: Signal verzichtet nämlich, anders als zum Beispiel Zoom, bislang gänzlich auf KI-Funktionen. Entscheider, die nicht wollen, dass solche cleveren kleinen Wanzen bei vertraulichen Gesprächen mit am Tisch sitzen, sehen eventuell gerade im Fehlen von KI-Funktionen ein überzeugendes Leistungsmerkmal.

Zum Hintergrund: Der verschlüsselte Messenger Signal erweitert sein Angebot um neue Videokonferenz-Funktionen, die besonders auf Unternehmen und Organisationen abzielen. Die Aktualisierung bringt Features wie “Hand heben”, Teilnehmerlisten und verbesserte Moderation. Signal möchte damit in direkte Konkurrenz zu etablierten Diensten wie Microsoft Teams und Zoom treten (Quelle: Heise).

KI-Systeme dümmer als Katzen, sagt Google-Deepmind-Chef

Wärst du lieber mit einem Tiger in einem Raum eingesperrt oder mit ChatGPT? Es gibt eine irrationale Angst vor künstlicher Intelligenz, und es gibt eine rationale. Die eigenen Ängste richtig einzuordnen, ist nicht ganz einfach. Was der CEO von Google Deepmind dieser Tage in einer Talkrunde geäußert hat, kann da ganz hilfreich sein: KI sei gegenwärtig dümmer als Katzen. Wer also eine Über-Intelligenz fürchtet, die ein eigenes Bewusstsein entwickeln und die Auslöschung der Menschheit in Angriff nehmen könnte, dessen Ängste liegen eher im irrationalen Spektrum.

KI "dümmer als eine Katze"?

Was Demis Hassabis allerdings nicht sagt, ist, künstliche Intelligenz sei harmlos. Er sagt, künstliche Intelligenz sei ein nützliches Werkzeug für vielerlei Aufgaben. Ein Hammer ist ein nützliches Werkzeug, eine Kettensäge ebenfalls, aber in den Händen von Kriminellen und Psychopathen werden sie zu tödlichen Waffen.

In den Händen von böswilligen Staatslenkern kann KI zu einer Waffe werden, die mit Deepfakes und anderen Desinformationskampagnen ganze Gesellschaftsordnungen untergräbt. In den Händen von Cyberkriminellen kann sie zu einem willigen Helfer bei Erpressung und Betrug werden. Und in einem wettbewerbsorientierten Markt können die mit KI-Werkzeugen zu erzielenden Effizienzgewinne Menschen ihre Jobs kosten. Das sind rationale Ängste.

Auch wenn unsere Hauskatzen Lotta und Pepe das nicht gern hören werden: KI mag dümmer sein als Katzen. Aber harmloser ist sie ganz bestimmt nicht. Außer vielleicht im Vergleich dazu, mit einem Tiger eingesperrt zu sein.

Zum Hintergrund: Demis Hassabis, CEO von Google Deepmind, sorgte mit einer provokanten Aussage für Aufsehen: Aktuelle KI-Modelle besitzen seiner Meinung nach weniger Intelligenz als eine Katze. In einer Talkrunde betonte er, dass trotz beeindruckender Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz noch ein weiter Weg zur menschenähnlichen KI zurückzulegen sei. Hassabis warnte deshalb vor überzogenen Erwartungen (Quelle: Golem).

Nagelsmann will KI bei Handspiel-Entscheidungen

Na, immer noch sauer über den nicht gegebenen Hand-Elfmeter? Da haben wir Torlinientechnik, die virtuelle Abseitslinie, den Video Assistent Referee, Erschütterungssensoren im Ball, und noch immer gibt es im Fußball keine absolute Gerechtigkeit. Julian Nagelsmann meint, noch mehr Technik könnte das ändern, zeitgemäß dieses Mal KI. Ich glaube, kaum jemand dürfte daran zweifeln, dass ich von den Möglichkeiten der KI fasziniert bin. Aber hier hat sie keine Chance.

Denn „Gerechtigkeit“ ist ein zutiefst menschliches Konzept. Und auch wenn es unter den Menschen derselben Gesellschaftsordnung meist einen grundsätzlichen Konsens darüber gibt, was als gerecht gilt, unterscheiden sich die Bewertungen in Grenzbereichen oft deutlich – im Alltag genauso wie im Spezialfall Fußball. Genau in diesen Grenzbereichen soll nun Technik für uns entscheiden? Es mag ja sein, dass Technik besser als jeder Mensch in der Lage ist, Regelverstöße von regelkonformem Verhalten zu unterscheiden. Zufriedener werden uns diese Entscheidungen aber nicht machen.

Die Diskussion wird sich künftig lediglich von den Entscheidungen weg, und hin zu den zugrundeliegenden Regeln verschieben. Kurz: Dass wir keinen Hand-Elfmeter bekommen, wird KI nicht ändern. Nur warum wir ihn nicht bekommen. Und deshalb werden wir auch künftig sauer sein. Mit oder ohne KI.

Zum Hintergrund: Nach Deutschlands EM-Aus fordert Bundestrainer Julian Nagelsmann den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Handspiel-Entscheidungen. Anlass ist eine umstrittene Szene im Spiel gegen Spanien, bei der ein mögliches Handspiel nicht geahndet wurde. Nagelsmann kritisiert die aktuelle Bewertungspraxis und schlägt vor, KI zur Analyse von Ballbewegungen in kritischen Momenten einzusetzen. Er betont die Notwendigkeit, zwischen spielentscheidenden und irrelevanten Handspielen zu unterscheiden. Trotz seiner Kritik an den Schiedsrichterentscheidungen sieht Nagelsmann diese nicht als Hauptgrund für das deutsche Ausscheiden (Quelle: Heise).

Lohnt sich SEO noch? Google-Nutzer klicken immer seltener auf Suchergebnisse

„Lege niemals alle Eier in einen Korb!“ Wie wahr diese Binsenweisheit ist, durfte ich im Lauf meiner Selbständigkeit bitter erfahren. Ich hatte es mir mit einem großen Kunden zu bequem gemacht. Als der unerwartet dicht machte, stand ich zwar nicht vor dem Nichts, aber doch vor dem Wenig.

Viele, die ihr Business im Web betreiben, stehen heute vor einer vergleichbaren Situation. Sie haben es sich mit einem großen Traffic-Lieferanten bequem gemacht. Wenn von Google nichts mehr kommt, stehen sie ebenfalls vor dem Wenig bis Nichts. Und das ist nicht nur ein realistisches Szenario, sondern sogar ein sehr wahrscheinliches, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Eine Kreativtechnik im Design Thinking besteht darin, sich zu fragen, wie ein Konzept sich verändern würde, wenn man einen wesentlichen Aspekt wegließe. Bei Google mag man sich gefragt haben: „Wie könnte unsere Suche aussehen, wenn wir nicht mehr auf Suchergebnisse verlinken?“. Wer von der Google-Suche abhängig ist, muss spätestens jetzt eine ähnliche Frage stellen: „Wie könnten wir unser Publikum erreichen, wenn es nicht mehr per Google zu uns findet?“ Und es gilt, schnell viele gute Antworten auf diese Frage zu finden.

Zum Hintergrund: Eine aktuelle Studie zur Nutzung der Google-Suche weist ein für Seitenbetreiber problematisches Phänomen nach. Von 1.000 Suchanfragen in der EU führen lediglich 374 zu Klicks auf externen Websites. Der Großteil der Suchenden verbleibt danach im Google-Ökosystem, etwa mit einem Aufruf von Google Maps, YouTube, oder verweilt bei den Rich Snippets, mit denen Google die Fragen der Suchenden direkt zu beantworten versucht (Quelle: SEO Südwest).

Google übt sich im Klonen: Gemini soll Persönlichkeiten simulieren

Die Idee klänge faszinierend: Strategische Beratung von Machiavelli, Börsentipps von Kostolany, Physik-Nachhilfe von Einstein, alles realisiert über KI-Chatbots. Eine Plattform, die das möglich machen soll, hat Google nach Informationen des GoogleWatchBlog in der Pipeline.

Die Idee hätte allerdings einen dicken Schönheitsfehler – es gibt eine solche Plattform längst, auf https://character.ai. Nun ist gut abgekupfert ja oft besser als schlecht selbst ausgedacht. Aber es ist schon ein Trauerspiel, mit anzusehen, wie die einst großen Innovatoren von Google anderen hinterherlaufen.

Den Schock, den ChatGPT den Verantwortlichen in Mountain View bereitet hat, hat das Unternehmen bis heute nicht überwunden. Mag sein, dass Gemini in Benchmarks inzwischen besser ist als ChatGPT. Aber Benchmarks spiegeln nicht die Entscheidungen der Nutzer. Deren Vertrauen muss Google zurückerobern. Auch Vertrauen in die Innovationskraft. Und dieses Vertrauen gewinnt Google nicht durch das Kopieren bereits erfolgreich umgesetzter Ideen zurück. Es sei denn, Googles Klon geriete um Längen besser als das Original. Warten wir’s ab.

Zum Hintergrund: Google entwickelt eine neue Plattform für seinen KI-Chatbot Gemini, die es dem System ermöglichen soll, verschiedene Identitäten anzunehmen. Laut einem aktuellen Leak arbeitet das Unternehmen an einer “Gemini Character ChatBot-Plattform”. Diese soll es Nutzern erlauben, mit personalisierten KI-Charakteren zu interagieren. Ziel ist es, komplexe Themen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Details zur Umsetzung und zum Starttermin sind noch nicht bekannt (Quelle: GoogleWatchblog).

Mehr als ein zweites Second Life? Meta bringt VR-Netzwerk Horizon Worlds nach Deutschland

Eines muss man Mark Zuckerberg lassen: Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann zieht er es durch. Auch wenn ihm von allen Seiten gesagt wird, es sei eine Schnapsidee. So wie seine Vision eines Metaverse, eines virtuellen Universums, in dem Menschen künftig arbeiten, spielen, leben sollen. Mit dem sozialen Netzwerk Horizon Worlds (https://horizon.meta.com/), das Meta jetzt unter anderem auch in Deutschland startet, will er der Verwirklichung des Metaverse einen großen Schritt näher kommen.

Erinnert sich noch jemand an Second Life (https://secondlife.com/), das in den späten 2000ern Furore machte? Länder richteten dort Botschaften ein, die virtuelle Welt wurde zweite Heimat von Unternehmen, Kirchen, Rockbands. Und dann war der Hype vorbei. Der Hype kam noch einmal zurück, 2020. Im Jahr 2022 loggten sich monatlich noch rund 900.000 Nutzer ein.

Horizon Worlds: Kommt jetzt das Metaverse?

Mit einer vergleichbaren Anzahl aktiver Nutzer kann Meta-Boss Zuckerberg nicht zufrieden sein. Welchen Mehrwert die Horizon Worlds gegenüber Second Life bieten sollen, erschließt sich mir allerdings nicht. In einem der Videos, mit dem Meta das VR-Netzwerk bewirbt, wird immerhin ziemlich viel geballert. Das kann ich aber bei Bedarf auch in jeder beliebigen Nachrichtensendung sehen.

Zum Hintergrund: Meta startet sein VR-Netzwerk Horizon Worlds in Deutschland. Nutzer können virtuelle Welten erschaffen und als Avatare interagieren. Horizon Worlds soll den Metaverse-Hype neu entfachen. Auch in anderen Ländern, wie Österreich, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich, wird die Plattform eingeführt. Ab 13 Jahren können Nutzer teilnehmen. Meta verspricht eine sichere Nutzung, trotz vergangener Kritik an Kinderschutzmaßnahmen. Die Plattform wird für VR-Headsets, Mobilgeräte und das Web verfügbar sein. Ob der Metaverse-Hype zurückkehrt, bleibt abzuwarten (Quelle: OnlineMarketing.de).

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