Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.
Es ist jetzt etliche Jahre her. Ich hatte da erst vor kurzem meine Ausbildung abgeschlossen. Damals führte das Unternehmen, in dem ich arbeitete, gerade Microsoft Office ein. Und ich hatte eine Einladung von Microsoft bekommen, um in einem Ein-Tages-Seminar die Grundlagen von Excel zu lernen.
„Das brauchen wir nicht“, entschied mein Chef, als ich ihm die Einladung zeigte, „wir haben hier unsere eigene Weiterbildung.“
Auf die musste ich allerdings noch einige Jahre warten, bis dahin war dieser Chef bereits in den Ruhestand gegangen. In der Zwischenzeit nutzte ich Excel so gut, wie ich es mir eben selbst beibringen konnte. Ich bin ein ganz brauchbarer Autodidakt, aber manches dauert eben länger, wenn man es sich per Versuch und Irrtum selbst beibringen muss. Für mich war diese Zeit bezahlte Arbeitszeit. Für meinen Arbeitgeber auch, und der hätte garantiert ein besseres Geschäft gemacht, wenn ich an dem Seminar hätte teilnehmen dürfen.
In genau dieser Situation befinden sich viele Unternehmen heute wieder.
Sie investieren relativ viel Geld in KI, und in entsprechend ausgestattete Hardware. Und ihre Führungskräfte verschwenden viel Geld, weil sie nicht in Schulungen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren (dürfen?). Dass die erwarteten Effizienzgewinne ausbleiben, verwundert niemanden, der sich mehr als nur ganz oberflächlich mit KI beschäftigt hat.
Darunter scheinen allerdings nicht viele Führungskräfte zu sein.
Darum geht’s: Intel hat in einer Umfrage festgestellt, dass Anwender von KI-PCs langsamer arbeiten als Nutzer herkömmlicher Computer. Der Chiphersteller sieht den Grund in unzureichender Aufklärung über die Nutzung der neuen Technologie. Trotz der Erwartungen, dass KI die Effizienz steigern sollte, verbringen Nutzer mehr Zeit mit Routineaufgaben wie E-Mail-Management. Intel betont, dass das Potenzial der KI-PCs noch nicht ausgeschöpft wird, da viele Anwender Schwierigkeiten haben, effektiv mit KI-Tools zu interagieren. Die Studie zeigt auch, dass 86 Prozent der Verbraucher noch nie von einem KI-PC gehört haben oder einen solchen genutzt haben (Quelle: Heise).
Die ultimative KI für Text? Nachdem ich ChatGPT das erste Mal genutzt hatte, war ich sicher, “ChatGPT ist genial.”
Nachdem ich ChatGPT ein paar Wochen lang genutzt hatte, wurde mir klar, “Im Gegenteil: ChatGPT ist ein Idiot.”
Und das ist eine gute Nachricht.
Bei meinen vielen Versuchen hatte ich ChatGPT alles Mögliche abverlangt: Fantasiegeschichten, Fachartikel, E-Mails, Bildbeschreibungen, Multiple-Choice-Tests, Antworten auf die großen und die kleinen Fragen des Lebens. Und nie hatte ChatGPT mir die Antwort verweigert (falls ich nicht gerade nach einer Rezeptur für Sprengstoff gefragt hatte).
Die Gesamtschau der Antworten zeigte allerdings ein klares Ergebnis: ChatGPT ist ein Idiot.
Ich verdiene einen nicht unerheblichen Teil meines Lebensunterhalts mit Texten. Ich arbeite als Journalist, verfasse Blogartikel und Whitepaper für Unternehmen aus der IT-Branche, und ab und zu schreibe ich auch etwas Belletristik, wenn auch eher als Fingerübung. ChatGPT, so hatte ich befürchtet, hätte das Potenzial, mich überflüssig zu machen. KI für Text = Katastrophe für Texter?
Ich hätte kaum weiter daneben liegen können.
Wenn ich ChatGPT anweise “Mach mal”, macht ChatGPT mal. Aber was ChatGPT dann macht, dafür würde keiner meiner Kunden auch nur ein paar Euro ausgeben. Die KI erfindet Fakten, verwechselt “neuer” und “älter”, ihre Antworten sind dann mitunter nicht einmal als Blindtext zu gebrauchen. Oder gerade so.
Aber: ChatGPT ist ein nützlicher Idiot
Das entdeckte ich aber erst nach und nach, als ich mich mit dem Thema “Prompten” beschäftigte. Ich weiß, wie ein Fachartikel aufgebaut ist, was für Inhalte in ein Whitepaper gehören, oder mit welchen Begriffen und welchem Sprachniveau die angestrebte Zielgruppe am besten zu erreichen ist. Was ich erst lernen musste, war, wie ich ChatGPT all das beibringe.
Falls es der Deutschen Zentrale für Tourismus in erster Linie um Reichweite und Aufmerksamkeit ging, kann man ihr neidlos bescheinigen: Hat geklappt. Emma (Instagram: @emmatravelsgermany), ihre neue Botschafterin für Deutschland als Reiseziel, ist in aller Munde. Und Emma bekäme zu spüren, was jede Person zu spüren bekommt, die online einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht: Hass. Ich sage “Bekäme zu spüren”, denn tatsächlich spürt sie nichts. Der aktuelle Shitstorm richtet sich die von KI zum Leben erweckte Kunstfigur Emma.
Fühlendes Wesen hin oder her, ich hatte die Gelegenheit, mich ein wenig mit der KI Emma zu unterhalten (die hast du übrigens auch, denn Emma kann auch chatten, allerdings nicht auf Instagram, sondern auf travel.germany). Hier, so meine ursprüngliche Mutmaßung, könnte Emmas eigentliche Stärke liegen. Ich stellte Emma daher ein paar gezielte Fragen rund um das Reisen in Deutschland, und verglich ihre Antworten mit denen, die ChatGPT lieferte.
Für die, die’s interessiert, stehen unten drei meiner Fragen und die jeweiligen Antworten. Für alle, die gleich mein Fazit lesen wollen: Emma hat noch viel Luft nach oben. Wer KI-basierte Reiseberatung will, ist mit ChatGPT deutlich besser bedient.
So fragte ich die KI Emma nach zehn landschaftlichen Highlights an der Ostsee, und bekam vier. ChatGPT verlegte zwar das Wattenmeer kurzerhand in die Ostsee, lieferte sonst aber brauchbare Ergebnisse.
Bei der Frage nach Burgen und Schlössern am Rhein lagen die KIs gleichauf, bei der Planung von Abendlocations in München gewann ChatGPT aber wieder mit deutlichem Abstand. Zwar lieferte auch Emma sieben Ideen für den Abend, zwei davon lauteten aber sinngemäß “Guck doch mal im Internet”, respektive “Guck doch mal selbst, was so los ist.”
Es gibt allerdings etwas, das nutzloser ist als die Reise-Tipps von Emma: Hass. Emma ist es egal, wenn du sie hasst. Deinen Hass spüren nur du und die fühlenden Wesen in deiner Umgebung.
Meine erste Frage: Im Frühjahr reise ich an die Ostsee. Bitte nenne mir 10 landschaftliche Highlights, die ich mir dort auf keinen Fall entgehen lassen sollte.
Das antwortet die KI von Emma:
Deine Reisetipps für die Ostsee im Frühjahr Hier sind einige landschaftliche Highlights, die du an der Ostsee auf keinen Fall verpassen solltest:
Seebad Ahlbeck: Besuche die älteste Seebrücke Deutschlands und genieße den Blick auf die Ostsee.
Ostseeküsten-Wanderweg: Tausche deine Wanderkleidung gegen Badeanzug und Badehose und genieße die feinen Sandstrände.
Kulinarische Spezialitäten: Probiere die leckeren Spezialitäten des Nordens in den Seebädern entlang des Wanderwegs.
Stralsund: Erkunde die reizvolle Küstenlandschaft und die beeindruckende Backsteingotik und Barockbauten.
Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund: Ein Ausflug zu den weltberühmten Kreidefelsen auf der Insel Rügen ist ein Muss. Mehr Infos findest du hier.
ChatGPTs Antwort:
Die deutsche Ostseeküste bietet einige beeindruckende Landschaften. Hier sind zehn Highlights, die einen Besuch wert sind:
Kreidefelsen auf Rügen: Die weißen Felsen im Nationalpark Jasmund bieten atemberaubende Ausblicke auf die Ostsee. Besonders beeindruckend ist der Königsstuhl.
Kap Arkona: Der nördlichste Punkt Rügens besticht durch seine Steilküsten und die historischen Leuchttürme. Ein Spaziergang entlang der Klippen lohnt sich.
Hiddensee: Die autofreie Insel westlich von Rügen verzaubert mit naturbelassenen Stränden, Dünenlandschaften und dem markanten Leuchtturm Dornbusch.
Darßer Weststrand: Am Darß erwartet dich einer der ursprünglichsten Strände Deutschlands. Wilde Dünen und windgeformte Bäume prägen die Landschaft.
Ahrenshoop: Das Künstlerdorf liegt malerisch auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Besonders die Steilküste und die urige Natur bieten gute Fotomotive.
Timmendorfer Strand: Der lange Sandstrand südlich von Lübeck ist ideal für Strandspaziergänge. Besonders sehenswert ist der Kurpark mit seiner alten Bepflanzung.
Insel Usedom: Die „Sonneninsel“ beeindruckt mit feinsandigen Stränden, den Buchenwäldern im Hinterland und den bekannten Kaiserbädern wie Ahlbeck und Heringsdorf.
Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Entdecke die faszinierende Welt des Wattenmeers bei einer geführten Wanderung. Besonders bei Ebbe zeigt sich die ganze Schönheit der Wattlandschaft.
Kliff bei Boltenhagen: Das hohe Ufer bietet imposante Ausblicke und zeigt die geologischen Schichten der Küste. Der naturbelassene Strand ist ein Geheimtipp.
Fehmarns Steilküsten: Die Insel Fehmarn bietet abwechslungsreiche Küstenabschnitte. Besonders die Steilküste am Westufer ist ein beeindruckender Ort, um Vögel zu beobachten und die Natur zu genießen.
Jeder Ort hat seinen eigenen Reiz und lässt sich gut mit Wanderungen oder Fahrradtouren verbinden.
Meine zweite Frage: Ich interessiere mich für Schlösser und Burgen entlang des Rheins. Welche fünf davon sollte ich mir unbedingt ansehen?
Das antwortet die KI von Emma:
Top 5 Schlösser und Burgen entlang des Rheins
Hier sind einige faszinierende Schlösser und Burgen entlang des Rheins, die du unbedingt besuchen solltest:
Schloss Drachenburg: Ein märchenhaftes Anwesen im historischen Stil mit Türmchen, Erkern und Zinnen. Genieße die prächtige Innenausstattung und den atemberaubenden Blick ins Rheintal. Mehr Infos findest du hier.
Burg Ehrenfels: Diese steil aufragende Burg im Rheingau bietet eine beeindruckende Aussicht und ist ein Highlight der Region.
Kloster Eberbach: Schauplatz der Verfilmung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“. Ein historisches und kulturelles Juwel im Rheingau.
Burg Rheinfels: Diese beeindruckende Burg in St. Goar bietet ein atemberaubendes Panorama über das Rheintal.
Burgruine Drachenfels: Ein sagenumwobener Ort, der bereits J.R.R. Tolkien inspiriert hat. Erlebe die romantische Atmosphäre und die spektakuläre Aussicht.
Viel Spaß beim Entdecken dieser historischen Schätze entlang des Rheins! 😊
ChatGPTs Antwort:
Der Rhein bietet eine Vielzahl beeindruckender Burgen und Schlösser, die einen Besuch wert sind. Hier sind fünf besonders sehenswerte:
Burg Eltz: Diese gut erhaltene Höhenburg liegt im Tal der Mosel, nahe dem Rhein. Sie wirkt wie aus einem Märchen und beeindruckt mit ihren Türmen und der Lage inmitten eines Waldes. Teile der Innenräume können besichtigt werden.
Marksburg: Eine der wenigen nie zerstörten Höhenburgen am Mittelrhein. Sie thront majestätisch über Braubach und bietet einen herrlichen Blick auf den Fluss. Die originalen Innenräume und die Waffenkammer sind sehr interessant.
Schloss Stolzenfels: Dieses neugotische Schloss bei Koblenz wurde aus den Ruinen einer mittelalterlichen Burg errichtet. Die prächtige Gartenanlage und die romantische Architektur machen es zu einem beliebten Ausflugsziel.
Burg Rheinstein: Direkt am steilen Rheinufer bei Trechtingshausen gelegen, bietet die Burg eine malerische Aussicht auf das Tal. Sie ist restauriert und zeigt historische Einrichtungen und Kunstwerke.
Burg Pfalzgrafenstein: Diese einzigartige Zollburg liegt auf einer kleinen Insel in der Mitte des Rheins bei Kaub. Sie diente früher der Kontrolle des Schiffsverkehrs und beeindruckt durch ihre ungewöhnliche Lage und gut erhaltene Bausubstanz.
Jede dieser Burgen hat ihren eigenen Charakter und erzählt ein Stück der Geschichte des Rheintals.
Meine dritte Frage: Ich bin eine Woche in München und möchte jeden Abend anders verbringen. Schlage mir für jeden Abend eine Location vor.
Das antwortet die KI von Emma:
Deine Abendempfehlungen für München
Abend: Erkunde das lebendige Viertel Schwabing. Hier findest du eine Vielzahl von Kneipen, Cafés und Restaurants sowie viele Boutiquen und Geschäfte. Genieße das Münchner Lebensgefühl inmitten wunderschöner Altbauhäuser. Link
Abend: Setze dich zu den Münchnern an die Isar. Besonders schön ist es an der Cornelius-Brücke, auf der Schwind-Insel, an der Stauwehr Oberföhring und am Flaucher. Entspanne und genieße die Atmosphäre. Link
Abend: Besuche den romantischen Weißenburger Platz oder den Königsplatz. In der Nähe findest du auch das wichtige NS-Dokumentationszentrum. Lass dich von der Kultur Münchens verzaubern.
Abend: Probiere ein traditionelles Münchner Wirtshaus aus. Kosten das Bier und die Weißwürste. Vegetarier können die Brezeln genießen, die der Münchner zu jeder Tageszeit isst.
Abend: Erkunde die Umgebung des Marienplatzes. Besonders zur Weihnachtszeit ist der Weihnachtsmarkt ein Highlight. Link
Abend: Lass dich von den aktuellen Veranstaltungshighlights inspirieren. Schau auf den Seiten deiner Wunschdestinationen nach, was gerade los ist. Link
Abend: Entdecke spontan neue Orte und lass dich vom Zauber Münchens überraschen. Oft sind die schönsten Entdeckungen die, die man nicht geplant hat.
ChatGPTs Antwort:
München bietet eine spannende Mischung aus traditionellen und modernen Locations. Hier sind Vorschläge für sieben Abende:
Montag: Hofbräuhaus Ein echter Klassiker. Genieße bayerische Gemütlichkeit mit Bier, Brezeln und Blasmusik. Perfekt für einen entspannten Abend in rustikaler Atmosphäre.
Dienstag: Atomic Café Ein Kult-Club für Indie- und Alternative-Musik. Die charmante Location ist ein idealer Treffpunkt für Musikliebhaber und lockere Gespräche.
Mittwoch: Gärtnerplatztheater Ein Abend mit Kultur. Besuche eine Oper, ein Musical oder ein Ballett in diesem charmanten Theater im Herzen der Stadt.
Donnerstag: P1 Münchens legendärer High-Society-Club bietet ein glamouröses Ambiente. Tanze zu House- und Elektrobeats und erlebe das Münchener Nachtleben auf eine exklusive Weise.
Freitag: Harry Klein Ein Club für Liebhaber der elektronischen Musik, mit regelmäßigen DJ-Sets und visuellen Kunstprojekten. Perfekt für eine lange Partynacht.
Samstag: Muffatwerk Diese ehemalige Industriehalle kombiniert Konzertsaal, Club und Biergarten. Die Mischung aus Live-Musik und Partyatmosphäre sorgt für Abwechslung.
Sonntag: Jazzclub Unterfahrt Ein entspannter Abschluss der Woche mit Live-Jazz in einer gemütlichen Kellerbar. Die perfekte Location, um das Wochenende ausklingen zu lassen.
Jeder Abend bietet ein anderes Erlebnis und zeigt eine neue Facette des Münchner Nachtlebens.
Darum geht’s: Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) hat mit der Einführung der KI-Influencerin Emma für Aufsehen gesorgt. Der virtuelle Avatar soll in 20 Sprachen für Deutschland als Reiseziel werben, stößt jedoch auf breite Ablehnung. Kritiker bemängeln die fehlende Authentizität, stereotype Darstellung und technische Mängel. Mit nur 2.000 Instagram-Followern wird Emmas Status als Influencerin in Frage gestellt. Die DZT verteidigt das Projekt als Ergänzung zu klassischen Kampagnen, während Experten vor einem möglichen Vertrauensverlust warnen (Quelle: BasicThinking).
Einmal verkaufen, mehrmals kassieren – ist das möglich? Wer Sachen verkauft, wird es da schwer haben. In den Fällen, mit denen sich jetzt der Bundesgerichtshof beschäftigen musste, ging es denn auch um Rechte, genauer Nutzungsrechte. Ein Fotograf hatte einem Unternehmen das Recht verkauft, einige seiner Fotos auf Fototapete zu drucken.
Nun kauften Menschen diese Fototapeten und klebten sie in ihren Räumlichkeiten an Wände. Diese Wände stehen unter anderem in Ferienwohnungen, Hotelzimmern und im Gastraum eines Tischtennisclubs. Zum Beispiel, um potenzielle Gäste auf sich aufmerksam zu machten, stellten diese Menschen Fotos und Videos dieser Räume im Internet zur Schau. Unvermeidlich wurde dadurch auch die Fototapete im Internet sichtbar. Und dafür forderte der Fotograf Schadenersatz. Weil manche diesen Schadenersatz nicht zahlen wollten, landete der Fall letztendlich vor dem Bundesgerichtshof.
Und jetzt frage ich mich, was für Folgen es gehabt hätte, hätte sich die Richter auf die Seite des Fotografen gestellt. Urheberrechtlichen Schutz genießen ja nicht nur Fotos, sondern auch andere „Schöpfungen“. Fotos und Videos, auf denen Tischdecken, Kerzenständer, Designermöbel oder auch bloß gemusterte Bettwäsche zu sehen sind, wären im Internet plötzlich zu unkalkulierbaren Abmahnrisiken geworden.
Wer mit laufender Kamera durch irgendwelche Innenräume läuft, kann es bei größter Mühe nicht verhindern, alle paar Meter etwas ins Bild zu bekommen, dessen Gestaltung urheberrechtlich geschützt ist, oder zumindest sein könnte. Allein der Aufwand, die Rechteinhaber zu ermitteln und mit ihnen eine Vergütung für die Nutzung auszuhandeln, hätte es dann bald unwirtschaftlich werden lassen, überhaupt solche Aufnahmen ins Netz zu stellen.
Stattdessen liegt jetzt der Ball wieder im Feld der Urheber, der Kreativen also, die natürlich auch ein berechtigtes Interesse daran haben, für ihre Schöpfungen angemessen entlohnt zu werden. Eine einfache Lösung für deren Anliegen kann jedenfalls nicht lauten: Einmal verkaufen, mehrmals kassieren.
Hintergrund: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 11. September 2024 in drei Verfahren entschieden, dass das Zeigen von Fototapeten in Internetbeiträgen in der Regel keine Urheberrechtsverletzung darstellt[1][2]. Das Gericht begründete seine Entscheidung mit einer “konkludenten Einwilligung” des Urhebers, die beim Verkauf der Fototapete ohne ausdrückliche Einschränkungen angenommen werden kann[1][3]. Der BGH argumentierte, dass es üblich und vorhersehbar sei, dass Räume mit Fototapeten fotografiert oder gefilmt und diese Aufnahmen online gestellt werden[1]. Diese Entscheidung gilt nicht nur für direkte Käufer der Tapeten, sondern auch für Dritte, solange deren Nutzung als üblich angesehen werden kann[1]. Das Urteil stärkt die Position von Verbrauchern und Unternehmen, die Fototapeten in ihren Räumlichkeiten verwenden und diese in Fotos oder Videos im Internet zeigen möchten[2][4].
Wenn Menschen nicht ganz sicher sind, wie sie sich in einer Situation verhalten sollen, orientieren sie sich oft daran, wie sich die anderen Menschen in ihrer Umgebung verhalten, und tun es ihnen dann gleich. Oft ist das eine nützliche Reaktion, zum Beispiel, wenn sie gemeinsam mit den anderen vor einer Gefahr fliehen, obwohl sie sie selbst noch nicht sehen können. Verhält sich indes ein einzelner völlig anders als die Menschen in seiner Umgebung, muss er mit negativen Reaktionen rechnen, selbst wenn sein Verhalten rational betrachtet klüger ist als das der anderen.
So geht es derzeit den Verantwortlichen des deutschen KI-Startups Aleph Alpha. „Kapitulation“, „Ausstieg“, „Niederlage“ – in der Technikpresse überwiegen negativ konnotierte Begriffe, wenn sie über Aleph Alpha berichten. Denn bei Aleph Alpha hat man sich entschieden, nicht mehr in die gleiche Richtung zu rennen wie alle anderen. „Alle anderen“, das wären in diesem Fall KI-Startups wie OpenAI oder Anthropic, aber auch Big Tech Companies wie Google, Apple, Microsoft oder Meta.
Dabei ist die Entscheidung von Aleph Alpha CEO Jonas Andrulis, nicht mehr beim Rennen um das leistungsstärkste Sprachmodell mitzumachen, rational betrachtet, durchaus klug. Big Tech verbrennt in diesem Rennen unzählige Milliarden, und verheizt dabei nebenbei natürliche Ressourcen, als hätten wir einen Zweit- und einen Dritt-Planeten in der Hinterhand. Dass sich die immensen Investitionen in diesem Kopf-an-Kopf-Rennen irgendwann amortisieren werden, ist bislang vor allem Wunschdenken. Wie viele große Sprachmodelle braucht die Welt wirklich?
Etwas zu tun, nur weil es alle tun, ist ein Symptom von Unsicherheit. Abzubiegen, wenn alle anderen geradeaus gehen, erfordert indes ein großes Maß an Selbstvertrauen. Das allein ist natürlich keine Erfolgsgarantie. Einen falschen Kurs wider bessere Einsicht beizubehalten, wäre dagegen eine Misserfolgsgarantie. Und wer will die schon?
Hintergrund: Das deutsche KI-Startup Aleph Alpha vollzieht eine drastische Kehrtwende. Statt weiter an großen Sprachmodellen zu arbeiten, konzentriert sich das Unternehmen nun auf ein KI-Betriebssystem namens PhariaAI für Unternehmens- und Regierungskunden. CEO Jonas Andrulis begründet den Schritt mit veränderten Marktbedingungen und harter Konkurrenz durch Tech-Giganten. Die Entwicklung eigener Sprachmodelle sei als Geschäftsmodell nicht mehr tragfähig. Aleph Alpha, das einst als europäischer Konkurrent zu OpenAI galt, beschäftigt aktuell 200 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von etwa 20 Millionen Euro (Quelle: The Decoder).
Die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Materie und Geist zu durchdenken, lädt eine aktuelle Studie ein. Dabei ging es den Forschern eigentlich gar nicht um philosophische Betrachtungen, sondern um die Frage: Verursachen Mobiltelefone Hirntumore? Die einfache Antwort lautet: Nein. Da das Gehirn aber gemeinhin als Sitz dessen gilt, was wir Geist nennen, lohnt es sich vielleicht, weiter darauf herum zu denken.
Die weiter gefasste Frage “Wirken sich Mobiltelefone auf das Gehirn aus” hätten die Forscher nämlich wahrscheinlich nicht mehr mit einem klaren “Nein” beantworten können. Eher mit einem klaren “Ja”. Bei mir beispielsweise führt die intensive Beschäftigung mit meinem Mobiltelefon gelegentlich zu dem, was gemeinhin als “Geistesabwesenheit” bezeichnet wird. Zwar gänzlich tumorfrei, funken die Synapsen in dieser Zeit derart, dass zwar mein Gehirn an Ort und Stelle bleibt, mein Geist aber irgendwohin verschwindet, wo er für äußere Reize nahezu unerreichbar wird.
Wäre ich jetzt ein Einzelfall, dann wäre das kaum einen Gedanken wert. Aber die Auswirkungen dieses kleinen elektronischen Gerätes auf zahllose andere Gehirne – also Geister – sind unbestreitbar: Gedächtnis, Konzentrationsfähigkeit, Stressresistenz leiden, manchmal schon, wenn bloß ein Smartphone in der Nähe ist. “Kein erhöhtes Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken”, ist natürlich erst einmal eine gute Nachricht. Es kann aber trotzdem nicht schaden, gelegentlich Zeit ohne den kleinen Taschenteufel zu verbringen. Es ist ja auch mal ganz schön, wenn Gehirn und Geist sich am selben Ort aufhalten.
Zum Hintergrund: Eine neue Studie widerlegt den Zusammenhang zwischen Mobilfunknutzung und Hirntumoren. Forscher analysierten Daten von über 750.000 Briten über 14 Jahre. Trotz steigender Handynutzung blieb die Hirntumorrate konstant. Die Studie berücksichtigte verschiedene Tumorarten und Altersgruppen. Experten betonen, dass Mobilfunkstrahlung zu schwach sei, um DNA zu schädigen (Quelle: Golem).
„Jetzt tief einatmen, Luft anhalten … jetzt ganz langsam ausatmen. Und jetzt husten Sie mal.“ Das waren seine Worte, während der Arzt mir das eiskalte Endstück seines Stethoskops auf die Brust drückte. Er hoffte zu hören, ob mich bloß eine kräftige Erkältung gepackt hatte, oder etwas Schlimmeres.
Als er mich anschließend fragte „Wie viel rauchen Sie eigentlich“, wusste ich, dieses Mal war es wohl etwas Schlimmeres, denn ich bin Nichtraucher, schon immer gewesen. Eine anschließende Röntgenaufnahme meiner Lunge und eine Blutuntersuchung bestätigten dann auch seine Verdachtsdiagnose „beidseitige Lungenentzündung“.
Das ist ein paar Jahre her, mir geht’s längst wieder gut. Daran, wie Ärzte Lungenkrankheiten diagnostizieren, hat sich seitdem wenig geändert. Möglicherweise bekommen sie aber bald einen neuen Kollegen: Doktor Google.
„Nicht Doktor Google, bitte!“, höre ich schon die gesammelte Ärzteschaft, deren Patienten sich immer öfter mit einer schnellen Internetsuche selbst Diagnosen stellen und von studierten Medizinern allenfalls noch eine Zweitmeinung einholen, wenn’s gut läuft.
Doch, bei Lungenkrankheiten könnte Doktor Google tatsächlich hilfreich sein: Der Konzern hat eine KI entwickelt, die in der Lage ist, Atemgeräusche, Husten und Co. mit hoher Treffsicherheit zu interpretieren und eine Diagnose zu stellen. Das kann nicht nur in Ländern nützlich sein, in denen medizinisches Personal und Ausrüstung Mangelware sind. „Könnten Sie mal in die App husten?“, könnte die Sprechstundenhilfe den Patienten bitten, der am Telefon einen Termin vereinbaren möchte, und wenn er dann die Diagnose „Tuberkulose“ mitbringt, am besten getrennt von den anderen Patienten auf seine Begegnung mit dem Arzt warten lassen.
Eine KI, die medizinische Diagnosen stellt (oder dabei hilft), birgt natürlich ein paar Probleme: Was, wenn eigentlich Todkranke kurz in ihr Smartphone röcheln, die todbringende Lungenpest aber wegen eines Bedienungsfehlers oder einer KI-Halluzination aber unerkannt bleibt und sie wegen der vermeintlichen Harmlosigkeit ihrer Krankheit auf einen Arztbesuch verzichten? Und, um mal eine typisch deutsche Frage zu stellen, was ist mit dem Datenschutz? Mein Husten gehört schließlich mir. Das sind durchaus berechtigte Fragen. Ich bin aber sicher, wir werden zufriedenstellende Antworten auf diese Fragen finden.
Hintergrund: Google hat eine KI-Technologie entwickelt, die Krankheiten anhand von Körpergeräuschen erkennen kann. Das System analysiert Husten, Atmung und Herzschläge, um potenzielle Gesundheitsprobleme zu identifizieren. Besonders vielversprechend ist der Einsatz bei der Früherkennung von Tuberkulose, wo die KI eine Genauigkeit von 90 Prozent erreicht. Die Technologie könnte den Zugang zu medizinischer Diagnostik in ressourcenarmen Gebieten verbessern (Quelle: Heise).
Kopiert Google sich zu Tode? Große Neuigkeiten hat Google für seinen KI-Chatbot Gemini angekündigt. Mal wieder. Zahlende Nutzer bekommen “Gems”, Gratis-Nutzer sollen in Zukunft zumindest Bilder generieren können.
Was Google “Gems” nennt, das sind auf spezifische Aufgabenstellungen angepasste Chatbots, etwa, um mit der KI Ideen zu entwickeln oder in einer bestimmten Programmiersprache zu coden. Gute Idee, allerdings eine, die es schon seit Januar in ChatGPT gibt. “GPTs” heißen die spezialisierten Helferlein dort – und ChatGPT erlaubt auch Gratisnutzern, mit diesen GPTs zu arbeiten.
Weitere Innovation: Alle, also auch die Gratisnutzer, sollen demnächst über Gemini auf Googles Bild-KI Imagen 3 zugreifen und damit Bilder generieren können. Woher kenne ich die Idee nun schon wieder? Ach ja, für ein paar Bilder am Tag geht das auch mit der Gratisversion von ChatGPT, oder mit dem Copilot von Microsoft. Übrigens auch schon eine ganze Zeit.
Eigentlich ist das eine gute Sache: Wenn mehrere Marktteilnehmer um die Gunst der Kunden konkurrieren, sind sie gezwungen, sich qualitativ gegenseitig zu überbieten und preislich zu unterbieten. Google geht hier allerdings ein hohes Risiko ein: Zum einen verfestigt sich der Eindruck, dass originelle Ideen in Mountain View Mangelware sind, zum anderen: Was ist, wenn sich die Gems insgesamt dümmer als die GPTs erweisen? Oder die von Imagen 3 gelieferten Bilder denen von Dall-E 3 nicht ebenbürtig geraten, und sei es auch nur, weil Google mal wieder mehr Wert auf politische Korrektheit legt als auf historische Genauigkeit?
Seit der ersten Präsentation von Gemini, das damals noch Bard hieß, hat Googles Image gleich einige Beulen bekommen: Gesundheitsgefährdende Tipps in den AI Overviews, Bilder dunkelhäutiger Soldaten der deutschen Wehrmacht, ein von Geminis realen Möglichkeiten weit entferntes Promo-Video – Googles Aktienkurs hat das nicht gutgetan. Jetzt werden sich die Anleger vielleicht bald fragen: Kopiert Google sich zu Tode?
Zum Hintergrund: Google hat sein KI-Framework Gemini um themenbasierte Chatbots und einen neuen Bildgenerator erweitert. Die themenbasierten Chatbots sind darauf ausgelegt, spezifische Aufgaben und Konversationen zu bewältigen, während der Bildgenerator die Erstellung von visuellen Inhalten vereinfacht. Die neuen Funktionen sollen in den nächsten Tagen und Wochen nach und nach für alle Anwender verfügbar werden (Quelle: ComputerBase).
Einfach wegdrücken, wenn der Chef beim Abendessen anruft? Manche Arbeitnehmer würden das gern, gehen aus Angst davor, was ihnen sonst am nächsten Tag blühen könnte, aber trotzdem ans Telefon. Zumindest in Australien haben sie jetzt den Gesetzgeber hinter sich: Arbeitnehmer müssen in ihrer Freizeit nicht erreichbar sein, ihre Telefone dürfen sie abschalten und/oder eingehende Nachrichten bis zum nächsten Arbeitstag ignorieren.
Gut so? Nun, Unternehmer sehen sich oft im selben Boot mit ihren Beschäftigten, vergessen dabei aber, dass sie im Gegensatz zu ihren Mitarbeitenden am Kapitänstisch speisen, am Steuer stehen und den Kurs setzen können – und, dass ihnen der Kahn auch noch gehört.
Die Angestellten dagegen müssen sich, um im Bild zu bleiben, mit der Mannschaftsverpflegung zufriedengeben und haben auf den gesetzten Kurs nur wenig Einfluss. Sie haben dem Unternehmer eine in Art und Menge klar spezifizierte Leistung verkauft, für die sie einen vereinbarten Preis erhalten, unabhängig von etwaigen Gewinnen oder Verlusten des Unternehmens.
Im Klartext: Unternehmer haben viel mehr zu verlieren, aber auch viel mehr zu gewinnen als abhängig Beschäftigte. Wenn sie in ihrer Freizeit, im Urlaub, wenn nötig auch mitten in der Nacht, bereit sind, sich um ihr Geschäft zu kümmern, dann deshalb, weil sie davon unmittelbar profitieren. Wenn ich als Unternehmer erwarte, dass meine Beschäftigten den gleichen Einsatz zeigen, dann muss sich dieser Einsatz auch ähnlich für sie lohnen.
Zum Hintergrund: In Australien tritt ein neues Arbeitsgesetz in Kraft, das Arbeitnehmern das Recht einräumt, nach Feierabend nicht erreichbar zu sein. Beschäftigte in mittleren und großen Unternehmen dürfen ihre Mobiltelefone ausschalten und müssen nicht auf E-Mails reagieren. Für kleinere Firmen gilt die Regelung ab nächstem Jahr. Ausnahmen bestehen bei Notfällen (Quelle: Heise).
Kinder zu haben, ist eine lebenslange Verpflichtung. In diesem Punkt sind Jesse K. aus Kentucky und ich wohl komplett einer Meinung. Was uns unterscheidet, ist die Bereitschaft, uns dieser Verpflichtung zu stellen. Während ich heute vor allem die Erziehungskonzepte meiner inzwischen erwachsenen Kinder untergrabe, indem ich meinen Enkeln den einen oder anderen Blödsinn beibringe, beendete Jesse K. seine Verpflichtung durch seinen Tod. Allerdings, ohne dass er dazu seine Vitalfunktionen einstellte.
Stattdessen loggte er sich unter falscher Identität in das Sterberegister von Hawaii ein, legte dort eine Akte zu seinem Ableben an und bescheinigte sich damit seinen eigenen Tod. Damit hatte sich die „lebenslange“ Verpflichtung für ihn erledigt. Es ging ihm aber wahrscheinlich weniger darum, dass er später keine Lust haben würde, mit seinen Enkeln zu spielen, als darum, sich die Unterhaltszahlungen für seinen Nachwuchs zu sparen.
Wenn vom Eindringen in fremde Computersysteme die Rede ist, dann fällt mitunter der Begriff “ethisches Hacken”. Was Jesse K. da gemacht hat, ist das genaue Gegenteil davon. Identitätsdiebstahl, Computerbetrug, klar, das sind an sich schon Straftaten, die nicht unbedingt auf eine hohe persönliche Ethik schließen lassen. Aber: Wer seine eigenen Kinder unversorgt lässt, ist ethisch schon ziemlich weit unten angekommen.
Zum Hintergrund: Ein Mann aus Pulaski County wurde zu 81 Monaten Haft verurteilt, nachdem er sich des Computerbetrugs und des schweren Identitätsdiebstahls schuldig bekannte. Kipf hatte sich unbefugt Zugang zu einem geschützten Computersystem verschafft und seinen eigenen Tod im Hawaii Death Registry System gefälscht, um Unterhaltszahlungen zu umgehen. Er nutzte gestohlene Zugangsdaten, um in weitere staatliche und private Netzwerke einzudringen (Quelle: Justice.gov).
ChatGPT ist längst an den Schulen angekommen. Für die Schüler und Schülerinnen ist ChatGPT der Streber-Freund, der ihnen die Hausaufgaben macht und im Unterricht die richtigen Antworten souffliert. Für die Lehrkräfte ist er gleichermaßen Widersacher und heimlicher Gehilfe, wenn es ums Vorbereiten oder Korrigieren von Hausaufgaben und Klassenarbeiten geht. Da ist der Schritt, den ein College in London geht, nur konsequent: ChatGPT darf ins Lehrer- und ins Klassenzimmer, vorerst allerdings nicht unbeaufsichtigt.
Damit begegnet dieses College konstruktiv einer Gefahr, die von KI auf dem Bildungssektor ausgeht. KI macht es Schülerinnen und Schülern nämlich leicht, blöd zu bleiben. Selbst für umfangreiche Referate ist es nicht mehr nötig, sich mühsam Wissen anzulesen.
Es soll schon vorgekommen sein, dass die Vortragenden von Referaten und Hausaufgaben erst beim Vorlesen gemerkt haben, was ChatGPT ihnen da zu Papier, respektive zu Tablet gebracht hat. Die Gefahr ist groß, sich mit Themen, die einen nicht spontan interessieren, erst gar nicht mehr zu beschäftigen, und sich so die Chance auf Bildung auf diesem Gebiet komplett entgehen zu lassen.
Dabei ließe sich mit KI auch wirkungsvoll lernen. ChatGPT kann mit offenen Fragen helfen, Wissenslücken zu identifizieren und zu schließen. Über Sprachausgabe und -Erkennung lassen sich Gespräche in einer Fremdsprache simulieren und unterschiedliche Gesprächssituationen trainieren. Aufgabenstellungen aus der Mathematik kann ein Chatbot nicht nur lösen, sondern den Lösungsweg auch Schritt für Schritt erklären.
Das ist für die Schüler und Schülerinnen allerdings anstrengender als einfach die Aufgabenstellung in den Chatbot, und anschließend die Lösung von da in die Textverarbeitung zu kopieren. Deshalb ist es eine kluge Entscheidung, die KI im Klassenzimmer unter Aufsicht zu stellen. Natürlich, am einfachsten wäre ein Verbot. Das würde am Ende aber nur bedeuten, die Chancen, die KI bietet, ungenutzt zu lassen, und, weil so ein Verbot praktisch nicht durchzusetzen ist, den Schülern und Schülerinnen zu erlauben, blöd zu bleiben. Denn im Klassenzimmer angekommen ist die KI längst.
Zum Hintergrund: Am David Game College in London startet ein Pilotprojekt, bei dem 20 Schüler mit Hilfe von ChatGPT und anderen KI-Tools auf den mittleren Schulabschluss vorbereitet werden sollen. Ziel ist es, den Schülern ein individualisierteres Lerntempo zu ermöglichen. Allerdings werden die Schüler nicht allein gelassen: Drei Lehrer sollen das Projekt begleiten und personalisierte Lehrpläne erstellen (Quelle: Golem).
Wovor hast du mehr Angst? Vor Ebola, oder vor einem Herzinfarkt? Vor einem Tiger, oder einer Tigermücke? Nun, wenn du in einem westlichen Land lebst, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du irgendwann an einem Herzinfarkt stirbst, unendlich viel höher, als das Risiko, an Ebola zu erkranken. Ebenso wie die Gefahr, dass dir eine Tigermücke eine fiese Infektion verpasst, um ein vielfaches höher ist, als das Risiko, von einem Tiger angefallen zu werden. Und trotzdem fürchten die meisten von uns den Tiger und die Ebola-Krankheit, während wir Herzinfarktrisiken und Mückenstiche mit einem Schulterzucken abtun.
Dass wir Gefahren fast nie angemessen gewichten, zeigt sich auch bei der Diskussion um künstliche Intelligenz. Dass Maschinen ein Bewusstsein entwickeln, ist für viele der KI-Alptraum schlechthin. Lehrt uns nicht die Terminator-Reihe, dass sich die Maschinen dann früher oder später gegen ihre Herren (und Herrinnen) erheben und die Menschheit auslöschen werden?
Wie immer haben wir Angst vor dem unwahrscheinlichsten Szenario und tun die wesentlich wahrscheinlicheren Szenarien mit einem Schulterzucken ab. Dass KI (übrigens ebenso wie die Blockchain) ein ungeheurer Energiefresser ist, spielt in der öffentlichen Diskussion praktisch keine Rolle. Dass KI geeignet ist, Bilder, Videos und/oder Stimmen so perfekt zu fälschen, dass wir bald unseren Augen und Ohren nicht mehr trauen können und bösartige Akteure damit ganze Gesellschaftsordnungen untergraben können (und schon dabei sind), wird allenfalls ab und zu erwähnt. Etwas häufiger wird vielleicht noch beklagt, dass KI ganzen Berufsständen die Grundlage entziehen könnte. Aber auch das scheint den meisten (vor allem denen, die beruflich weniger betroffen sind) eher egal zu sein.
Du kannst vielleicht nicht einmal etwas dagegen tun, dass du mehr Angst vor Ebola als vor einem Herzinfarkt hast. Emotionen lassen sich nur schwer kontrollieren. Aber es schadet gewiss nicht, dir ab und zu bewusst zu machen, wo die tatsächlichen Gefahren lauern. Bleib gesund!
Zum Hintergrund: Eine aktuelle Studie der TU Darmstadt und der University of Bath entkräftet Befürchtungen über die Verselbstständigung von KI-Systemen. Trotz rasanter Entwicklungen im KI-Bereich seit ChatGPT können große Sprachmodelle kein Eigenleben entwickeln. Die Forschung zeigt, dass diese Systeme nicht zu selbstständigem, komplexem Denken fähig sind. Diese Erkenntnis widerlegt Warnungen von Kritikern, die eine potenzielle Autonomie von KI befürchteten. Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse zur Einschätzung der tatsächlichen Fähigkeiten und Grenzen aktueller KI-Technologien (Quelle: BasicThinking).
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