Jetzt auch im privaten Rundfunk: KI-Musik für schlaflose Nächte

Private Radios wie die Sender der „The Radio Group“ (u.a. Radio Frankfurt, Radio Cottbus, Antenne Kaiserslautern) und 95.5 Charivari lassen zwischen 1 und 4 Uhr morgens KI-generierte Songs laufen – als „KI-Musik-Nacht“ hübsch verpackt und mit Jingles als Transparenz-Dekoration versehen. Man wolle das Tagesprogramm zwar nicht antasten, heißt es. Klar, erst mal testen, wie weit man die Hörer im Halbschlaf schon runterdummen kann, bevor man auf die Prime Time geht.

Offiziell steht natürlich der „Unterhaltungswert“ im Vordergrund, den die Hörer angeblich positiv aufnehmen. Inoffiziell geht es um etwas viel Romantischeres: GEMA-Gebühren sparen. KI-Songs aus Generatoren wie Suno & Co. sind in der Praxis oft lizenzgünstig oder gleich komplett GEMA-frei. Warum also noch Musiker bezahlen, wenn der Algorithmus für Kleingeld in Endlosschleife dudelt?

Das Ironische daran: Ausgerechnet eine Branche, die jahrzehntelang von Musikschaffenden gelebt hat, ersetzt diese nun systematisch durch Modelle, die mit ebendiesen Songs trainiert wurden. Die KI-Kompositionen sind inzwischen gut genug für das, was viele Radios ohnehin hauptsächlich senden: Hintergrundgedudel, „Muzak“ eben. Heises c’t warnt schon vor einem massiven Vermögenstransfer – Tantiemen wandern von Komponisten zu Betreibern der KI-Generatoren. Die GEMA klagt gegen Suno, weil völlig unklar ist, ob die Trainingsdaten überhaupt legal genutzt werden.

Die Sender geben sich derweil experimentierfreudig: KI-Musik nur in „Randzeiten“, alles fein gekennzeichnet – ein bisschen Ethik-Cosplay, damit die Medienanstalten nicht nervös werden. Dass damit parallel ein Preisdumping im Musikmarkt angeschoben wird, das vor allem Independent-Künstler trifft, taugt offenbar nicht für die Pressemitteilung.

Für Dich als Hörer heißt das: Wenn Du nachts Radio einschaltest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass keine einzige reale Person an dem Song beteiligt war – außer vielleicht als unfreiwilliger Trainingsdatenspender. Und nein, Du wirst dafür nicht bezahlt.

Die spannende Frage ist weniger, ob KI-Musik technisch „gut genug“ ist. Sie ist es längst. Die Frage ist, wie viel kulturelle Erosion Du bereit bist zugunsten ein paar eingesparter Cent pro Play zu akzeptieren. Wenn Radiovermarkter KI-Sounds zur „Evolution“ verklären, geht es selten um Innovation – meistens nur darum, die Playlist weiter zu entmenschlichen, ohne dass Du den Aus-Knopf drückst.

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