“Meinungsvielfalt” bei ChatGPT? Große Unterschiede zwischen Web und API

Die Studie der Universität Hamburg und des Leibniz-Instituts für Medienforschung bringt eine unbequeme Wahrheit ans Licht: ChatGPTs Web-Interface und die API-Version fischen ihre Nachrichtenempfehlungen aus völlig unterschiedlichen Quellen – und dabei ist Vielfalt leider nicht immer ein Zeichen von Qualität. Für alle, die dachten, KI sei der neutrale Superfilter gegen den täglichen Informationsmüll, bleibt erstmal nur das Desillusionierungs-Taschentuch.

Axel Springer im Web, Wikipedia in der API

Nutzer des Web-Interfaces bekommen bevorzugt die lizenzierte Medienkost serviert, in Deutschland also „Welt“ und „Bild“ aus dem Springer-Konzern. Die machen im Web-Interface satte 13 Prozent der Quellenverweise aus, während sie über die API nur auf rund zwei Prozent kommen. Da wirkt die enzyklopädische API mit ihren 14,8 Prozent Wikipedia-Referenzen fast schon wie ein intellektueller Gegenentwurf – leider mit Bonus: Irrelevante Nischenseiten wie die „deutsche-handwerks-zeitung.de“ schaffen es plötzlich nach oben, als hätten sie den Algorithmus bestochen oder als wären sie in einer kreativen Experimentierphase mit KI-Träumen auf LSD.​

Mehr Vielfalt? Mehr Desinformation!

Wer ChatGPT explizit nach „vielfältigen Quellen“ fragt, erhält tatsächlich mehr unterschiedliche Webseiten – allerdings auch ein Sammelsurium aus politisch einseitigen, propagandistischen oder sogar frei erfundenen Seiten. Sogar Portale mit zwielichtigen Russland-Verbindungen (news-pravda.com) und nicht existierende Domains werden großzügig verteilt. KI als Nachrichtenkurator? Offenbar nach dem Motto: Hauptsache bunt, egal ob echt oder erfunden. Pluralität heißt hier: alles außer einer klaren Informationskompetenz.​

Die Illusion der Ausgewogenheit

Trotz allem – und das ist fast das ironischste an der Studie – bleibt die politische Ausrichtung der verlinkten Quellen statistisch „ausgewogen“. Die 7-Punkte-Skala pendelt rund um den Durchschnitt, als würden die Algorithmen heimlich zur Mitte tendieren. Nur, was bringt einem „Neutralität“, wenn die Basis von Unsinn durchmischt ist? Kritisches Denken ist also kein Sahnehäubchen, sondern Pflichtprogramm für jeden, der KI-Nachrichtenprodukte konsumiert.

KI-Blackbox und die Zersplitterung der Suche

OpenAI hält sich bedeckt, warum die Quellenwahl so unterschiedlich ausfällt. Transparenz? Fehlanzeige. Für Dich als Nutzer heißt das: Gründe für Empfehlungen bleiben im Dunkeln, Updates kommen ohne Vorwarnung, und die Hoffnung auf Verlässlichkeit wechselt ständig die Farbe. Gleichzeitig zeigen andere Studien: Generative KI-Suchsysteme machen es nicht besser als Google – sie sind nur anders chaotisch. Immerhin liefern die KI-Tools inzwischen doppelt so häufig Falschinformationen wie noch vor einem Jahr.​

Fazit: Mitdenken statt blind vertrauen!

Du willst Dir das Leben durch KI einfacher machen? Dann beschäftige Dich lieber selbst mit der Quellenlage, bevor ChatGPT Dir das nächste Nachrichtenmenü zusammen schustert. Die versprochene Entlastung von Informationsüberflutung durch KI birgt bisher bestenfalls ein neues Überforderungslevel – für alle, die sich in der Illusionsfalle des digitalen Newsrooms noch nicht verirrt haben.


FAQ: Desinformationsrisiko in der KI-Nachrichtenkuratierung

1. Wie wählen generative KI-Systeme wie ChatGPT ihre Nachrichtenquellen aus?
KI-Modelle greifen auf Trainingsdaten, Lizenzpartnerschaften und algorithmische Filter zurück. Dabei bevorzugen Webplattformen oft lizenzierte Inhalte, während APIs auf vielfältigere, offenere Datensätze zugreifen – was sowohl seriöse als auch minderwertige Quellen umfassen kann.

2. Warum unterscheiden sich die Quellenempfehlungen zwischen Web-Interface und API?
Das Web-Interface priorisiert lizenzierte Mainstream-Medien aus rechtlichen und Imagegründen. Die API dagegen nutzt breitere, weniger kuratierte Pools, was für mehr Vielfalt sorgt, aber auch das Risiko irrelevanter oder fragwürdiger Webseiten erhöht.

3. Ist mehr Quellenvielfalt bei KI-generierten Nachrichten immer ein Vorteil?
Nicht unbedingt. Mehr Vielfalt bedeutet oft auch, dass politisch gefärbte, propagandistische oder sogar erfundene Quellen einfließen. Das kann die Informationsqualität erheblich mindern und Desinformation fördern.

4. Wie transparent sind generative KI-Systeme bei der Quellenauswahl?
Die Transparenz ist derzeit gering. Anbieter geben kaum Einblick in die Kriterien, nach denen Quellen ausgewählt werden. Nutzer erfahren selten, warum bestimmte Seiten bevorzugt oder ausgeschlossen werden.

5. Sind KI-generierte Nachrichtenvorschläge genauer als klassische Suchmaschinen?
Aktuelle Studien zeigen, dass generative KI-Systeme ähnlich fehleranfällig sind wie herkömmliche Suchmaschinen – teils sogar stärker, da sie unkritisch Informationen aus wenig überprüften Quellen integrieren.

6. Bedeutet politische Neutralität bei Quellen auch höhere Informationsqualität?
Nein. Selbst wenn das politische Spektrum statistisch ausgeglichen ist, kann der Wahrheitsgehalt gering sein, wenn viele unzuverlässige oder erfundene Seiten im Quellenmix enthalten sind.

7. Wie häufig verbreiten KI-Nachrichtentools falsche Informationen?
Forschungen weisen darauf hin, dass sich die Häufigkeit von Falschinformationen in KI-generierten Newsfeeds im letzten Jahr verdoppelt hat – ein ernstes Signal für sinkende Zuverlässigkeit.

8. Können Nutzer beeinflussen, welche Quellen KI-Systeme bevorzugen?
Nur begrenzt. Zwar können Nutzer gezielt nach „mehr Vielfalt“ fragen, doch das führt oft zur Einbindung fragwürdiger Nischenseiten. Eine echte Kontrolle über die Quellenauswahl gibt es bisher kaum.

9. Welche Hauptgefahren birgt die Nutzung von KI als Nachrichtenkurator?
Zu den größten Risiken zählen Desinformation, mangelnde Transparenz bei der Quellenauswahl, schwankende Verlässlichkeit durch Updates und die Gefahr, kritisches Denken an den Algorithmus „auszulagern“.

10. Wie lässt sich das Desinformationsrisiko bei KI-Nachrichten verringern?
Nutzer sollten KI-generierte Informationen stets mit seriösen Primärquellen abgleichen, die Glaubwürdigkeit der genannten Seiten prüfen und sich der algorithmischen Grenzen solcher Systeme bewusst bleiben.


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