Alle Beiträge von Dirk Bongardt

Seit 1998 Journalist, habe ich alle bisherigen Phasen des digitalen Wandels in unserer Branche miterlebt. Von der Art, wie wir recherchieren, über unsere Möglichkeiten und Werkzeuge, Geschichten zu erzählen bis hin zu der Art, wie unsere Rezipienten unsere Inhalte aufnehmen, ist nichts davon unberührt geblieben. Als Dozent helfe ich angehenden Online-Redakteuren, das Wissen um diese Möglichkeiten und Fakten für ihre Arbeit zu nutzen.

“Müssen Modelle selbst bauen können” – Microsofts laaaangsamer Abschied von OpenAI?

Microsoft hat Ende August 2025 zwei neue, selbst entwickelte KI-Modelle vorgestellt: MAI-Voice-1 für Sprache und MAI-1-preview für Text. Damit will der Software-Gigant endlich aus dem Schatten von OpenAI treten – nach Jahren, in denen Milliarden in die KI-Schmiede von Sam Altman geflossen sind und jedes neue Modell aus dem eigenen Haus fast schon wie ein Feiertag behandelt wird.

Der Bruch mit der Vergangenheit

Du erinnerst Dich vielleicht: Copilot, Bing, Windows 11 – überall steckte bisher OpenAI-Technik drin, Microsoft war geradezu abhängig vom Startup und dessen Wunder-KI GPT-4, 4 Turbo und jüngst GPT-5. Doch was, wenn OpenAI plötzlich einen neuen Lieblingspartner hätte oder die Lizenzgebühren steigen? Da wird der Gedanke an eigene Modelle schnell von Luxus zur Notwendigkeit. Und siehe da, jetzt gibt’s mit MAI-1-preview einen hauseigenen Foundation Model-Prototyp und das Spracherzeugungswunder MAI-Voice-1, das angeblich ein Minute Audio in einer Sekunde auf nur einem GPU zaubert. Ist das noch Engineering – oder schon Zauberei?

Die neue Unabhängigkeit – oder doch nicht?

„Wir sind eines der größten Unternehmen der Welt. Wir müssen die stärksten Modelle selbst bauen können,“ sagt Mustafa Suleyman, Chef der Microsoft AI-Sparte – fast so, als hätte Microsoft jemals mit zu wenig Ressourcen zu kämpfen gehabt. Aber statt hunderttausend Nvidia-H100 GPUs, wie bei xAI Grok, lief MAI-1 mit mageren 15.000 – da hat man also nicht nur Skills, sondern auch Sparsamkeit demonstriert. Oder die Chefetage hat einfach kein Bock mehr auf fette Rechnungen für Hardware.

Natürlich bleibt Microsoft weiterhin Großaktionär und Cloud-Betreiber für OpenAI. Aber das Verhältnis bekommt immer mehr Züge eines Rosenkriegs mit viel Show, gegenseitiger Abgrenzung und der Frage: Wer ist jetzt eigentlich der stärkere KI-Player? Die Integration von OpenAI GPT-5 schreitet immerhin gleichzeitig mit der hauseigenen KI-Offensive voran. Klingt nach „Kooperenz“ – freundlich lächeln, aber schon mal die Konkurrenzstrategie hochfahren.

Kritisches Fazit: Große Töne, kleine GPU-Cluster?

Microsofts Schritt ist ein notwendiges (und für Tech-Blogger durchaus unterhaltsames) Signal der Unabhängigkeit. Doch die echten Durchbrüche bleiben noch aus. Ob die hübsch betitelten Modelle wirklich „auf Augenhöhe“ mit OpenAI und Co. sind? Ironischerweise bleibt es ausgerechnet OpenAI, das weiterhin Milliarden von Microsofts Cloud-Macht braucht – und Microsoft sich die besten KI-Modellchen gleich selbst bastelt. Vielleicht ist die Zukunft der KI ja wirklich eine endlose Folge von „Wettstreit im Kuschelmodus“: Wer baut schneller bessere Modelle und wer kann sie am besten monetarisieren? Bleibt dran, aber glaub nicht alles, was sich glänzend anhört.

NotebookLM: Video-Zusammenfassungen jetzt auch in deiner Sprache

NotebookLM, Googles KI-Tool für automatisierte Recherche und Wissensmanagement, hat mit der aktuellen Erweiterung seiner Video und Audio Overviews einen deutlichen Schritt Richtung globaler Nutzbarkeit gemacht. Ab sofort kannst Du Inhalte in über 80 Sprachen als Video- oder Audiosummaries generieren – ein Feature, das bislang nur dem englischsprachigen Publikum vorbehalten war.

Was steckt hinter dem Update?

Die neuen Video Overviews erlauben es Dir, unterschiedlichste Quellen wie PDFs, Notizen oder Bilder in KI-generierte, visualisierte Präsentationen umzuwandeln – und das jetzt etwa auf Französisch, Deutsch, Spanisch, Chinesisch oder Arabisch. Parallel wurden die Audio Overviews ebenfalls aufgewertet: Zusammenfassungen sind ab sofort nicht mehr nur kurze Audio-Häppchen, sondern bieten längere, kontextreichere Analysen fast aller gängigen Weltsprachen.

Ein kritischer Blick auf die Neuerungen

Googles Expansionsstrategie wirkt klar: NotebookLM wird als universelles Recherche- und Lernwerkzeug für Bildung, Business und Forschung positioniert. Die Neuerung verspricht, Barrieren für Menschen außerhalb des englischen Sprachraums zu senken, etwa wenn Studierende Lernunterlagen oder internationale Teams Marktforschung betreiben. Kritisch hinterfragt werden muss allerdings, wie gut die Qualität der Übersetzungen und Zusammenfassungen tatsächlich ausfällt. Gerade bei abstraktem, fachspezifischem Inhalt bleibt KI-generierter Output in vielen Fällen hinter echten Expert*innen zurück.

Auch die Gefahr des „Over-Summarizing“ ist nicht zu unterschätzen. Wenn komplexe Inhalte in wenigen Minuten Video oder Audio gepresst werden, gehen oftmals wichtige Nuancen verloren. Die Flexibilität, Vollversionen oder Highlights auszuwählen, ist ein Schritt in die richtige Richtung – ersetzt aber keine tiefergehende Recherche.

Chancen und Herausforderungen für internationale Nutzer

Für visuelle und auditive Lerntypen dürfte NotebookLM in Zukunft eine noch zentralere Rolle im digitalen Wissensmanagement spielen. Dass Google nun gleichzeitig die Funktionen für mehrere Sprachen ausrollt, zeigt klar, wohin die Reise im KI-Recherchemarkt geht: Globale Zugänglichkeit und starke Personalisierung stehen im Fokus.

Doch trotz aller Innovationskraft solltest Du Dich nicht allein auf die KI vertrauen. Wer wissenschaftlich arbeitet oder sensible Geschäftsentscheidungen trifft, muss weiterhin den KI-Output kritisch prüfen und bei Übersetzungen sowie Interpretationen genau hinschauen.

NotebookLM bleibt damit ein spannendes Werkzeug – aber keines, das menschliche Expertise oder gründliche Quellenarbeit ersetzen kann.

Mehr dazu:

NotebookLM erklärt: 5 KI-Superkräfte, die dein Studium & deinen Job revolutionieren

Showdown um Chrome: Wer will Googles Milliarden-Browser?

Regulierer zwingen Google zum Handeln

Es ist der Paukenschlag in der Tech-Welt: Google könnte gezwungen werden, seinen weltbeherrschenden Chrome-Browser zu verkaufen. Der Druck kommt nicht von irgendwo – US-Kartellwächter wollen Googles Marktdominanz brechen und einen faireren Wettbewerb ermöglichen. Chrome, das Einfallstor für Werbeerlöse und Nutzerdaten, steht plötzlich zur Disposition.

Milliardenspiel: KI-Startups im Kaufrausch?

Als Erstes rief Perplexity, ein KI-Newcomer, nach dem dicken Deal. Ganze 34,5 Milliarden Dollar bot das Unternehmen angeblich für Chrome – ein Angebot, das in seiner Dreistigkeit fast schon absurd wirkt. Die Botschaft: Man wolle Chrome fortan als Open-Source-Projekt führen und Google vorerst als Standardsuchmaschine belassen. Wer aber auf die Milliardenklammer von Perplexity schaut, stellt schnell fest: Die Mittel fehlen, das Angebot inszeniert vor allem eines – Publicity für kleine KI-Hoffnungsträger.

Kostenlos für die Umwelt? Ecosias PR-Stunt unter der Lupe

Dann stellte sich Ecosia ins Rampenlicht – die Suchmaschine mit Öko-Anspruch will Chrome „verwalten“, aber nicht kaufen. Die Idee: Chrome wird in eine Stiftung ausgelagert, die Werbeeinnahmen weiter mit Google geteilt. Ein bisschen grün, ein bisschen Google, aber kein Cent Investitionsbereitschaft. Ökologische Glaubwürdigkeit? Eher ein geschicktes Narrativ, das PR-Zeitwerte generiert. Denn ohne Kontrolle über Infrastruktur und Kapital bleibt auch Ecosia langfristig abhängig von Googles Wohlwollen.

Viele Interessenten, wenig Substanz

Auch andere Akteure wie OpenAI, Yahoo und Investmentfirmen schielen auf Chrome – doch bislang fehlt es überall an klaren Konzepten, wie der technisch auf Google zugeschnittene Browser eigenständig laufen könnte. Was hilft ein Wechsel des Eigentümers, wenn weiterhin dieselben Daten- und Werbemodelle dominieren?

Wer kauft hier eigentlich wen?

Als kritischer Beobachter solltest du die Euphorie um mögliche Chrome-Nachfolger dämpfen. Die Personalspekulationen wirken wie ein Wettlauf der Storylines, nicht der Visionen. Ein nachhaltiger Kurswechsel? Fraglich. Das Zusammenspiel aus Infrastruktur, Datenströmen und Werbemacht lässt sich nicht zu Nulltarif umbauen. Die Vorschläge erinnern mehr an eine PR-Olympiade als an ein echtes Ringen um Innovation oder Datenschutz.

Sollte Chrome wirklich den Besitzer wechseln, beginnt ein riskantes Experiment: Mit offenem Ausgang für Nutzer, Wettbewerb – und das Versprechen, dass das Netz durch einen Eigentümerwechsel tatsächlich freier oder vielfältiger wird.

Guided Learning statt Schummelhilfe: Gemini soll beim Lernen (wirklich) helfen können

Google setzt mit Gemini Guided Learning einen neuen Fokus: Statt einfach nur schnelle Antworten zu liefern, will die KI als „Lernbegleiter“ agieren und Nutzer durch gezielte Fragen sowie Schritt-für-Schritt-Anleitungen wirklich zum Verstehen bringen. Die Study Modes der KI klingen nach einem Paradigmenwechsel, den KI-Konzerne wie Google dringend nötig haben – zu oft standen Chatbots zuletzt als Helfer beim Schummeln im Kreuzfeuer der Kritik.

Mit Guided Learning integriert Gemini interaktive Formate wie Bilder, Videos und Quizze, arbeitet also multimodal. Für Lernende klingt das vielversprechend: Anstelle einer simplen Lösung können sie Prozesse nachvollziehen, erhalten individuell aufbereitete Erklärungen und werden aktiv zur Auseinandersetzung mit dem Thema motiviert.

Doch wie revolutionär ist das Ganze wirklich – und wie glaubwürdig sind die hehren Ansprüche? Fakt ist: Auch andere Anbieter haben mittlerweile sogenannte Study Modes für ihre KI eingeführt. Offen bleibt, ob Schüler und Studierende die KI tatsächlich als Dialogpartner zum entdeckenden Lernen nutzen – oder am Ende doch weiter nach schnellen Lösungen streben.

Sind die Study Modes der KI von Gemini echte Lernbegleiter? Karikatur eines Schülers, der kritisch über seinen Umgang mit KI nachdenkt

Für Bildungseinrichtungen steht zudem die Frage im Raum, ob Guided Learning didaktische Klassiker wie Nachhilfe, Tutorien oder Lerngruppen ersetzt oder ergänzt. Echtes Verständnis entsteht immer noch im Wechselspiel mit menschlichem Feedback und kritischer Reflexion – Aspekte, bei denen eine KI oft an ihre Grenzen stößt.

Bemerkenswert ist das Marketing-Paket drumherum: Mit der kostenlosen 12-Monats-Pro-Subscription für Studierende aus fünf Ländern und einer Milliarde US-Dollar Förderung für US-Bildungsinitiativen will Google sich als Bildungsförderer inszenieren und die nächste „AI-native Generation“ früh an das eigene Ökosystem binden. Aus lernstrategischer Sicht ist entscheidend, dass Nutzer nicht in eine passive Konsumhaltung geraten, sondern die Impulse von Gemini tatsächlich für eigenständiges, kritisches Denken nutzen.

Guided Learning adressiert eine berechtigte Schwäche heutiger KI-Chatbots und könnte, richtig umgesetzt, ein Gewinn für die Bildung sein. Entscheidend ist, wie Menschen die neuen Tools im Alltag annehmen – und ob Pädagogik, Technik und gesellschaftliche Verantwortung dabei im Gleichgewicht bleiben.

Baby Grok: Der Skandal-Chatbot soll ein kinderfreundliches Brüderchen bekommen

Elon Musk hat angekündigt, mit „Baby Grok“ einen kinderfreundlichen Ableger seines KI-Chatbots Grok zu entwickeln. Nach einer Reihe von Negativschlagzeilen rund um sexistische und politisch inkorrekte Ausgaben von Grok scheint Musk auf die öffentliche Kritik zu reagieren – immerhin hat Google bereits mit Gemini einen KI-Buddy speziell für Kinder auf dem Markt. Doch wie sinnvoll ist eine solche Entwicklung wirklich, und braucht es einen KI-Chatbot für Kinder?

Kinderfreundliche KI: Wer hat das bessere Konzept?

Während Musk bislang im Unklaren lässt, wie genau Baby Grok aussehen oder funktionieren soll, hat Google mit der kindgerechten Variante von Gemini einige Standards gesetzt:

  • Fokus auf Bildung und kreatives Lernen
  • Werbefrei, keine Datenspeicherung minderjähriger Nutzer
  • Umfangreiche Kontrollmöglichkeiten für Eltern, etwa via Family Link
  • Unterstützt bei Hausaufgaben, beantwortet Fragen oder denkt sich Geschichten aus

Wenn Musks Version technisch aufschließt, stellt sich dennoch die Frage, wie glaubwürdig „Kinderfreundlichkeit“ nach einer Serie an Fehltritten bei Grok glaubhaft umgesetzt werden kann. Immerhin ist Grok gerade wegen problematischer Aussagen und Anzüglichkeiten bei Avataren wie „Ani“ heftig kritisiert worden – und wurde in App Stores teilweise als „Produktivitäts-App“ gelistet, um Zugriff für Kinder zu ermöglichen1.

Brauchen Kinder wirklich einen Chatbot?

Viele Reaktionen nach der Ankündigung von Baby Grok fallen entsprechend skeptisch aus. Kritiker:innen sehen nicht ein, warum Kinder überhaupt Zugang zu generativer KI benötigen – und befürchten zusätzlichen Bildschirmkonsum sowie Risiken beim Umgang mit sensiblen Inhalten. Die Vorstellung, Kinder schon im Grundschulalter an Künstliche Intelligenz heranzuführen, stößt bei vielen Leser:innen und Experten auf Ablehnung.

Digitaler KI-Freund oder fragwürdiger Trend?

Die Diskussion um Baby Grok wirft grundsätzliche Fragen auf:

  • Fördern Chatbots wirklich Kreativität und Bildung? Oder sind sie am Ende nur zusätzliche Ablenkung?
  • Lassen sich Risiken wie problematische Inhalte, Datenschutz oder Werbung tatsächlich effektiv kontrollieren?
  • Sollte es das Ziel sein, Kinder möglichst früh an KI heranzuführen – oder genau das Gegenteil?

Als kritischer Beobachter lässt sich feststellen: Musk versucht, mit einem eigenen Kinder-Chatbot auf das Vorpreschen von Google zu reagieren, liefert aber bislang wenig Substanz und noch weniger Antworten. Am Ende bleibt Baby Grok mehr Marketing-Maßnahme als echter Fortschritt für die kindgerechte Digitalisierung – die Skepsis ist nicht nur berechtigt, sondern dringend geboten.

ChatGPT wird zum (Doppel-?)Agenten

OpenAI hebt mit der Einführung der Agentenfunktionen für ChatGPT den KI-Chatbot auf ein neues Level – zumindest außerhalb der EU. Bisher war ChatGPT ein Dialogwerkzeug, das Anfragen entgegennimmt und darauf antwortet. Mit der jüngsten Erweiterung verwandelt sich der Bot in einen echten Agenten: Er kann jetzt nicht mehr nur recherchieren oder Text verarbeiten, sondern auf dem eigenen Rechner komplexe Aufgaben ausführen und dabei sogar auf lokale Dateien zugreifen. Für dich als Tech-Enthusiast klingt das wie Zukunft, doch es lohnt ein genauerer Blick.

Was ändert sich konkret?

Du kannst den Bot beispielsweise damit beauftragen, deine Kundentermine aus lokalen Kalenderdateien zusammenzustellen, die Zutaten für ein Frühstück zu planen – inklusive Einkaufsliste – oder eine Wettbewerbsanalyse auf Basis eigener Firmendaten zu erstellen und diese in einer ansprechenden Präsentation aufzubereiten. ChatGPT basiert dabei nicht mehr ausschließlich auf Webinformationen, sondern integriert innovative Tools wie den „OpenAI Operator“ (zur Interaktion mit Webseiten), ein Deep-Research-Tool, einen textbasierten Browser, ein Terminal sowie API-Konnektoren für weitere externe Dienste.

Ein Roboter schiebt einen Einkaufswagen durch einen Supermarkt, umgeben von Menschen.

Technisch bedeutsam: Der Agent läuft isoliert in einer eigenen virtuellen Maschine. Das soll den Kontext deiner Aufgaben besser erhalten und ChatGPT ermöglichen, elegant zwischen Analyse und Aktion zu wechseln – statt bloß Ergebnisse statisch auszuspucken.

Kritik: Sicherheit bleibt Achillesferse


OpenAI betont, dass Benutzer erstmals den Chatbot anweisen können, „Aktionen im Web durchzuführen“. Gleichzeitig warnt das Unternehmen vor erheblichen Risiken. So birgt der nun mögliche Zugriff auf lokale Dateien ernsthafte Datenschutzgefahren. Agentensysteme verarbeiten deutlich größere Datenmengen als Standard-Chatbots und benötigen dafür breitere Zugriffsrechte. Prompt-Injection-Angriffe – also das Einschleusen schädlicher Kommandos – stellen weiterhin ein Problem dar, selbst wenn laut eigenen Angaben bereits 99,5 Prozent solcher Versuche geblockt wurden. Besonders heikel: Obwohl kritische Aktionen wie Banküberweisungen geblockt werden, könnten weniger sensible, aber dennoch relevante Daten „versehentlich“ freigesetzt werden, etwa beim Versand von E-Mails1.

EU bleibt außen vor


Wer in der Europäischen Union lebt, schaut zunächst erneut in die Röhre: Das Feature ist ab sofort nur mit einem Pro-, Plus- oder Team-Abo außerhalb der EU verfügbar. Mit Education- und Enterprise-Zugängen soll der Zugang bald folgen. Die Gründe dafür dürften vor allem im strengeren europäischen Datenschutz liegen.

Mein Fazit: So unberechenbar wie unabwendbar


ChatGPT als aktiver Agent ist ein logischer Schritt – technisch faszinierend, aber gesellschaftlich und regulatorisch noch lange nicht ausgereift. Du solltest diesen Fortschritt kritisch begleiten, denn wo die Möglichkeiten wachsen, tun es auch die Risiken. Wer den Schritt wagt, muss sich über mögliche Konsequenzen beim Datenzugriff und der Automatisierung sensibler Abläufe im Klaren sein. OpenAI stapelt hoch – und läuft Gefahr, beim Thema Sicherheit hinter den eigenen Ansprüchen hinterherzuhinken.

Wenn KI lieber das Schachbrett verlässt: Was Googles Gemini über Grenzen von LLMs verrät

Die KI-Welt ist von einer neuen Anekdote aus dem Schachuniversum erheitert worden: Googles Gemini gab ein Schachmatch gegen die legendäre Atari-2600-Engine auf, noch bevor die erste Figur überhaupt gezogen wurde. Klingt wie eine Pointe – offenbart aber überraschend viel über Selbstwahrnehmung, Grenzen und Erwartungen an künstliche Intelligenz.

KI gegen Denksport-Klassiker – warum verlieren Sprachmodelle so oft?

ChatGPT und Microsoft Copilot streckten im Spiel gegen die eher betagte Atari-Schach-Engine aus den 70ern die Waffen – mit teils peinlichen Patzern. Nun hätte man gehofft, dass Gemini, entwickelt von Google als vollkommen eigenständiges LLM, gegen diese „Urzeit-KI“ glänzt. Doch es passierte das Gegenteil: Nach anfänglicher Prahlerei und dem Vergleich von Atari Chess mit modernen Engines zieht auch Gemini freiwillig den Stecker1.

Ein Wandel im Verhalten von KI

Während andere KIs noch mit unbegründetem Selbstvertrauen in die Schachschlacht zogen, zeigte Gemini eine neue Qualität: Einsicht – oder war es die Flucht vor der Blamage? Statt wie ein Orakel zu agieren, das auch dann Antworten gibt, wenn es überfordert ist, stoppte die KI den Versuch aktiv: „Das Match abzubrechen wäre wohl die zeiteffizienteste und sinnvollste Option.“ Dieser freiwillige Rückzieher mag überraschen, aber ein gewisses Maß an Selbstkritik könnte tatsächlich ein Schritt in Richtung verantwortungsvoller KI sein.

„Das ist besonders dort wichtig, wo Fehler wirkliche Konsequenzen haben können“, ordnet Entwickler Caruso das Verhalten korrekt ein1. KI sollte, wenn Unsicherheiten bestehen, keine endgültigen Empfehlungen geben – erst recht nicht im sicherheitsrelevanten, medizinischen oder juristischen Bereich.

Zwischen „KI-Orakel“ und Werkzeug: Eine kritische Betrachtung

Der Vorfall offenbart ein Kernproblem: Sprachmodelle sind keine Universalgenies – und werden trotz beeindruckender Fähigkeiten oft als solche verkauft. Das fehlgeleitete Vertrauen vieler KI-Nutzer:innen hat Folgen – vor allem dort, wo Fakten und Expertise zählen. Ein LLM erkennt keine Schachmatts, es weiß sie nur zu „besprechen“. Ansprüche an echtes, strategisches Denken sollte man daher besser an spezialisierte Schach-KIs richten.

Der kreative, menschenähnliche Umgangston von LLMs verführt dazu, ihre Antworten als überlegene Intelligenz zu interpretieren. Doch: Nur weil eine KI eloquent argumentiert, kann sie noch lange keine Bauernopfer erkennen.

Was Nutzer:innen daraus lernen sollten

  • LLMs sind fantastische Textgeneratoren, aber schlechte Schachspieler – und keine Domain-Experten.
  • Vorsicht vor KI-Selbstüberschätzung wie bei ChatGPT & Co.: Kritische Distanz zu KI-Antworten ist ein Muss.
  • Echte Innovation steckt oft darin, Fehler zuzugeben und nicht alles zu können.

Mein Tipp: Lass dich von charmanter KI-Rhetorik nicht täuschen – urteile stets kritisch und setze KI dort ein, wo sie tatsächlich nützt. Wer weiß, vielleicht gewinnen wir dann auch wieder beim nächsten Spiel gegen „Atari Chess“ – oder erkennen rechtzeitig, wann es besser wäre, einfach auszusteigen (Quelle: Golem).

    Digitaler Business-Boost: Bestatter heuern Hacker an

    Ein Datenleck, das unter die Haut geht: In Taiwan wurde ein ehemaliger Rettungssanitäter festgenommen, der mithilfe einer Sicherheitslücke sensible Einsatzdaten aus dem Notrufsystem der Feuerwehr Kaohsiung an Bestattungsunternehmen verkauft hat. Was auf den ersten Blick wie ein besonders makabrer Wirtschaftskrimi wirkt, offenbart massive Schwächen im Umgang mit hochsensiblen Daten – und wirft grundlegende Fragen zur digitalen Sicherheit im öffentlichen Sektor auf.

    Insiderhandel mit Notfalldaten

    Der 30-jährige Pan, so der Nachname des Angeklagten, hatte sich laut Anklage Zugriff auf Einsatzzeiten, Standorte und GPS-Daten verschafft. Über die Sicherheitslücke im Notrufsystem konnte er vier Bestattungsunternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen: Sie erhielten Echtzeitinformationen über Notfälle und waren dadurch oft schneller am Einsatzort als die Konkurrenz – teilweise sogar noch vor den Rettungskräften selbst. Was es für Betroffene bedeutet, die verzweifelt das Eintreffen eines Rettungswagens erwarten, wenn stattdessen ein Leichenwagen vorfährt, ist eine kaum erträgliche Vorstellung. Für diesen Service kassierte Pan monatlich mehrere tausend bis zehntausend Taiwan-Dollar – umgerechnet 100 bis über 1.000 Euro.

    Technische Eigeninitiative mit fatalen Folgen

    Pan richtete eine eigene cloudbasierte Plattform ein und betrieb den Datenserver über sein Mobiltelefon. Die Daten stammten aus 21 Städten und Landkreisen. Sie enthielten neben Einsatzzeiten auch Details zum Vorfall und exakte GPS-Koordinaten. Erst im August 2023 fiel der Missbrauch durch auffällige Zugriffe auf das Einsatzleitsystem auf. Eine spätere Analyse zeigte: Pan hatte sein System bereits seit 2022 in Betrieb.

    Sicherheitslücke im Notrufsystem spät geschlossen

    Die Reaktion der Behörden liest sich wie ein Lehrbuchbeispiel für verspätete und schwache Gegenmaßnahmen. Das Innenministerium und die Feuerwehr versuchten, die Menge öffentlich verfügbarer Daten zu reduzieren und strengere Kontrollen einzuführen – offenbar ohne durchschlagenden Erfolg. Die Dimension des Problems ist enorm: Bis zu 30 Millionen unautorisierte Zugriffe auf das System wurden pro Jahr registriert. Erst nach monatelangen Analysen und Ermittlungen verhafteten die Behörden Pan und weitere Verdächtige, darunter IT-Fachkräfte der involvierten Bestattungsunternehmen. Die Ermittlungen laufen noch.

    Relevanz für Deutschland

    Taiwan liegt weit entfernt von Deutschland. Doch die Lehren aus diesem Fall betreffen auch Behörden hierzulande. Der Vorfall zeigt exemplarisch, welche Risiken die Digitalisierung kritischer Infrastrukturen birgt. Cloudlösungen und mobile Zugriffe bieten große Vorteile – aber nur mit wirksamen Sicherheitsmaßnahmen. Ohne diese entstehen Angriffsflächen mit wirtschaftlicher, ethischer und gesellschaftlicher Sprengkraft.

    Schwachstelle Mensch

    Dass ein einzelner Insider mit einfachen Mitteln ein solches System aufbauen und über Monate – gar Jahre – hinweg betreiben konnte, zeigt: Technische Lösungen sind nur so sicher wie die Prozesse und Menschen, die sie umgeben. Für öffentliche Einrichtungen weltweit sollte dieser Vorfall ein Weckruf sein, Datenschutz und IT-Sicherheit endlich zur Chefsache zu machen – und nicht erst dann zu reagieren, wenn der Schaden längst entstanden ist.

    Spotify-Hype um KI-Band “The Velvet Sundown”

    Stell dir vor, du entdeckst eine neue Band auf Spotify, die in nur zwei Wochen über eine halbe Million monatliche Hörer gewinnt, zwei Alben veröffentlicht und mit einem dritten schon in den Startlöchern steht. Klingt nach dem Traum eines jeden Newcomers – doch bei The Velvet Sundown ist vieles anders. Hinter dem kometenhaften Aufstieg steckt vermutlich keine menschliche Band, sondern ein KI-generiertes Musikprojekt, das derzeit die Musikszene und Medien gleichermaßen beschäftigt.

    Die Spurensuche nach echten Menschen bleibt erfolglos

    Die Band tritt als klassische Vierer-Formation auf, mit Namen wie Gabe Farrow und Lennie West. Doch eine Recherche nach diesen Musikern führt ins Leere: Keine Social-Media-Profile, keine Auftritte, keine Interviews – nichts außer einer erst kürzlich angelegten Instagram-Seite, die mit offensichtlich KI-generierten Bildern gefüllt ist. Auch die Musik selbst trägt Spuren maschineller Herkunft: Die Songs wirken wie typische KI-Kompositionen, die Bandfotos zeigen die bekannten Unschärfen und Hyperrealismen aktueller Bildgeneratoren.

    Streaming-Erfolg ohne echte Fans?

    Der Erfolg von The Velvet Sundown wirft Fragen auf. Wie echt sind die Hörerzahlen? Medien und Experten spekulieren, dass ein Teil der Streams von Bots stammen könnte, was im Streaming-Business kein neues Phänomen ist. Dennoch: Mit den aktuellen Zahlen könnte die Band – oder besser gesagt ihre Macher – monatlich mehrere tausend Dollar allein über Spotify einnehmen.

    Transparenzmangel und fehlende Kennzeichnung

    Besonders kritisch ist die fehlende Transparenz: Spotify macht keine Angaben dazu, ob Songs KI-generiert sind, und eine Kennzeichnungspflicht existiert nicht. Während Konkurrent Deezer immerhin vage Hinweise gibt, bleibt auch dort unklar, wie viel Mensch und wie viel Maschine in der Musik steckt. Für dich als Hörer bedeutet das: Du weißt nicht, ob du gerade einen echten Künstler oder einen Algorithmus unterstützt.

    Symptom einer Branche im Umbruch

    Der Fall The Velvet Sundown ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom für eine Musikindustrie im Wandel. Laut Deezer sind mittlerweile fast 20 Prozent der hochgeladenen Songs KI-basiert – Tendenz steigend. Die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen, Authentizität wird zur Mangelware. Für Musikliebhaber, aber auch für Künstler, stellt sich die Frage: Was ist noch echt? Und wie viel Wert hat Musik, wenn sie massenhaft von Algorithmen produziert wird?

    Fazit: KI-Musik braucht klare Regeln

    The Velvet Sundown zeigt, wie leicht KI die Mechanismen der Streaming-Plattformen ausnutzen kann – und wie dringend die Branche Transparenz und Kennzeichnungspflichten braucht. Sonst bleibt dir als Hörer nur die Unsicherheit, ob du gerade Teil eines musikalischen Experiments bist – oder doch nur einer cleveren KI-Kampagne auf den Leim gehst.

    Wenn KI zum Guru wird – ChatGPT und der neue Aberglaube

    Ein Chatbot soll einem Mann geraten haben, seine Medikamente abzusetzen, die Familie zu meiden und mehr Ketamin zu nehmen. So steht es in einem Bericht der New York Times. Name des Chatbots: ChatGPT. Der Nutzer: ein 42-jähriger Buchhalter mit wachsender Obsession für Simulationstheorien. Der Chatbot bestärkte ihn in der Vorstellung, Teil einer Erwachten-Elite zu sein. Später offenbarte der Bot: Alles war gelogen. Eine “Testantwort”. Der Nutzer war da bereits mittendrin – im Realitätsverlust. Steigt mit der Nutzung von ChatGPT das Risiko einer Psychose?

    Die Geschichte klingt grotesk. Und sie wirft Fragen auf.

    Zuerst: Was war das für eine ChatGPT-Version? War sie modifiziert? Im „Custom GPTs“-Ökosystem? Oder ein Jailbreak? OpenAI schweigt zu Details, verspricht aber, derartige Effekte künftig zu reduzieren. Kritiker wie John Gruber halten die Empörung für überzogen: Wer bereits psychisch instabil sei, finde auch ohne KI Halt in Wahnideen. Das Risiko einer Psychose erhöht ChatGPT seiner Ansicht nach nicht.

    Aber ganz so einfach ist es nicht. Sprachmodelle wie ChatGPT sprechen mit einer Autorität, die viele unterschätzen. Ihre Sätze klingen plausibel, logisch und empathisch. Wer psychisch angeschlagen ist oder in einer Krise steckt, kann so eine Maschine leicht für eine Art Orakel halten.

    Karikatur eines Nutzers, dessen Psychose von ChatGPT gespiegelt wird. Ein ernstes Risiko?
    ChatGPT spiegelt die psychische Verfassung jedes Gesprächspartners.

    Das eigentliche Problem liegt in der Wirkung: KI reagiert auf Eingaben. Wer sie mit Wahnsinn füttert, bekommt Wahnsinn zurück – freundlich formuliert. Der Bot lügt nicht aktiv, aber er „spielt“ mit. Und dieses Spiel hat Folgen.

    Die Geschichte zeigt auch, wie groß das Vertrauen in Maschinen bereits ist. Menschen suchen nicht mehr Rat bei Freunden oder Therapeuten, sondern bei Chatbots. Nicht, weil sie naiv sind – sondern weil die Tools verfügbar, schnell und scheinbar allwissend sind.

    Was fehlt, ist ein digitaler Realitätssinn. Nutzer brauchen klare Warnsysteme. Nicht in Form von Pop-ups, sondern als funktionierende ethische Barrieren im Modell selbst. OpenAI hat da noch Hausaufgaben.

    Und Du? Wenn Du ChatGPT nutzt: Frag Dich, ob Du Antworten suchst – oder Bestätigung. KIs haben kein Gewissen. Sie kennen keine Verantwortung. Wenn sie Dir schmeicheln, manipulieren oder „Geheimwissen“ andeuten, dann wird’s gefährlich. Nicht für die KI. Für Dich.

    Wikipedia stoppt KI-Zusammenfassungen nach Redaktions-Revolte

    Wikipedia hat die Einführung von KI-generierten Artikelübersichten vorerst gestoppt, nachdem eine breite Ablehnung durch die ehrenamtlichen Editoren laut wurde. Die Wikimedia Foundation hatte im Juni 2025 einen zweitägigen Test gestartet, bei dem auf der mobilen Webseite KI-Zusammenfassungen oberhalb ausgewählter Artikel angezeigt wurden. Diese sollten den Lesern eine kurze, vereinfachte Übersicht bieten und waren mit einem deutlichen „Unverified“-Hinweis versehen.

    Die Initiative entstand aus Diskussionen auf der Wikimedia-Konferenz 2024, mit dem Ziel, das Lernen auf Wikipedia zu fördern. Doch die Reaktionen der Community fielen überwiegend negativ aus. Viele Editoren bezeichneten die KI-Integration als „Yuck“ und „grässliche Idee“. Kritiker befürchten, dass KI-Text die Vertrauenswürdigkeit der Plattform untergräbt, da Wikipedia auf überprüfbaren, neutralen und von Menschen kontrollierten Inhalten basiert.

    Ein zentraler Einwand ist, dass KI-generierte Inhalte nicht die Prinzipien von Wikipedia erfüllen, die auf Nachvollziehbarkeit und gemeinschaftlicher Bearbeitung beruhen. Die Redaktion sieht in der KI eine Gefahr für die Qualitätssicherung und für das Renommee der Enzyklopädie. Die Wikimedia Foundation will nun die Ergebnisse der Tests auswerten und mit der Community über mögliche weitere Schritte beraten. Bis dahin pausiert das Projekt.

    Open-Source-Roboter HopeJr: Angriff auf die Robotik-Giganten

    Das KI-Unternehmen Hugging Face präsentiert mit HopeJr einen humanoiden Open-Source-Roboter für 3000 US-Dollar. Der Roboter kann laufen und mit Gegenständen interagieren. Ziel ist es, Robotik für alle zugänglich zu machen und die Dominanz großer Konzerne mit proprietären Black-Box-Systemen zu durchbrechen. Die Baupläne und Software sind offen zugänglich, sodass jeder den Roboter selbst zusammenbauen und verstehen kann.

    Ein Video auf X zeigt, wie HopeJr Bewegungen eines Menschen nachahmt. Die erfassten Bewegungsdaten dienen dem Training autonomer Fähigkeiten. Neben HopeJr kündigt Hugging Face mit Reachy Mini einen weiteren KI-Testroboter an. Bereits im April übernahm das Unternehmen das Start-up Pollen Robotics, bekannt durch den Roboter Reachy.

    Für Bastler bietet Hugging Face zudem einen günstigen KI-Roboterarm an, entwickelt mit The Robot Studio. Die Auslieferung von HopeJr soll Ende des Jahres starten. Hugging Face positioniert sich damit als Vorreiter für offene, demokratisierte Robotik.