Stell dir vor, bei deinem nächsten Cheeseburger-Kauf achtet eine KI darauf, sondern wie höflich der Mensch an der Kasse ist. Während Unternehmen nach Effizienz gieren, bauen sie heimlich Scoreboards für Höflichkeit. Irgendwo zwischen „Servicewüste“ und „Big‑Brother‑Gastro“ beurteilt ein Algorithmus, ob sich das Personal so verhält, dass es den Geschäftszielen maximal zuträglich ist. Auditives Micromanagement‑at its worst.
Patty hört zu
Burger King testet einen Assistenten namens „Patty“ in rund 500 US‑Filialen; er erkennt Floskeln wie „Willkommen“, „Bitte“ und „Danke“ und liefert aggregierte Freundlichkeits‑Scores für Standorte. Das System läuft aktuell auf einem angepassten Modell von OpenAI und soll bis Ende 2026 landesweit ausgerollt werden. Neben Höflichkeit bietet es Assistenz per Headset, automatische Meldungen bei fehlenden Zutaten und Menu‑Updates [heise.de].
Warum das passieren kann: Cloud‑Modelle sind billig und schnell integrierbar, Agenten‑Plattformen liefern API‑Funktionen für Sprache‑zu‑Text, Mustererkennung und Dashboards — fertig ist das Überwachungsfeature. Im Alltag heißt das: weniger Zettel, mehr akustische Logs. Die Frage bleibt: Wie anonym ist „anonymisiert“ wirklich?
Szenario: Filialleitung will den Freundlichkeitswert steigern — und schon werden Begrüßungsfloskeln mechanisch wiederholt. Oder ein Angreifer leert Headset‑Logs, findet API‑Schlüssel in Klartext und kann Gespräche abfragen. Technisch sind das klassische Risiken: Prompt Injection, unsichere API‑Keys, mangelhafte Protokollierung. Organisatorisch kommen Leistungsdruck und Misstrauen in den Laden. Ob so eine echte Wohlfühlatmosphäre entsteht?
Europa: DSGVO, Betriebsrat, AI‑Gutachter
In der EU wären Einsatz und Auswertung erheblicher Prüfpflichten unterworfen: Betriebsrat, Datenschutz‑Folgenabschätzung, eventuell Einbindung eines Sachverständigen, und die DSGVO greift bei Sprachaufzeichnungen. Man mag die europäischen Regulierungen als Bremsklotz sehen, aber hier scheint mir ein kräftiger Tritt auf die Bremse mehr als angemessen.
Technik ist kein Ersatz für gutes Management.





