Amazon hat es getan: Das Unternehmen hat das Lesen erfolgreich digitalisiert, monetarisiert und neuerdings auch vollständig durch KI ersetzt – zumindest wenn es nach dem neuen „Ask this Book”-Feature (Bericht in The Verge) geht.
Die gute Nachricht zuerst: Du kannst jetzt direkt in deiner Kindle-App eine KI-gestützte Lesekrücke aktivieren, die dir jede erdenkliche Frage beantwortet, ohne dass du selbst nachdenken musst. Die schlechte Nachricht? Eben das. Du brauchst gar nicht mehr nachdenken.
Das Feature funktioniert so: Du markierst eine Textstelle, fragst die KI „Wer war nochmal dieser Typ?” und bekommst sofort die Antwort – spoilerfrei und kontextsensitiv, versteht sich. Klingt praktisch? Ja. Ist es auch. Und genau da liegt das Problem.
Amazon bewirbt die Funktion als „Lesehilfe”, als wäre es eine harmlose Ergänzung zum analogen Erlebnis. In Wirklichkeit ist es eine Beleidigung an drei Adresaten gleichzeitig: den Lesern, den Autoren und dem Konzept des Lesens selbst. Denn „Ask this Book” ist nicht primär ein Feature – es ist ein Training-Ground für Amazons KI-Modelle. Das Unternehmen scannt deine gekauften Bücher, analysiert Plot, Charaktere und Szenen, speichert deine Fragen und gibt die Antworten zurück. Alles kostenlos.
Besonders dreist ist das Kleingedruckte: Die Funktion ist standardmäßig aktiviert und kann von Autoren nicht deaktiviert werden – egal ob sie einverstanden sind oder nicht. Amazon verspricht zwar, dass dies nur zum Schutz einer „konsistenten Leseerfahrung” nötig sei, aber wer das glaubt, glaubt auch, dass Cookies nur für bessere Sicherheit da sind.
Für Autoren ist das Ganze eine Katastrophe. Ihre Werke werden als Trainings-Material missbraucht, während Amazon damit Millionen verdient. Die Publishing-Industrie protestiert zu Recht, doch Amazon – wie immer – kümmert das herzlich wenig.
Das Eigentliche aber ist: Du wirst damit regelrecht entmündigt. Die mühsame Aufgabe, ein Buch nachzuschlagen, sich zu konzentrieren und Handlungsstränge selbst zu verfolgen, wird dir nun von einer Maschine abgenommen. Der Weg ist das Ziel – nur bei Amazon ist der Weg plötzlich optional geworden.
Fazit: Ein praktisches Feature für faule Leser. Ein finanzielles Meisterwerk für Amazon. Ein Desaster für Autoren.






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